Wenn du dachtest, die 2022er EP dieser Band aus Montreal wäre schon reichlich schräg und total Banane gewesen, sagen Pressure Pin so: „Hold my Beer“, denn das war alles noch gar nichts! Die zweite EP legt die Messlatte noch mal deutlich höher sowohl bezüglich aufwendiger Songkonstrukte als auch was freidrehendes Chaos und ungezügelte Kreativität angeht in einer Gesamtästhetik, die irgendwo im Nebel von Garage-, Synth-, Art und Eggpunk herumgurkt mit einem deutlichen Devocore-Einschlag, und es gleichsam voll darauf anlegt, alle Grenzen und Konventionen besagter Genres zu sprengen. Das ist genau jener eklektizistische „anything goes“-Ansatz der mich insbesondere an jüngere Werke von Trashdog und Checkpoint erinnert, aber wenn man das ganze mal auf seine grundlegenden Bauteile herunterbricht, kann man auch Parallelen zu zu den ’90er Midi Pop-Exkursionen von Metdog erkennen, den Devo-ismen von Isotope Soap, der quirligen Freude von Snooper und den Garage-/Art Punk-Ohrwürmfabriken namens Smirk und Cherry Cheeks. Die Typen verbauen mehr Ideen und Inspiration in einen einzigen Song als viele andere Garagenbands für ein ganzes Album übrig haben.
Eine weitere saustarke EP dieser komplett entgleisten Hair Punk / Egg Metal Combo aus Los Angeles, die hier weiter ihren Status zementiert als die übel hirngefickten bösen Cousins der Elektropunk-Bollwerke ISS und Heavy Metal, wenn sie ein weiteres mal ein von Grund auf absurdes musikalisches Konzept auf lyrische Ergüsse prallen lassen, die irgendwo im Spektrum von „Der Zensor war pinkeln“ bis „Hat er das jetzt wirklich gesagt?“ rangieren. Nach wie vor eine Explosion des dementen Chaos‘ und ein absurder, surrealer Spaß.
Eine weitere Achterlicht-EP sorgt erneut für einen beachtlichen Wumms und sprengt vom bisherigen Output der Niederländer mal locker das größte Loch in die Decke. Die Band hat noch nie so tight geklungen wie hier und das Songmaterial signalisiert ebenfalls einen massiven Sprung nach vorne in einem einzigen Spektakel aus gefährlichen Hooks und hartnäckigen Melodien grob im Fahrwasser von so Garage-/Synth-/Eggpunk-Schwergewichten wie Dadar, Satanic Togas, Research Reactor Corp. und Gee Tee.
Mit jeder neuen Alien Nosejob-Veröffentlichung weiß man im Voraus nie so genau was einem darauf begegnen wird. Eine oldschoolige Hardcore-Attacke? Tieftrauriger Power Pop? Ein kleiner Ausmuteants-Flashback? Unnachgiebig hämmernder Industrial Punk? Stark nach Eurotrash/Italo Disco riechender Synth Pop? Eine ganze LP voller breitbeiniger AC/DC-Vergötterung? Nu ja, ich sach mal das ist alles schon mal vorgekommen mit Jake Robertson’s massiv wandlungsfähigen Projekt. Dennoch trägt jede dieser Inkarnationsn seine unverwechselbare Handschrift und wenn es so etwas gibt wie einen „klassischen“ Alien Nosejob-Sound, dann kommt diese Platte der Sache ausgesprochen nahe, ohne dabei aber die gewohnte stilistische Vielfalt vermissen zu lassen in einem irrsinnig starken Bündel neuer Tunes, die nicht ein einziges mal von Robertson’s unfehlbarem Songwriting-Talent im Stich gelassen werden.
Lange erwartet, ist hier endlich das Debütalbum der Art Punks The Carp aus Cleveland, Ohio, einer Band bestehend aus Leuten unter anderem mit Verbindungen zu Perverts Again, Knowso und Cruelster. Die meisten der Songs sind schon vom 2022er Demo geläufig, werden her aber mit deutlich polierteren Produktionswerten und angemessener Wucht präsentiert, wobei ihr Sound es sich irgendwo in der Lücke zwischen den Klangparametern von Knowso und Cruelster breit macht und die elaborierten und rigiden Strukturen ersterer mit dem Spaß und der Energie letzterer kombiniert und obendrein gibt’s in The Old Ways noch einen Hauch von Cowpunk á la Murderer zu bestaunen.
Die zweite EP dieser Band aus Antwerpen, die auch mindestens ein Mitglied von Itches zu den ihren Zählt mit weiteren Connections zu Star Visistors und The Queefs, transportiert ihre ursprünglich etwas schlichtere Garage Punk-Formel in ein geringfügig ausgefeilteres und polierteres Klangbild, dem ein bisschen was von einem Vintage Crop-, Patti-, Reality Group- und Yammerer-Vibe innewohnt. Gleichermaßen weht hier aber auch immer noch der Geist von so Euro-Acts wie Dadar oder Shitty Life mit und nicht zuletzt auch so US-Bands des vergangenen Jahrzehnts á la Shark Toys, Ex-Cult und Tyvek. Also klar, hier passiert nicht viel neues oder bahnbrechendes, dennoch ist dabei jede Menge dementer Spaß zu haben mit dieser neuen Sammlung von durchweg kompetenten und solide konstruierten Garagenkloppern.
Der Nachfolger zur tollen letztjährigen EP der Band aus Cincinnati, Ohio versucht gar nicht zu fixen was nicht kaputt ist und liefert stattdessen einfach kurzangebunden vier neue Schläge von dem gleichen großartigen Scheiß ab, der sich aus Elementen von Noise Rock, Post-, Garage- und Synth Punk zusammenfügt und mich auf die eine oder andere Art an so unterschiedliche Bands wie Busted Head Racket, Brandy, R.Clown, ISS, Spyroids and Knowso, De()t, Toy Brigade oder Nervous Tick and the Zipper Lips erinnert.
Fünf irrsinnig ansprechende neue Knaller aus geradlinigem Garage Punk von schon wieder so einer belgischen Band, die hier tadellos eine schnörkellos-simple Strategie ausführt und Tugenden von so europäischen Bands wie Itches, Mitraille, Dadar und Shitty Life mit den verschachtelten Grooves etwa von frühen Uranium Club, Dumb und Reality Group verquickt und als angemessenes Gegengewicht noch Anklänge an Acts am räudigeren Ende des Garage-Spektrums wie Easers, Crisis Man, Cruelster und Curleys beinhaltet.
Garagenfreak Reckless Randy aus New Jersy fiel mir zum ersten mal so richtig mit der netten selbstbetitelten ’22er LP auf und hat daraufhin im letzten Jahr noch eine weitere ausgesprochen starke EP nachgeliefert. Auf dieser neuesten (mini-) LP legt er noch einmal ordentlich einen drauf und präsentiert uns seine fraglos ausgereifteste Veröffentlichung bisher. Am besten lässt sich jenes Wachstum anhand der handvoll Tracks illustrieren, die wir bereits von früher kennen und die hier rundum erneuert und kräftiger als je zuvor auf die Scheiße hauen. Ein hochdosierter Koffeinkick ist das aus extrem Ohrwurmverdächtigem Garage- und Synth Punk, der irgendwo zwischen den Klangparametern der frühen The Spits-Schule, Die TV (welcher offenbar auch schon mal für die Drums auf Randy’s früheren Veröffentlichungen verantwortlich zeichnete), Sick Thoughts, Buck Biloxi und Kid Chrome alterniert.
Was gibt es noch neues zu sagen über Pisse? Das schlechte Gewissen des deutschsprachigen DIY Punk hat mal wieder einen Batzen exzentrischer und wie immer ausgezeichneter neuer Songs in ihrer einzigartigen Fusion aus gleichermaßen angepisstem und quirligem Post-, Garage- und Synth Punk wie üblich ohne großes Getöse bei Bandcamp abgeladen und bald™ soll das ganze dann auch als LP via Phantom Records zu bekommen sein.