Meditation – Spiritual Impurity

Meditation aus Minneapolis zünden hier eine Handvoll ausgesprochen prächtiger Postcore-Sprengsätze, die sich wohl grob an dem etwa von Drive Like Jehu und – mehr noch – Hot Snakes etablierten Strickmuster orientieren, das später dank so Bands wie Wymyns Prysyn oder Bloody Gears seine zweite Jugend erlebt hat, wobei ich es in diesem spezifischen Fall aber auch für besonders angebracht halte, so Krempel wie Ascot Stabber oder Flowers Of Evil nicht unerwähnt zu lassen, sozusagen die ungleich räudigere Seite der gleichen Medallie, die sich besonders in der zweiten Hälfte dieser EP bemerkbar macht. Jetzt wo ich mal drüber nachdenke, meine ich auch ein bisschen Video oder frühe Bad Breeding zu hören.

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Sword Breaker – Bloody Pikes

Neues Futter für Kerkerkinder und anderes mittelalterliches Punkgesocks. Sword Breaker aus Utrecht, Niederlande hatten schon einen starken Eindruck hinterlassen mit ihrem 2022er Demo und ihr Langspieldebüt liefert jetzt hochwertigen Nachschub von diesem schädelspaltendem Vergnügen, welches sich recht einfach als „Poison Ruïn und die Folgen“ kategorisieren lässt. Das bedeutet aber keineswegs, dass diese Songs nicht für ihren ganz eigenen, exquisiten Nervenkitzel sorgen würden in ihrer vergleichsweise rohen und simplen Art, mit der sie das Mikrogenre angehen (wenngleich auch mit einer marginal polierter wirkenden Produktionsästhetik), was insgesamt mehr ’70er Hard Rock- als ’80er Heavy Metal-inspiriert erscheint und gleichzeiting etwas stärkere Oi!- und Garage Punk-Vibes mitbringt mit einem zusätzlichen Hauch von Wipers und subtilen Spuren von britischer Psychedelia.

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Missvnaries ov Charity – Petrolevm Jelly

Die zweite EP der Dänen Missvnaries Ov Charity ist definitiv mal eine angenehm kuriose Anomalie in unserer Zeit. Ihr Post Punk-Sound – gesättigt mit stark nach ’80ern riechenden Drum Machines und auch ansonsten viel von der üblichen Produktionsästhetik jener Ära sowie deutlich New-Wave-mäßigen Untertönen – erinnert mich in der Tat an so ziemlich gar nichts aktuelles und stattdessen an eine Reihe von alten Homestead Records- und Touch and Go-Veröffentlichungen von Bands wie etwa Breaking Circus, Flour und Nice Strong Arm. Alle davon würde ich mal eher als Deep Cuts der Post Punk-Geschichte einordnen (wobei aber insbesodere Nice Strong Arm rückblickend mehr Respekt verdienen!), womit ich sagen will: Jau, das alles ist eine wundervolle und rar gesäte Abweichung von der täglichen Post Punk-Routine. Brauchen wir mehr von!

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Public Body – Finger Food

Ich muss eingestehen dass ich nach einer ausgesprochen starken 2019er Debüt-EP meine Schwierigkeiten hatte, mich für die nachfolgenden EPs und insbesondere die 2023er Big Mess LP dieser Band aus Brighton zu erwärmen, die mir einfach etwas zu rigide auf die populäre Standardformel des hippen britischen Post Punk-Chic abzuzielen schien mit den üblichen verräterischen Anzeichen wie einem etwas zu glatten Produktionsstil, einem Übermaß an polyrhythmischen Gitarrenleads und Appregios, fadem Gen Z zähle-jede-silbe Sprechgesang (der Scheiß wird nicht gut altern, sag ich euch) – also schlicht gesagt, nicht den originellsten Grundzutaten dieser Tage. Der neue Langspieler ist dagegen mal ein ganz anderes Kaliber, auf dem sich die Band ihre ursprüngliche Kante zurückerobert und eine stellenweise fast schon Postcore- und Noise Rock-mäßige Energie zu Songs zusammenfließen lässt, die organisch und rund wirken anstatt erzwungen zusammengetüftelt und zu Tode quantisiert in einer Pro Tools-Postproduktionshölle. Nein, das hier ist klar der Sound einer fähigen Band, die von irgendwas (Anlässe gibt’s ja reichlich) aus ihrer Komfortzone herausgesprengt wurde, ein lebender, pulsierender Organismus, wuchtig vorangetrieben von gerechter Wut während das Songmaterial fraglos das am sorgfältigsten aufgebaute und ausbalancierte ist, was die Band bisher von sich gelassen hat – besonders hervorzuheben ist, wie nahtlos sich die Synths in den Sound integrieren und verankern auf dieser Platte, die mich neben vielen anderen an so vielfältige Bands wie Beef, Dr. Sure’s Unusual Practice, Broken Prayer, Wristwatch and Patti erinnert.

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Laxisme – Laxisme

Laxisme sind eine Band aus Leipzig, aber so einiges mehr als nur die französichen Texte provoziert hier Vergleiche zu jener gewissen Brut an französischen Bands, die diesen speziellen Mix aus geradlinigem und ultraeingängigem Garage- und Post Punk mit einer subtilen Spur von Oi! spielen, wie wir es so ähnlich auch von Bands wie Telecult, Distance, Stalled Minds, Nightwatchers, Litovsk oder frühen Bleakness gehört haben, wobei sich gleichermaßen aber auch diverse stärker Garage-orientierte Euro-Bands wie die Belgier Mitraille, Pedigree und Itches; Achterlicht aus den Niederlanden und die Italiener Dadar und Shitty Life stellenweise als Vergleiche anbieten. Also ja, nichts bahnbrechendes oder neues zu hören hier, aber die einfache Formel hat nach wie vor eine hohe Durchschlagkraft wenn sie kompetent umgesetzt wird und die Präsentation hier ist von erster Güte – dargeboten mit exzellentem Drive und Energie, ein wenig von einer ’77er Kante und eine Reihe von zertifizierten Killertunes wie Grand Cerveaux und 7 Secondes machen die Sache perfekt.

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Orchid Club – Three Alarm Fire

Nicht allzu lange nach ihrer brillianten Debüt-EP bekommen wir jetzt auch schon die erste LP von dieser Band aus Minneapolis zu hören, die wie gehabt mit einem charmant aldmodischen Genre-Mix entzückt, der offenbar überwiegend Inspiration von einigen eher unkonventionellen und melancholisch angehauchten Ausläufern der ’80er bis ’90er Punk-, Hard- und Postcore-Historie bezieht, wenngleich die Einflüsse hier noch etwas vielfältiger und differenzierter rüberkommen. Während der Opener Hello World mit einem starken ’90er Dischord-Vibe mit Echos etwa von Jawbox, Crownhate Ruin, Bluetip, Smart Went Crazy oder Kerosene 454 aufwartet, hat der darauf folgende Track Tectonic Plates mehr so etwas von einer seltsamen Mischung aus Rapeman, Brainiac und Mule. Kick Geneva und Steve erinnern mich hingegen stark an Angst oder Moving Targets und BDFI hat so eine Butthole Surfers-mäßige Doom-Ästhetik. Diesmal dauert es darüber hinaus doch tatsächlich bis zum vorletzten Track What Happens Next und nachfolgend Mantle, dass letztendlich doch noch mal der Mission Of Burma-Vibe zum vollen Vorschein kommt, der die vorherige EP noch stärker dominierte. Nicht zuletzt ist über weite Strecken auch eine stark folkige Unterströmung zu verzeichnen, die mich unter anderem an so geringfügig exzentrische Bands der ’80er erinnert wie The Proletariat, Volcano Suns, M.I.A. und My Dad Is Dead.

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Electric Prawns 2 – Perspex / Heavy Shitters

Electric Prawns 2 aus Moffat Beach, Australien sind zurück mit nicht nur einer, sondern gleich zwei neuen LPs im Gepäck, die zwei mehr oder weniger gegensätzliche Vibes repräsentieren, welche eigentlich schon von Anfang an Bestandteil ihrer musikalischen DNA waren. Das dunkelrote Artwork der Perspex LP wirft bereits einen Schatten voraus, dass man dieses Gelände besser mit Vorsicht betreten sollte und in der Tat ist das hier mit voller Absicht ein gewisser Downer geworden. Die kraftvollen Useless Eaters-Vibes des Openers Who’s Been Laying Eggs Under My Skin? leiten eine Strecke von ziemlich düsterem, psychedelischem Garage Rock ein, der irgendwo zwischen „ziemlich traurig“ und „totaler Horrortrip“ alterniert, gleichermaßen abgespaced und tausend Meilen im Meer versenkt, immer bei vollem Bewusstsein dass beide Orte nicht für ihre Gastfreundlichkeit gegenüber Menschen bekannt sind und nur nur eine dicke Stahlwand sie davon abhält, den Körper binnen von Millisekunden in eine halbe Badewanne voll rötlicher Glibbermasse zu transformieren. Und? Jetzt schon komfortabel mit dener fragilen Existenz? Die gute Nachricht ist, dass ich bisher nur die halbe Wahrheit preisgegeben habe und (die bislang wohl nur imaginär zu verstehende) Seite B zwar auch in psychedelischen Sphären herumschwirrt, aber sich durchweg auf die erbaulicheren Tugenden des Genres konzentriert, so verdammt sonnendurchflutet dass dir Blumen aus dem Arsch wachsen werden. Die etwas längere Heavy Shitters LP ist dann doch ein gutes Stück näher dran an dem quirligen, unverkennbaren Vibe, der einen Großteil ihrer bisherigen Diskografie dominiert hat; der eigentlich nur spielen und rumgammeln und abrocken und dumme Witze vom Stapel lassen will. Die größten Hits heben sie sich dabei für die zweite Hälfte auf und insbesondere die fabelhafte sechs-Song-Strecke von Sick bis Farted In Her Sleep ist die Art von schlafwandlerisch treffsicherem Songmaterial, für die andere Bands töten würden.

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Johnny Skin – Johnny Skin

Vom neuesten Bündel an Releases auf Inscrutable Records hat ja mal klar die Evinspragg-Platte die meiste Aufmerksamkeit abbekommen – teils aus durchaus gerechtfertigten Gründen, teils aus eher ärgerlichem Drama-induziertem Anlass. Aber wenn ich ehrlich sein soll beißt jene Platte dann doch etwas mehr ab als sie zu schlucken vermag und versandet nach ihrem spektakulären Start mehr oder weniger auf halber Strecke. Nein, mich zieht es dann doch eher zu den anderen beiden Veröffentlichungen des Labels, zu denen auch das Langspieldebüt von Johnny Skin gehört. Der kreiert darauf eine verträumte und supereingängige Melange, welche die überlebensgroße Melancholie und Sehnsucht von ’50er-’60er Bubblegum Pop-Balladen in eine minimalistische Ästhetik aus vintage elektronischen LoFi-Drumbeats und Synths transportiert, die fraglos unvermeidliche Vergleiche zu Suicide und Métal Urbain hervorrufen wird, im stetigen Wechsel mit ungleich lärmigeren und dissonant No Wave-igen Nummern, die mehr mit so alten Synth Punk-Pionieren á la Primitive Calculators und Nervous Gender gemein haben und mit dem experimentell-psychedelischen Krach etwa von Theoretical Girls, Chrome oder MX-80.

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Flower Power / Mother Nature / Cheap Heat / Dart

Es waren schon wieder zwei ausgesprochen produktive Wochen für mehr oder weniger Hardcore-mäßigen Lärm und deshalb sind in diesem Post gleich noch mal vier besonders erwähnenswerte Exponate versammelt, die einen Bogen spannen vom oldschoolig-garagigen Ende des Spektrums hin zu ganz unverblümt Metal-verseuchten Randgebieten. Als erstes hätten wir da mal das neue Tape von Flower Power aus Dublin, Irland, die darauf fünf kraftvolle Einschläge aus schön rohem LoFi-Krawall verursachen, der scheinbar mit einem Bein in der Tradition von so unkonventionellen Hardcore-Acts wie z. B den frühen Flipper, Broken Talent, Noxious Fumes stehen oder – in etwas jüngerer Zeit – Soupcans, Stinkhole oder Vulture Shit, und mit dem anderen Bein in alten KBD-Artefakten der Marke Mentally Ill, Endtables und Executives in einer stimmigen Verschmelzung von Hardcore-Energie und Garage Punk-Drive. Eine ungleich grimmigere Stimmung strahlen dann die Songs von Mother Nature aus Leeds, England ab, deren Punkgeschosse so einiges von einem Post Punk-, Death Rock- und Noise Rock-Vibe beinhalten, was mich unter anderem ein wenig an Acrylics, frühe Bad Breeding und die Australier Arse erinnert. Cheap Heat aus Schenectady, New York schlugen hier bereits ordentlich ein mit ihrem ausgezeichneten 2022er Demo und auf ihrer neuesten EP nehmen sie die Stränge an der gleichen Stelle wieder auf einem Sound, der von einer Hardcore-Basis aus sich großzügig durch Jahrzehnte von Motörpunk, Sleaze Rock und Speed Metal plündert. Die resultierende Gesamtästhetik ist nicht ganz unähnlich zu so Bands wie Cülo, Cement Shoes, Tarantüla und Polute. Zu guter Letzt wäre dann noch die Metal-lastigste Band im Pack zu nennen, nämlich Dart aus Oulu, Finnland, die hier einen weiteren Eintrag in den relativ jungen Kanon von Bands ausmacht, die erfolgreich die Kombination von Punk und Metal zu rehabilitieren verstehen indem sie im Metal den Punk erkennen und herausarbeiten, anstatt unsubtil dem Punk einen generischen Metal-Anstrich zu verleihen, wie es sonst leider meistens der Fall ist. Das Resultat ist wie ihr euch denken könnt durchzogen von einem starken NWOBHM-Vibe und sollte oldschool Metalheads gleichermaßen ansprechen wie auch Freunde aktueller Punk-Acts wie etwa Poison Ruïn, Punter, Ninth Circle, Polute, Hög und Steröid.

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Molbo – Mol-Bot

Zwar etwas verspätet, aber Molbo aus Oslo haben dann letztendlich ja doch noch mal ganz schön Wellen geschlagen mit ihren 2023/’04er EPs nachdem jene gemeinsam von Erste Theke Tonträger auf Vinyl wiederveröffentlicht wurden. Insgesamt hat sich ihr Sound seitdem nicht allzu sehr verändert, aber dennoch ist ein stetiger Feinschliff zu erkennen auf ihrer neuesten EP, die ihren Style zu einem robusteren, konsistenteren Gesamtbild konsolidiert. Wie gewohnt verwebt das Zeug die Stränge von Garage-, Post- und Egg Punk, Death Rock und Dungeon Punk zu einem ganz schön einfallsreichen und wunderbar unförmigen Genre-Bastard und festigt damit ihre eigene kleine Nische in der gegenwärtigen Egg-/Dungeon-Landschaft.

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