Fog – Spring

Hier sind wir offenbar schon zweieinhalb Veröffentlichungen tief in der Discographe von den Neuseeländern Fog, aber ein flüchtiger Blick über ihre vorherige LP/EP offenbart sofort ein substantielles Wachstum auf ihrer neuesten EP. Auch wenn ihre Grundzutaten aus gegenwärtigem Post Punk und einer Spur von Anarcho nichts nennenswert neues einbringen und mit recht zu so Bands wie frühen Institute, Pyrex, Corker, Nag oder Criminal Code verglichen werden dürfen, lässt es sich ebenfalls nicht abstreiten dass diese Songs ausnahmslos Meisterhaft gefertigte Explosionen des unterbelichteten, körnigen Lärms sind, durchweg ausbalanciert mit melodischen Lichtblitzen - alle beweglichen Teile fühlen sich hier gezielter und souveräner arrangiert an als alles, was zuvor von der Band kam.

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Dragnet – Dragnet Reigns!

Ist das tatsächlich schon die dritte Dragnet LP? Mann wie die Zeit vergeht! Aus irgendwelchen Gründen (Zeit und Energie vermutlich) hab ich der Band bisher nicht das volle Blog-Spotlight gegeben, das sie eigentlich verdient hätten und jetzt ist ein guter Zeitpunkt das nachzuholen, klingt die Band aus Melbourne mit Mitgliedern unter anderem von Vintage Crop, Gonzo und Teen Line doch tighter, runder, wacher und mehr auf-den-Punkt als je zuvor auf ihrer neuen LP. Die hat einerseits diesen leichten Hauch von Uranium Club der sich ja auch schon seit jeher durch das schaffen der erwähnten Vintage Crop zieht, aber hier ist auch genau so viel von einer markant verschrobenen, Synth-verschwurbelten, Eggpunk-mäßigen Energie an Bord die sich irgendwo zwischen den Stühlen von Bands wie alten Ausmuteants, US-Bands wie Smirk und Cherry Cheeks, Australiern wie Ghoulies, Aborted Tortoise und Electric Prawns 2 ausbreitet.

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Dog Lips – Danger Forward

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die neue LP dieser Band aus Portsmouth, New Hampshire dermaßen wuchtig bei mir einschlägt, was für eine massive Steigerung von so ziemlich allem, was sie bisher so gemacht haben! Gleich von Start weg etabliert der Opener Brain Feeder eine beachtlichen Vorschub mit einem Sound, in dem wuchtige Grooves und glitzernde, melodische Texturen kollidieren in einer Mischung aus Post-, Garage Punk und einer kleinen Dosis Postcore. Im weiteren Verlauf wird die Formel hier weiter erforscht und expandiert, ihre treibende Energie verstärkt und untermauert von teils erstaunlich simpler, oft aber auch ausgesprochen filigraner, immer perfekt ausbalancierter Songarchitektur.

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Bronco Libre – Tunnels

Okay, hier ist wieder mal eine dieser auf französisch singenden (aber in diesem fall scheinbar nicht französischen), Oi-injizierten Garage Punk-Bands und ich habe nichts wirklich neues darüber zu sagen, aber auch überhaupt nichts dran zu kritisieren denn die Qualität ist hier problemlos auf einer Höhe mit dem besten des Genres und Freunde von so Bands á la Telecult, Stalled Minds, Distance, Nightwatchers, Litovsk oder, erst kützlich, Laxisme werden auch an dieser Platte ihren Spaß haben.

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Bront – #9

Nach sechsjähriger Stille kommt jetzt wie aus dem Nichts die zweite 7" dieser Belgier über die lokale Garage Punk-Institution Belly Button Records angerollt und mein lieber Hund, ist das mal ein Knall des zeitgenössischen Lärms, der gleichermaßen von so Garage Punk-Klugscheißern wie Uranium Club und Vintage Crop inspiriert scheint wie auch dem Sprechgesang und den durchdachten Arrangements des US Post Punk/Postcore-Phänomems Straw Man Army, auch wenn es hier lyrisch, passend zur Musik, ungleich leichtfüßiger zugeht. Abrundend ist noch ein leichter Touch von Tyvek oder UV Race am Start, der sich im laufe der EP zunehmend einschleicht. Ich finde das ist eine perfekte kleine 7". Ich bin so bereit für die nächste, die nach meinen Berechnungen so etwa um 2031 landen sollte.

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O-D-EX – Talents

Neuer Scheiß von Mark Ryan (hochgeschätzt als Teil von Marked Men, Mind Spiders und Radioactivity) und seiner aktuellen Band, dem Electro-/Synth Punk-Projekt O-D-EX (oder ist es neuerdings einfach Odex?). Nachdem jeweils ein vorangegangener Kurz- und Langspieler aus dem letzten Jahr noch eine eher kühle und minimalistische Synth Wave-Ästhetik versprühten, öffet das aus Ryan und Micah bestehende Duo ihren Sound wieder zu einer vergleichsweise warmen, melodischen und insgesamt greifbareren Richtung, die in der Tat ein bisschen klingt wie ein perfekter Mittelweg zwischen den erwähnten Vorgängern und den stärker Richtung Garage Punk tendierenden alten Mind Spiders-Platten.

Top Secret Nicho – Dining Nothing / Sin Agenda Para La Muerte

Streng geheime Nichos sind meine Lieblingssorte von Nichos, ich nehm Pommes dazu, danke! Oh, Dining Nothing, ist das so? Na gut dann halt nicht. Wie auch immer, Sin und Muerte sind auch klar auf meiner Agenda, zusammen mit Bier, Schmutz und Satan. Ist mir sofort sympathisch, diese Band aus Rosario, Argentinien und die Musik tritt auch Arsch! Das ist ganz exquisiter, noise-versiffter oldschool Post Punk, der abwechselnd mal an so Bands wie Nag, Impotentie, Labor und das frühere schaffen etwa von Institute, Low Life und Constant Mongrel erinnern mag, vielleich zusätzlich mit einer Note von hochentflammbarem Garage Punk á la Jean Mignon, besonders im erwähnten Dining Nothing.

Winky Frown – A Tale Of Two Frowns

Winky Frown waren von Anfang an eine gewisse Anomalie im per Definition ja schon sehr eigentümlichen Eggpunk-Umfeld, passen ihre Songs einerseits doch oft ziemlich passgenau in eine Reihe reichlich etablierter Eierpunk-Schemata aber sind dennoch immer voller Überraschungen und transzendieren mit links die Limitierungen des Genres indem sie jederzeit mehr Einsatz, Ideen und Songwriting-Rafinesse reinstecken als einem üblicherweise begegnet in dieser Nische. Die neue digitale 2-Track-Single kommt dann auch direkt mal mit einem von ihnen bislang ungehörten Trick daher in der Form von Frown Town, einer Art Slow-Jam, der auf gewisse Art ein verschollenes Artefakt von Wire der Chairs Missing-Ära zu channeln scheint, die im Gegenzug ja auch wieder viel von frühen Pink Floyd der Syd Barret-Ära heraufbeschwören und irgendwie funktioniert der Scheiß! Der zweite Song Upside Down Frown ist dann wieder näher dran an dem was wir von der Band gewohnt sind als ein weiteres fabelhaft konzipiertes High-Speed Garage Punk-Projektil, das unaufhaltsam einem explosivem Finale entgegenbrettert.

Shepparton Airplane – Forecast

Shepparton Airplane aus Melbourne kamen mir zum ersten mal auf den Schirm als sie mir im Jahr 2018 mit ihrer zweiten LP Almurta ohne Vorwarnung in die Fresse explodierten. Darauf folgte ein 2020er Album, das mich dann nicht mehr so ganz überzeugen konnte - ambitioniert, ja, aber auch ein bisschen zu bemüht wirkend. Nach fünfjähriger Funkstille und eine gute Weile nachdem die Band eigentlich weitgehend von meinem Radar verschwunden ist, bekommen wir unerwartet einen neuen Langspieler vorgesetzt, den ich ohne Not mal als ihr reifstes und cleverstes Werk bislang bezeichnen würde. Nun hat sich ihr Sound zwischen den Parametern von Post Punk, Noise Rock und Postcore schon immer ein bisschen altmodisch angefühlt, eigntlich besser aufgehoben in den späten Nullerjahren bis 2010ern, aber das ist auch ein Teil ihres Charmes. Sympathisch oldschool würde ich dazu sagen und durchaus in der gleichen Gewichtsklasse mit so alten Haudegen wie Sleepies, Bench Press, Diät, Batpiss oder Rank/Xerox, dem frühen Schaffen USA Nails, Protomartyr und Gotobeds, um nur ein paar davon zu nennen... ja sogar ein leichter Vibe von The Men der Open Your Heart-Ära hält sich versteckt in so Songs wie Stereo Youth. Wie auch immer, jeder dieser Songs ist ein aufwändiges, in sich geschlossenes Post Punk-Drama, des sich zwar langsam entfaltet, letztendlich aber immer beherzt in einem spektakülären Finale entlädt.

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Knowso – Hypnotic Smack

Die noch recht frisch aus dem Ofen gezogene neueste Cruelster-LP ist noch nicht ganz abgekühlt, da steht auch schon das nächste Artefakt einer weiteren Band von Nathan Ward vor der Tür, nämlich den ungleich verwinkelteren und mathematisch-methodischer agierenden, aber doch unverkennbar verwandten Knowso, deren kürzliche Optimism / Foot Of Pride-Cassingle auch erst ein paar Wochen her ist. Wie gewohnt ist das ausgesprochen hochwertiger Scheiß, der sich an vorderster Front von zeitgenössischen, repetitiven Post- und Art Punk-Sonderlichkeiten abarbeitet, performt von einem Haufen tadellos rotierender und ordentlich gefetteter Menschmaschinen. Mir kommen derzeit wenig andere Bands in den Sinn, die solch rigide und potenziell abgehackte Arrangements mit so einem reibungslosen Drive und ungebrochener Wucht zu reproduzieren verstehen. Was jetzt nicht heißen soll, dass ihre Musik nicht auch saumäßig catchy wäre - das kommt hier mehr als je zuvor in der zweiten Halbzeit zur Geltung, wenn die Band in so Songs wie Consumer Talk und Panopticon ganz speziell die melodischen Unterströmungen ihres Sounds expandieren und herausarbeiten - das Ergebnis sind einige ihrer unmittelbar zugänglichsten Ohrwürmer bisher.

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