Möney – Hegemony

Möney aus Bristol haben 'nen Moment gebraucht um als Band zu sich selbst zu finden, aber nachdem ihr 2023er Demo durchaus vielversprechend klang und das Split-Tape mit SPRGRS von stetigem Fortschritt zeugte, fügt sich zu guter letzt alles perfekt zusammen auf ihrer neuesten EP dank ihres ausgereiftesten Songmaterials bislang in ihrer ausgesprochen psychedelischen, Post Punk-lastigen Herangehensweise an zeitgenössichen Eggpunk, die man hier ins beste Licht zu setzen vermag mit einer ordentlich fluppenden Performance und einer vergleichsweise glitzernden Produktion. Ich würde mal sagen damit katapultiert sich die Band erstmals in die Erwachsenen-Liga des Genres und das in einer Sub-Nische, die ihnen relativ zu eigen erscheint. Ungeachtet dessen würde ich aber auch mal behaupten, dass der Krempel auf Bewunderer von so Acts wie Molbo, Prison Affair, Winky Frown, Electric Prawns 2 und Beta Máximo magisch anziehend wirken sollte.

Album-Stream →

Cosme – Demo No. 3

Der Sound dieser Band aus Ciudad López Mateos, Mexiko bleibt auch auf ihrem dritten Demo eine ausgesprochen eigenartige Mischung, selbst im von sich aus schon durchweg farbenfrohen Kontext der gegenwärtigen Eggpunk-Szene und fühlt sich dabei ein bisschen an wie ein Flashback zu den melodischeren Auswüchsen des Punk Rock-Spektrums der mittleren bis späten '80er - frühen Pop Punk-Artefakten, die noch nicht ihre rohe Energie aufgegeben hatten und hier jetzt eine schön angefuzzte LoFi-Spezialbehandlung verpasst bekommen, angereichert um eine maßvolle Dosis charmanter Synth-Action zu einem unwiderstehlichen, melodischen Zuckerrausch.

Album-Stream →

Gus Baldwin and The Sketch – The Sketch

Die erste Hälfte der neuesten LP von diesen Texanern ist sicher nicht das subtilste, anspruchsvollste Ding der Welt und überzeugt mehr durch seine schiere Wucht - ein relativ klassischer, riff-lastiger brute-force-Ansatz an Garage Punk wie wir ihn etwa von Bands wie Jean Mignon, Sauna Youth, Hamer, D. Sablu, Clamm oder Sweet Reaper gehört haben. Es ist aber die zweite Halbzeit, in welcher diese LP letztendlich ihre eigene Identität entfaltet. Genau rechtzeitig, wenn der Reiz von raketengetriebenem Riffing aus dem Baumarktregal sich abzunutzen droht, werden hier die Karten neu gemischt und die wirklichen Schwergewichte der LP kommen zum Vorschein, wie etwa die melancholische Hymne Slacker's Prom oder Beautiful Delilah, in welchem handelsübliche Versatzstücke von Psychedelia explosiv mit Elementen von Cowpunk reagieren. Die Midtempo-Ballade What The Freaks Say hat einen starken Vaguess-Vibe und der Rausschmeißer Sympathy For Sunday suhlt sich ganz schamlos im drogenversifften, satanischen Acid Rock-Exzess.

Album-Stream →

Klint & The Gents – Split

Wie üblich ist das ein großes Kaliber von einer Split 7", die uns von Italiens bester Adresse für abseitigen Lärm, Goodbye Boozy Records, angespült kommt. Der schleswiger Viking Synth Punk-Maestro Klint begibt sich für seine Tracks darauf in den vollen Hardcore-Modus und lässt drei massive Geschosse in seiner patentierten, abriebstarken Machart vom Stapel, die bei allem Geschepper aber auch saumäßig catchy sind - der gute Mann schießt selten daneben und nach wie vor bleibt sein Sound absolut einzigartig in der gegenwärtigen Punklandschaft. Die andere Seite gibt uns dann vier neue Tracks der Hamburger The Gents, die hier ebenfalls ein gutes Stück roher zur Sache gehen verglichen mit ihrer vorherigen EP in einer substantiellen Attacke aus geradeaus gehendem Garage Punk, nicht ganz unähnlich zu so Zeug wie Bart and The Brats oder The Uglies.

Album-Stream →

Kowboje – Kowboje II

Das ist deutlich mehr Egg- als Cowpunk, womit diesen Band aus Posen, Polen (sagt man jetzt Posener Punk oder Poser Punk dazu?) sowohl die Vernunft als auch alle Sinne überwältigt - denn das hier ist klar eines der abgefahreneren Opfer am Altar des verspielten Irrsinns, die uns das Genre bisher dargebracht hat. Ein bodenloses Fass des unberechenbaren Spaßes, der jederzeit droht in sich zusammenzustürzen oder in Flammen aufzugehen, aber so verdammt anziehend ist so lange er existieren darf. Erinnert mich an einen vielseitiges kleines Bündel von so Bands wie den frühen Skull Cult, Goblin Daycare, Paulo Vicious, Beer, Metdog, Cool Sorcery... and natürlich dürfen auch die spanischen Genre-Overlords Prison Affair nicht unerwähnt bleiben.

Album-Stream →

Fast Johnny and The Slow Burners – Fast Johnny and The Slow Burners

Nach langem Warten ist sie jetzt plötzlich da, die Debüt-EP von Fast Johnny and the Slow Burners aus Brisbane, Australien, auf welcher die Band sich in einer ausgesprochen oldschooligen Machart des Garage Punk austobt, ganz frei von neumodischem Scheiß - kein Egg, kein Synth, kein Bullshit aber dafür mehr als nur ein bisschen von einer klassischen Gun Club-Energie. Als solches ist das hier ein sehr angenehmer Gegenpol zu jüngeren Entwicklungen im australischen Untergrund und hätte so auch locker vor zehn, zwanzig oder dreißig Jahren erscheinen können ohne dabei aus dem Rahmen zu fallen. Was soll ich sagen, die Formel funktioniert immer noch tadellos und das zugrundeliegende Songmaterial ist mehr als tragfähig genug und manchmal bedarf es einfach nicht mehr als einer Reihe von Killer-Riffs und einem ordentlichen Beat damit ich mit den Zehen wippe und denke: "Hmmm... schön!"

Album-Stream →

Embargo – Demo

Diese Leipziger Band präsentiert eine verdächtige Mixtur aus geringfügig garagigem Post Punk, der angenehm vertraut klingen wird für aufmerksame Beobachter der hiesigen Szene aber gleichzeitig doch auf einem Level ein paar Stockwerke über dem durchschnittlichen deutschsprachigen Punk-Artefakt agiert. Die EP fängt bereits stark an mit den leichten Death Rock-Vibes von A-B-C Alarm und wird daraufhin nur noch viel besser, wobei Songs wie Trikont und Un Día En Grimma ein paar Echos von anderen lokalen Garage-Acts wie Lassie, Ambulanz und Exwhite transportieren und in anderen Momenten die DIY Post Punk-Vibes von Onyon oder auch von berliner Bands wie Pretty Hurts, Pigeon, Aus, Benzin reflektieren und nicht zuletzt mag man auch die ebenfalls teilweise in Leipzig beheimateten Laff Box zu der Liste geistesverwandter Bands hinzufügen.

Album-Stream →

Thee Mutilators – I Have Seen The Horror Of The Future

Diese Band von der britischen Kanalinsel Jersey betritt die Bühne mit einer bereits voll ausgeformten Klangästhetik, die durchweg düstere Inhalte der Lyrics einem komplett gegensätzlichen Klangbild mit eher quirligen, egg-mäßigen Qualitäten gegenüberstellt und unter anderem vieles gemeinsam hat mit so Zeug wie frühen Powerplant, Tommy Cossack & The Degenerators, S.B.F., Wristwatch, Chtr oder Beer.

Album-Stream →

Silicon – Evil. Eye. Mind. Power.

Exquisite neue Qualitätsware der leicht abgespaceten Sorte gibt's auf der ersten EP dieser Band aus Singapur, deren Acid-getränkter Nebel aus Garage-, Post- und Synth Punk sich ein bisschen so anfühlt wie eine stärker angepisste Variante von so Bands wie Useless Eaters, Ex-Cult, Pow!, oder Mononegatives, abgerundet mit einer ausgesprochen räudigen Energie in einer Performance, die mich etwa an frühe Strange Attractor erinnert.

Album-Stream →

Skull Cult – Can’t You See What I Mean?

Es ist inzwischen über sechs Jahre her, seit wir zuletzt von dieser Band aus Bloomington, Indiana gehört haben, die man inzwischen als gigantischen Einfluss auf die heutige Garage-, Synth- und Eggpunk-Szene ansehen muss. Nachdem Mitglieder in der Zwischenzeit ihre kreativen Energien in so Acts wie Belly Jelly, QQQL, Dummy und Big Hog gesteckt haben, kann ich der nun reaktivierten Band bescheinigen dass der Scheiß besser fluppt als je zuvor und das neue Bündel an Songs zum besten gehört, was sie bisher abgeliefert haben. Zugegeben, das ist alles ein bisschen weniger weird und chaotisch als wir es von ihnen gewohnt sind, aber das wird mehr als ausgeglichen von ausgesprochen widerstandsfähigen, melodischen Songfundamenten und Echos von so Bands wie Tyvek, Marked Men und Lost Sounds in einer bemerkenswert gereiften Platte, die alle klaren Kennzeichen trägt von einer Band, die sich für ein paar Jahre an vielseitigen Projekten zu schaffen gemacht hat und jetzt wo sie wieder zusammen Krach machen, wenden sie das gelernte mit schlafwandlerischer Präzision an, zu einem Ergebnis von müheloser Sprengkraft.