C57BL/6 – LP 1

Satte fünf Jahre ist es her seit dem letzten Lebenszeichen dieser Band aus Los Angeles. Ihre erste LP (duh!) jetzt streckt sich etwas stärker in Richtung Garage- und Hardcore Punk aus, nachdem der ältere Scheiß etwas stärker zu Synth- und Elektropunk tendierte. Die unnachgiebigen elektrischen Beats sind aber immer noch am Start hier und geben ganz besonders dem epischen Startschuss Open World einen gewissen Vibe á la Ausmutants-treffen-auf-Big Black… und vielleicht noch ein bisschen Crisis Man dazu? Passt ungefähr, glaube ich.

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Poison Ruïn – Härvest

In einem etwas unerwarteten aber im nachhinein absolut Sinn ergebenden Move bringt die Speerspitze des noch jungen, vage definierten und im Wandel befindlichen Dungeon Punk-Genres ihren ersten Langspieler auf dem etablierten, eher Metal-lastigen Label Relapse Records heraus. Dankenswerter Weise zeigt das herzlich wenig Einfluss auf ihre Klangästhetik und Produktionswerte – mit den neuen Songs kommt die Band aus Philadelphia sogar nochmal ein paar tacken Dreckiger und Lo-Fi-maßiger rüber als je zuvor, ihre schlauen Konstrukte aus Post- und Garage Punk, Noise Rock, Postcore, einem kleinen Schuss von Oi! and nur den urzeitlichsten Zutaten des Proto- und Old-Oldschool Metal nach wie vor absolut einmalig in der aktuellen Szene, klanglich durchweg von einem dicken Schleier aus Bandrauschen bedeckt. Yup, das Ding klingt einfach göttlich muss ich sagen!

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Glittering Insects – Glittering Insects

Brillianter Scheiß schwappt da mal wieder aus dem Hause Total Punk Records an unsere Ufer! Die Band hat unter anderem Mitglieder von GG King, Predator, Wymyns Prysyn and Uniform (die aus Atlanta, nicht das New Yorker Duo…) an Bord aber der offensichtlichste Vergleich wären dabei die zwei letztgenannten Bands – insbesondere das melancholische Geschrammel von Uniform prägt auch hier den Vibe entscheidend mit. Darüber hinaus erinnert mich das ganze aber auch stark an die australischen Noise-/Post Punk-Götter Kitchen’s Floor in dieser Kombination aus scharfkantigen, rauen Texturen, einer Songkunst die gleichzeitig als sperrig und tieftraurig aber auch melodisch und catchy daherkommt, durchzogen von einer allumfassenden Melancholie. Außerdem mag man hier und da an den schrammelfuzzigen Post Punk von City Yelps denken oder, in dem melodischsten Momenten, an den Noise Pop der frühen Treehouse. Ein ausgesprochen vereinnahmendes, episches Klangerlebnis, das an einem Stück genossen werden möchte. Irgendwie selten geworden, sowas.

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Eunix – Demo

Mitglieder von Bib, Nihilistic Fit und einem ganzen Arsch weiterer einschlägiger Namen liefern hier eine Debüt-EP ab, die das Blut zum kochen bringt mit einem zeitlosen Postcore-Sound von höchster Sprengkraft, untermauert von reifem und ausgefeiltem Songmaterial das, wie etwa im Doom-/Sludge-Manöver Face Down, auch mal das Tempo drosseln darf ohne dabei zu langweilen – immer ein gutes Qualitätsmerkmal wenn ihr mich fragt. In jüngerer Zeit hat man ähnlich hochwertigen und schlauen Krawall von Bands wie Romance, Shove, Ascot Stabber, Flowers of Evil oder frühen Bad Breeding gehört.

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Chimers – Turn On The Lights / Closure

Hatte ich ihre letzte digitale Single noch überwiegend mit der althergebrachten Mission of Burma-Formel gleichgesetzt, erweitere ich mein Urteil angesichts der zwei neuesten Songs der Band aus Wollongong, Australien mal zu einem nebulösen Dreieck aus Burma, Wipers und Sonic Youth – eine Klangästhetik zwischen den Welten von Post Punk, Noise Rock und Fuzz Punk, die man in Teilen sicher auch zu jüngeren Bands wie den frühen No Age oder der italienischen Noise Rock-Sensation Orrendo Subotnik vergleichen kann.

Pig Earth – Exit Wound

Ein angenehm aus der Zeit gefallenes Klangerlebnis, das hier eine Band aus Bellingham, Washington auf ihrer Debüt-EP zum Leben erweckt. Das ist alles mal ganz klar beeinflusst von alten 80er SST und Touch & Go-Veröffentlichungen aus dem eher schrammeligen, Folk-beeinflussten Spektrum, aber andererseits auch nie um eine unvermittelt hereinbrechende Hardcore-Attacke verlegen. Am offensichtlichsten wären da etwa Angst, Meat Puppets und frühe Dinosaur Jr. als Vergleiche zu nennen, aber auch von U-Men, Mudhoney und 80er Scientists hat es ein bisschen was, eher nebensächliche Spuren außerdem von Dicks und Wipers ab und zu. Oder man mag sich auch an jüngeren Bands orientieren wie z.B. Milk Music, Dharma Dogs, Chronophage und Damak.

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Romance – Seven Inches of Romance

Eine fette kleine aber erst noch zu pressende 7″ von einer Band aus Sydney, die ein bisschen danach klingt als träfe eine stacheligere Version der Lithics mit dem lärmigen Post Punk von Brandy zusammen, dem Noisecore von Shove, einem ganz leichten Hauch von Wipers und den altertümlichen Noise Rock-Relikten von World Domination Enterprises.

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Dregs – Enemy Not Me

Nach ihrem schon ziemlich geilen 2019er Demo verschieben die Dregs aus Austin ihren Sound ein gutes Stück weg von dessen stärker im Garage- und Fuzz Punk verwurzelten Vibes hin zu einem etwas schwieriger einzuordnenden Mix aus Einflüssen irgendwo von den Tellerrändern des 80er und frühen 90er Hard- und Postcore. Unter anderem meine ich manche Echos von X (der US-Band), Dicks und Flipper zu hören, aber auch von Postcore-Acts wie Gray Matter und Drive Like Jehu an anderer Stelle. Auch Vergleiche zu aktuelleren Bands wie Vexx, Cel Ray, Gen Pop or Little Ugly Girls sind mit etwas Glück nicht voll daneben getippt.

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Affordable Repayments – Can’t Win For Losing Some Days

Die Band kommt aus dem Australischen Küstenstädtchen Portarlington nicht weit von Melbourne und auf ihrem ersten Lansgpieler erschaffen die einen drone-lastigen und ausufernden, jedoch gleichermaßen fetzenden Klangkosmos, welcher etwa die Tugenden von so zeitlosen Größen wie Wipers, 80er Sonic Youth, U-Men oder Live Skull vereint, ebenso wie von einem diffusen Klumpen australischer und neuseeländischer Bands wie The Gordons, Fungus Brains, X und Feedtime.

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Soft Shoulder – Smile Building’s Exit

Soft Shoulder aus Tempe, Arizona sind jetzt schon über ein Jahrzehnt mit ihrer Sache zugange und scheinen gerade eine äußerst produktive Phase zu durchlaufen, nachdem sie im letzten Jahr eine ganze Reihe von digital und als limitierten Lathe Cut veröffentlichten Singles und EPs rausgehauen hat. Ihre neue LP präsentiert die Band dann aber nochmal so fokussiert wie schon lange nicht mehr. Ihre betont kaputte Mischung aus Post Punk und Noise Rock sprüht vor kreativer Energie wenn ausgesprochen catchy Grooves – vage an The Fall ab den späten 80ern erinnernd – mit dem Lärm und der Dissonanz der ganz alten No Wave-Schule kollidiert.

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