Reichlich eigenwilliges Zeug – wie es in dieser Unverfrohrenheit eigentlich nur der australischen Szene entspringen kann – knallen uns 208L Containers aus der tasmanischen Hauptstadt Hobart vor die Füße. Ein schrammeliger Mix aus Fuzz- und Garagepunk, der gerade deshalb seinen besonderen Charme entfaltet, weil alle beweglichen Teile irgendwie fehl am Platz wirken ohne dass die Maschine dabei abschmiert.
Auf ihrer aktuellen, äh… definitiv-keine-LP sorgen Antibodies aus dem kanadischen Charlottetown für höchste Zufriedenheit mit so schnörkellosem wie auch hochexplosivem Hardcorezeugs, das obendrein mit einem spaßigen Garagen- und Fuzzpunk-Faktor aufwartet. Album-Stream →
Ganz prächtiger Lärm aus Madison, Wisconsin. Der spannt gekonnt einen Bogen vom 80er Westküstenpunk zu den Garagensounds von heute und lässt beides dann in einem warmen Bad aus Fuzz Punk und Noisepop á la Male Bonding einweichen.
Wash kommen irgendwo aus der Gegend des australischen Küstenstädtchens Byron Bay und fielen mir zum ersten mal vor knapp zwei Jahren durch ein Split-Tape mit Dumb Punts und eine saumäßig rohe Darbietung ihres Fuzzpunks auf. Seitdem haben sich die Typen wohl ein paar halluzinogene Frösche reingezogen und ihr Sound hat sich entsprechend ein wenig entspannt, eine psychedelisch schillernde Oberfläche entfaltet, ohne dabei die kratzbürstige, ultraprimitive Energie einzubüßen.
Ich seh das Cover und denk mir was zum Fick? Dahinter kann sich doch nichts gutes verbergen. Sicher eine dieser ausgelutschten PsychedelicStonerProgressiveSpaceDoom-Kapellen, die seit Jahrzehnten jeglicher Entwicklung und Kreativität erfolgreich aus dem Weg gegangen sind. Oder best case: Ein uninspirierter Oh Sees-Klon.
Und wie falsch ich da lag! Bis auf den Teil mit Oh Sees. Diese Platte würde nämlich tatsächlich gut auf Dwyer’s Label Castle Face passen, aber die Band aus Los Angeles ist auch reichlich inspiriert. Die Fantasy- und Science Fiction-Verweise sind nicht da um ernst genommen zu werden und riechen mehr nach Heavy Metal. Dem Film. Na ja, manchmal auch dem Genre (siehe Ferengi Madness!). Und ja, es gibt auch viel psychedelisches bis abgespacetes Zeug aber Thriller Party haben Punk im Arsch. Fuzzpunk, mit dem sie die halluzinogeneren Elemente komplementieren und der mich an No Age, Male Bonding, Hüsker Dü oder Japandroids erinnert. Oder wenn’s eher Psychodingens wird an Pow!, spätere Parts & Labor und deren Nachfolgeband Upper Wilds. Und natürlich auch mal Oh Sees. Das hat Energie, das macht Krach und Spaß. Spaß, wie er anderen Bands tabu zu sein scheint, die mit ähnlichen Versatzstücken rumhantieren.
Vorzüglich schlecht gelaunter und vollgeschwitzter Noise-, Fuzz- und Sludge Punk aus Dublin dem als Sahnehäubchen noch ein Sänger den Rest gibt, der klingt als hätte ihm jemand das letzte Bier leer getrunken. Kann man ja verstehen, aber jetzt beruhig dich erst mal.
Die zweite EP dieser Band aus Durham macht schon mal eine äußerst sympathische Figur mit drei melodischen Krachern irgendwo zwischen Fuzz Punk und 90er Indie Rock.
Flat Worms aus Los Angeles melden sich zurück mit einer gewohnt hochwertigen 7″ auf Famous Class, auf der ihr Sound ein gutes Stück verspielter rüber kommt als auf ihrem letztjährigen Debütalbum. Dabei tritt der Garagenfaktor in den Hintergrund, die zwei Songs rücken stattdessen vermehrt in die Gegend von Noise-getränktem Post Punk. War alles auch früher schon da, aber diesmal gewähren sie dieser speziellen Sau etwas großzügigeren Auslauf.
Auch auf ihrem neuesten Album scheren sich Nearly Dead aus Victoria, Kanada einen Dreck um Schönklang, Publikumserwartungen und Zugänglichkeit. Ihr maximal räudiger, monoton-repetitiver Mix aus Noise Rock, Fuzz und Sludge strapaziert die Geduld und Nerven des Hörers, ist so penetrant dass man ihn einfach nicht mehr ignorieren kann und bleibt schwer im Magen liegen als hätte man zwei Kilo Beton gefressen. Seid ihr mal an einer dunkelbraunen Pfütze vorbeigelaufen und dachtet euch: „Cool, da leg ich mich jetzt mal rein.“? Eine ähnlich verlockende Wirkung entfaltet diese Musik. Abartig im schönsten Sinne.
Wenn ich mir jede Woche meinen Weg durch das Dickicht an Musikeinreichungen schlage, fühlt sich das meistens mehr nach unbezahlter Arbeit an als nach Spaß. Am Ende lohnt es sich aber doch, wenn mir ab und an eine solche Perle unterkommt wie der zweite Langspieler von Commander Keen aus dem Städtchen Cookeville, Tennessee. Unterschätze nie die Kleinstadtpunks! Nicht nur sind die Typen nach einem Helden meiner Kindheit benannt, auch in musikalischer Hinsicht liegen wir absolut auf einer Wellenlänge. So viel liebgewonnenes aus der jüngeren wie auch uralten Vergangenheit spült meine Assoziationsmaschine da an die Oberfläche. Beginnend mit dem energischen Postcore von Drive Like Jehu, dem Fuzz Punk von California X oder Happy Diving, Noisepop á la No Age, Playlounge oder den unvermeidlichen Japandroids. Ihre Songs pendeln außerdem zwischen der hymnischen Euphorie etwa von Beach Slang oder Needles//Pins und der Melancholie von Milk Music. Haben die Qualitäten des arschtretend-melodischen Postpunks von Piles oder Die! Die! Die! und gelegentlich scheint sogar eine leise Ahnung von Quicksand oder Leatherface durch. Das alles wurde hochkompakt in zehn über jeden Zweifel erhabenen Songs verkapselt, deren Gehalt an hartnäckigen Hooks und Melodien weit oberhalb der empfohlenen Tagesdosis liegt. Davon wird mir aber keineswegs schlecht, ich bekomme nur noch mehr Hunger auf einen zweiten Nachtisch. So. Verdammt. Gut.