Toller melodischer Krach aus Melbourne. Freunde von The Estranged dürften sich hier gut aufgehoben fühlen. Desweiteren klingt das hier in etwa so als hätten jene ihren melancholischen Postpunk mit dem ausgeprägten Goth-Vibe von Criminal Code verschmolzen und sich auch ein paar Scheiben von Hüsker Dü’s eindringlichen Hooks und – vor allem zum Ende der Platte hin – von J. Mascis‘ prägnanten Gitarrenleads abgeschnitten.
„Klingt genau wie früher“ würden einfach gestrickte oder zynisch veranlagte Zeitgenossen zu dem sagen, was Dead Soft aus Vancouver hier veranstalten. Und ja, von den ersten Sekunden an drängen sich einem frühe Weezer und die surflastigeren Momente der Pixies als allzu offensichtliche Referenzen auf. Auch an frühe Foo Fighters kann man sich mal erinnert fühlen und die bisweilen seltsam langgezogenen Vocals rufen mir Mineral ins Gedächtnis. Klassich Indierockiger geht’s wohl kaum. Durch diese Aura des Vertrauten sollte man sich aber nicht davon ablenken lassen, mit was für einer Hammerplatte wir es hier zu tun haben. Nicht nur halten die neun Songs ein irrsinnig hohes Niveau und könnten selbst neben den Albumklassikern der genannten Bands problemlos bestehen. In der zweiten Halbzeit werden dann die zu Beginn noch recht subtilen Abgründe tiefer, die Atmosphäre düsterer und das Albumartwork macht plötzlich ’ne Menge Sinn. Konstant bleibt dabei aber das ungeheure Gespür für Melodien und eindringliche Hooks. Das ist in etwa die Platte, die man sich zuletzt von Surfer Blood gewünscht hätte. Und da die zu Beginn erwähnten Indie-Ikonen ja schon länger mit der Sabotage ihrer eigenen Legende beschäftigt sind, ist das hier ein mehr als willkommenes Lebenszeichen für den melodischen Indierock.
Auf der aktuellen Platte dieser Band aus Tucson, Arizona treffen sich einige sehr verschiendene musikalische Stränge auf unwahrscheinliche Art und Weise. Da wäre auf einer Seite der unkontrollierte Garagenrock von Bands wie Yuppies, Ex-Cult oder Parquet Courts, ebenso wie etwas antiquiert wirkende VU-/Strokes-ismen. Auf der anderen Seite des Spektrums wäre dann die populäre Gratwanderung zwischen Indierock und Postpunk/-core wie sie etwa von Die! Die! Die!, Les Savy Fav oder Popstrangers repräsentiert wird. Der Melodische Psych-Powerpop ihrer Stadtnachbarn Resonars hinterlässt auch Spuren, ebenso wie der melancholische Surf-Twang von Crystal Stilts oder Fresh and Onlys. Zu guter letzt kommt dann noch eine kleine Dosis Psychgedröne á la Disappears dazu. An Abwechslung mangelt es also wahrlich nicht. Es spricht sehr für die Qualitäten der Band, dass die Jungs sich inmitten dieser Fülle von Einflüssen nicht total verzetteln und auch nicht abgedroschen klingen, angesichts der teilweise bereits zu Tode erprobten Zutaten.
Zwei herausragende britische Vertreter des melodischen Indiekrachs finden sich hier zusammen, liefern jeweils einen neuen Song und covern sich dann gegenseitig. Runde Sache, würde ich dazu sagen. Auch wenn das auf die Platte in ihrer physischen Form nicht wirklich zutrifft.
Wunderschön eingängigen Garagen-Retrorock/Powerpop spielen die Neighbors aus Seattle, mit hymnischen Song-Qualitäten und gesalzen mit einer ordentlichen Prise melodischen 90er Indierocks. Wer mit Genrevertretern wie King Tuff, The Woolen Men oder den Indierockern Island Twins etwas anzufangen weiß, sollte das hier auf keine Fall verpassen. Aber auch The Clean und verwandtes Zeug aus der neuseeländischen Szene haben hier wohl Spuren hinterlassen.
Die sonst eher irgendwo im Moshpitgewühl beheimateten Jungs vom Blog Borderline Fuckup machten diese Woche auf ein viel zu seltenes Phänomem aufmerksam: Eine deutsche Indierockband die nicht saugt. Das Debütalbum des Münsteraner Duos Andalucia erinnert sofort an aktuelle Indiekrachduos wie etwa Playlounge, Solids oder frühe Japandroids, aber auch die alten Indieschrammler von The Wedding Present kann man manchmal raushören. Sehr souveränes Debüt, das neugierig auf ihr zukünftiges Schaffen macht.
Die Musik dieser Punkcombo aus Salt Lake City fügt sich auf den ersten Blick ganz gut ein in die aktuelle Welle fluffiger Indiepop-/Poppunkbands die derzeit die Blogosphäre mit seichtem Geschrammel zuscheißen. Auf den zweiten Blick zeigen sich dann aber Qualitäten, die sie meilenweit aus der besagten dunkelbraunen Suppe herausragen lassen. Erstmal ist das – unschwer zu erkennen – kein niedliches Schmusekätzchen auf dem Cover; passend dazu werden die zwölf Songs unerwartet energetisch vorangetrieben und unter der Oberfläche der poppigen Melodien tun sich bei genauerem hinsehen manche düstere Abgründe auf. Die Songs erweisen sich dann auch als weitaus weniger 08/15 als es zuerst scheint, das hat alles Hand und Fuß und jede Songstruktur erscheint sorgsam ausformuliert. Mag auch mancher Song in den ersten Takten eher auf handzahmen Bubblegumpop hindeuten, es dauert nie lange bis einen des nächste große Hook in einen Emotionalen Strudel reinzieht, wie er in diesem Genreumfeld sehr rar geworden ist.
Diese Splitkassette zweier Bands aus Montreal hat eine eher grottige und eine ausgezeichnete Seite. Fangen wir mit der grottigen an: Die vier Songs von Fakes wären eigentlich ganz erträglicher, wenn auch unorigineller Garagenpunk. Was das ganze jedoch komplett herunterzieht ist der übertrieben bemühte, nervtötende Quietschgesang mit dem die Sängerin sicher furchtbar durchgeknallt und weird rüberkommen will. Weckt bei mir aber nur müdes gähnen. Zu oft gehört, zu klischeehaft und am Ende einfach so nervig wie der Typ auf’m Konzert hinter dir, der es für angebracht hält, pausenlos whoohoo in dein linkes Ohr zu schreien und nicht an den Blicken der Leute merkt, dass sie ihn am liebsten umbringen würden. Eine der schlechtesten (Gesangs-)Angewohnheiten der jüngeren Indielandschaft, hier bis zum Erbrechen durchgezogen. Das Tape mal umzudrehen kann ich hingegen sehr empfehlen, denn die B-Seite macht das alles mal locker wett. Harsh Reality spielen dreckigen, melodischen Indierock voll fuzziger Gitarrenwände, der die Herzen derer erfreuen dürfte, die die ungeschliffene Debüt-EP von Milk Music mochten. Oder man stelle sich eine räudige LoFi-Variante von Dinosaur Jr’s Bug mit einer noch deutlicheren Noise-Kante vor. Macht saumäßig Laune und lässt einen die lausige A-Seite schnell vergessen.
Sehr eingängiger und fuzziger Indierock der oldschooligen Sorte von einem Duo aus Vancouver mit Signtlines-Frontmann Eric Axen an Gitarre und Gesang. In etwa so als hätten sich die melodischeren Momente von Mission Of Burma mit den frühen Archers Of Loaf oder Sebadoh vermischt. Schnörkellos und absolut gekonnt.
Schon was ältere EP einer Band aus Kingston, Ontario. PS I Love You-Frontmann Paul Saulnier macht sich hier am Bass zu schaffen. Das Zeug ist ganz tief im Indierock der frühen Neunziger verwurzelt. Das kann gelegentlich mal die gewohnten Pavement-/Sebadoh-Referenzen nach sich ziehen, aber die Bandbreite dieser sechs Fuzzrocker ist doch sehr weit gestreut, nimmt auch mal düster-doomige oder leicht wavige formen an. Und exzellentes Songwriting verleiht dem ganzen eine Menge Substanz.