Big Bite – Trinity

Das Langespieldebüt von Big Bite aus Seattle im letzten Jahr war schon eine sehr willkommene Anomalie und der Nachfolger kommt nicht weniger brilliant rüber, haucht erneut einer schnörkellos rockenden 90er Schule irgendwo zwischen Indie-/Alternative Rock und ein bisschen Shoegaze neues Leben ein. Sugar, Polvo und Swervedriver kommen dabei an alten Bands in den Sinn; Pardoner, frühe Ovlov, Milked oder Dead Soft wären halbwegs geeignete Vergleiche aus der Gegenwart. Häufiger als zuvor werden hier außerdem ein paar psychedelische Momente ausgerollt und im Endspurt kommt noch ein gewisser Postpunk-Faktor der Marke Teenanger oder Constant Mongrel zur Geltung.

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Thigh Master – Now For Example

Thigh Master aus Brisbane blasen zum zweiten mal ihren verschrammelten Indie Rock und Jangle Pop in die Atmosphäre und der macht hier einen deutlich runderen Eindruck als noch auf dem Debüt. Es schwingt jede Menge alte neuseeländische Schule so á la The Stones und The Clean mit, aber auch wer jüngere Bands wie The Molds, Tape/Off, Zebra Hunt oder Landlines zu dulden versteht, kann sich unter Umständen einen Narren hier dran fressen.

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The Missed – The Missed 7″

Nach dem Gamma World-Demo zuletzt ist hier schon die nächste Band aus der Asche von Nervosas. Wobei ich jetzt erwähnen muss: Jüngste Ereignisse weisen darauf hin, dass letztere Band noch gar nicht so tot ist wie zuvor gedacht. The Missed ist jedenfalls die aktuelle Band von Nervosas-Gitarristin Mickey Marie. Die hatte vor einer Weile schon mal ein Demo raus, dem es noch etwas an konsistentem Songmaterial mangelte, aber auf ihrer neuen EP klicken sowohl ihr Sound als auch die Songs richtig in die Gänge. Das hat klar noch ein bisschen von der Vorgängerband, bewegt sich aber überwiegend im Fahrwasser von geradlinig melodischem Punkrock, Power Pop und kräftigem Indie Rock. Mal bekommt das einen Hauch von frühen Sheer Mag-Singles verpasst, hat den einen oder anderen Red Dons-mäßigen Ohrwurm-Chorus und einen melancholischen Unterton von The Estranged an Bord; in weiteren Momenten hört man den dichten Alternative Rock von Bob Mould’s Sugar an die Tür klopfen. Ausnahmslos erfreuliche Assoziationen, also.

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Ex-Gold – E-X-E-P-1-4

Eine ausgezeichnete Debüt-EP hat hier eine Band aus Knoxville, Tennessee verbrochen, deren Charme besonders Freunde des melodischem Lärms im Dreieck von Power Pop, relaxtem Schrammelpunk und melodischem Indierock kaum entkommen werden. Mal hat das einen leichten 77er Vibe und erinnert dann etwas an den Klugscheißerpunk von Proto Idiot – vor allem weckt das aber Assoziationen zu Bands von jenseits des Atlantik, wie etwa Bad Sports, Steve Adamyk Band, Corner Boys, Radioactivity oder Tommy And The Commies.

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Surf Friends – Doing Your Thing

Ich bezweifle stark dass es derzeit eine neuseeländische Band gibt, die neuseeländischer klingt als die Surf Friends. Da passt es ja auch super ins Klischee, dass sie auf der örtlichen Institution Flying Nun Records veröffentlichen. Und Soundmäßig klingt das wie eine Zeitreise in die Blütezeit des Labels in den frühen Achtzigern und hat diesen speziellen psychedelischen Jangle Pop Vibe mit Anklängen an den quirligen Pop von The Clean, den Indierock von The Stones und die Psychedelic Noise-Schiene, wie man sie damals unter anderem von The Pin Group und The Gordons bzw. deren Nachfolgern Bailter Space zu hören bekam; passend zu letzteren lässt sich auch ein gewisser Shoegaze-Einschlag nicht verleugnen. So entspannt und verträumt haben Surf Friends noch nie zuvor geklungen und dennoch wird die Platte mit ihren im dezenten Neon schillernden Texturen nie langweilig. Von den Meistern gelernt, würde ich dazu mal sagen.

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Opossums – Trashcandy

Opossums sind eine Band aus Memphis um einen gewissen Patrick Jordan – die meisten Songs auf dieser EP und sowie auf deren Vorgänger sind schon einmal auf diversen Soloplatten von ihm erschienen. Saugutes Material jedenfalls, in einen Sound gegossen zwischen unaufgeregtem Indierock und Powerpop. An die melodischeren Songs von The Bevis Frond muss ich da manchmal denken, aber ebenso an neuere Acts wie die British Invasion-lastigen Garagenpopper The Resonars, an Landlines, Scupper und Title Tracks.

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BCC – Standby

Tolles und erfrischendes erstes Tape von einer Band aus Bloomington, Indiana. Zu hören gibt’s eine recht ungewöhnliche Verschmelzung von Post Punk, Math- und relaxtem 90er Indierock, vereinzelt shoegazig-psychedelischen Momenten. Ab und an kann man Anklänge an weniger aufgeregte Vertreter der 90er Touch & Go-Schule erahnen, aber insgesamt panschen sich BCC doch ihr ganz eigenes Süppchen zusammen.

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B Boys – Dudu

Zum dritten mal liefern die B Boys aus New York ein Album ab, dessen am langen Draht gehisste rosa Fahne beim besten Willen nicht zu übersehen ist. Das könnte man ihnen zunehmend zum Vorwurf machen, aber auch anlässlich des dritten Remakes drücke ich gerne mal beide Augen zu, denn wie von der Band gewohnt handelt es sich um ein Derivat von ausschließlich höchstwertigem Material und handwerklich makelloser Verarbeitung. Mit seinen für heutige Verhältnisse sehr großzügig ausgelegten 15 Songs ist das noch keineswegs zu viel des Guten. Und um meine vorherige Aussage etwas zu relativieren, darf man sie außerdem auch der entfernten Verwandtschaft zu einigen kontemporären Acts wie etwa frühen Parquet Courts oder Gotobeds verdächtigen.

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Pardoner – Playin‘ On A Cloud

Der zweite Langspieler von Pardoner aus San Francisco ist schon wieder ’ne Bombe geworden, auch wenn die Detonation diesmal bewusst etwas leiser gehalten wurde in einem relaxter daherschrammelnden, von tiefer Melancholie durchzogenen Sound zwischen klassichem 90er Indie Rock und Noise Pop, vereinzelten Spurenelementen von Noise Rock und Postcore. Zusammengehalten wird das alles wie gehabt von ausnahmslos exzellentem Songmaterial. In der aktuellen Szenerie kann man Bands wie Treehouse, Tape/Off, Ovlov oder Milk Music als Vergleiche bemühen; aus der Vergangenheit kann man hingegen Echos von Swervedriver, Dinosaur Jr, Polvo oder Archers Of Loaf vernehmen.

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Philary – I Complain

Was mir auf der Debüt-LP von Philary aus Nashville, Tennessee entgegen quillt würde ich mal als… unerwartet bezeichnen. Es handelt sich um ein Projekt von Alex Molini, der ansonsten bei Stove und seit geraumer Zeit auch bei Pile mit am Werk ist. Da liegt es schon nahe, Philary in dieser speziellen Nische des Indierock einzuordnen, welchem der Lärm noch genau so eine Herzensangelegenheit ist wie die Melodien; die derzeit zu gefühlten fünfzig Prozent vom New Yorker Genre-Bollwerk Exploding In Sound Records noch am Leben erhalten wird – es ist also kein bisschen verwunderlich, dass auch diese Platte mal wieder in besagtem Hause erschienen ist. Man darf sich zum Beispiel an Bands wie die bereits erwähnten Pile, an Dead Soft, frühe Ovlov, Geronimo oder deren Quasi-Folgeprojekte Milked und Hung Toys erinnert sehen. Aber das ist auch nur der allererste Eindruck. Denn Philary gehen Soundmäßig so einige Tacken derber zur Sache, vermischen die erwähnten Tendenzen mit einer dicken Schicht aus Noise und tonnenschwerem Sludge. Da kann man in den etwas psychedelisch geprägten Momenten, wie etwa in The Littlest Mole, Vergleiche zu Fir Cone Children ziehen, die sich – wenn aus einem etwas anderen Genre-Blickwinkel – einem durchaus verwandt klingenden Ansatz von verspielter, zuckersüßer Melodiösität und dichtem Noisegewitter annähern.

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