Hier ist gleich noch eine Platte, die ich bisher verschlafen hab. Die jüngste LP der Wilful Boys aus New York liefert zehn tighte Noise Rock-Geschosse, die offensichtlich so einige Inspiration aus der klassischen, sludge-lastigen AmRep-Ära ziehen – besonders wären da Cows zu nennen – sowie vielleicht ein bisschen U-Men, Feedtime oder 80er Scientists… Gleichzeitig klingt das Zeug aber auch in der Gegenwart keineswegs fehl am Platz mit Momenten, die an Bands wie Help!, Tunic, John (Timestwo), USA Nails oder Death Panels erinnern.
Ein exquisit raketengetriebener Krawall, der zweite Langspieler von McQQeen aus Athens, Georgia, welcher jetzt auch noch stolz das Qualitätssiegel von Big Neck Records tragen darf. Was ein bisschen so anfängt wie eine Mischung aus Bands á la Flat Worms, The Cowboy oder Fashion Pimps & The Glamazons mit einem verdächtigen Psychedelic-/Space Rock-Unterton, ballt dann seine Faust zu einem weiten Rundumschlag durch so einiges im Umfeld von Garage Punk, Noise Rock, Post Punk und Postcore – mit dabei sind etwa Anklänge an jüngere Erscheinungen wie Metz, John (Timestwo) oder Spray Paint, sowie den Space Punk-Exzess von Destruction Unit und die Fuzz Punk-Eskapaden der frühen The Men. Auch ein paar Spuren von McLusky und vereinzelte U-Men Versatzstücke kann man sich da noch rausziehen.
Ein ordentlich sensationelles Ding hat diese Band aus dem belgischen Tournai meines Erachtens mit ihrem zweiten Langspieler gedreht. Vom ersten Moment an fühle ich mich an so viel guten, sowohl alten als auch neuen Scheiß an den Schnittstellen von Art-, Post- und Garage Punk erinnert, komplettiert von einer würzig-dissonanten No Wave und Noise Rock-Kante. Manchmal klingt das etwas nach Angst, die mit dem simplistischen Beat von Man Sized Action und etwas früher The Fall-Schrammelseligkeit verschmelzen. An anderen Stellen bilde ich mir ein, Echos von Membranes, Gordons oder Swell Maps wahrzunehmen aber genau so gut kann man auch Verbindungen zu gegenwärtigen Acts à la Honey Radar, Toe Ring, Lithics, Germ House, Shark Toys und Subtle Turnhips irgndwo da drin wiederfinden.
Die Debüt-EP von Refedex aus Brisbane ist eine wuchtige Walze aus düsterem Noise Rock, Sludge und Post Punk der häufig recht getragenen und atmosphärischen, jedoch niemals öden oder schwerfälligen Machart. Obwohl der allgemeine Vibe für mich absolut klassisch klingt, fällt es mir schwer zu lokalisieren, wo ich so etwas in der älteren Genre-Vergangenheit schon mal gehört hab – das Zeug lässt sich schwer in die üblichen Genre-Eckpunkte einordnen. Unter anderem hat das alles diesen gewissen tiefschwarzen Americana-Vibe wie man ihn z.B. auf alten 80er Scientists Platten vorfinden mag oder in der Gegenwart etwa bei den US Postpunkern Bambara, während man im etwas klassischeren Noise Rock-Spektrum Vergleiche zu so unterschiedlichen Bands wie Alpha Strategy, Luggage, Tropical Trash oder Heads ziehen mag. Außerdem steckt da vielleicht auch noch ein bisschen Cows, U-Men oder Scratch Acid drin, allerdings jeweils halber Geschwindigkeit abgespielt. Egal wie man’s nennen möchte, es ist erstklassiger Scheiß!
Eine neue Tunic Platte, ein weiterer Tritt in die Weichteile. Nachdem zuletzt die Compilation Exhaling noch mal ihre bisherigen Singles und EPs aufgewärmt hat, nimmt die Band auf ihrem zweiten „richtigen“ Album die Fäden einfach genau da wieder auf wo sie zuletzt liegen geblieben sind und erweitern ihre Klangpalette nur sehr zaghaft. Auf Albumlänge kann das schon mal etwas repetitiv wirken, so dass man sich ab und an mal wundert: „Hab ich diesen Song nicht gerade schon mal gehört?“ Ist aber reine Korinthenscheißerei. So lange die Typen ihr Lärmwerkzeug weiterhin mit so einer Überzeugung und überwältigenden (un-)Wucht zur Anwendung bringen, bin ich schon mehr als glücklich.
The Cowboy aus Cleveland haben bisher noch mit jeder Platte absoluit meinen Nerv getroffen und ihre dritte LP setzt diesen Trend nahtlos fort. Ihr Sound läuft inzwischen so rund wie ein Uhrwerk und inzwischen würde ich mal sagen, dass sie an der Schnittstelle von drückendem Garage Punk und kantigem Noise Rock ihre ganz eigene kleine Mikro-Nische mit sofortigem Wiedererkennungswert etabliert haben, jedoch weiterhin genug frische Ideen einbringen um die Scheiße spannend zu halten.
Das Londoner Postcore-/Noise Rock-Duo überzeugt ein weiteres mal mit blanker Durchschlagkraft gekoppelt mit kühler Präzision, wobei jede einzelne Sprengladung auf ihrem zweiten Album ein minimales Rezept für den maximalen Schaden anzuwenden versteht. Essenzielles Programm für Freunde etwa von Tunic, USA Nails, Metz oder Death Panels.
Nicht sehr lang nach der During 7″ auf Chunklet Industries (von denen ist in naher Zukunft auch ein Langspieler zu erwarten) dockt jetzt noch ein weiteres Projekt mit Beteiligung des Spray Paint Gitarristen und Vokalisten Cory Plump an. Hier macht er gemeinsame Sache mit einem Typen namens Chris, der in irgendeiner nicht näher erläuterten Funktion mal mit Les Savy Fav und Trans Am gearbeitet hat. Zusammen brauen die zwei jedenfalls etwas zusammen, das die stärker elektro-fokussierten Vibes der letzten paar Spray Paint-Veröffentlichungen um eine gewisse Industrial-Kante anreichert und in einen weitaus dunkleren, psychedelischen Albtraum versetzt. Das Ergebnis hat dann auch mal ein bisschen was von Exhaustion, Haunted Horses oder Danyl Jesu, besonders aber auch von den Dub-infizierten Soundscapes von Exek, mt denen sie nicht zuletzt dieser gewisse Hauch von Swell Maps verbindet.
Sieht nicht so aus als ob diesen Texanern in absehbarer Zeit die Songs ausgehen werden, immerhin haben die gerade ihren zweiten Langspieler innerhalb von nur wenigen Monaten abgeliefert – dankenswerter Weise diesmal in einer etwas weniger Tinnitus-induzierenden Abmischung. Ansonsten wird hier nahtlos an das glorreiche Chaos angeknüpft das Big Bopper mit dem Vorgänger etabliert haben. Jenes besteht etwa zu etwa gleichen Teilen aus Post- und Garage Punk, Noise- und Math Rock, hat dabei unter anderem vage Ähnlichkeiten zu Patti, Rolex, Cutie, Mystic Inane oder Brandy plus ein paar Krümeln früher Minutemen.
Nachdem ihr letzter Langspieler für mich nicht so richtig zünden wollte, trifft die neueste EP der Band aus Reno, Nevada aber wieder präzise ins Schwarze ohne sich dabei zu wiederholen, spannt dabei einen Bogen von oldschooligem Noise Rock der AmRep- und Touch & Go-Schule über an frühe Die Kreuzen erinnernden Hardcorepunk hin zu Drive Like Jehu-mäßigem Postcorezeug.