Ein wundervolles, gestörtes Chaos ist das zweite Album von Trashdog aka Andrew Jackson - dem verantwortlichen Spacken hinter dem Label Digital Hotdogs - geworden. Dass hier die Uhren nicht ganz normal ticken war schon zu erwarten, aber von der Masse an feinster Qualität, die hier wild über den Boden verteilt zu entdecken ist, bin ich doch stark überrascht - besonders nachdem mich das erste Album nicht so komplett überzeugen mochte. Zu einem Drittel besteht das aus bekifften bis hirnverbrannten Gags. Zu einem weiteren aus ebenso mitreißenden wie schrägen Sounds, die irgendwo zwischen Garage Punk, Power Pop, Synth- und Elektropunk, einem Spritzer Glam ihr ausgesprochen einfallsreiches Unwesen treiben. Beim letzten Drittel bin ich mir dann nicht so sicher, in welche der beiden Kategorien es jetzt gehört. Alles zusammen ergibt eine vielleicht etwas überwältigende, aber nichts desto trotz sehr geile Abfahrt.
Moist Boy aus New Bedford, Massachusetts sind einer der seltenen Fälle in denen sich eine Band dem Pop Punk-Gehege annähert, ohne mich sofort in die Flucht zu treiben. Aber ehrlich gesagt liegt das eher daran, dass die meisten Pop Punk Bands einfach massiv saugen und die fundamentalsten Bausteine von genießbarem Punkrock nicht geregelt kriegen in einem Subgenre, das scheinbar eh keine Qualitätsstandards kennt. Moist Boy hingegen saugen ganz und gar nicht, sondern reißen vom ersten Moment an mit. 1A Songmaterial, jede reichlich Sprengkraft in einer tighten Darbietung, eine deutliche Garagenkante und durchaus finstere Lyrik sind ihre Mittel dazu. Hat unter anderem was von Cheap Wine, Dark Thoughts, Steve Adamyk Band und gar ein bisschen Marked Men. Erstklassiger Scheiß und Pflichtprogramm für denjenigen, der genannten Bands etwas abgewinnen kann.
Zum zweiten mal kommen die beiden Bands aus Indianapolis für eine Splitveröffentlichung zusammen - diesmal ist es ein Siebenzöller auf Goodbye Boozy Records geworden. Nicht nur ist die Aufnahme hier etwas weniger roh, sondern auch soundmäßig haben beide ihr Vokabular deutlich diversifiziert. The Resource Network hauen uns mal schlauen Garagepunk zwischen Uranium Club und Yammerer um die Ohren, mal Post Punk/-core, der sich z.B. irgendwo zwischen Rites of Spring und frühen Slovenly verorten lässt, und zu guter Letzt noch eine straighte Punknummer mit Launcher-mäßigem KBD-Vibe. Letzterer ist auch im Hause Big Hog am Start, vom Hardcore des Split-Tapes ist nun aber nicht mehr so viel zu spüren. Dafür gibt es eine Postpunkabfahrt á la Patti treffen auf frühe Minutemen zu bestaunen, eingerahmt von zwei mal Noise Punk, der etwas wie Lumpy & The Dumpers auf 'nem leichten Sludgetrip klingt.
Warm Exit aus Brüssel liefern hier eine tadellose kleine Dosis an Synth-veredeltem Garagepunk, der abwechseld mal an Bands wie Ausmuteants, Powerplant, Erik Nervous (& The Beta Blockers) oder Dumb erinnert.
Dieses Tape von Super X aus Melbourne ist inzwischen alles andere als neu, aber auch viel zu gut um hier nicht erwähnt zu werden. Darauf entfaltet sich ein Klangspektakel, bei dem alter Garage-/Proto Punk á la Stooges der Fun House-Ära auf abgespacete Sounds zwischen Destruction Unit und frühen Telescopes trifft, auf dem Weg aber auch noch ein paar Spuren von kontemporärem Post Punk mitschleift.
Im Kölner Raum gibt es ja eine durchaus lebhafte DIY-Veranstaltungskultur rund um garagigen Lärm und daher fand ich es zeitweise auch etwas verwunderlich, dass ich bisher so wenig von lokalen Bands und insbesondere in Form von Tonkonserven selbiger zu hören bekam. Na ja, Acid & Eltern kommen jedenfalls von dort und machen einwandfrei glücklich mit ihrem ersten Demo. Im besten Mono wird hier ein Sound eingescheppert, den ich unter anderem mal irgendwo zwischen Ex-Cult, frühen Useless Eaters und der LoFi-Ästhetik eines ebenso frühen Erik Nervous verorten würde.
Die Kalifornier Discovery lassen zwei weitere kurze aber potente Offensiven dieser speziellen Fusion aus endfuzzigem Hardcore- und Garagenzeug von Stapel, wie es in jüngsten Jahren scheinbar aus jeder Ritze im Asphalt sprießt. Eine Tatsache, mit der ich sehr gut leben kann.
Wie auch schon der Vorgänger ist die zweite EP dieser Band aus Buffalo, New York eine satte Dosis von unkonventionellem, einfallsreichen und stellenweise auffällig melodischem Hardcorespaß mit Ausläufern in Richtung Garage-, Fuzz- und KBD Punk.
Bei dieser Band aus Falmouth handelt es sich im Grunde genommen um drei Viertel von Internal Credit. Im Vergleich mit deren etwas simpler gestrickten Garage Punk geht es hier aber etwas straffer zur Sache mit einem Sound, der ihr solides Garagenfundament um gewisse Postcore-Tendenzen so á la Hot Snakes oder Youth Avoiders aufstockt, sowie um melodischen (Post-)Punk im Stile von Red Dons, Daylight Robbery, Anxious Living, Nervosas und ein kleines bisschen Wipers. Fluppt!
Okay, das hier ist mal einfach zu umschreiben. Werfe zu gleichen Teilen MC5 und Bad Brains in den Mixer und das Ergebnis klingt dann ungefähr so wie der Krempel von dieser Band aus Pittsburgh, Pennsylvania. So einfach und so verdammt gut.