Benzin – Treibjagt

Es hat ein paar Jahre gedauert nach dem starken 2019er Demo aber zu guter Letzt ist doch tatsächlich mal die Debüt-LP von den Berlinern Benzin am Start und wird den hohen Erwartungen mehr als gerecht, wobei sich ihr zuvor stärker Garage-orientierter Sound sich jetzt mehr von einem Post Punk-Vibe zulegt während das Tempo sich zunehmend Richtung Hardcore bewegt. Der Scheiß hier umfasst so einige Tendenzen anderer Berliner Bands wie Rogue, DBR, Tanning Bats, Ponys auf Pump, Cold Leather, eine Synth-lose Variante von Gym Tonic oder auch die erste Puff! 7″ lässt grüßen. Gleichsam lasse ich aber auch Vergleiche zu der Leipziger Szene gelten und Bands wie Ambulanz, Lassie, Onyon und Laugh Box… oder, wo wir eh schon von den Sachsen reden, würde ich sagen ein bisschen Pisse ist da auch drin. Aber die Einflüsse gehen über den Tellerrand der deutschen Szene hinaus – nicht zuletzt ist da auch ein starker Vibe von Surfbrett-schwingenden, frühen Westküsten-Punks á la Agent Orange, Germs und Adoloscents zu erkennen in Kombination mit jüngeren Erscheinungen der Sorte Warm Bodies, Warp, Judy and the Jerks, Vexx oder Itchy and the Nits.

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Snarling Dogs – Snarling Dogs

Zugegeben, eigentlich ist die Debüt-LP dieser Band aus Pittsburgh, Pennsylvania eine gewisse Mogelpackung, sind die ersten fünf Songs doch eins-zu-eins von ihrem 2023er Demo übernommen. Andererseits ist es aber doch ganz nett, dass jene Songs jetzt einen offiziellen Release erfahren und die sechs neuen Songs sind allesamt auf ebenbürtig hohem Niveau! Der Opener Nothing Left geht direkt nach vorne mit einem unverkennbaren Proto- und First Wave US Punk-Vibe auf, der unter anderem an Stooges, Dead Boys und Gun Club denken lässt. Televised Violence fühlt sich daraufhin fast so an, als hätte man Radio Birdman und Saints mit den Hot Snakes und exzentrischen ’80er Hardcore-Acts wie Really Red und Saccharine Trust verquickt. Über die gesamte Laufzeit ist auch ein oldschooliger Garage Punk-Vibe nicht zu übersehen, der irgendwo zwischen Pagans und Dead Moon sein Ding treibt und nicht zuletzt ist da noch ein großes Maß an früher Westküsten-Energie im Spiel. Im Zusammenspiel mit trittfester Songsubstanz destilliert sich das zu einem starken und explosiven Cocktail aus primitiver Punk Rock-Exzellenz.

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Piss Wizard / Lackey / Body World

Hier sind drei neue Releases des erfinderischen, nicht ganz regelkonformen Hardcore Punk. Gerade mal eine Woche nach der letzten EP haben Piss Wizard bereits eine neue veröfffentlicht, die erneut eine Fuzz-lastige Vision von Hardcore-Chaos abliefert, solide verschweißt mit einem ausgesprochenen KBD-Einschlag und deutlichen Garage- und Surf Punk-Vibes. Das ist ebenso catchy wie auch roh und hält reichlich an unwahrscheinlichen melodischen Details unter der dreckigen Oberfläche versteckt. Die neue EP von Lackey aus Winnipeg schlägt dann in eine ähnliche Kerbe aus Garage-getränktem Hardcore auf eine geradlinigere aber keinesfalls weniger ausgefeilte Weise. Hochentflammbare Riffs ackern sich hier vorwärts in einer Art nicht ganz unähnlich zu so Bands á la G.U.N., Crisis Man, Jug, Chain Whip oder Termite. Zu guter Letzt dann noch das hier: Man nehme die Tugenden der anderen zwei Bands in diesem Post und tauche sie in einen stärkeren ’77er Vibe plus einen Hauch von oldschooligem Westküsten-Hardcore und dabei sollte dann so ungefähr die neue EP von Body World aus Philadelphia rauskommen. Aber das ist eigentlich auch wieder etwas zu vereinfacht und würde unterschlagen, wie einfallsreich und wandlungsfähig die Band agiert – kein Song klingt hier wie ein anderer.

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Piss Wizard – Piss Wizard 4

Die vierte EP von Piss Wizard aus Melbourne vereint ihre bislang am wenigsten schrottigen Produktionswerte mit ihrem stärksten Bündel neuer Tunes soweit, in ihrem patentierten und abartig rohen Mix aus Fuzz- und Hardcore Punk mit Garagengeschmack, den sie darüber hinaus noch mit reichlich Surf-Twang, Rockabilly-Gitarrenleads und Noise-verseuchten Texturen ausstatten. Der Scheiß kommt so kränklich, stinkend und hochansteckend rüber dass es ein einziger perverser Spaß ist.

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Knee – Knee

Die Debüt-EP dieser Band aus Brisbane entzückt mit vier energischen Detonationen aus schnörkellosem Garage Punk/-core, einem Hauch von Death Rock im ersten und letzten Track, einen deutlichen Protopunk-Unterton und einem konstanten Einfluss von ’70er/’80er Cock Rock – eine etwas unwirkliche Mischung die mich besonders an so Bands wie Cement Shoes, Golden Pelicans, Tarantüla, Flea Collar, Polute und das frühe Zeug von Electric Chair erinnert.

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The Idgets – Demo’d

Wertiger Scheiß von einer Band aus Salt Lake City, Utah auf ihrem zweiten Tape. Ausgefuzzter Lo-Fi Hardcore Punk, dessen raubeinige Eigenheiten etwa prädestiniert erscheinen für einen Kassettenrelease auf Impotent Fetus oder Deluxe Bias mit gewissen oldschool Westküsten-Tendenzen ebenso wie einem roh polternden KBD-Vibe, ein paar Exzentrizitäten á la Flipper und Broken Talent und ansonsten auch einer gewissen Nähe zu aktuelleren Bands von mehr Garage-mäßigen Acts wie wie Launcher, Liquid Assets und Freakees bis hin zu Hardcore-Artefakten der Sorte Insane Urge, Youth Regiment, Motor Corp und Tupperware.

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The Dumpies – Gay Boredom

The Dumpies aus Astoria, Oregon sind schon eine Weile unterwegs und waren von Anfang an eine durchweg liebenswerte Angelegenheit, aber haben meines Erachtens erst vor kurzem einen gewaltigen Qualitätssprung signalisiert in Sachen Energie, stilistischer Vielfalt und Songwriting-Potenzial mit ihren Songs auf der Split EP mit Night Court (von denen die meisten hier nochmal vertreten sind). Ein Versprechen, das sie ohne Zweifel einlösen auf dieser unglaublichen neuen LP, auf der sie endlose Iterationen durchspielen von Powerpop-infiziertem (Garage-)Punk, melacholischen Indierockern und auch zahlreichen Attacken von quergedachtem Hardcore Punk in einem einzigen, bemerkenswerten Ausbruch von ungezügelter Kreativität, krudem Humor und exzentrischen Fixierungen. Da ist nicht ein Partikel von Füllmaterial in diesen satten 19 Songs, von denen keiner sein Ziel verfehlt.

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Abscam – Abscam

Dieses schnuckelige neue Tape einer Band aus Los Angeles hat für uns eine Ladung des so lärmigen wie auch hyperaktiven Synth-/Electro Punks, der sich irgendwie vage nach Klassikern der ’70er und ’80er anhört aber dann doch keine ganz treffende Ensprechung in jener Ära findet, wobei ich aber sagen würde dass Primitive Calculators und Nervous Gender keine ganz abwegigen Vergleiche wären. Darüber hinaus kann man auch gut Parallelen ziehen zu einer Reihe ziemlich unterschiedlicher jüngerer Bands wie Lost Packages, ISS, Spyroids, Skull Cult und Freak Genes, plus eine Prise von hybridem Garage-/Post Punk á la Tyvek und Shark Toys in gitarrenlastigeren Tracks wie Ford Branca.

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Deformative – Fugue

Seit der schon durchweg schmackhaften selbstbetitelten EP im letzten Jahr hat diese Band aus Los Angeles definitiv sehr fleißig ihre Operationen konsolidiert und gestrafft, was sich hier in einer noch mal deutlich kräftigeren, konzentrierten Attacke ihres elektrifizierten Punklärms äußert, der sich irgendwo zwischen den Parametern von Garage-, Hardcore- und Eggpunk bewegt und auf mich wirkt wie ein unförmiger Frankensteinbastard, für den etwa die rohen Gewalten von Arse und 2 Stroke verschweißt werden mit dem Noise-/Fuzz-/Garage Punk von S.B.F. und was auch immer der berüchtigte Zhoop/Djinn/Brundle/RONi/etc…-Komplex gerade wieder auf dem Kerbholz hat.

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Power Shovel – Demo

Das Demo dieser Kalifornier lässt vier maximal rohe und versiffte Brocken des leicht garage-lastigen und noise-verseuchten Hardcorepunks vom Stapel, die mehr als nur ein bisschen von einem freidrehendem Lumpy and the Dumpers- oder The Mentally Ill-Amoklauf channeln. Danach willst du sicher erstmal Duschen. Anders ausgedrückt: Erstklassige, schnörkellose Unterhaltung für unausgeglichene Gemüter.

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