The Man – The Man
The Man kommen wohl aus Chicago, ansonsten herrscht hier eine etwas maue Informationslage. Die Musik hat’s aber faustdick hinter den Ohren, dieses wild vorwärts pumpende Gedöns aus Garagenpunk und Noiserock.
The Man kommen wohl aus Chicago, ansonsten herrscht hier eine etwas maue Informationslage. Die Musik hat’s aber faustdick hinter den Ohren, dieses wild vorwärts pumpende Gedöns aus Garagenpunk und Noiserock.
Die Platte ist mir im letzten Winter irgendwie durch die Lappen gegangen. Law$uits sind eine New Yorker Noiserock/Postcore-Band, die aber eher nach Washington klingt. Sie greifen nämlich ziemlich tief in die Dischord-Trickkiste und erinnern damit an alte Haudegen wie Bluetip oder Jawbox, verbunden mit dem gewissen Chaos von Rites of Spring oder Nation of Ulysses. Aber auch zu verwandtem Zeug wie Drive Like Jehu oder den Noiserockern Tar darf man Bezüge herstellen.

Ein etwas seltsames Releaseformat hat sich die New Yorker Band da für ihre EP ausgesucht: Ein Zine ohne jegliche Tonträgerbeilage, dafür mit ‘nem Musikdownload. Macht aber Sinn im digitalen Zeitalter, gerade angesichts der Tatsache, dass zeitige Vinyl-Releases gerade nicht wirklich machbar sind. Den Download gibt’s dankenswerter Weise auch einzeln.
Die Musik kann auch sehr gut alleine für sich stehen. Ausgezeichneter Noise-/Postcore, der in eine ähnliche Kerbe schlägt wie etwa Greys, Geronimo oder Champion Lover. Und jetzt bitte einen Langspieler, ja?

Stickers aus Seattle spielen kompromisslosen Post Punk der seine langen Arme dazu noch in Richtung Garagen- und Noiserock ausstreckt. Ein subtiler Goth-Vibe ist auch mit an Bord. Monoton, Hypnotisch und frei von unnötigen Schnörkeln. Wie eine etwas zugänglichere Variante von Eastlink oder im Tempo gedrosselte Ex-Cult auf ‘nem fiesen Trip. Der regelmäßige Saxophon-Einsatz gibt diesem dissonanten Biest dann noch den letzten Schliff.

Wieder einmal schöner, klassischer Noiserock. Animal Lover aus Minneapolis spielen eine sehr oldschoolige Variante davon. Man kann eine deutliche Vorliebe für die frühen Shellac heraushören, ansonsten regiert hier die alte AmRep-Schule, insbesondere Unsane und frühe Helmet würde ich hier mal als Vergleich anbieten.

Chaotischer Math-/Noiserock aus Columbus, Ohio. Das trägt die Gene der üblichen Genre-Verdächtigen in sich, aber man kann auch parallelen zu etwas unwahrscheinlicheren Referenzen wie Minutemen oder The Pop Group ziehen, wenn man will.

Hard-/Post- und ähnliche Chormusik mag mich ja am besten zu begeistern in den Darbietungsformen, die sich am wenigsten um angestaubte Genrekonventionen scheren und auch nicht den aktuellen Trends in den Arsch kriechen müssen. Wie etwa diese Band aus Toronto, die das beste aus den Welten des Mittachziger Dischord Sounds und dem prägnanten Frühneunziger-Output von AmRep oder Touch&Go zu verbinden weiß.

Future Of The Left-/ Ex-Mclusky-Frontmann Andrew Falkous hat scheinbar aus reiner Langeweile ein neues Soloprojekt am Start und verscheuert die Platte jetzt ohne großen Promowirbel auf Bandcamp. Ehrlich gesagt, das Ding sagt mir besser zu als so einige seiner nach wie vor exzellenten Hauptwerke. Entspannter, verspielter und melodiöser geht es hier zu Werk. Auch wenn sich hin und wieder das von seinen Hauptbands etablierte, dissonante Geriffe einstellt: hier ist auch mal Platz für leicht folkige Einlagen und generell tendiert das ganze eher in die Richtung von oldschooligem Indierock, man darf sich gelegentlich durchaus an alte Helden wie Archers of Loaf erinnert fühlen. Die Lyrics hingegen bleiben so bissig wie eh und je.

Sehr, sehr toller Noise-/Mathrock von einem Trio aus London, der sich stilistisch aus der Blütezeit des Genres bedient. Bands wie Faraquet, Shellac, Jesus Lizard oder auch mal Helmet dürften hier Pate gestanden haben. Davor müssen sich Poino aber keineswegs verstecken; Bon Ick Voyeur ist ein sehr frisches Album geworden. Eins der wenigen, das seine Einflüsse nicht nur oberflächlich kopiert, sondern mit seinen ausgefuchsten Kompositionen von vorne bis hinten Sinn ergibt und trotz seiner Komplexität erstaunlich eingängig bleibt.

Juhu, eine Band deren Namen ich nicht auszusprechen weiß. Aus Kiev kommt diese Combo, das war’s dann auch schon an verfügbaren Infos. Spielen eine arg krude Variante von mal melodischem, mal eher monoton-doomig groovendem Noise-/Postrock, zusammengehalten von etwas übertrieben verschwurbelten Elektrobeats. Aber auch das steht der Platte gut, denn alles hier hat seine gewisse Schieflage und zieht einen in all ihrer unbekümmerten, verspielten Unperfektheit und ihrem warmherzigen Charme am Ende doch auf ihre Seite.