Ziemlich heißer Scheiß, die Debüt-Kassette von irgend so ’nem Typen aus Lansing, Michigan. Das ausgefuzzte Garage Punk-Inferno in Cracked lockt dabei zuerst mal auf eine etwas falsche Fährte, verschiebt sich der Sound in den darauf folgenden Tracks doch mehr in eine Richtung von Noise-verseuchtem Synth Punk und umspannt dabei doch so einiges an stilistischer Bandbreite. Entsprechend mag man sich hier an einen recht bunten Blumenstrauß von Bands aus dem erweiterten Spektrum von Synth-/Electro-/Sample Punk erinnert fühlen wie etwa Beef, ISS, Heavy Metal, Klint, The Garden, Victor, Spyroids, R. Clown, Paulo Vicious und Kerozine.
Die dritte EP dieser Band aus Brooklyn, New York ist mal zweifellos ihre ausgereifteste Veröffentlichung bislang und häit ohne Not eine heikle Balance zwischen vergleichsweise stumpfen und simplen Hardcorepunk-Smashern und ungleich filigraneren Postcore-Versatzstücken, die mir unter anderem so schräge Vögel wie Mystic Inane, Launcher oder Rolex ins Gedächtnis rufen und immer hat das reichlich heiße Kohlen unter’m Arsch, aufgeladen mit einem konstanten Grundpegel der Verunsicherung und Unberechenbarkeit.
Dieses nette neue Tape von so ’nem Vogel aus Liecester, UK sagt mir ganz unverschämt zu mit seiner komplett ausgebrannten Klangästhetik, die hektisch pendelt zwischen schön rumpeligen Hardcoreparts und stärker Richtung Garage tendierendem Fuzz Punk, was fast schon so einen alten Lumpy and the Dumpers-Vibe heraufbeschwört. Musik in meinen Ohren!
Das aus Hattiesburg, Mississippi operierende Label Earth Girl Tapes hat hier erneut ein köstliches Häppchen für uns parat mit den Debüt-Tape von Cucuy aus Chicago. Das sorgt für sechs ordentliche Erschütterungen aus Noise-lastigem und wunderschön schrägem Hard- und Postcore, der Chaos und Dissonanz perfekt ausbalanciert gegenüber einer überduchschnittlichen Musikalität. Das erinnert mich ein bisschen an das unkonventionelle frühe Schaffen von Minutemen, Really Red und Saccharine Trust, hat aber auch einiges gemeinsam mit jüngeren Phänomenen wie Rolex, Launcher oder Mystic Inane.
Exzellenter Scheiß dringt da aus irgendeinem Kellerloch in Bremen. Die Machart des satt angetriebenen Garage Punks dieser Band entfaltet sich ein bisschen wie eine Mischung aus mehr oder weniger Hardcore-lastigen Acts wie Vexx, Warm Bodies, Fugitive Bubble, Sniffany and the Nits, Warp, Skin Tags und Dots einerseits, aber auch mit Anklängen an stärker im zeitgenössischen Eggpunk beheimateten Bands á la Cel Ray, Snooper, Prison Affair, Autobahns oder Beer.
Hattiesburg Hardcore enttäuscht selten und auch dieses Tape der Silo Kids stellt erneut das explosive Potenzial dieser Szene unter Beweis. Dem Ganzen wohnt so eine rohe und Fuzz-lastige oldschool-Qualität inne, aber gleichzeitug ist der Schaiß auch verdammt catchy und abwechslungsreich. Niemals zufrieden zu stellen mit einem öden Aufguss geläufiger Genre-Regeln und Konventionen, ist da ganz klar ein haufen kreative Freigeister am Werk, was ja überhaupt auch ein primäres Attribut so vieler Bands dieses unscheinbaren Städtchens ist.
Wie ihr sicher bereits aus dem Titel geschlossen habt, ist das hier nicht mehr ganz neu sondern erschien bereits im November, aber für mich ist die Band aus Miami definitiv noch neu! Auf ihrer Debüt-EP bekommen wir vier exquisite Einschläge aus roher und primitiver Hardcore-Qualität serviert, deren blecherne LoFi-Ästhetik sich bestimmt auch im Katalog von so Schepperlabels wie Deluxe Bias oder Impotent Fetus gut machen würde.
Ein kleines Paradox, diese berliner Band, die hier einerseits eins der am meisten „Berlin“ klingenden Alben seit langem abgeliefert hat, für die ich dann aber doch keine so wirklich passende Entsprechung in jüngerer Zeit finde. Der beste Vergleich, der mir da einfällt wären wohl Hyäne und ihre zwei saustarken EPs plus eine ebenbürtige LP, die sie zwischen 2016-2018 von der Leine gelassen haben, wenngleich das Zeug hier sich hier aber noch ein ganzes Stück roher, oldschooliger, primitiver anfühlt, stärker verankert in einem ’80er Punk- und Hardcore-Hintergrund. Trotz all dem würde ich mal sagen dass Freunde von so Bands wie Die Verlierer, Kalte Hand, Maske, Pigeon and Gesture auch dieser Platte bestimmt nicht abgeneigt sind, denn irgendein roter Faden, so vage und undefiniert er auch sein mag, zieht sich durch alle davon.
*edit* In der langjährigen Tradition dass ich manchmal einfach schlecht informiertes, dummes Gewäsch schreibe, stellt sich heraus, dass die Band mal so gar nicht aus Berlin kommt (nur das Label) sondern nicht weit von meiner eigenen Haustür irgendwo im Ruhrpott. Na kein Wunder dass die so angepisst sind. Es bleibt spannend: Was wird mein nächster Griff ins Klo? Stay tuned!
Passte die 2020er Debüt-EP dieser Spanisch singenden, schwedischen Band noch etwas zu perfekt in die Hardcore- und Death Rock-getränkte „Dark Punk“-Schiene des vergangenen Jahrzehnts, zeugte das Split Tape mit Islands essentiellen Genre-Stüztpfeilern Dauðyflin schon von einem stetigen Wachstum. Mit ihrer neuesten EP würde ich jetzt mal sagen, dass sie hier erstmals ihr volles Potenzial entfalten und gleichzeitig anfangen, die Limitierungen ihres doch ziemlich restriktiven Genres zu Transzendieren mit einerm Bündel neuer Songs, die nicht unbedingt etwas neues erfinden, aber die grundlegenden Parameter des Genres zu absoluter Perfektion arrangieren und feintunen, zu einer Reihe von so makel- wie auch atemlosen Abgründen aus Tod und Verderben, die dennoch von Anfang bis Ende die Spannung und mein Interesse zu halten vermögen – eine Qualität, die in dieser spezifischen Nische doch etwas selten geworden ist.
Bad Shout aus Cardiff konnten bereits eine vielversprechende Debüt-EP im letzten Jahr verzeichnen und einen noch etwas stärkeren Nachfolger dieses Jahr im Sommer, aber für mein Empfinden taten sie sich schwer damit, dem müßigen Status als „durchaus nett, aber noch nicht ganz da“ zu entkommen. Nu ja, was soll ich sagen… mit der neuesten EP ist die Band aber mal sowas von angekommen, auf welcher sie gekonnt zwischen ordentlich eingelaufenem, bluesigem oldschool Garage Punk, Hardcore-Ausbrüchen und powerpoppigen Ohrwürmern mit ’77er Vibe, leichten Spuren von Dickies alternieren.