Eine neue kurzspielende Dosis des klanggewordenen Wahnsins kommt hier mal wieder von dieser Ein-Mann-Band aus Lansing, Michigan und wer hätte es gedacht: Es ist erneut eine ganz entzückende Attacke aus chaotischem Synth-/Elektro-/Sample Punk der so stark durch den LoFi-Fleischwolf gedreht wurde, dass ich etwa im Opening Track nicht so genau weiß ob ich da jetzt eine Gitarre höre oder einen ramponierten Synth. Hochwertiges Futter also für Freunde von ähnlich verstörenden Geräuschen im Fahrwasser von Beef, ISS, Heavy Metal, Klint, Spyroids, R. Clown oder Kerozine.
Das Artwork scheint subtil auf etwas Dungeon-mäßiges hinzuweisen und zumindest im rifflastigen ersten Song erscheint das fast schon plausibel. Im weiteren Verlauf spielt sich die neueste EP der Spanier aber auf ihren vertrauten Sound aus verträumt-eierigem Noise Pop und Synth Punk ein, wie wir es von ihnen kennen und lieben, wenngleich auch mit ein paar unerwarteten Nuancen wie dem bereits erwähnten Opener, vereinzelt Emo-mäßigen Sprengseln, Spuren von geradlinigem, klassischem Indie Rock und Momenten, die eine Ästhetik zwischen der C86-Ära und frühem Shoegaze channeln wie etwa in El Valle De La Muerte und dem abschließenden Sesos En Bandeja.
Die neueste Langspielkassette dieser New Yorker übertrifft mal jede Erwartung meinerseits und markiert einen riesigen Sprung vorwärts von ihrem schon saumäßig guten Vorgänger, der Fancy! EP aus dem Jahr 2022. Transportierte jene noch eine etwas schnuckelig anmutende powerpoppige und New Wave-ige Qualität, kommen die neuen Songs in gleichem Maße abstrakter und reifer daher. Weniger Television Personalities und mehr '80er The Fall in ihrem repititiven Minimalismus, aber dennoch erscheint hier alles raffiniert und sorgfältig konstruiert und channelt dabei die Ästhetischen Eggpunkte von altem britischem DIY á la Desperate Bicycles, Membranes, Swell Maps oder den frühen Mekons. Gleichsam verbindet aber auch eine dichte tragende Schicht aus Melancholie einige zentrale Punkte dieser Platte und erinnert dabei an so einen gewissen Strang von australischen Bands wie Wireheads, Kitchen's Floor und den getrageneren Momenten von Eddy Current Suppression Ring. Auch ein brauchbarer Referenzpunkt wäre dann noch eine weitere nicht so bekannte "famous" Band - Famous Mammals aus Philadelphia - zusammen mit einem bunten Strauß weiterer schepperiger US-Post- und Art Punk-Acts wie etwa Society, Germ House, Spiral Rash und Toe Ring.
Auf dieser Debüt-Kassette mit dem Qualitätssiegel der verlässlichen Detroiter Kassettenklitsche Painters Tapes zieht eine Band irgendwo aus Ohio nicht weniger ab als höchstwertige, waffenfähige Synth Punk-Exzellenz und Gitarren-freie Zone, die einen Bogen schlägt von oldschool-Acts der '70er und '80er wie Nervous Gender, Units, Visitors and Screamers einerseits, zu einer Reihe von jüngeren, variabel eiermäßigen Bands in einem Spektrum zwischen dem hyperaktivem Ansatz etwa von Checkpoint, Titanium Exposé, Pressure Pin und dem minimalistischeren Schaffen von Beef, Busted Head Racket - und nicht zuletzt auch einigen Bands zwischen diesen Welten wie Quitter, Slimex, Isotope Soap, frühen Freak Genes oder auch Billiam's Synth Punk-Project NTSC>PAL.
Eigentlich dachte ich das letzte was ich in meinem Leben bräuchte wäre noch so eine instrumentale Surf Rock-Platte, ein Genre dessen stilistisches Vokabular scheinbar seit dem '50er/'60er Goldrausch nicht wesentlich und nur selten expandiert wurde und mir - noch schlimmer - oft vorkommt wie ein vollkommen zahnloser, domestizierter Aufguss seiner goldenen Ära. Nun schafft aber unverhofft diese Band aus La Cisterna, Chile das Wunder, mich doch mal für eine Surf-LP zu erwärmen, klingt sie doch nach einem sonnigen Surftrip... durch die fucking Hölle würde ich mal sagen und geht das Genre von einer Basis aus Noise-lastigem, Goth-infiziertem Post Punk und Death Rock an, was eine ungewohnte Energie und dringend benötige frische Luft in das uralte Genre einbringt. Im Kontrast zu gefühlten 99% von instrumentalem (und nicht nur Surf-) Rock'n'Roll, bei dem ich mir dringend eine Gesangsmelodie wünsche um die beweglichen Teile zu ordnen und verbinden, funktionieren die Arrangements auf diesem Album als eine in sich geschlossene Einheit. Die dramaturgisch dichten Kompositionen und die elektrifizierenden Gitarrenleads erzählen ohne Mühe ihre eigene Geschichte, die sich am besten ohne Worte kommunizieren lässt.
Ein irrsinniger Spaß, die Debüt-EP dieser Band aus St. Louis, Missouri, die ziemlich exakt so klingt wie... eigentlich keine andere Band, was in unseren stark genre-kodifizierten Zeiten eigentlich zu den besten Komplimenten gehört, die man machen kann. Vielmehr werden hier auf relativ freidrehende Art vertraute Bausteine des Synth-versifftem Gararage Punk von variabler Eierigkeit zu einem saumäßig catchy klingendem, kohärenten Ganzen verschweißt, das an diversen Stellen mal an so Bands wie Skull Cult, Print Head, Warm Bodies, Rearranged Face, Snooper oder Wax Minds erinnern mag.
Diese Band aus Bordeaux, Frankreich fällt auf den ersten Blick nicht allzu sehr aus der Reihe gegenüber dem omnipräsenten Grundrauschen an französischen Bands, die jene einfach gestrickte Formel aus leicht Oi!- und Post Punk-geprägten, eingängigen Punkhymnen durchziehen. Aber meine Fresse, treffen die Herrschaften hier mal jeden Nagel auf den Kopf auf ihrem Debüt-Kurzspieler und holen so ziemlich den optimalen Wumms aus einem relativ restriktiven und vorstrapazierten Subgenre. Ich würd mal sagen Freude von so Bands wie Telecult, Litovsk, Bleakness or Nightwatchers sollten sich das keinesfalls entgehen lassen!
Cult Crime aus Toronto fielen bereits ausgesprochen positiv auf mit einem Demo und einer 7" in '23 und '24. Ihr Langspieldebüt hält sich jetzt erneut weitgehend an die bewährte Formel und liefert neun schnörkellos geradeaus gehende Garage Punk-Geschosse ab die gleichermaßen in den Klangparametern der '77er Ära wie auch im frühen Hardcore Punk verankert scheinen und ich bin mir ziemlich sicher dass hier unter anderem auch ihr Stiefellecker von so Bands wie Sick Thoughts, Bart And The Brats, Jean Mignon und Hood Rats Gefallen dran finden werdet.
Silicon Heartbeat sind schon seit einigen Jahren eine konstante Präsenz an der Peripherie des 12XU-relevanten Klangspektrums und dennoch, so scheint es, habe ich sie bisher noch mit keinem Blogpost gewürdigt (sie sind euch jedoch mit Sicherheit schon auf der einen oder anderen Verspannungskassette begegnet). Das gehört natürlich sofort korrigiert und ihre neueste EP ist der perfekte Anlass dazu, hält jene doch nicht nur einige ihrer stärksten Songs bisher parat, sonden profitiert zusätzlich von dem Produktions-Zauber des Garage-Alleskönners Erik Nervous, die hier für reichlich Druck und Kontur sorgt in ihrem geringfügig Spits-beeinflussten, eingängigen und psychedelischen Sound aus Synth- und Garage Punk. Ich hoffe mal es ist - dem Titel zum Trotz - nicht das letzte, was wir von Silicon Heartbeat zu hören bekommen.
Was für eine schicke kleine Anomalie, die zweite EP von Forklift Rodeo aus Chicago. Darauf verquirlen sie einige Ladungen von wunderbar kaputtem Cowpunk mit leichten Spuren von klassischen, AmRep/Touch&Go-mäßigem Noise Rock und Postcore und zeitweilig auch einer gewissen Eggpunk-Qualität, wobei ich aber eher an frühe Skull Cult denke als an die inzwischen geringfügig kodifiziertere, aktuelle Welle des gepflegten Lo-Fi-Wahnsinns. Apropos Lo-Fi... das ist diese Platte definitiv nicht und die polierten Produktionswerte bewirken einen ungewohnten Glanz und eine klangliche Tranzparenz für ihre unvorhersehbaren, verworrenen Songkonstrukte, die es tatsächlich auch gar nicht nötig hätten, sich hinter einem schützenden Schleier aus Lärm und Dreck zu verstecken.