Bataan – Consumer Mouthpieces

Eine hochkarätige Supergroup von diffuser Herkunft geht auf diesem Tape via Quality Time Records und Refry Records an den Start. Mit dabei sind unter anderem Leute von OBN IIIs, Vaguess (the man himself) und Ricky Hell & The Voidboys (ditto). Soundmäßig geht’s – etwas unerwartet – eher postpunkig zu, mit gewissen Ähnlichkeiten zu Sievehead oder Criminal Code, aber auch ein garagiger Vibe der Marke Sauna Youth lässt sich da irgendwie erahnen.

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Erik Nervous & The Beta Blockers – Erik Nervous & The Beta Blockers

Erik Nervous fiel mir erstmals vor vier Jahren mit einem wunderbar abgefuckten Demo aus schrägem Lo-Fi Garage Punk und einer leicht new wavigen Note auf. Seitdem hat der Typ die eine oder andere solide EP rausgehauen, fiel zuletzt mit einer netten Devo Cover-EP und einer Split 7″ mit Neo Neos auf, letztere stellte auch das Debüt seiner Backing Band The Beta Bockers dar. Eine explosive Kombi, die auf seinem ersten Langspieler zu ihrer vorläufigen Bestform aufläuft. Recht variabler Garage Punk ist das, mit der erwähnten New Wave-Kante und ausgereiftem Songmaterial, das immer für eine Überraschung gut ist. Hat mal was von Andy Human & The Reptoids, aber auch der quirlige Post Punk von Patti kommt mir vereinzelt als Vergleich in den Sinn oder eine sehr krude Variante der Lithics. Obendrein lässt man in Blasted Heath mal ganz schamlos den Synthpopper raushängen und gecovert wird auch mal wieder – diesmal werden Siouxsie and the Banshees auf grandiose Art wiederverwertet.

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Steve Adamyk Band – Paradise

Steve Adamyk und Kumpanen lassen auch auf ihrem mindestens sechsten Langspieler nichts anbrennen, wollen und brauchen sich auch gar nicht neu erfinden. Wie gehabt kommt straighter Garagepunk zu Gehör, der konstant zwischen dem simpel-effektiven Arschtritt á la Sick Thoughts und Powerpop-Melodien der Radioactivity- oder Bad Sports-Geschmacksrichtung minus deren Melancholie oszilliert, dabei gerade eben so Pop ist wie Punk sein darf, ohne in mir Würgereflexe auszulösen.

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(The Minneapolis) Uranium Club (Band) – The Cosmo Cleaners: The Higher Calling Of Business Provocateurs

Auch das dritte Album von Uranium Club ist erwartungsgemäß all Knüller no Füller. Ich glaub es wäre übertrieben, angesichts der groben Masse an sauguten, jungen wie auch älteren aktiven Garagenbands eine davon als die beste zu küren, aber es läst sich kaum bestreiten dass Uranium Club die letzten vier Jahre lang sowas von in der Zone sind, mit einem bereits voll ausgereiften Sound erstmals an die Öffentlichkeit traten und seitdem scheinbar einfach nichts falsch machen können. In ihrer speziellen Nische aus borderline-virtuos dargebotenem, schlau arrangiertem und fies abgroovendem Garagepunk mit einem Hauch von Artpunk macht ihnen derzeit niemand was vor.

Ansonsten herrscht hier überwegend business as usual – die Rezeptur wurde wieder inkrementell verfeinert und ein paar kleinere Experimente wie etwa die schrägen Samples im Opener sind neu. Die auffälligste Veränderung betrifft aber die Lyrics. Die sind zwar immer noch weitgehend von absurdem bis schwarzem Humor durchzogen, können aber neuerdings auch einfach mal vollkommen ironiefrei tiefschwarz und resigniert rüberkommen. So klingt es, wenn Humor als Bewältigungsstrategie nicht mehr greift und das Lachen zeitweilig im Halse stecken bleibt. Willkommen im Club.

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Obsessions – Killing Time

Astreiner Garagenstoff auf aus Vancouver der sich durch starke Songfundamente auszeichnet und von einer tiefen Melancholie durchsetzt ist. Außerdem mit an Bord: reichlich Surf-Twang, psychedelische Fuzz- und Feedbackorgien. In dieser Kombi erinnert das etwas an die letzte Apache Dropout LP, an etwas poppigere Crystal Stilts oder eine deutlich lautere Variante von The Fresh & Onlys.

V.A. – American Idylls

Das Szenebollwerk Sorry State Records aus Raleigh, North Carolina macht einen auf Flex Your Head und haut eine ambitionierte Compilation in Form einer Doppel-LP raus, die in satten 49 Songs von 19 Bands als Momentaufnahme der örtlichen Punkszene verstanden werden will. Wenn auch tendenziell das räudig oldschoolige Hardcoregedöns in mal mehr, mal weniger origineller Daseinsform dominiert, kann man sich kaum über mangelnde Vielfalt beklagen – American Idylls klingt wie ein Rundumschlag von so ziemlich vielem, was auch dieses Blog antreibt, und das auf überwiegend sehr starkem bis grandiosem Niveau. Einige Bands, die hier schon mal vorgekommen sind und andere, die ich besser mal im Auge behalte. Keine Zweitverwertung, sondern zu 100% exklusives Material wurde hier verbraten. Vielleicht die essenzielle Punkcompilation in diesem Jahr.

Pura Crema – Fin De La Era 7″

Exzellenter Stoff einer Band aus Monterrey, Mexico, der über das Washingtoner Label Ressurection Records den Weg hierher gefunden hat. Ein garagiger Sound bildet hier die Basis, auf der sich ein farbenfrohes Spektakel entfaltet als wären etwa die Red Dons mit ihrem Hang zur großen Hymne zusammen mit dem allgemeinen Vibe von Apache Dropout in einem Meer aus 60s Psychedelia und Surfrock eingetaucht. Die B-Seite bekommt dann noch einen leichten Post Punk-Schliff á la Ex-Cult verpasst und der no-wavige Saxofoneinsatz transportiert den Song in unerwartet abgehobene Sphären.

R.M.F.C. – Hive Vol. 2

Ich dachte eigentlich, Vol. 1 hier schon mal gepostet zu haben, aber das hab ich seinerzeit wohl irgendwie verplempert. Jedenfalls erweist sich auch die zweite EP des australischen Garagenprojekts als eine unwiderstehliche Spaßkanone, an der u.a. Freunde von Erik Nervous, UV Race oder früheren Useless Eaters sicher nicht vorbei kommen. Wer das ganze auf Vinyl bevorzugt, sollte übrigens noch bis zum Monatsende abwarten. Dann erscheinen nämlich Vol. 1&2 zusammen auf einer LP aus dem guten Hause Erste Theke Tonträger.

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Man-Eaters – Man-Eaters

Kaum zu überhören, dass bei dieser Band drei Viertel von Tarantüla am Werk sind, denn die klanglichen Unterschiede zu denen sind eher marginal. Vielleicht tritt der Post Punk-Faktor etwas in den Hintergrund, der Hang zu prähistorischem Metal-Riffing wird ein bisschen schamloser ausgelebt. Ansonsten gilt: Was nicht kaputt ist, muss auch nicht gefixt werden. Nach wie vor ein Heidenspaß.

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Andy Human & The Reptoids – Psychic Sidekick

Album Nummer zwei der Garage-/Postpunk-Kapelle aus Oakland verzichtet mal wieder auf große Überraschungen, ist dafür aber auch frei von Enttäuschungen und arbeitet einfach weiter an der Kultivierung ihres quirligen, unverkennbar eigenen Sounds mit Rückständen von britischer 77er Schule sowie klaren Spuren von Devo und ein bisschen Wire. Trotz dieser klaren Bezugspunkte sind AH&TR eine der wenigen Garagenbands dieser Tage, deren Verwechslungspotenzial gegen Null tendiert.

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