Echt 'ne Menge eierige Qualität unterwegs diese Woche. Um mich nicht zu wiederholen, fasse ich mich kurz: Hier ist die jüngste Kassette des immer exzellenten Labels Deluxe Bias, welche passenderweise auch ziemlich nach Bias-Regler auf fünf Uhr klingt. Fragt eure Eltern was das bedeutet.
Ah, die Eierpunk-Plage macht jetzt also auch in Griechenland halt. War auch an der Zeit. Μπριτζολιτσεσ sind ein Duo aus Athen und fabrizieren eine Ausgeburt des Garage- und Synth Punk, die selbst meine Wenigkeit als durch und durch gaga bezeichnen muss. In Sachen Durchgeknalltheit auf einem Level etwa mit Skull Cult oder dem Warttman-kontaminierten Research Reactor Corp./Set-Top Box-Clusterfuck. Das unverständliche Gewirr, welches mir die Autoübersetzung von den griechischen Songtexten übrig lässt, gibt auch keinen Anlass zur Annahme dass es auf lyrischer Ebene viel gescheiter zugehen würde.
Also diese Band aus Reno, Nev… ja nee, is klar. Ich bin zu 95% sicher, dass die entweder aus Leipzig oder Berlin kommen und vermutlich auch keine Cowboyhüte auf'm Kopp haben. Die Musik tritt jedenfalls gut Popo. Ultrakompetenter Garage Punk mit der gewissen Useless Eaters, Sauna Youth oder Flat Worms-Geschmacksnote und vereinzelt etwas Hardcore-Würze.
Kein Wunder, dass der Scheiß sich so vertraut anfühlt. Bei The Wind Ups handelt es um ein neues Soloprojekt von Jake Sprecher, der Freunden von Krach und Melodie unter anderem als Teil von Terry Malts und Smokescreens bekannt sein dürfte. Deutlich lauter und roher als seine anderen Bands in jüngerer Zeit geklungen haben (jedoch noch ein gutes Stück entfernt vom Tempo und Fuzz-Faktor der frühen Terry Malts) klingt das häufig nach einer Fusion zwischen eben jenen Terry Malts und so leicht in Richtung Post Punk schielenden Garagenbands á la Tyvek und Parquet Courts. Andere Songs haben ein bisschen was von The Spits, Ricky Hell oder irgendwas aus dem Reatard(s)-Dunstkreis. Wenn er aber hingegen volle Pulle einen auf Powerpop macht, versprüht das zweifellos einen gewissen British Invasion Vibe.
Puh.. wer auch immer dieses Album gemischt und/oder gemastert hat muss geradezu taub sein. Ich bin ja einiges an klanglichen Extremen gewohnt und lasse normal immer die Finger von den Klangreglern, aber hier passiert es mir zum ersten mal, dass ich eine Veröffentlichung nicht ertrage ohne brutal die Höhen runter zu drehen. Unter Umständen mag das physische Tape diesbezüglich weniger schmerzhaft sein als die digitale Veröffentlichung.
Davon abgesehen tritt das hier aber ordentlich Arsch. Keine Ahnung warum das bei mir so lange gedauert hat - ich bin mir sicher, über dieses Ding schon mal gestolpert zu sein, aber irgendwie brauchte mein kaputtes Gehirn nochmal eine Erinnerung in Form einer erneuten (nur digitalen?) Veröffentlichung bei Goodbye Boozy um die Qualitäten der Texaner zu registrieren. Die spielen jedenfalle einen ziemlich wilden, schwer vorhersehbaren Mischling mit Elementen aus Garage Punk, Noise Rock, Post Punk und Postcore, den man je nach Laune mal mit Patti, Rolex, Cutie, Mystic Inane or Brandy vergleichen mag.
Eine weitere Hammer-EP von TVO aus Philadelphia. Diesesmal wird der Garagenfaktor deutlich hochgefahren, ohne den Hunger der Band nach oldschooligem proto-noise rock und -sludge zu vernachlässigen. Man stelle sich eine seltsame Mischung aus den New Yorkern Cutie und australischen Garagenbands wie Mini Skirt, Pist Idiots vor, welche dann seitwärts mit altem Krawall vom Schlage U-Men, Scientists, X (Sydney, nicht L.A.) kollidiert und vielleicht auch noch einem leisen Hauch von Mudhoney.
Whoosh! Die zweite EP der Wails aus Stockholm bringt eine weitere grundsolide Ladung hochentzündlicher Garage Punk-Nummern an die Frau von Welt. Ein geringfügig Noise-lastiger Sound ist das, der sich irgendwo zwischen den Tugenden von The Cowboy, Sauna Youth, Ex-Cult und True Sons Of Thunder festgebissen hat.
Wenn man gerade vom Teufel spricht… kommt auch gleich schon das neueste Unterfangen des Warttman-Imperiums um die Ecke gebogen, entzückend wie eh und je. Vier ungeschliffene Ohrwürmer aus Garage Punk und Power Pop, die mich von allen Warttman-Bands und -projekten am ehesten an R.M.F.C. und Satanic Togas erinnern, aber mit einem gewissen Southern Rock-Schlenker (in diesem Fall… der Süden wovon eigentlich?) nicht ganz unähnlich zu frühen Sheer Mag EPs.
Die australischen Warttman-Anhängsel Research Reactor Corp. und die Spanier Prison Affair haben nicht nur bezüglich ihrer Lo-Fi Garage-Klangästhetik viel gemeinsam, sondern beide haben auch bereits (wieder-)Veröffentlichungen an der ersten Theke vorzuweisen, daher ist es jetzt auch nicht mehr so überraschend, dass beide für eine geile neue Split-EP auf ETT gemeinsame Sache machen - zehn Minuten ebenso schräge wie eingängige Garage Punk-Qualitätsware, die Genre-Feinschmecker erneut überzeugen wird.
Whoa, was für eine exzellente Debüt-EP hat da eine Band aus Memphis, Tennessee abgeliefert! Der Opener hat was von Drive Like Jehu und Hot Snakes im kreativen Overdrive-Modus, außerdem auch etwas Meat Wave, Mystic Inane, Tunic und Wymyns Prysyn an Bord. Als nächstes wird dann mal direkt zwei Gänge runter geschaltet mit einer Postpunk-Nummer, in der ein pulsierender Beat mit einer ordentlichen Ladung Flying Nun-Psychedelia kollidiert sowie einem gewissen Sauna Youth Vibe. Letzterer durchdringt auch die zwei darauf folgenden Garage Punk-Knaller mit Anflügen von Ex-Cult, frühen Teenanger oder Dumb Punts, wobei der Sound graduell in einen an Gotobeds, Sleepies oder B-Boys erinnernden Post Punk und Indie Rock-Sound morpht… nur um mitten im Rausschmeißer Warm Satellite erneut seine Gestalt zu verwandeln und die Platte mit einem Swervedriver-artigen Slow Jam zu beschließen. Ohne Scheiß, diese Platte leistet sich einfach keine einzige Schwäche!