Wax Minds – Demo 2024

Exzellenter Scheiß dringt da aus irgendeinem Kellerloch in Bremen. Die Machart des satt angetriebenen Garage Punks dieser Band entfaltet sich ein bisschen wie eine Mischung aus mehr oder weniger Hardcore-lastigen Acts wie Vexx, Warm Bodies, Fugitive Bubble, Sniffany and the Nits, Warp, Skin Tags und Dots einerseits, aber auch mit Anklängen an stärker im zeitgenössischen Eggpunk beheimateten Bands á la Cel Ray, Snooper, Prison Affair, Autobahns oder Beer.

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Dadgad – New Year Demos

Nach dem die Band aus Rom bereits einen ganzen Arsch voller netter EPs und Splits veröffentlicht hatte, die alle recht bequem in etablierte Muster des fluffigen Eggpunk gepasst haben, markierte ihre letzte Veröffentlichung dann eine bemerkenswerte Wandlung zu einer roheren, Fuzz-verseuchten Ästhetik. Die neueste EP klingt jetzt wie eine erfolgreiche Verquickung beider Tendenzen und beinhaltet gewisse Qualitäten nicht unähnlich zu so durchweg hochgeschätztem Vertretern wie Die TV, Electric Prawns 2, Temporary Curse oder auch gegenwärtigem Erik Nervous.

Six Short Ones

Die Zeit zwischen den Jahren ist ja was Punk Rock angeht üblicherweise eher von den unscheinbaren, obskuren Perlen, Fetzen und Krümeln geprägt und das ist auch diesen Winter nicht viel anders. Hier ist deshalb ein kleiner Roundup von einigen dieser kurzspielenden Leckerbissen, die sich in den letzten Wochen angesammelt haben.

Die Londoner Rifle haben ja schon mit zwei exzellenten EPs bezaubert und ihre neueste ist auch wieder eine Wucht zwischen den Welten von Garage Punk, Postcore und altem KBD-Lärm, der an dabei an so unterschiedliche Bands erinnert wie Ascot Stabber, frühe Golden Pelicans, Mystic Inane, Launcher und Rolex.
Raya aus Madrid, deren Debüt-EP mich vor ein paar Monaten schon durchaus zu beeindrucken wusste, haben jetzt eine weitere 2-Track Single raus und ratet mal was: Jau, das ist erneut eine respektabler Knall aus verschrobenem Garage-/Eggpunk, der am meisten an andere spanische Bands wie Pringue, Finale und Prison Affair erinnert, aber auch an internationale Bands wie Beer, Set-Top Box und Gremlin.
Vacation aus Cincinnati haben sich ja schon lange als eine wahre Schatztruhe der geballten Songkraft in einem Gewand von Power Pop, oldschooligem Indie Rock, Garage Punk und Fuzz Pop bewiesen und ihr Song auf einer neuen Splitsingle ist erneut ein hochkalibriges Geschoss in ihrem Arsenal. Der andere Song kommt von den Post Punkern Whippets aus Madison, Wisconsin und ist aber auch verdammt gut, erinnert mich dabei stark an die Kanadier Dead Cells oder die kürzlich erschienene Psychbike LP.
Noch ein hochklassiges Glitzerstück ist die neue 7″ der Pleasants aus Perth, Australien, auf der sie zwei Explosionen aus einfach gestricktem, aber trittsicherem Power Pop abliefern, die Freunde etwa von Teen Line, Bad Sports, Tommy and the Commies, Mr. Teenage oder Corner Boys sich keinesfalle entgehen lassen sollten.
Und wo wir schon von eingängigem Songmaterial sprechen, davon git es auch zwei mal Nachschub auf der Debüt-7″ der Engländer Cream Soda, raus auf Spinout Nuggets. Darauf gibt es ein etwa gleiches Maß von sowohl an Buzzcocks- als auch Television Personalities erinnernden Vibes zu spüren, oder alternativ bieten sich als hinkende Vergleiche noch alte US Underground-Acts á la Broken Talent an oder auch aktuellere Schrammelbands wie The Suburban Homes aus UK, Australiens Nasty Party und das frühe Zeug der Kanadier Neutrals.
Zu guter Letzt ist auch noch etwas aus dem Metal-infizierten Camp zu vermelden von Ninth Circle aus Austin. Es waren zuletzt ein paar interessante Jahre für so einen alten Pimmel wie mich, der noch die unsägliche Metalcore-Ära der späten ’90er bis ’00er mit ihrer peinlichen Inszenierung des hypermaskulinen Kasperletheaters mitansehen musste und eigentlich dachte, dass die Kombination aus Punk und Metal jetzt für immer verb(r)annt wäre. Aber allem zum Trotz sitz ich jetzt hier in den wilden Zwanzigern und finde regelmäßig Gefallen an mehr oder weniger Metal-mäßigen Platten, auf denen keineswegs immer nur Poison Ruïn draufstehen muss! So lange wie ich den Metal-Industriekomplex jetzt ignoriert habe, fällt es mir aber schwer da spezifischeres zu nennen, also belasse ich es dabei dass diese zwei Songs ganz wunderschön auf die Scheiße hauen und das ist eh alles, was man darüber wissen muss.

So, das war dann vermutlich mal alles für dieses Jahr und ich nehme mir wie üblich so zwei oder drei Wochen Urlaub vom Blog. Wir hören uns dann wieder in jener deprimierenden, brennenden Mülltonne, die das Jahr 2025 zu werden verspricht..

Hugayz – Minglez and Jinglez

Die Band aus Krakau, Polen ist schon vor längerer Zeit in mein Blickfeld geraten mit einer schön quirligen Debüt-EP in 2021 und einem noch etwas bemüht klingenden Nachfolger im letzten Jahr. Mit ihrer neuesten Veröffentlichung bringen Hugayz jetzt ihr bislang rundestes Songbündel zu Gehör, ein kräftiges Feuerwerk aus moderat bekloppter, unvorhersehbarer Garage- und Eggpunk-Vorzugsware, die an der einen oder anderen Stelle an so Genre-Größen wie Prison Affair, Finale, Beer, Goblin Daycare, Autobahns erinnert, ja soger eine Spur von Snooper versteckt sich da noch irgendwo zwischen all dem Gerümpel.

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Demo Rally – Volumen 1

Hochwertiger Stoff mal wieder vom zuverlässigen spanischen Spezialisten für eigenwilligen Post Punk, Flexidiscos. Auf ihrer Debüt-LP beschwört die Band aus Valencia, Spanien einen mehr als beachtlichen Sturm herauf aus schlauem, verwinkeltem, jedoch niemals ermüdend wirkendem Lärm, die ein bisschen so rüberkommt wie eine Verschmelzung der No Wave-igen Noise Rock / Post Punk-Abstraktionen von Spray Paint mit einer ganzen Reihe verwandter Genre-Grenzgänger wie etwa die gewundenen, ineinander greifenden Garage Punk-Grooves von Uranium Club, Reality Group und Vintage Crop einerseits, aber auch den exzentrischen Post Punk-Konstrukten von so Bands wie Rolex, Knowso, Meal, Exit Group, frühen Marbled Eye und Patti. Das alles fühlt sich dabe viel weniger bemüht und eingängiger an als man so erwarten würde, vorangetrieben mit unaufhaltsamem Drive, ökonomisch und punktgenau konzentriert angewandter Energie.

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Narkose – Überleben Koexistenz

Ein kleines Paradox, diese berliner Band, die hier einerseits eins der am meisten „Berlin“ klingenden Alben seit langem abgeliefert hat, für die ich dann aber doch keine so wirklich passende Entsprechung in jüngerer Zeit finde. Der beste Vergleich, der mir da einfällt wären wohl Hyäne und ihre zwei saustarken EPs plus eine ebenbürtige LP, die sie zwischen 2016-2018 von der Leine gelassen haben, wenngleich das Zeug hier sich hier aber noch ein ganzes Stück roher, oldschooliger, primitiver anfühlt, stärker verankert in einem ’80er Punk- und Hardcore-Hintergrund. Trotz all dem würde ich mal sagen dass Freunde von so Bands wie Die Verlierer, Kalte Hand, Maske, Pigeon and Gesture auch dieser Platte bestimmt nicht abgeneigt sind, denn irgendein roter Faden, so vage und undefiniert er auch sein mag, zieht sich durch alle davon.

*edit*
In der langjährigen Tradition dass ich manchmal einfach schlecht informiertes, dummes Gewäsch schreibe, stellt sich heraus, dass die Band mal so gar nicht aus Berlin kommt (nur das Label) sondern nicht weit von meiner eigenen Haustür irgendwo im Ruhrpott. Na kein Wunder dass die so angepisst sind. Es bleibt spannend: Was wird mein nächster Griff ins Klo? Stay tuned!

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Exwhite – Balkan Tour Tape

Wer die (nichtsdestotrotz ausgezeichnete) letzte LP von Exwhite aus Leipzig und Berlin ein bisschen zu aufgeräumt, konventionell und sauber produziert fand, den wird diese neue Kassette sicher wieder versöhnen, denn das ist eine wunderbar hyperaktiv lärmende, göttliche Schweinerei angerichtet von einer Band, die ihren kreativen Launen freien Lauf lässt in dreißig chaotischen Minuten aus „found-sound“-Interludes, krudem Humor und reichlich amtlichen Bangern inmitten dieses Durcheinanders, das wieder in etwa den verspulten Level erreicht auf einer Höhe mit ihrer schwer zu toppenden 2022er Estray LP.

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Rude Television – Disconnect

Keine unangenehmen Überraschungen hier, die neueste EP der Band aus West Palm Beach, Florida ist erneut ein kräftiges Geschoss aus catchy Egg-mäßiger Garage Punk-Exzellenz und eine alternativlose Maßnahme für Freunde von ählichem Scheiß á la Gee Tee, Erik Nervous, Set-Top Box, Satanic Togas, Power Pants oder Tommy Cossack & The Degenerators. Rat Bastard wird als zukünftiger Genre-Klassiker in die Geschichte eingehen, wenn ihr mich fragt. Aber mich fragt ja keiner.

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Titanium Exposé – Disorders

Das Debüt-Tape auf Goodbye Boozy von dieser Band aus Haarlem, Niederlande ist ausgezeichneter Nachschub an Egg-mäßigem, unwuchtigem Garage Punk-Chaos, das in etwa so klingt wie Synth-Infizierte Uranium Club in den etwas straffer strukturierten Songs, während in anderen Momenten ein Level an schrulliger Kreativität erreicht wird auf einer Höhe mit so schweren Fällen wie Checkpoint, Pressure Pin, Liquid Face, Skull Cult und Belly Jelly.

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Winky Frown – ;(ii

Wie schon auf ihrer ersten EP lädt die Band aus Ottawa, Ontario hier einen flotten Batzen von schrulligen Eggpunk-Tunes ab, die auf den ersten Blick recht sauber in die etablierte Genre-Schablone passen gemeinsam mit so Bands wie Clarko, Prison Affair, Beer, Beta Maximo und Smirk als offensichtliche Vergleiche. Bei aufmerksamer Betrachtung, enthüllen sich aber auch ungleich tiefer gehende Qualitäten, die nicht zuletzt so einigem erstklassigen Songhandwerk, reichlich eingängigen Hooks und einer Fülle von schrägen Einfällen geschuldet sind. Diese Band trotzt erfolgreich ihrer eigenen Gewichtsklasse mit tonnenweise musikalischer Substanz als fester Anker für die verschrobene Ästhetik, mit deutlich mehr Aufwand unter der Haube als man es für ein übliches Egg-Artefakt für nötig halten würde.

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