Pardoner – Uncontrollable Salvation

Meine Fresse, was ist denn diese Woche los? Mit dem Debütalbum von Pardoner aus San Francisco ist auch schon wieder die nächste Hammerplatte am Start. Den eigenwilligen Lärm, der einem darauf entgegenn springt, könnte man als eine Verschmelzung vom Indie Rock und Postcore der alten 90er Schule, Noise Pop und Fuzzpunk beschreiben, angereichert um deutliche Spuren von Post Punk und Shoegaze. Selbst geben die Jungs Polvo als ihren wichtigsten Einfluss an und das ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Ich denke dabei aber eher an jüngere Bands wie Ovlov, Happy Diving, Never Young und The Gotobeds; außerdem finde ich Anklänge an Swervedriver und ein kleines bisschen Slint wieder. Aber allen Vergleichen zum Trotz muss man ihnen doch zugestehen, ihre durchaus eigene Nische gefunden zu haben. Und das Songmaterial: Durchweg hochwertig. Eine von Anfang bis Ende saustarke Platte, die sich keinen einzigen Fehltritt leistet.



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Landlines – Landlines

2017 war bislang schon ein ausgezeichnetes Jahr für Freunde hochwertigen Powerpops, in dem unter anderem Veröffentlichungen von Big Huge, The Lovebirds, Radioactivity, 31Ø8, Sheer Mag oder Lost Balloons einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Und diese Aufzählung kratzt nur an der Oberfläche.

Hier ist eine weitere Platte von beeindruckender Qualität. Landlines kommen aus Portland und zu ihrer Besetzung zählen sich Mitglieder der von mir hochgeschätzten Woolen Men und von den ebenso tollen Lithics; die Musik auf ihrem aktuellen Langspieler klingt davon wohl eher nach erstgenannter Band. Zu hören gibt es also grandiosen Powerpop und Indierock, der z.B. The Clean, Pavement oder The Soft Boys in Erinnerung ruft, mit detailverliebten, ausgefeilten Arrangements und der mitreißenden Darbietung eines gut geölten Powertrios. Aber das eigentliche Herz dieses durchweg goldigen Albums ist das brilliante Songwriting, das scheinbar mühelos und ausgesprochen trittsicher durch einen nicht enden wollenden Strom von einprägsamen Sätzen, Hooks und Melodien glänzt.



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Fornet – Fornet

Ein sehr schönes Debüt-Tape hat die Band aus dem belgischen Städtchen Breee da rausgehauen. Wandlungsfähiger Krach, der sich ganz schön selbstbewusst irgendwo zwischen den Eckpunkten von kräftig zubeißendem Post Punk und Noise Rock, kantigem Indierock und einem gelegentlichem Hauch von Psychedelia austobt.


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Genius – 별바다 (Sea Of Stars)

Südkorea kam hier noch nicht vor, oder? Darf ich vorstellen: Die koreanischen Pavement! Na ja, nicht hundertprozentig; man kann auch Parallelen zu späten Pixies oder aktuellen Powerpoppern á la Zebra Hunt ziehen, außerdem sind ab und zu Anklänge an Surf- und Psychedelic Pop wahrnehmbar. Unter’m Strich ist es einfach wunderbar dem Zeitgeist trotzender, abgehangener Indierock mit einer stark melancholischen bis verträumten Note, den das Trio aus Busan auf seinem bereits vierten Album von sich gibt. Lyrics in wirrem nahezu-Englisch, für so was hab ich eh ’ne Schwäche. Gleichzeitig wünschte ich, Gitarrist und Sänger Kim Ildu würde mehr Songs in seiner Landessprache singen, das klingt nämlich verdammt gut. Überhaupt ist es schwer, sich dem verschrobenen Charme dieser Platte zu entziehen.



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Guilt Mountain – Rare Energy

Bei Rare Energy aus dem Dörfchen New Paltz im Bundesstaat New York handelt es sich um ein Projekt von Kate Larson, die nach zwei noch recht unausgereiften Soloplatten hier zum ersten mal in voller Bandbesetzung antritt. Das Resultat ist oldschooliger, melodischer bis verträumter Indierock im Geist der späten 90er und frühen 00er Jahre. Kann sich sehen lassen.


Sleeping Bag – Wet

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Das bereits vierte Album dieser Band aus Bloomington, Indiana überrascht mit einem ganz schön aus der Zeit gefallenen Sound, der seine Inspiration gleichermaßen aus dem Indierock der 90er und dem melodischen Post Punk-Revival der 00er Jahre zu ziehen scheint. Die Arrangements sind dabei auf ein absolutes Minimum heruntergekocht, die fragilen Songfragmente sind nicht mehr als ein abstraktes Grundgerüst. Als träfe der eingängige Indierock aktueller Bands á la Dead Soft oder Dancehall auf den introvertierten Minimalismus der Shy Boys oder die ökonomische Klangreduktion des letzten Teenanger Albums.



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The Lovebirds – Filled With Hate 7″

Eine wunderbare Debüt-7″ hat die Band aus San Francisco da rausgehauen. Darauf gibt’s schrammelig-relaxten Indierock, Power- und Jangle Pop zu hören, den man so trittsicher und formvollendet selten auf einer Debütveröffentlichung vorfindet. Irgendwo zwischen Buffalo Tom, Teenage Fanclub und späteren Dinosaur Jr. kann man das verorten, ab und an gesellt sich gar ein subtiler Soft Boys- oder Television-Vibe dazu.


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Humanities & Low Sun – Human Sun

Eine tolles Split-Tape zweier Bands aus Toronto, die hier zwei recht unterschiedliche Auffassungen von olschooligem Indie-/Alternative Rock präsentieren. Humanities fielen mir schon mal vor einer Weile mit einer vielversprechenden ersten EP auf und ihr langsam aber kräftig daherkommender Sound bedient sich unter anderem bei Einflüssen aus Noise Rock, Sludge und dem Postcore der Jahrtausendwende.
Low Sun hingegen liefern mit ihren zwei Songs ihr Debüt ab und ziehen mich ebenfalls sofort auf ihre Seite mit psychedelisch-folkigen Harmonien und einem Vibe, dem eine ausgeprägte Seattle-Geruchsnote anhaftet.


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Milked – Death On Mars

Milked ist neben den an dieser Stelle schon mehrfach erwähnten Hung Toys ein weiteres Soloprojekt von Kelly Johnson, seines Zeichens ehemaliger Frontmann der Noiserocker Geronimo!. Unter dem Alias hat er im Laufe der letzten beiden Jahre bereits ein Album und eine EP mit schrammeligem Psychedelic-Pop aufgenommen, aber mit seinem neuesten Langspieler meint er es ganz offensichtlich ernst.

Die charmante Lo-Fi Homerecording-Ästhetik ist einem wuchtigen Klangkostüm gewichen, das die neuen Songs eher an die beiden Hung Toys-Platten oder an seine alte Band erinnern lässt; ein heutzutage selten gewordener Sound aus kräftig rockendem Indie-/Alternative Rock, vermischt mit der Melodiösität kontemporärer Krachbands á la Wavves, California X oder Happy Diving und veredelt durch gelegentliche Anklänge an den psychedelischen Powerpop der Soft Boys.

Aber die größte Stärke dieser neun Songs liegt in den souveränen, absolut tadellosen Songwriting-Qualitäten von Kelly Johnson begründet und einem durchweg exzellenten Gespür für mitreißende Melodien. Eigentlich ist hier jeder Song ein Volltreffer. Eine wahnsinnig starke Platte und möglicherweise die beste Veröffentlichung aus diesem speziellen Genre-Spektrum, die mir dieses Jahr untergekommen ist.



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Pinkbatts – BLACK to COMM Session 020417

Da hab ich letzte Woche noch den Wunsch nach etwas besser klingenden Aufnahmen der Band aus Sydney geäußert und der geht dann auch noch prompt in Erfüllung. Und zwar in Form einer Live-im-Studio-Session für Black Wire Records. Die bestätigt den guten Eindruck, den die LoFi-mäßige erste (Live-)EP bei mir gemacht hat. Ganz exzellentes Zeug ist das nämlich. Immer aufpassen, was man sich wünscht. Diesmal ist es noch gut ausgegangen.

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