Hattiesburg Hardcore enttäuscht selten und auch dieses Tape der Silo Kids stellt erneut das explosive Potenzial dieser Szene unter Beweis. Dem Ganzen wohnt so eine rohe und Fuzz-lastige oldschool-Qualität inne, aber gleichzeitug ist der Schaiß auch verdammt catchy und abwechslungsreich. Niemals zufrieden zu stellen mit einem öden Aufguss geläufiger Genre-Regeln und Konventionen, ist da ganz klar ein haufen kreative Freigeister am Werk, was ja überhaupt auch ein primäres Attribut so vieler Bands dieses unscheinbaren Städtchens ist.
Wie ihr sicher bereits aus dem Titel geschlossen habt, ist das hier nicht mehr ganz neu sondern erschien bereits im November, aber für mich ist die Band aus Miami definitiv noch neu! Auf ihrer Debüt-EP bekommen wir vier exquisite Einschläge aus roher und primitiver Hardcore-Qualität serviert, deren blecherne LoFi-Ästhetik sich bestimmt auch im Katalog von so Schepperlabels wie Deluxe Bias oder Impotent Fetus gut machen würde.
Ein kleines Paradox, diese berliner Band, die hier einerseits eins der am meisten "Berlin" klingenden Alben seit langem abgeliefert hat, für die ich dann aber doch keine so wirklich passende Entsprechung in jüngerer Zeit finde. Der beste Vergleich, der mir da einfällt wären wohl Hyäne und ihre zwei saustarken EPs plus eine ebenbürtige LP, die sie zwischen 2016-2018 von der Leine gelassen haben, wenngleich das Zeug hier sich hier aber noch ein ganzes Stück roher, oldschooliger, primitiver anfühlt, stärker verankert in einem '80er Punk- und Hardcore-Hintergrund. Trotz all dem würde ich mal sagen dass Freunde von so Bands wie Die Verlierer, Kalte Hand, Maske, Pigeon and Gesture auch dieser Platte bestimmt nicht abgeneigt sind, denn irgendein roter Faden, so vage und undefiniert er auch sein mag, zieht sich durch alle davon.
*edit* In der langjährigen Tradition dass ich manchmal einfach schlecht informiertes, dummes Gewäsch schreibe, stellt sich heraus, dass die Band mal so gar nicht aus Berlin kommt (nur das Label) sondern nicht weit von meiner eigenen Haustür irgendwo im Ruhrpott. Na kein Wunder dass die so angepisst sind. Es bleibt spannend: Was wird mein nächster Griff ins Klo? Stay tuned!
Passte die 2020er Debüt-EP dieser Spanisch singenden, schwedischen Band noch etwas zu perfekt in die Hardcore- und Death Rock-getränkte "Dark Punk"-Schiene des vergangenen Jahrzehnts, zeugte das Split Tape mit Islands essentiellen Genre-Stüztpfeilern Dauðyflin schon von einem stetigen Wachstum. Mit ihrer neuesten EP würde ich jetzt mal sagen, dass sie hier erstmals ihr volles Potenzial entfalten und gleichzeitig anfangen, die Limitierungen ihres doch ziemlich restriktiven Genres zu Transzendieren mit einerm Bündel neuer Songs, die nicht unbedingt etwas neues erfinden, aber die grundlegenden Parameter des Genres zu absoluter Perfektion arrangieren und feintunen, zu einer Reihe von so makel- wie auch atemlosen Abgründen aus Tod und Verderben, die dennoch von Anfang bis Ende die Spannung und mein Interesse zu halten vermögen - eine Qualität, die in dieser spezifischen Nische doch etwas selten geworden ist.
Bad Shout aus Cardiff konnten bereits eine vielversprechende Debüt-EP im letzten Jahr verzeichnen und einen noch etwas stärkeren Nachfolger dieses Jahr im Sommer, aber für mein Empfinden taten sie sich schwer damit, dem müßigen Status als "durchaus nett, aber noch nicht ganz da" zu entkommen. Nu ja, was soll ich sagen... mit der neuesten EP ist die Band aber mal sowas von angekommen, auf welcher sie gekonnt zwischen ordentlich eingelaufenem, bluesigem oldschool Garage Punk, Hardcore-Ausbrüchen und powerpoppigen Ohrwürmern mit '77er Vibe, leichten Spuren von Dickies alternieren.
Es hat ein paar Jahre gedauert nach dem starken 2019er Demo aber zu guter Letzt ist doch tatsächlich mal die Debüt-LP von den Berlinern Benzin am Start und wird den hohen Erwartungen mehr als gerecht, wobei sich ihr zuvor stärker Garage-orientierter Sound sich jetzt mehr von einem Post Punk-Vibe zulegt während das Tempo sich zunehmend Richtung Hardcore bewegt. Der Scheiß hier umfasst so einige Tendenzen anderer Berliner Bands wie Rogue, DBR, Tanning Bats, Ponys auf Pump, Cold Leather, eine Synth-lose Variante von Gym Tonic oder auch die erste Puff! 7" lässt grüßen. Gleichsam lasse ich aber auch Vergleiche zu der Leipziger Szene gelten und Bands wie Ambulanz, Lassie, Onyon und Laugh Box... oder, wo wir eh schon von den Sachsen reden, würde ich sagen ein bisschen Pisse ist da auch drin. Aber die Einflüsse gehen über den Tellerrand der deutschen Szene hinaus - nicht zuletzt ist da auch ein starker Vibe von Surfbrett-schwingenden, frühen Westküsten-Punks á la Agent Orange, Germs und Adoloscents zu erkennen in Kombination mit jüngeren Erscheinungen der Sorte Warm Bodies, Warp, Judy and the Jerks, Vexx oder Itchy and the Nits.
Zugegeben, eigentlich ist die Debüt-LP dieser Band aus Pittsburgh, Pennsylvania eine gewisse Mogelpackung, sind die ersten fünf Songs doch eins-zu-eins von ihrem 2023er Demo übernommen. Andererseits ist es aber doch ganz nett, dass jene Songs jetzt einen offiziellen Release erfahren und die sechs neuen Songs sind allesamt auf ebenbürtig hohem Niveau! Der Opener Nothing Left geht direkt nach vorne mit einem unverkennbaren Proto- und First Wave US Punk-Vibe auf, der unter anderem an Stooges, Dead Boys und Gun Club denken lässt. Televised Violence fühlt sich daraufhin fast so an, als hätte man Radio Birdman und Saints mit den Hot Snakes und exzentrischen '80er Hardcore-Acts wie Really Red und Saccharine Trust verquickt. Über die gesamte Laufzeit ist auch ein oldschooliger Garage Punk-Vibe nicht zu übersehen, der irgendwo zwischen Pagans und Dead Moon sein Ding treibt und nicht zuletzt ist da noch ein großes Maß an früher Westküsten-Energie im Spiel. Im Zusammenspiel mit trittfester Songsubstanz destilliert sich das zu einem starken und explosiven Cocktail aus primitiver Punk Rock-Exzellenz.
Hier sind drei neue Releases des erfinderischen, nicht ganz regelkonformen Hardcore Punk. Gerade mal eine Woche nach der letzten EP haben Piss Wizard bereits eine neue veröfffentlicht, die erneut eine Fuzz-lastige Vision von Hardcore-Chaos abliefert, solide verschweißt mit einem ausgesprochenen KBD-Einschlag und deutlichen Garage- und Surf Punk-Vibes. Das ist ebenso catchy wie auch roh und hält reichlich an unwahrscheinlichen melodischen Details unter der dreckigen Oberfläche versteckt. Die neue EP von Lackey aus Winnipeg schlägt dann in eine ähnliche Kerbe aus Garage-getränktem Hardcore auf eine geradlinigere aber keinesfalls weniger ausgefeilte Weise. Hochentflammbare Riffs ackern sich hier vorwärts in einer Art nicht ganz unähnlich zu so Bands á la G.U.N., Crisis Man, Jug, Chain Whip oder Termite. Zu guter Letzt dann noch das hier: Man nehme die Tugenden der anderen zwei Bands in diesem Post und tauche sie in einen stärkeren '77er Vibe plus einen Hauch von oldschooligem Westküsten-Hardcore und dabei sollte dann so ungefähr die neue EP von Body World aus Philadelphia rauskommen. Aber das ist eigentlich auch wieder etwas zu vereinfacht und würde unterschlagen, wie einfallsreich und wandlungsfähig die Band agiert - kein Song klingt hier wie ein anderer.
Die vierte EP von Piss Wizard aus Melbourne vereint ihre bislang am wenigsten schrottigen Produktionswerte mit ihrem stärksten Bündel neuer Tunes soweit, in ihrem patentierten und abartig rohen Mix aus Fuzz- und Hardcore Punk mit Garagengeschmack, den sie darüber hinaus noch mit reichlich Surf-Twang, Rockabilly-Gitarrenleads und Noise-verseuchten Texturen ausstatten. Der Scheiß kommt so kränklich, stinkend und hochansteckend rüber dass es ein einziger perverser Spaß ist.
Die Debüt-EP dieser Band aus Brisbane entzückt mit vier energischen Detonationen aus schnörkellosem Garage Punk/-core, einem Hauch von Death Rock im ersten und letzten Track, einen deutlichen Protopunk-Unterton und einem konstanten Einfluss von '70er/'80er Cock Rock - eine etwas unwirkliche Mischung die mich besonders an so Bands wie Cement Shoes, Golden Pelicans, Tarantüla, Flea Collar, Polute und das frühe Zeug von Electric Chair erinnert.