Senile Crocodile – Senile Crocodile

senile crocodile
Per email flatterte mir neulich dieses schrullige Indierock-Kleinod entgegen. Wer die Dreistigkeit besitzt irgendwelche Blogger anzuschreiben (machen alle, ich weiß…), sollte besser richtig gut sein. Und Überraschung, Senile Crocodile aus dem britischen Kingston Upon Hull halten der strengen 12XU-Qualitätskontrolle problemlos stand. Wunderschön exzentrischer als auch eklektizistischer, ausufernd-verspieleter Indie Rock mit offensichtlichem Glam-Einschlag wird hier geboten. Macht Lust auf mehr.

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Gustave Tiger – Mitanni Mares

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Gustave Tiger aus Budapest verpassen ihrem sägenden Noisepunk ein paar ganz eigene Dellen. Ihre Debüt-EP mag sich dabei nicht so recht für eine klare Marschrichtung entscheiden, wirkt trodzdem nicht zerfahren. Eher klingt es ein bisschen so als wären zwei unterschiedliche Inkarnationen der gleichen Band am Werk. Da wäre einmal die an spätere Gun Club Platten oder die Country-Punk-Fusionen von Angst erinnernde, folkig-countryfizierte Schrammelvariante. Und der böse Zwillingsbruder davon in in der Form psychedelisch-düsterer, treibender Noiseattacken; ich fühle mich hier etwas an das eigenwillige Ten Kens-Debüt erinnert. Dann gibt’s als krönende Abschlüsse noch eine epische Postpunkexplosion á la P.I.L meets Birthday Party und eine erstaunlich eingängige Venom-Coverversion. Und fertig ist eine der erfrischendsten und eigenständigsten Platten in letzter Zeit.

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Happy Noose – Haunted

happy noose
Die letztes Jahr erschienene EP Amagosa ließ mich schon ein wenig interessiert aufhorchen, stand aber noch auf etwas wackeligen Füßen was das Songwriting anging. Der neue Kurzspieler der Band aus Olympia, Washington ist in der Hinsicht ein gewaltiger Sprung nach vorne und das ganze klingt etwa wie eine Verschmelzung von Joy Divisions düsteren Postpunkwelten mit der Melodiösität und treibenden Energie von Hüsker Dü oder Dinosaur Jr, vielleicht auch etwas spätachziger-Sonic Youth. Vielversprechend.

*edit*
Ich lese gerade, dass diese Songs der gleichen Session entstammen wie die Amagosa EP, mein Gefasel wegen Weiterentwicklung und so stellt sich damit als Quatsch raus. Komisch, denn ich finde nach wie vor dass
Haunted eine viel stärkere, reifere Platte als ihr Vorgänger ist.

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Smug Brothers – Strictly Triggers

smug brothers
Das derzeit vor sich gehende 90er Revival hab ich ja schon ein paar mal angesprochen. Hier ist eine Band, die schon ’ne Weile dieses Metier bearbeitet, aber bisher geößtenteils übersehen wurde. Ihr Sound ist eindeutig von den LoFi-Meisterwerken geprägt, die Guided By Voices in den frühen Neunzigern in Serie rausgehauen haben. Und warum auch nicht, in der aktuellen Indie-Landschaft ist noch eine menge Platz für gekonnten PowerPop dieser Machart und die Trefferquote ist hier höher als auf vielen Platten ihrer Vorbilder.

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Clearance – Greensleeve 7″

Clearance
Clearance , eine noch ganz taufrische Band aus Chicago, haben sich scheinbar nur mit der Mission gegründet, den Sound und Spirit alter Pavement-Platten noch mal aufleben zu lassen. Und wer kann’s ihnen auch verübeln, denn in den letzten 15 Jahren gab’s wenig dergleichen. Und das hier klingt einfach nach einer sehr guten Pavement-Platte.

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Bummer – Steal The Night

bummer
Mehr als nur vielversprechender Kurzspieler einer mehr als nur vielversprechenden Band aus Montreal. Klanglich durchaus in der nähe ihrer Landsleute Japandroids und P.S. I Love You zu verorten, aber auch eine gewisse nähe zu Hüsker Dü und diversen mittneunziger Emo Bands kann man ihnen nicht absprechen. Zeitgemäßer, euphorisch-melodischer Punkrock mit genug Feuer unter’m Arsch, der jedes Kitschfettnäpfchen gekonnt umschifft.

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Slippertails – There’s A Disturbing Trend

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Ein wahrhaft beunruhigender Trend ist das: Noiserock ist plötzlich wieder en vogue. Eine allzu willkommene Unruhe, die hoffentlich bald die verschlafene Indieszene etwas aufzuwecken vermag. Ansonsten eine ganz ähnliche Marschrichtung wie die gestern verhandelten Grass Is Green, minus Blattgewächs, Mathematik und Postzeugs; plus Meeresfrüchte, gradlinige Songstrukturen, Melvins-artiges Geriffe und kapput-melodische Songeskizzen á la Pixies, Chokebore oder Guided by Voices. Geht runter wie ’ne abgelaufene Dose Karlsquell.

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Grass Is Green – Vacation Vinny

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Gras der einen oder anderen Sorte scheint hier das Thema der Woche zu werden (siehe letzter Beitrag). Außerdem scheint das 90er Indierock Revival in diesem Jahr seinen vorläufigen Höhepunkt erreichen, angesichts des Erfolges von Speedy Ortiz und Konsorten. Ist natürlich schön, mal etwas anderes zu hören als seichtes Folk-Gesäusel und überzuckertes Synthpop-Geplucker, aber auf Dauer würde ich mich doch mal wieder über etwas mehr vorwärts-denkenden Krach freuen. Naja, genießen wie es, bevor der aktuelle Trend mal wieder zum Hals heraus hängt.
Die aktuellste Wortmeldung aus dieser Ecke kommt von Grass Is Green aus Boston. Die spielen sehr gekonnten Noiserock mit klaren Post-Irgendwas und Mathrock Einflüssen, zum Beispiel der Marke Polvo, Shellac oder Chavez. Aber auch Indieklassische zwischentöne á la Sebadoh oder Pavement kommen vor. Wie meistens eine sehr angenehme Zeitreise aber: Bitte, bitte, liebe Indiebands von heute, wenn ihr die Basics des Lärmens wieder etwas aufgefrischt habt, schielt doch mal wieder etwas in Richtung Zukunft, ok?

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Blank Realm – Grassed In

blank realm
Sieht langsam so aus als wäre das doofe Winterloch rund um den internationalen Tag des Konsums überstanden, für die nächsten Tage und Wochen kündigen sich die ersten ernstzunehmenden Neuveröffentlichungen des Jahres an. Und Blank Realm aus Brisbane, Australien starten gleich mit einem ersten Knaller ins neue Jahr.
Legten sie es auf ihren bisherigen Alben noch eher auf die klangliche Überwältigung des Hörers an, haben sie für ihre neue Platte ihr Spielzimmer ein wenig aufgeräumt und es geht mit einem entschlackten Sound deutlich fokussierter zu.
Durchsetzt von 60er/70er Powerpop, Hypnotischen Psychedelic-Jams und schrammeligem, C86-beeinflusstem Frühneunziger-Indiepop, der auch der Neuseeländischen Flying Nun-Connection entstammen könnte, haben die eher minimalistischen Songkonstrukte hier alle Zeit der Welt um ihre hypnotische Wirkung zu entfalten; kein Song ist hier unter vier Minuten. Dank hervorragender Songwriting-Qualitäten wirkt das ganze aber keinesfalls redundant oder überflüssig ausufernd, sondern die Songs nehmen sich einfach die Zeit die sie brauchen um so richtig zu klicken.

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Dead Waves – Take Me Away EP

dead waves
Ganz schöner Fahrtwind kommt einem da entgegen auf der zweiten EP des New Yorker Trios. Grungiger Noise Rock, der es gerne einfach hält, dies aber durch seine gewaltige Intensität bestens ausgleicht. Oberflächlich betrachtet fällt natürlich zuerst das Mark-und-Bein-erschütternde Gesangsorgan des Sängers auf, das durchaus an einen gewissen toten blonden Sänger erinnert. Auch der erste Track hätte durchaus auf eine nicht ganz unbakannte Platte namens Bleach gepasst, aber mit den folgenden fünf Songs fangen die Jungs dann doch an, aus einer etwas breiteren Palette von Einflüssen zu schöpfen. Das wären zum Beispiel Melvins, The Jesus and Mary Chain und Pixies. Das alles auf elf gedreht und fertig ist das wuchtige Ungetüm einer Platte. Hätten bestimmt mehr Leute mitbekommen, wenn das Ding nicht im Dezember erschienen wäre, also genau wenn alle Blogs und Magazine mit dem posten ätzender Weihnachtslieder und dem kompilieren überflüssiger Jahresendlisten (mal ehrlich, wer braucht denn noch eine davon?) blockiert sind. Aber so kann das Musikjahr 2014 gerne weitergehen. Es ist wirklich an der Zeit die verschlafene Szene rund um das, was wir mal Indie Rock (R.I.P.) nannten, ein wenig wach zu schreien.
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