…und hier ist noch ein süßes kleines Artefakt des vage eierköpfigen Garage Punks, für den irgendein Mensch im neuen Jerseypulli die Verantwortung trägt. Das wirkt ein bisschen wie eine Mixtur aus Alien Nosejob im HC 7"-Modus, S.B.F. und Connie Voltaires diversen Hardcore-Projekten. Außerdem eine helle Entscheidung, zwei öde, langsame Songs dank hochmoderner Audiotechnologie zwei aufregende, schnelle Songs zu verwandeln.
Ein herausragender Donnerschlag von einem Demo liefert hier eine New Yorker Band ab, die es gar nicht erst versucht einem Style von ultra-oldschooligem Hardcorepunk neue Nuancen zu entlocken, der glaubhaft jedem beliebigen Zeitpunkt der letzten 4+ Jahrzehnte entsprungen sein könnte. Stattdessen ziehen sie ihr uraltes Zeug mit einer Überzeugung, Beharrlichkeit und perfekter Zielgenauigkeit durch, die das zeitlose Potenzial voll ausschöpft.
Das 2019er Demo dieser Band aus Washington, D.C. hatte ja schon seine unbestreitbaren Qualitäten, aber ihre Debüt-7" auf 11 PM Records setzt da noch deutlich einen drauf, fokussierter in ihrer Vision und mit adäquaten Prouktionswerten ins richtige Licht gerückt. Der Opener Blood Runs Through ist hier das Paradebeispiel dafür, was diese Band besonders macht - eine mitreißende Catchyness und ein im gegenwärtigen Hardcore Punk selten gehörter Sinn für Melodie trifft darin auf schnörkellos geradeaus donnernde Riffs, die eher den Sphären des oldschooligen "Heavy" Metal entlehnt scheinen als klassischem Hardcore, verwoben zu häufig etwas exzentrischen Songstrukturen, die immer für eine Überraschung oder zwei gut sind. Einige der besten Momente kommen für mich rüber wie eine unwahrscheinliche Verschmelzung von Cülo mit Naked Raygun.
Ein popotretendes kleines Demo von einer Band oder Person in Buenos Aires. Das steht mit einem Fuß in einer sich zeitgemäß anfühlenden Pfütze aus Lockdown-induziertem DIY Garage Punk, die andere Flosse matscht hingegen tief in den Schichten von früh-80er Hardcore-Gedöns herum und trägt dabei seine alte KBD-Style Dreckschicht mit voller Überzeugung. Einfach, ökonomisch, effektiv.
Spektakuläres erstes Dokument einer Band aus Kopenhagen, die hier einen recht unkonventionellen Mix aus Post Punk, Hard- und Postcore spielt mit einem seltenen Sinn für Melodie und einem stark psychedelischen, fast schon Shoegaze-mäßigen Unterton. Außerdem, mit Blick auf die Kopenhagener Szene, geht es kaum anders als hier auch leise Echos der frühen Iceage und Lower zu registrieren.
Eine Band aus Melbourne zeichnet auf ihrer Debüt-EP für fünf abwechslungsreiche Einschläge irgendwo im Spektrum von Hard-/Post-/Noisecore verantwortlich, die mir mit ihrer gleichermaßen derben wie auch ausgeklügelten Wucht so Kapellen wie etwa Dollhouse, Cement Shoes oder Vexx ins Gedächtnis rufen.
Um hier überhaupt mal ein bisschen was geregelt zu kriegen, verbrate ich jetzt mal ganze drei Krawallbands in einem Post. Zuerst mal wären da fünf durchaus spaßige Iterationen der unkonventionellen Lärmerei auf der EP von Deodorant aus Chicago, die bereits 2018 schon eimal mit einem sehr netten kleinen Album auf Not Normal Tapes auffielen. Auf dem neuesten Kurzspieler wird ein recht weites Feld abgedeckt von oldschool Hard- und Postcore-Weirdos der Marke Saccharine Trust, Beefeater, Really Red oder frühe Minutemen, zu jüngeren Bands á la Optic Nerve, Mystic Inane abgerundet mit ein paar subtilen Cowpunk-Vibes etwa in King Samo. Wenn das jetzt alles etwas zu viel für dein kleines Hirn zum verarbeiten ist, dann magst du vielleicht den viel geradlinigeren Lärm aus leicht garage-kontaminiertem Oldschool-Gekloppe den Vorzug geben, wie es Dye aus Kansas auf einer neuen EP präsentieren. Oder aber das klingt dir nach zu viel Spaß und du bevorzugst etwas mehr Tod und Verzweiflung in deinem Punkrock? Dann hätte ich da was für dich von Urn aus Dallas, deren Sound in etwa so dunkel und trüb daher kommt wie verbrannter, abgestandener Kaffee… abstoßend und vitalisierend zugleich.
Nachdem ihr letzter Langspieler für mich nicht so richtig zünden wollte, trifft die neueste EP der Band aus Reno, Nevada aber wieder präzise ins Schwarze ohne sich dabei zu wiederholen, spannt dabei einen Bogen von oldschooligem Noise Rock der AmRep- und Touch & Go-Schule über an frühe Die Kreuzen erinnernden Hardcorepunk hin zu Drive Like Jehu-mäßigem Postcorezeug.
Ihr dritter "Lang"-spieler präsentiert die Band aus Charlottestown, Kanada auf die gewohnt frische, durchweg liebenswerte Art mit einem weiteren oldschooligem Batzen an geringfügig noisy verdrecktem, spaßigen und immer leicht schrägen Hardcore Punk, der über eine angenehm kurze Laufzeit immer die Spannung zu halten vermag.
Wenn du deinen Hardcore Punk so wild, catchy und unschuldig magst wie 1981 an der US Westküste im Sechserpack verschweißt und seither ungeöffnet… wir hätten da was neues für dich. Aus Toronto kommt der Krempel und die fünf Songs klingen dabei keineswegs anachronistisch sondern versprühen mit dem gewissen Spritzer von zeitlosem KBD- und Garage Punk so einen Vibe, nicht ganz unähnlich zu aktuellen Bands á la Launcher, Freakees, Liquid Assets oder Cement Shoes.