Leckeres Tape von einer Band aus South Arlington, Virginia. Prall gefüllt mit infektiösen Hooks sowie einer gelungen eigenwilligen und unerwartet melodiösen herangehensweise an ihren treibenden und gleichzeitig doch sehr zurückgelehnt vor sich hin schreddernden Garagen-(Post-)Punk.
Auch wenn es vielleicht etwas verniedlichend bis abwertend klingt, Bootleg, das Debütalbum der Band aus Brooklyn NY ist einfach eine schöne, spaßige Platte. So alle paar Wochen kommt mir mal wieder so eine unwiderstehliche Powerpop-Scheibe unter, mit einem Sound der so alt ist, dass meine Eltern sich nicht mehr dran erinnern, mit Ohrwurmfaktor hundert und Pophooks die zwangsläufig die sofortige Ausschüttung von Glückshormonen triggern. Marvin Berry & The New Sound stechen aber aus dem ganzen nochmal etwas raus, ohne oberflächlich etwas anders zu machen als ähnliche Bands. Es ist einfach die stimmigste Zusammenstellung von elf melodischen Rockern, die ich seit längerem gehört habe. Geerdet im bereits erwähnten Powerpop der 60er und 70er, mit dem Vorwärtsdrang von 77er Punkbands gespielt, gucken mehr als einmal frühe The Jam um die Ecke. Im aktuellen Umfeld fühle ich mich auch stark an die Washingtoner Title Tracks erinnert.
Loyalists, eine frisch geschlüpfte Band aus dem kalifornischen Oakland, zeigen sich auf ihrem ersten Album schon erstaunlich ausgereift. Es gibt stark angebluesten Noiserock/Postpunk mit häufigem Cello-Einsatz zu bestaunen, der vor allem durch seine Konsequenz überzeugt. Erinnert stellenweise an die alten australischen Bluespunker Feedtime. Das ist nicht so sehr die hässliche Tritt-in-die-Fresse-Version des Genres, sondern eine etwas einladendere, monoton-groovende und gradlinig rockende Variante von dem Dreck. Im letzten Track entläd sich die Spannung dann konsequent in einer ausgiebigen Drone-Orgie. Super Debüt von einer Band mit haufenweise Potenzial, die kommen auf meine Beobachtungliste.
Radar Eyes aus Chicago haben gleich zwei neue 45er am Start. Ihr selbstbetiteltes Album von 2012 ist mir noch gut in Erinnerung, damals bewegte sich die Band noch etwas ungelenk im Spannungsfeld von Garagenrock, Postpunk und auch etwas Dreampop & C86-Gedöns. Seitdem hat sich in der Besetzung ein wenig was gedreht und mit neuen Leuten kam auch etwas Bewegung in ihre Musik. Ich bin mehr als nur angetan von der Entwicklung hin zu einem deutlich gereiften, erwachseneren Sound, den sie auf den beiden Kurzspielern präsentieren. Vier starke, ausgereifte Songs, die sich gar nicht mehr hinter einer Wand aus Krach verstecken müssen, erstrahlen hier in einem deutlich entschlackten, nichts desto trotz treibenden und rauhen Klanggewand. Die in Eigenregie veröffentlichte Community / Fall Into Place 7″ zeigt die Band dabei von ihrer etwas melancholisch-melodischeren Seite, etwa wie eine Verquickung der Wipers mit den poppigeren Nummern von Mission of Burma. Die auf Hozac erschienene Positive Feedback 7″ gibt sich dann wieder etwas lärmender, zwischentöne á la Saints oder spätere Gun Club meine ich hier heraus zu hören. Für März ist ein neues Album angekündigt, ich bin schon saugespannt drauf.
Kurze aber schöne 7″, erschienen in der LAMC-Serie von Split-7″s bei Famous Class Records. Zwei mal psychedelischer Garagenrock, einmal in der schnörkellos-energetischen Variante von Ty Segalls allseits bekannter Band Fuzz, auf der anderen Seite gibt es dann die deutlich krudere Version davon, beschert von den gerade aufstrebenden CCR Headceaner.
Das 2012 erschienene, selbstbetitelte Debütalbum von Woolen Men war ein roher Diamant, versteckt in der unüberschaubaren Masse an mäßigen bis überflüssigen Garagenrockveröffentlichungen. Ich lege es jedem auch nur ansatzweise am Genre interessierten dringlich ans Herz da mal ein Ohr zu riskieren, lohnt sich ungemein. Auf ihrer neuen EP schlägt das Trio aus Portland aber eine deutlich andere Richtung ein, weg von den psychedelisch angahauchten Jams hin zu kompakteren, eingängigen zwei-Minuten Powerpop-/Punkkloppern. Und diese Transformation gelingt ihnen ganz hervorragend dank ausgezeichneter Songs. Wieder mal ein Volltreffer.
Die Veranstalter vom Austin Psych Fest, einer zentralen Veranstaltung der US Psychedelic- und Garagen-Untergrundszene, betreiben nebenher auch noch das Label Reverberation Appreciation Society, welches uns jetzt den neuesten Streich der Vernebelungskünstler aus El Paso, Texas präsentiert. Ich war schon sehr angetan von ihrem ersten (?) Album Knife Hits; seitdem sind dessen sonnige Beach Boys-Melodien eher in den Hintergrund getreten, geblieben ist ihr Hang zu exzessivem Einsatz von Halleffekten und den daraus resultierenden, einlullenden Soundscapes. Bonuspunkte gibt’s für die beste Artwork-Titel-Kombi seit langem. Und locker machen sollte man sich auf jeden Fall – mit oder ohne psychedelische Hilfsmittel – um dieses Album wirklich goutieren zu können. Denn das ist Musik für echte Liebhaber der genannten Musikgenres; repetitiv, simpel und kompromisslos.
Psychedelischer Surfpunk aus Queensland, Australien. Von Gun Club und den Cramps genau so inspiriert wie von Enno Morricone Soundtracks, hat diese Platte den seltsamen Sog eines David Lynch Films. Alles sehr eingängig und vertraut auf den ersten Blick, bekommt man doch schnell die höchst beunruhigende Ahnung, dass unter der sonnigen Oberfläche ganz und gar verstörende Dinge ihre ersten Schatten werfen. Nicht zu lange auf’s Cover starren, sonst verschluckt es euch!
Coole Band aus Tempe, Arizona. Laut Bandcamp-Seite des Labels können wir bald einen neuen Langspieler erwarten. Da bin ich mal gespannt drauf, denn dieser Appetitanreger massiert schon ziemlich angenehm meine Geschmacksnerven. Einmal launiger, vom 77er Punk beeinflusster Schrammelpop, gefolgt von zwei eher garagig angehauchten Retro-Rockern, zeigt die Band immer ein ausgeprägtes Gespür für eingängige (Power-)Popmelodien.
Ich kann um’s verrecken nicht viel mehr über diesen Typen herausfinden außer dass er wohl vor sehr, sehr langer Zeit in einer Band namens Pink Holes mitgemischt hat, die wiederum sind scheinbar so was wie eine lokale Legende in ihrer Heimat Painesville, Ohio. Muss ich mal auschecken, wenn ich die Zeit finde. Auf seiner aktuellen Platte setzt es minimalistischen Garagenrock und 77er Punk mit starkem Rockabilly-Einfluss. Die Cramps lassen manchmal recht herzlich grüßen. Proto-Punk á la Modern Lovers ist auch keine ganz falsche Assoziation. Immer schön abgehangen und ohne überflüssige Schnörkel produziert, hätte diese Platte genau so auch schon vor dreißig Jahren erscheinen können. (mehr …)