Die Band aus Seattle gibt's jetzt ja schon 'ne Weile und entsprechend sitzt ihr Sound mit Schulden bei MC5 und Stooges inzwischen so komfortabel wie ein uralter Schlabberpulli. Das Tempo hält man heute etwas variabler und streckt sich regelmäßig in Richtung Hardcore aus, aber das ist so ziemlich die einzige nennenswerte Veränderung seit ihrem 2015er Demo. In den Händen einer weniger fähigen Band wäre das ein Rezept für garantierte Langeweile, aber Lysol vermögen den Scheiß wie gewohnt mittels reiner Wucht im Gehörgang zu verkanten. Da wackelt einfach nichts mehr.
Schön deftiger Noisecore reinigt die Gehörgänge auf der Debüt-EP dieser Band, deren Mitglieder sich quer über Berlin, Leipzig und Bonn verstreuen. Das had sicher ein bisschen was von Acrylics, Vulture Shit, Soupcans und Stinkhole... oder alternativ auch von No Trend, Flipper und Broken Talent mit jeweils dreifacher Geschwindigkeit.
Die Berliner waren mir bisher von einer Handvoll Demos bekannt, die allesamt mehr oder weniger an den schäbigen Produktionswerten krankten. Umso schöner deshalb, sie jetzt mal in einem Sound zu hören, der ihrer schieren Wucht gerecht wird. Das Resultat ist mindestens so gut wie ich es vermutet hätte - ihre ultra-räudige Mischung aus Post- und Hardcorepunk mit Anleihen von Death Rock und Garage schlägt zuverlässig genau da ein wo es wehtut.
Habt ihr schon diese Super Cheap EP gehört, die man superbillig von Painters Tapes bekommen kann? Das ist ein schräger kleiner Klumpen aus Baustellenlärm - ziemlich wild, schnell und angenehm kurz. Etwa so wie ein Mischling aus Soupcans, Lumpy and the Dumpers, Stinkhole und Connie Voltaires diversen Hardcore-Projekten.
Mit bislang vier EPs via Neon Taste auf dem Kerbholz haben Bootlicker aus Vancouver bislang ausschließlich ins Schwarze getroffen, warum also irgendwas dran ändern? Sie versuchen das auch gar nicht und entsprechend zeigt sich ihre Machart von schnörkellos-oldschooligem Hardcore-Fön auch auf dem ersten Langspieler weitgehend frei von Überraschungen und dennoch von Anfang bis Ende mitreißend.
Es scheint als hätte die zweite LP dieser Band aus Austin, Texas jetzt schon eine ganze Weile auf ihrer Bandcamp-Seite weitgehend unbemerkt vor sich hin gegammelt. Das muss sich jetzt ändern. Die Platte beginnt nicht ganz unähnlich zum melodischem Garage Punk und Powerpop etwa von Vaguess oder den Booji Boys, bewegt sich anschließend aber eher durch diverse Iterationen eines leicht KBD-mäßigen, irgendwo zwischen Garage und Hardcore sitzenden Sounds im Umfeld von Launcher, Liquid Assets, Fried Egg oder Freakees… und gelegentlich auch mit einem subtilen Gun Club-Vibe. Außerdem gibt es noch eine wunderbar chaotische Coverversion von Minutemen's Corona, die kein bisschen saugt. So, und jetzt geht bitte alle auf deren Bandcamp auf dass sie reich und berühmt werden!
Ein weiteres vorzügliches Überbleibsel aus der letzten Woche ist diese Debüt-EP einer australischen Band mit vier geradezu perfekten Hardcore-meets-Garage Punk-Knallkörpern, wobei das einfache und ziemlich unsubtile Frustrated Youth nicht weniger als eine absolut zeitlose Hymne abgibt. Zwangsläufig erinnert mich das an Cement Shoes und im geringeren Maß auch an frühere Electric Chair, Chainshot oder Exxon.
Als Gegengewicht zum letzten Beitrag ist hier mal ein musikgewordener Shitpost von einem Typen aus Seattle, der zufällig auch in der einen oder anderen lokalen Szene-Legende seine Finger mit drin hatte. Eine Rockoper in vierzehn Akten, die auf ein handliches 7"-Format eingeschrumpft wurde und sich etwas anfühlt wie eine Verschmelzung aus 80er Nomeansno, frühen Minutemen und Saccharine Trust… aber vermutlich hab ich jetzt schon zu viel drüber nachgedacht.
Kawumm! Was einem hier auf der Debüt-EP dieser Kanadier ins Gesicht springt sind perfekte sieben Minuten leicht Garage- und KBD-beeinflusstem oldschool Hardcore-Getöses, in dessen halsbrecherischer Performance sich ums verrecken keine einzige Schwachstelle finden lässt.
Ich war etwas spät dran, diese Band aus Atlanta zu entdecken, die jetzt schon seit über einer Dekade rumlärmt - erst mit ihrer 2018er No Face 7" wurde ich auf sie aufmerksam. Auch wusste ich da noch nicht, dass sie sich Mitglieder mit den Postpunk-Minimalisten Nag teilen. Jetzt ergibt plötzlich alles mehr Sinn. Nicht nur höre ich da klar den gleichen Sänger, sondern auch soundmäßig kann ich jetzt die Verwandtschaft kaum mehr überhören. Predator klingen etwas wie der etwas geselligere Cousin von Nag, mit stärkerer Garagen-Tendenz und gelegentlichen Hardcore-Momenten. Ich meine… vereinzelt klingen sie fast so, als hätten sie Spaß an der Sache!