Nun, diese Band kommt zwar aus Spanien aber ihr Sound erinnert mich viel mehr an einen ganzen Haufen französischer Bands - ihr Sound zwischen den Eckpunkten von Post Punk/-core, melodischem Garage Punk und Oi! ruft so Bands á la Youth Avoiders, Telecult, Nightwatchers, Bleakness ins Gedächtnis, oder aus etwas Jüngerer Zeit: Distance oder die französischsprachige Leipziger Band Laxisme. Es wäre jetzt also ziemlich einfach diese EP als nur ein weiteres Artefakt aus einem in letzter Zeit doch übermäßig präsenten Genre abzutun, aber das würde ignorieren, was für ein massives Feuerwerk von kraftvollen Hooks diese doch weit über'm Durchschnitt operierende Platte hier abfeuert.
Ich muss zugeben dass ich doch arg gemäßigte Erwartungen hatte an den Nachfolger zum ausgesprochen starken 2022er Debüt dieser Band aus Long Beach, Kalifornien - nicht dass die Band irgendwas dafür könnte... es war nur so, dass sie mir soundmäßig als die Sorte von Band rüberkamen, die als nächstes mit hoher Wahrscheinlichkeit sich entweder komplett übernehmen und mit schmackes ein größeres Stück vom Speck abbeißen als sie zu kauen vermogen, oder alternativ etwa sich spontan entscheden, dass es jetzt aber mal an der Zeit wäre, mit einem verwässerten und aufpolierten Sound das breitere Indiepublikum mit den Brokkoli-Köpfen zu erschließen. Glücklicherweise lag ich da mal sowas von falsch und nichts dergleichen ereignet sich auf der neuen LP. Wenngleich man den Krempel ganz oberflächlich auch dieses mal als eine derzeit ausgesprochen modische Machart des mehr oder weniger kantig-verwinkelten Post Punk klassifizieren mag mit Echos einerseits von Art Punk-Bands der ersten bis zweiten Welle á la frühe Siouxsie, Delta Five, Transmitters, Pylon und auch einer Spur von Wire, aber auch jüngeren Phänomenen wie Marcel Wave, Spread Joy, Sweeping Promises and Marbled Eye, wirkt alles auf dieser Platte ein beachtliches Stück überlegter und ausgefeilter. Während der gewisse Unterton von No Wave-funkiger Dissonanz beibehalten wurde, entfalten alle dieser Songs eine ganz eingenständige, perfekt ausbalancierte Dramaturgie und Dynamik in nuancierten Songverläufen, die oft ganz bewusst das Tempo und den Lärm streng im Zaum halten und sich voll und ganz auf unverschämt ausgefuchste Songarchitektur verlassen um den maximalen Wumms aus einem vergleichsweise unaufdringlichen Klangbild zu erzielen, nicht durch rohe Gewalt sondern durch wohlüberlegte, hochkonzentrierte und geradezu pingelige Zusammenarbeit, bei der alles perfekt ineinander greift.
Da passiert mehr unter der Haube als es auf den ersten Blick erscheint auf der Debütkassette dieser Band aus Budapest. Deren acht Songs channeln einerseits - insbesondere in der ersten Hälfte - ein paar vage KBD-mäßige Garage Punk-Vibes mit abwechselnden Geschmäckern von Gun Club und Wipers, gekontert von aktueller klingenden Sounds, auf welche so Bands der gegenwärtigen Anarcho-/Postcore-Achse á la Straw Man Army und Fantasma sicher einen nicht vernachlässigbaren Einfluss hatten, während in anderen Momenten auch etwas von einer gewissen Brut der Art Punk-Melancholie durchscheint nicht ganz unähnlich zu so Zeug wie Kitchen's Floor und Uniform (Atlanta, nicht New York).
Das ist jetzt schon die dritte Veröffentlichung in nur wenigen Monaten von dieser Blackened-/Dungeon Punk-Band von irdengwo in den Vereinigten Staaten und wie schon die Vorgänger ist das ein ganz vorzüglicher Beitrag zum jungen Microgenre, der die stilistischen Eckpunkte des Black Metal von einem ungewöhnlichen Post Punk- und Death Rock-Winkel angeht und damit einen Sound kreiert, der im gleichen Maße atmosphärisch, elaboriert und vielschichtig daher kommt und dabei geradezu beiläufig einen respektablen Krater in ihren verwunschenen Düsterwald bläst.
Die neueste EP der New Yorker führt weitgehend das halsbrecherische Tempo und die klangliche Urgewalt der vorherigen Body LP fort und entwickelt dennoch ihren Sound subtil weiter in eine geringfügig kompaktere und greifbare Richtung, die ein vorsichtiges Maß an Nuancen und stilistischer Vielfalt zulässt im Vergleich zum Vorgänger und seiner kompromisslos-rohen Ästhetik, ohne dabei aber irgendetwas von dessen Durchschlagkraft einzubüßen.
Brilliant einfach gestrickten, Anarcho-infizierten Post Punk setzt es auf diesem Demo einer Band aus Perth, Australien, die darauf in einer ausgesprochen rohen, unpolierten Klangästhetik mit minimalen Mitteln auf maximalen Impact hinarbeitet und mich dabei an eine handvoll Bands erinnert von etwas offensichtlicheren Referenzen wie Institute, Impotentie und frühen Rank Xerox etwa, bis hin zu einer empfindlich im Tempo gedrosselten Variante von Nag oder Pyrex.
Gewohnt exzellentes neues Futter von einigen meiner liebsten Post Punk-Weirdos. Der erste Track Optimism auf der neuen Cassingle der Band aus Cleveland, Ohio trägt dabei fast schon exemplarisch alle Erkennungsmerkmale ihrer verwinkelt-kantigen Machart des Genres und verschnürt sie zu einem ultraeingängigen kleinen Kraftpaket, woraufhin dann die B-Seite Foot Of Pride eine im Vergleich ambitioniertere, ausufernde Angelegenheit darstellt, die - trotz ihres relaxten Tempos und einer für die Band ungewöhnlichen Länge von über fünf Minuten - niemals müßig wird dank ihrer subtilen aber effektiven Schwelbrand-Dramaturgie und einer Performance so scharf und präzise wie eigentlich alles von dieser außergewöhnlichen Band.
Ein weiteres mal channelt diese kopenhagener Band die gleichen Qualitäten, die bereits ihre 2023er Debüt-LP weit aus der Masse ambitionierter Post Punk-Acts herausstechen ließen und alles davon ist hier wieder am Start - das verzweifelte, existeinzielle Drama das an frühe Iceage, Lower und noch ein paar darauf folgende Bands in ähnlichem Fahrwasser erinnert, der omnipräsente Cowpunk-Unterton, die gleichermaßen melodischen und aufwändig-durchdachten Arrangements und Strukturen nicht unähnlich den ersten paar Protomartyr-LPs, gekoppelt mit der unmittelbaren Dringlichkeit der frühen White Lung - wobei die neuen Songs von vorsichtigem, graduellem Feinschliff zeugen, was erneut in einem recht eigenständigen und meilenweit über dem Durchschnitt agierenden Post Punk-Album resultiert.
Ich fand es etwas schwierig mich für die letzte EP der Punks aus Buffalo, New York zu erwärmen mit ihrer etwas generish-metallischen mosh- und Riff-Orgie, die sich teilweise doch ein bisschen danach anfühlte als ob bei aller Ambition die Substanz ein wenig auf der Strecke geblieben ist. Da ist die neueste LP doch viel mehr meine Baustelle mit einer Mischung aus Noise-durchtränktem, sludge-infiziertem Hard- und Postcore, die hier ein ganzes Stück organischer und weniger erzwungen rüberkommt, getragen von einfallsreichen, eingängigen Hooks und elaborierten Songstrukturen, denen ein Gefühl von Gefahr und Unberechenbarkeit innewohnt ohne dass der Krempel jemals planlos zusammengewürfelt erscheint. Was ich damit sagen will ist: Diese Songs stellen ein Maß an Überlegung, Absicht und eindeutiger Richtung zur Schau, das der Vorgänger ein Stück weit vermissen ließ.
Eine urige kleine Kreatur, dieses neue Tape das uns mal wieder aus dem Hause des zuverlässig schrägen, brillianten - und wenn ihr mich fragt, viel zu wenig geschätzten - New Yorker Labels Fuzzy Warbles Cassettes erreicht. Die zweite Kassette dieser Band von mysteriöser Herkunft besticht mit wunderbar altmodischer, minimalistischer Synth Punk-Action, die einerseits doch stark den Geist von so '80er Underground-Hausnummern wie Nervous Gender, Units, Visitors, Screamers, Primitive Calculators oder Marginal Man heraufbeschwört, aber gleichermaßen auch den hypnotischen Charme von frühen John Carpenter-Soundtracks, wobei man in der aktuellen Landschaft auch unterschiedlich starke Ähnlichkeiten zu so Bands wie Lost Packages, Abscam oder gewissen Iterationen von Freak Genes erkennen mag.