Eine entzückende und Spaßkanone von einem Debüt hat da eine Band aus Pittsburgh, Pennsylvania abgeliefert. Der instrumentale Opener Liftoff Jam (White Boys in E) schwillt an zu einem monotonen Monster aus psychedelischem Nebel, was ein bisschen so klingt als würden MX-80 und Chrome mit frühen The Men verschmolzen, woraufhin der Rest der EP sich dann aber eher auf eine handlichere Klangästhetik aus geradlinigem, moderat Stooges-infiziertem Garage Punk eingroovt, der sich vereinzelt auch mal Hardcore-Tempos und -Energieleveln annähert und sich jederzeit von der Masse abzuheben weiß mit seinen subtil psychedelischen Obertönen und einer konstanten melodischen Unterströmungen, die sich als roter Faden durch ihr oldschooliges Garage- und Proto Punk-Feuerwerk erstrecken.
D.A.R.Y.L. aus Austin, Texas hinterließen einen starken Eindruck mit der Mini-LP Rock N Roll High School aus dem letzten Jahr und mit ihrem zweiten Release bauen sie jetzt weiter auf dem bewährten Fundament aus Synth-unterstütztem Fuzz Punk, Noise Pop und Garage Punk zu einem noch mal deutlich durchschlagenderen Ergebnis. Unter der dicken Dreckschicht einer überbelichteten Vorschlaghammer-Klangästhetik kann man eine perfekte Abfolge von so einfach gestrickten wie auch unverschämt Ohrwurmverdächtigen Songs und Melodien finden, eine breitere musikalische Vielfalt und nicht zuletzt einen deutlichen Fortschritt in ihrem Songwriting-Handwerk verglichen mit den manchmal noch etwas eindimensional erscheinenden Vibes des Debüts. Hier klingen die jetzt etwas mehr nach einer Hälfte Buck Biloxi / Giorgio Murderer und die andere Hälfte riecht nach Gobs und Exwhite… oder vielleicht auch Booji Boys, Dadgad? Wie auch immer, alles daran klingt einfach so verdammt richtig!
Das 2024er Lo-Fi-Demo der New Yorker war ja schon die pure Glückseligkeit und hier bekommen wir nun zum ersten mal Aufnahmen in höherer Fidelität von der Band zu hören, welche sie in einem gerindfügig anderen Licht präsentieren mit weniger von einem Garage-Vibe und stattdessen stärker nach dem melodischeren Ende des SST Records-Spektrum und verwandtem Krempel klingend, irgendwo zwischen der mittleren Hüsker Dü-Phase, frühen Dinosaur Jr., Man Sized Action und auch einem Hauch von Angst. In jener Hinsicht – und ganz besonders im unbestreitbaren Überhit Combat Zone (Left For Dead) – erinnern mich die zwei Songs auch ganz schön an die unglaubliche erste Milk Music EP.
Die im letzten Dezember erschienene Debüt-EP Shoot Me I’m Plain von dieser Band aus Chico, Kalifornien war eine durchweg angenehme Überraschung, die so ziemlich aus dem Nichts kam. Jetzt habe ich wenig hinzuzufügen anlässlich ihres ersten Langspielers. Wie gehabt ist das eine irrsinnig ansprechende und mehr als nur kompetente Variante einer im vergangenen Jahrzehnt noch verbreiteten Masche aus Elementen von supermelodischem Fuzz Punk, Noise Pop und psychedelischen Surf-Vibes. Ein Sound, der in jüngerer Zeit etwas rar geworden ist, aber dennoch von Zeit zu Zeit an den unwahrscheinlichsten Orten aufsprießt wie ein hartnäckiges Unkraut, das sich auch von einem wenig wohlwollenden Zeitgeist nicht ersticken lässt. Denkt dabei an so Bands wie frühe Wavves, Male Bonding, No Age, frühe Terry Malts und Tiger! Shit! Tiger! Tiger!… oder auch an solche Surf-affinen Indie Rock- und Psych-Bands wie Crystal Stilts, Surfer Blood und The Fresh And Onlys.
Und hier kommt gleich noch so eine arschtretende 7″ aus dem Hause Goodbye Boozy Records. Darauf lassen Autobahn aus Leipzig eine ausgesprochen oldschoolige Hardcore-Attacke vom Stapel, gefolgt von einem verwinkelten Garage Punk-Hit mit einer unterschwelligen Southern Rock-Kante. Und wo wir schon vom Süden reden: Letzteres ist genau die Garage-Subnische, die seit geraumer Zeit auch Elvis 2 für sich in Beschlag genommen haben und hier liefern zwei neue Songs der australischen Garage-/Fuzz Punk-Formation mehr von dem süchtig machenden Scheiß, der uns um Nachschub betteln ließ so ziemlich von dem Moment an, als ihre erste digitale Single bei Bandcamp auftauchte – eine Elvis 2-förmige Lücke im Herzen, in der auch nach der kürzlich erschienenen Debüt-LP noch reichlich Platz vorhanden ist.
Ich finde das ist mal absolut brillianter Scheiß, dieses Demo einer New Yorker Band. Die charmant rustikale Lo-Fi-Ästhetik der Aufnahmen vermag es dabei nicht im geringsten, die offensichtlichen Qualitäten ihrer so eingängigen wie auch schlagkräftigen Herangehensweise an Fuzz- und Garage Punk zu verschleiern, die eine starke Note von Wipers-meet-KBD-mäßigen Vibes verströmt und darüber hinaus etwas von einem Saints-, Buzzcocks- oder Dead Boys-Flair hat. Aber noch mehr passiert hier unter der Haube, schält sich z.B. bei näherer Betrachtung doch auch eine leichte Ahnung von Southern Rock heraus, wie wir sie neulich etwa auf der Elvis 2 LP gehort haben, während die kraftvolle, tighte Darietung und das angepisste Gebelle des Sängers mir australische Bands im Umfeld von Split System und Punter ins Gedächtnis rufen. In einigen Momenten könnte man auch plausible Vergleiche ziehen zu dem fieberhaften Post Punk von Nervosas oder dem roheren Ende des Booji Boys-Spektrums.
Der Garage Punk-Scherzbold Robbie Thunder aus Newcastle, Australien ist und bleibt eine durchweg charmante Angelegenheit auf seiner siebten LP in gerade mal etwas über zwei Jahren und mein lieber Herr Gesangsverein, hat er darauf einen neuen Level erreicht mit seinen ausgesprochen simpel gestrickten, minimalistischen und geringfüfig Ramones-ifizierten Punksmashern der Fuzz-intensiven Machart in einem konstanten Feuerwerk aus Hits. Wo frühere Veröffentlichungen sich streckenweise noch etwas eintönig und ermüdend anfühlen konnten, treffen diese zehn Songs eine perfekte Balance aus einem vertrauten Sound, ausreichend viel Abwechslung und bestechender Küze – die Laufzeit von knapp 15 Minuten erscheint mir als die perfekte Dauer für so einen knusprigen kleinen Kartoffelchip von einer Platte wie dieser.
Drei unglaubliche (und auch hier noch einmal vertretene) Tracks, die über die letzten anderthalb Jahre verteilt tröpfchenweise auf Bandcamp angesickert kamen, machten schon ausgesprochen hungrig auf mehr von dieser Band aus Melbourne und ich freue mich mitteilen zu dürfen dass ihre erste (mini-) LP den hohen Erwartungen mehr als gerecht wird. Was Steröid mit dem Metal der ’80er Jahre tun, das zelebrieren Elvis 2 in ähnlicher Form mit ’70er Hard- und Southern Rock plus verwandten Dad Rock-Vibes und transformiert den ganzen Salat in eine nur geringfügig Eierpunkige, maximal Fuzz-verseuchte Ästhetik aus ultraeingängigem Garage Punk und Power Pop mit einem ungewönlichen Händchen für infektiöse Gitarrenleads – eine unaufhaltsame Welle aus mitreißenden Riffs, widerstandsfähigen Hooks und hartnäckigen Ohrwürmern, die auf eine unwahrscheinliche Art einige der Tugenden von, sagen wir mal, den frühen Sheer Mag EPs mit jüngeren Garage Punk-Zeiterscheinungen á la Satanic Togas verbindet.
Diese Band aus Evesham, New Jersey hat sich bereits eine sehr substanzielle Bandcamp-Diskografie aufgetürmt, aber verdammt, ist das das hier mal ein massiver Qualitätssprung auf ihrer neuesten LP. Darauf schichten sie eine dichte Wand aus eingängigem Noise Pop und Fuzz Punk auf, irgendwo zwischen so Acts der Nuller- bis 2010er Jahre á la Milk Music, Male Bonding und No Age einerseits und andererseits Dinosaur Jr. der goldenen Ära in den ’80ern, aber mit dem spezifischen Unterschied, dass hier wirklich jeder Song weniger die introvertierte Nasalität von J Mascis zu channeln scheint als das verzweifelte Geschrei Lou Barlows im wütenden Rauswerfer-Track der Bug LP, Don’t. Darüber hinaus geht da auch schon mal ein wenig frühe My Bloody Valentine-Action ab etwa in Boy Christening, wohingegen Mark Prindle einen Vibe von The Wedding Present mitbringt, die hier aber in eine ausgebombte Post Punk-Hölle tansplantiert werden.
Ooo-kay, das hier soll also das neue Projekt von einem alten britisch-amerikanischen Sack sein aber ehrlich gesagt bin ich ziemlich skeptisch, dass man irgendetwas von dem glauben schenken sollte, was auf ihrer Bandcamp-Seite geschrieben steht. Aber wie auch immer, der Krempel schreddert ausgezeichnet. Das ist ein schön noise-verseuchtes, abgefuzztes Konzentrat aus Garage- und Post Punk mit einem subtilen Zusatz von ’90er Indie Rock und altem britischen DIY. Freunde von noch gar nicht so uralten Bands wie Shark Toys, Tyvek, Parquet Courts oder frühen Cloud Nothings werden dem bestimmt nicht abgeneigt sein.