Melkbelly – Nothing Valley

Da hat sich die New Yorker Band ja einige Jahre Zeit gelassen mit ihrem ersten Langspieler. Und während die bisherigen EPs in ihrer starken Fragmentiertheit noch den Eindruck einer Band auf der Suche nach der eigenen Vision machten, stellt sich spätestens jetzt heraus: Genau das ist ihre Vision. Das Chaos in den Songstrukturen ist kein Ausdruck musikalischer Unentschlossenheit, sondern ihr selbst gewählter, bevorzugter Modus Operandi. Unter den Fetzen und Fragmenten finden sich dann aber auch absolut klassische Bestandteile aus dem Indierock der Breeders und frühen Pixies wieder, die mit einen Sonic Youth-mäßigen Schredderfaktor und gerne auch mal aus Noise Rock und Doom entlehnten Riffs kollidieren.



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Monster Treasure – II

Das Debütalbum der Band aus dem Kalifornischen Stockton vor drei Jahren war ja schon eine sehr, sehr hörenswerte Angelegenheit, aber was das Trio auf Album Nummer zwei abliefert ist pure Fuzz-/Noisepop-Perfektion, die sich in zehn tadellosen Songperlen wie Honig über den Hörer ergießt, dabei aber auch ordentlich auf den Putz haut. Der Sound weißt Ähnlichkeiten zu den auf dem gleichen Label veröffentlichenden Londonern Slowcoaches auf, wird aber noch um deutliche Shoegaze-Einflüsse verfeinert. Die melodische Finesse von Chapterhouse trifft auf Swervedrivers unbedingten Willen zum rockenden Lärm. Widerstand zwecklos.



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Sleepies – Melt To You

Die New Yorker Sleepies lassen mal wider was von sich hören in Form eines ziemlich blauen Kurzspiel-Tapes. Ihre wuderbar fluffige Mischung aus Indie Rock und Postpunk, die man inzwischen schon fast wieder als oldschoolig bezeichnen könnte, hat über die Jahre kein bisschen von ihrem Charme eingebüßt.


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The Persian Leaps – Bicycle Face

Schon wieder Herbst. Herbst ist immer ’ne Scheißzeit. Mein doofes Hirn braucht viel Sonne um halbwegs zu funktionieren und geht jetzt in den kalten Entzug. Aber auf eine Sache kann ich mich jeden Herbst freuen, und das schon seit einigen Jahren: Dass die Powerpopper The Persian Leaps aus St. Paul, Minnessota pünktlich zum September eine neue EP abliefern. Auch diesmal ist das wieder eine schön runde Angelegenheit geworden. Melodisch-melancholischer Powerpop, der keine übertriebenen Ambitionen hegt, dafür aber konstant und zuverlässig mit grundsolidem Songmaterial aufwartet.


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Michael Beach – Gravity/Repulsion

Ich bin gerade etwas überwältigt von emotionalen Kraft dieser Platte. Von der ergreifenden Melancholie, dem reinen, großen Herz dieser Songs. Dieses Jahr war nicht arm an guter Musik, aber es ist echt lange her, dass mich ein Album so bewegt hat. In Zeiten des postmodernen, ironisch von sich selbst distanzierten Rock’n’Rolls, dessen Seele sich meist nur auf einer verschwurbelten Metaebene offenbart, ist der grundehrliche und vollkommen unironische, dennoch bescheidene und niemals prätentiöse Indie Rock von Michael Beach ein unerwartetes und wertvolles Geschenk. Musik, die in jeder Hinsicht am Zeitgeist vorbei geht, der das absolut bewusst und gleichermaßen scheißegal ist.

Michael Beach kommt aus Melbourne und ist manchen vielleicht auch als Sänger und Gitarrist der viel lauteren Band Shovels bekannt. An dieser Stelle ist er vor längerer Zeit schon mal mit seinem dritten Album Golden Theft aufgefallen, das schon einige große Momente hatte, aber auch sehr fragmentiert wirkte, unentschlossen zwischen folkigen Americana-Einflüssen und klassischem Indierock oszillierte. Dass wir es mit einem begnadeten Songwriter zu tun haben, machten dessen Höhepunkte aber schon endrucksvoll klar.

Das neue Minialbum Gravity/Repulsion wirkt da mehr wie aus einem Guss und zelebriert eine Form von Indierock, die schon lange ausgestorben scheint. Auf’s Wesentliche reduziert, auch in der Laufzeit. Gerade mal fünf Songs, plus drei instrumentale Interludes. Aber diese fünf Songs sind einfach brilliant, gehören in ihrer Besinnung auf die klassischen Songwriting-Tugenden zu den beeindruckendsten Stücken Musik, die mir dieses Jahr begegnet sind.

An irgendetwas erinnert mich das die ganze Zeit. Die Musik löst ein starkes Deja Vu aus, zu einem Moment, den ich einfach nicht zu greifen vermag. Ich habe die letzte Stunde damit verbracht, danach zu suchen. Bin gedanklich alles durchgegangen, was mich musikalisch geprägt hat. Mein digitales Musikarchiv systematisch durchforstet, auf der Suche nach der Platte, die irgendwann etwas ähnliches in mir auslöste. Aber alles was ich finde, sind ein paar Bits and Pieces. Hier und da findet man eine vage Verwandtschaft zu Uncle Tupelo, den späteren Replacements, folkig angehauchten Powerpoppern wie Buffalo Tom oder den Lemonheads. Fetzen von Neil Young, Guided by Voices oder 90er Dinosaur Jr, Anklänge an Bowie und Reed. Alles eher hinkende Vergleiche und ich versuche immer noch den Code zu knacken.

Aber vielleicht ist es genau dieses Gefühl, das diese Songs transportieren. Der Gedanke, etwas altes, etwas liebgewonnenes verloren zu haben. Und ums verrecken nicht zu wissen, was es ist. Plötzlich ist da eine Melodie in deinem Kopf. Oder ein verschwommenes Bild, ein Zitat oder einfach eine seltsam bekannte, aber nicht definierbare Emotion. Ganz klar zapft es dein Unterbewusstsein an. Aus unerklärlichen Gründen fühlst du eine Euphorie, einen Schmerz, wirst ruhig oder aufgewühlt. Nicht von ungefähr handelt der vielleicht schönste Song von Freundschaft und Vergänglichkeit. Langfristig vergessen wir alles. Auch ohne den großen Aha-Moment bin ich dankbar, dass die Musik mit einen vergessenen Teil meiner Person resoniert. Mit Sicherheit die schönste Platte dieses Jahres.



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Death Traps – Death Traps

Eine ausgesprochen vielversprechende EP hat die Londoner Band Death Traps da vorgelegt. Irgendwo im Umfeld von spät-80er Indierock, Postpunk und -core angesiedelt, erinnert mich ihr Sound abwechselnd mal an Mission Of Burma, 80er Sonic Youth oder Moving Targets, aber auch an jüngere Vertreter des Postpunk-Genres, ohne dass mir da spontan ein expliziter, treffender Vergleich einfiele.

ViewMaster – Alternative Classics

Wow Bob, wow. Auf einmal lag ganz unscheinbar der Link zu diesem von vorne bis hinten geilen Tape zwischen den Emails von „Band die glaubt nach einer viel besseren Band zu klingen“ und „Band die versucht dem Indie-Trend der Stunde zu entsprechen“. Es sind Einreichungen wie diese, für die es sich dennoch lohnt, sich der Masse an völlig fehlgeleiteten Promoanfragen auszusetzen.

ViewMaster kommen aus Vancouver und alle Bandmitglieder spielen oder spielten bereits in diversen lokalen Kapellen, von denen mir bisher keine einzige bekannt war. Vor gut anderthalb Jahren erst gegründet, kann das Trio schon einen gänzlich ausgereiften Sound und tadelloses Songmaterial vorweisen (wer selbst nachvollziehen will, wie krass und rapide sich ihre Musik entwickelt hat, kann ja mal in ihr altes Demo reinhören…). Darin trifft vorzüglich drückender Sonic Youth-Noise auf eine Verschmelzung von früh-90er Indie-/Alternative Rock und Shoegaze, wie man sie einstmals von Swervedriver oder frühen Catherine Wheel zu hören bekam. Hinzu kommen noch deutliche Postpunk-Einflüsse und das alles stützt sich auf ausnahmslos starke, fast schon kriminell griffige Songs. In der Gegenwart kann man außerdem eine entfernte Verwandtschaft zu Bands wie etwa Die! Die! Die!, Piles, Fist City oder Never Young feststellen.


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Washer – All Aboard

Die New Yorker Band macht ja schon seit einigen Jahren von sich reden. Zuerst durch zwei starke Split EPs, dann mit einem Album, dass offenbar auch so einige Bewunderer gefunden hat. Mich hat’s aber nicht so richtig vom Hocker gerissen, das ganze machte auf mich einen insgesamt doch recht unausgegorenen Eindruck. Ihr zweiter Langspieler – wie gewohnt auf Exploding in Sound erschienen – macht mir wieder deutlich mehr Spaß. Ihre Songs und Arrangements kommen hier deutlich fokussierter und aufgeräumter rüber, haben sich aber alles bewahrt was ursprünglich den Charme dieser Band ausmachte. Nach wie vor weckt ihre Spielart zeitlosen Indierocks Assoziationen zu den Klassikern von Archers Of Loaf, Sebadoh oder Superchunk; aber eigentlich noch mehr zu aktuelleren Bands wie Hermetic, Grass Is Green und Pile.



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Truth Club – Interest Meeting

Starkes Teil, die Debüt EP von Truth Club aus Raleigh, North Carolina. Indierock der alten Schule mit einem kleinen Spritzer Postcore, der seine Wurzeln klar in den 90ern und frühen 00ern hat. Etwa so als träfen die verschwurbelten Strukturen von Faraquet oder Medications auf die melodischen Slackerhymnen von Archers Of Loaf, Pavement oder frühen Modest Mouse. Aktuell könnte man es auch als eine geringfügig freundlicher klingende, weniger Noise-lastige Version von Pile beschreiben.

Flemmings – Heads And Tails

Die Band aus London setzt auf ihrer dritten EP den Trend fort, mit jeder Veröffentlichung etwas lauter zu werden. Fuzz Punk und Noise Pop gibt’s darauf zu hören, der einerseits an jüngere Bands wie Playlongue, Terrorista, Solids oder die erste Milk Music EP erinnert, aber auch Anklänge an Klassiker von Hüsker Dü, Sonic Youth oder Dinosaur Jr erkennen lässt.


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