Die Band aus Olympia, Washington war schon immer eine aufregende Achterbahnfahrt mit ihren zwei vergangenen EPs und einem Langspieler, allesamt erschienen auf der immer exzellenten Kassettenschmiede Impotent Fetus. Nach einer Wiederveröffentlichung des ersten Albums auf Vinyl via Sorry State Records, ist nun auch dessen Nachfolger wieder bei dem Punkbollwerk aus Raleigh, North Carolina erschienen und wie es zu erwarten war bleibt ihre hyperaktive Mischung aus Art- und Garage Punk, Hard- und Postcore eine spannende und überwältigende Attacke auf die Sinne. Gleichermaßen unvorhersehbar, schlau konzipiert und abwechslungsreich, erinnert mich das vereinzelt mal an etwas unkonventionellere alte Punk- und Hardcore-Hausnummern wie Tragic Mulatto (ganz besonders in Failed Experiment), Really Red und Saccharine Trust einerseits, aber nicht weniger auch an jüngere Phänomene wie Mystic Inane, Warm Bodies, Launcher, Vexx, Rolex, Cucuy oder Big Bopper.
Erneut eine absolut arschtretende Kassette auf Painters Tapes von noch so einer Detroiter Garagenband, die hier mit einer ausgesprochen feinen Variante des kontemporären Garage- und Synth Punk brilliert, welche - hat man erstmal durch das ultra-käsige Intro überlebt - gar nicht mal so niedlich klingt und viel düsterer als erwartet mit einer ausgeprägten Post Punk-Kante in so Songs wie Paranoia und dabei aber dennoch einem ordentlichen Maß an stilistischer Flexibilität, was an verschiedenen Stellen mal nach so unterschiedlichen Bands klingen mag wie etwa S.B.F., Ghoulies, Spits, Stalins Of Sound, Kid Chrome, Lost Sounds, Mind Spiders, Sex Mex, Exit Mould, The Gobs, Broken Prayer und Kerozine.
Ein würdiger neuer Eintrag in die Piss Bands-Tabelle aus dem See/Saw Discord kommt zu uns von einem Typen oder einer Band aus Raleigh, North Carolina, der hier eine durchweg spßige Mixtur aus Noise Rock und Garage Punk generiert mit hämmernd Big Black-mäßigen Drum Machine-Beats, wobei ich aber sagen würde dass - obwohl auch hier einiger halbwegs nach Albini klingender Gitarrenlärm vertreten ist - mich der allgemeine Vibe am meisten an die alten Londoner Haudegen von World Domination Enterprises erinnert und, im geringeren Maße, deren britische Kollegen The Membranes, die im Laufe der '80er Jahre auch mal eine klanglich stark verwandte Phase durchlaufen haben, wohingegen die am stärksten Richtung Garage Punk tendierenden Tracks wie Meat Tenderizer an die ungleich minimalistischeren Prototypen von Métal Urbain / Dr. Mix and the Remix erinnern und darüber hat das Ganze häüfig auch ein bisschen was von Scratch Acid oder Brainiac. Also ja, guter Scheiß ist das!
Diese Kroatier brauchten nicht lange um mich vorbehaltlos für ihre Sache zu gewinnen angesichts ihrer spaßigen Garage Punk-Mischung aus cowpunkigen X (US) und Gun Club-Vibes, Angst-artigen Folk Punk einsprengseln und tonnenweise von Minutemen-mäßigen, freidrehenden funky Post Punk-Schrägheiten, die mich an eine Reihe gegenwärtiger Acts erinner wie Ismatic Guru, Patti, Tyvek, Print Head und Shark Toys, während der quasi-Theme Song Dad Joke sich ein bisschen nach einem Zeisprung zu alten DIY-Briten á la Mekons, Television Personalities und Desperate Bicycles anfühlt.
Ooo-kay, das hier soll also das neue Projekt von einem alten britisch-amerikanischen Sack sein aber ehrlich gesagt bin ich ziemlich skeptisch, dass man irgendetwas von dem glauben schenken sollte, was auf ihrer Bandcamp-Seite geschrieben steht. Aber wie auch immer, der Krempel schreddert ausgezeichnet. Das ist ein schön noise-verseuchtes, abgefuzztes Konzentrat aus Garage- und Post Punk mit einem subtilen Zusatz von '90er Indie Rock und altem britischen DIY. Freunde von noch gar nicht so uralten Bands wie Shark Toys, Tyvek, Parquet Courts oder frühen Cloud Nothings werden dem bestimmt nicht abgeneigt sein.
Die Band aus Mailand, Italien hat bereits ein paar Wellen in der Garage Punk-Szene verursacht mit einem konstanten Getröpfel von Singles und EPs seit 2022, aber mit ihrer neuesten EP rotieren sie erstmals mit optimaler Kraftübertragung und straffen die relativ stumpfe Gewalt der vergangenen Veröffentlichungen zu einer weitaus kompakteren, windschnittigen Vision. Ihre durchschlagende Legierung aus Garage- und Synth Punk hält dabei eine superstabile Balance zwischen Catchyness, unnachgiebigem Vorschub und lässt dabei noch reichlich Raum für Experimente und Seltsamkeiten, insbesondere wäre dabei der Titelsong hervorzuheben, eine vollkommen entgleiste Coverversion jener alten Village People-Socke, deren klang-gewordener Wahnsinn mich ein kleines bisschen an das frühere Schaffen von Skull Cult erinnert.
Für mich kann es niemals genug Snooper auf der Welt geben und entsprechend ist auch diese neue Tour-EP eine willkommene Erscheinung, auch wenn die sich ein bisschen nach einer Mogelpackung anfühlt, die nur zu grob 60% aus neuen Songs besteht und der Rest lässt sich eher als verzichtbare Experimente und Interludes klassifizieren. Die zwei "richtigen" neuen Songs sind jedoch mal wieder 'ne Bombe, angetrieben von elektrischen Beats ein bisschen so, wie wir es schon mal im Song "Subdivision" von ihrer 2022er EP Town Topic gehört haben, allerdings ist der Energielevel hier ungleich höher und fast schon brutal im direkten Vergleich, verschiebt ihren Sound näher an ein ausgesprochenes Elektropunk-Territorium, wobei die Songs aber erneut ziemlich klassisches und ausgezeichnetes Snooper-Material sind. Wenn die Chaot*innen sich jetzt noch dazu aufraffen könnten, auf ihrer übernächsten EU-Tour auch mal hier im Westen zu spielen, würde mich das durchaus glücklich machen. Es leben nämlich auch Eggpunks in anderen Städten als Berlin.
Na das ist mal hochkarätiger Scheiß, die zweite LP von dieser Band aus dem kleinen Städtchen Domodossola in Piemont, Italien. Darauf kreieren die einen absolut mitreißenden, hochenergetischen Sound zwischen den Eckpunkten von Garage- und Art Punk, der gleichermaßen Inspiration zu ziehen scheint aus alten KBD-mäßigen Artefakten wie auch aus dem Schaffen ungleich verkopfterer Post Punk-Acts wie Mission Of Burma, Moving Targets und Volcano Suns, zusammengehalten von den Schrauben und Nieten ultrasolider Songkonstruktion. Darüber hinaus gibt es in Songs wie Ping Pong, Punching Me und Licking Nipples auch noch ein paar unerwartete Hardcore-Ausbrüche zu bewundern. Muss schon sagen, falls die Typen tatsächlich dem Titel gemäß total saugen, dann saugen sie genau richtig für meine abnormalen Vorlieben!
Necron 9 aus Milwaukee hinterließen ja schon einen ausgezeichneten Eindruck mit einer Reihe von Demos und EPs und ihr "Lang"-Spieldebüt konsolidiert jetzt alle Tugenden davon zu einer ordentlichen Verkettung von Sprengsätzen mit denen sie so kompakt und durchschlagend rüberkommen wie nie zuvor. Ihrer Herangehensweise an moderat Motörpunk- und Garage-beeinflussten Hardcore wohnt einerseits eine ausgesprochen minimalistische oldschool-Ästhetik inne, fühlt sich gleichzeitig aber auch sehr kontemporär an in der Art wie bewährte Hardcore-Riffs und -Strickmuster hier mit einer Fülle an schrägen Ideen, unerwarteten Schlenkern und einer überdurchschnittlichen Frequenz ansteckender Hooks verschweißt werden, perfekt ausbalanciert mit einer verschwitzten, rohen, entfesselten Performance.
Von ähnlichem Kaliber aber noch ein gutes Stück ungewaschener ist dann die neue EP von SSIK aus Kelowna, British Columbia, Kanada, die sich hier weitgehend an etablierten Genre-Mustern orientieren aber gleichsam jeden Nagel auf den Kopf treffen mit ihrem einfach gestrickten Lärm, verpackt in eine super-tighte Darbietung von unnachgiebiger Kraft.
Abgerundet wird diese durchaus starke Hardcore-Woche mit einer neuen 2-Track-Single (und offenbar auch zukünftigen 7"), die wie von ihnen gewohnt vor allem das Bindegewebe zwischen Garage- und Hardcore Punk strapaziert in ihrer unverwechselbar arschtretenden, patentierten Machart. Die Songs an sich sind scheinbar nicht so wirklich neu, waren die gleichen Aufnahmen doch schon mal auf einem älteren Tape aus dem Hause Girlsville vertreten. Egal, für mich sind die jedenfalls neu und mehr Hood Rats passen mir immer in den Tee!
Die eierigen Bierpunks aus Charleston, South Carolina haben schon wieder eine essenzielle neue Veröffentlichung am Start für Genre-Aficinados und ich hab dazu überhaupt nichts neues zu sagen. Wie schon die Vorgänger ist das einfach verdammt guter - wenn auch nicht zwangsläufig origineller - Scheiß, den Freunde von so Bands im Fahrwasser von Prison Affair, Set-Top Box and Winky Frown, Raya, Möney und Goblin Daycare sich auf keinen Fall entgehen lassen dürfen.