Nachdem sein letzes Jahr erschienenes Langspieldebüt mit den Beta Blockers die eine oder andere Socke von den Füßen geblasen hat, gibt es ein paar Neuigkeiten zu berichten von einer der schillerndsten Figuren des gegenwärtigen Garage Punk. Erstmal gab es da bereits im Winter ein Tape unter dem Alias Psykik Vylence, auf dem er mit angemessen rohen Sounds aus der Hardcore-Grabbelkiste experimentiert – das Ergebnis ist eine wahre Freude. Und außerdem ist jetzt eine neue digitale EP zu haben, auf der er wie auch schon bei Psykik Vylence wieder alles solo aufgenommen hat. Aber ob jetzt mit oder ohne Beta Blockers – Erik Nervous macht einfach das, wofür ihn die meisten kennen und liebgewonnen haben: Geringfügig verstrahlten und einfallsreichen Garage Punk mit eingebauter Ohrwurmgarantie. Diesmal gibt es obendrein eine mehr als nur obskure Wahl für eine Coverversion (in der Tat hab ich noch nie von Taste Test gehört…) und zum Abschluss einen unfertigen, aber verdammt Wind erzeugenden Instrumentaltrack mit dem Versprechen, dass die Vocals bald nachgeliefert werden. Muss man einfach gern haben, so was.
Wenn ihr mich fragt sind Cement Shoes aus Richmond, Virginia die gegenwärtigen Könige des Garagecore-Mikrogenres, injizieren eine massive Portion von nahezu schmierigem Rock’n’Roll in ein Fundament aus fraglos Hardcore zu nennender Energie wie man sie nur in wenig anderen Bands derzeit findet – Cülo oder deren quasi-Nachfolger Tarantüla, Man Eaters könnte man vielleicht als ein etwas Hardcore-lastigere Vergleiche anbieten. Oder wie die australischen Garage-Sleaze Rocker Golden Pelicans klingen könnten, wenn sie eine Hardcore-Erleuchtung verpasst bekommen. Mit einer neuen 7″, auf der zuverlässigen britischen qualitäts-Plattenpresse Drunken Sailor Records erschienen, gibt es jedenfalls Nachschub von dem guten Zeug und der Rausschmeißer-Track Going Off The Grid, ein etwas konventionellerer Garagenrocker, könnte vielleicht eine zukünftige Abkehr vom Hardcore-Tempo signalisieren, oder halt auch nicht. Was immer die Band als nächstes vorhat, sie sind ein spannender Act, den es weiter zu beobachten gilt.
Nach bereits einem Album und einer Handvoll EPs wissen wir ja schon in etwa, was man von einer neuen Flat Worms-Platte erwarten kann. Das heißt aber nicht, dass sie auf der Stelle treten; vielmehr haben sie mit jeder neuen Veröffentlichung eine bestimmte Facette ihres Sounds genauer erforscht und erweitert. Dieses mal haben sie mit Steve Albini in seiner elektrischen Audiofabrik aufgenommen und passenderweise kommt das Ergebnis nicht nur mit dessen typischer Klangcharakteristik daher, sondern scheint sich auch ein bisschen Inspiration aus seiner langjährigen Geschichte als Produzent Tontechniker gezogen zu haben. Insbesondere ist hier ein klarer Schwenk in Richtung Noise Rock und Postcore wahrnehmbar, der irgendwie auch schon immer ein unterschwelliger Teil ihres Sounds war, aber noch nie so im Zentrum stand wie hier, unter anderem vergleichbar mit gegenwärtigen Bands wie Meat Wave, Metz oder USA Nails. Weitere kleine aber angenehme Überraschungen sind der fast als relaxt zu bezeichnende Titeltrack und die 90er Indie Rock-Vibes in Market Forces.
Wo wir gerade schon beim Thema Kitchen People und Warttman Inc. sind: Hier ist gleich noch mal eine kompakte Ladung Synthpunk-Wahnsinn von einem Soloprojekt aus dem Kitchen People-Umfeld, der eine gewisse Ähnlichkeit zu Warttman-Acts á la Set-Top Box und Research Reactor Corp. aufweist, außerdem ab und an noch ein paar vereinzelte Einsprengsel von Digital Leather oder Trashdog.
Die neuesten Rekruten der australischen Warttman Gang sind Kitchen People aus Perth. Die hatten bereits die eine oder andere Veröffentlichung am Start, von denen aber – um hier mal ganz ehrlich zu sein – keine auch nur annähernd so gut Ärsche trat wie es ihre neueste EP bewerkstelligt – ein angemessen schräger Synth-/Garagepunk-Muteant. Die Jungs passen wie Arsch auf Eimer in die abgefuckte Warttman-Nachbarschaft.
Irgendwie muss ich die erste EP dieses Quartetts aus Chicago vor zwei Jahren übersehen haben… dessen Begutachtung ich jetzt mal dringend nachholen muss, denn ihre neue 7″ gewinnt sofort meine Sympathie mit einer gekonnten Mixtur aus geringfügig garagen- und hardcore-infiziertem Punkrock der eher schnörkellosen Machart, nicht unähnlich zu Negative Scanner (deren Gitarrenbenutzer Matt Revers sich hier unter den Tätern befindet), Vexx und abgerundet durch ein klein wenig 77er Riffing á la Amyl & The Sniffers.
Das hier ist ein seltsames Biest. Donors aus Nashville zogen schon vor zwei Jahren mit ihrer ersten EP und einem noch nicht ganz so ausgefreakten Cocktail aus Garage- und Post Punk meine Aufmerksamkeit auf sich, aber das hier ist ein ganz anderer Level an Schrägheit, wenn sie ihren Sound in zunehmendem Maße mit dissonantem No Wave verwüsten sowie mit altem proto-Noiserock á la Flipper oder No Trend anreichern. Womit könnte ich dieses Zeug vergleichen… Tyvek oder Constant Mongrel als No Wave Band reinkarniert? Spray Paint auf’m Garagentrip? Auch wenn ich nicht so sicher bin was die Band sich hier mal vorgenommen hat, besteht doch kein Zweifel dass ihr Unterfangen ein durchschlagender Erfolg ist. Und gerade glaubt man alles verarbeitet zu haben, da überraschen sie einen noch mal im Rausschmeißer Fine Print mit einer an Haunted Horses erinnernden Industrial-Kante.
Sieht so aus als ob die kölner Szene zunehmend in Schwung kommt. Neuestes Indiz ist dieses durchweg spaßige Demo voller verschrobenem ein-Mann-DIY Garage Punk nicht unähnlich zu Acts wie Prison Affair, Set-Top Box, T.L.B.M., Dot.Com, Dee Bee Rich… sogar ein bisschen was von frühem Erik Nervous hat’s. Feiner Shit!
Nette 7″ mal wieder via Iron Lung Records von den Shrinkwrap Killers aus Oakland. Die sprengt ein ganz respektables Loch in eure Lautsprecher mit zwei tadellosen KO-Schlägen aus fuzzlastigem, melodischem Garage Punk mit gewissen Ähnlichkeiten zu den Stalins Of Sound, S.B.F. oder Kid Chrome.
Nachdem der letzte Siebenzöller des Trios aus Cleveland ein gewisses Maß an Entspannung in ihrem Sound suggerierte, hat es jetzt nicht lange gedauert bis sie auf ihrem zweiten Album wieder in die raubeinigen alten Gewohnheiten zurückfallen – ja sogar noch einen drauflegen im Vergleich zum schon reichlich wuchtigen Debüt. Das Ergebnis ist erneut eine unaufhaltsame Fuzzkanone aus Punk, Garage und Noise, wobei mich das diesmal besonders stark an die kompromisslose Intensität früher The Men in der Greenberg-Ära erinnert.