Electric Prawns 2 – Perspex / Heavy Shitters

Electric Prawns 2 aus Moffat Beach, Australien sind zurück mit nicht nur einer, sondern gleich zwei neuen LPs im Gepäck, die zwei mehr oder weniger gegensätzliche Vibes repräsentieren, welche eigentlich schon von Anfang an Bestandteil ihrer musikalischen DNA waren. Das dunkelrote Artwork der Perspex LP wirft bereits einen Schatten voraus, dass man dieses Gelände besser mit Vorsicht betreten sollte und in der Tat ist das hier mit voller Absicht ein gewisser Downer geworden. Die kraftvollen Useless Eaters-Vibes des Openers Who's Been Laying Eggs Under My Skin? leiten eine Strecke von ziemlich düsterem, psychedelischem Garage Rock ein, der irgendwo zwischen "ziemlich traurig" und "totaler Horrortrip" alterniert, gleichermaßen abgespaced und tausend Meilen im Meer versenkt, immer bei vollem Bewusstsein dass beide Orte nicht für ihre Gastfreundlichkeit gegenüber Menschen bekannt sind und nur nur eine dicke Stahlwand sie davon abhält, den Körper binnen von Millisekunden in eine halbe Badewanne voll rötlicher Glibbermasse zu transformieren. Und? Jetzt schon komfortabel mit dener fragilen Existenz? Die gute Nachricht ist, dass ich bisher nur die halbe Wahrheit preisgegeben habe und (die bislang wohl nur imaginär zu verstehende) Seite B zwar auch in psychedelischen Sphären herumschwirrt, aber sich durchweg auf die erbaulicheren Tugenden des Genres konzentriert, so verdammt sonnendurchflutet dass dir Blumen aus dem Arsch wachsen werden. Die etwas längere Heavy Shitters LP ist dann doch ein gutes Stück näher dran an dem quirligen, unverkennbaren Vibe, der einen Großteil ihrer bisherigen Diskografie dominiert hat; der eigentlich nur spielen und rumgammeln und abrocken und dumme Witze vom Stapel lassen will. Die größten Hits heben sie sich dabei für die zweite Hälfte auf und insbesondere die fabelhafte sechs-Song-Strecke von Sick bis Farted In Her Sleep ist die Art von schlafwandlerisch treffsicherem Songmaterial, für die andere Bands töten würden.

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Marathon ’77 – The Park Street Studio Sessions

Die jüngste EP dieser Band aus Philadelphia entzückt mit fünf schön zurückgelehnten Perlen des geringfügig neben der Spur agierenden, schrammeligen Indie Rock und Slacker Punk, zu verorten irgendwo zwischen so Indierockern wie Treehouse, Kitchens Floor, Thigh Master oder aktuell auch den Ungarn Dehidratált Fejek auf der einen Seite der Gleichung - und den etwas exzentrischeren Sounds etwa von Damak, Honey Bucket, Germ House und Far Corners auf der anderen, wobei der Übersong Artifact ein bisschen so klingt wie die staubigen Acid-/Roots-/Garage Rock-Fusionen von Weak Signal vermischt mit dem eingängig-fuzzigen Garage Pop von The Wind Ups.

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Answering Machines / Good Flying Birds / Soup Activists – Star Charms

Eine unverschämt starke dreifach-Splitkassette bringt hier ein paar Bands zusammen, die man zukünftig definitiv im Blick behalten sollte. Answering Machines aus Chicago machen den Anfang mit einem beachtlichen Knall in der Form von eingängigen Pop-Tunes, welche die besten Qualitäten vereinen von den Fuzz Punk-Exzessen der frühen 2010er und Bands wie Wavves und No Age, mit dem kräftigen Power Pop etwa von Bad Sports, Warm Soda, Sonic Avenues oder Scupper, wobei die durchweg ausgebombte Ästhetik und Produktionswerte auch etwas rohere Vertreter des letztgenannten Spektrums wie Violent Change, The Wind-Ups, Famous Mammals, Honey Bucket, Germ House, Far Corners und vielleicht auch frühe Chronophage ins Gedächtnis rufen.
Good Flying Birds aus Inadianapolis (die wohlbemerkt genau einen Tag zuvor bereits ein sehr beeindruckendes Debütalbum vorgelegt haben) präsentieren daraufhin drei neue Ohrwürmer, die irgendwo im Weißraum zwischen '80er Jangle Pop, C86-Popqualitäten und auch reichlich spätachtziger Sarah Records Indiepop-Vibes herumverkehrt.
Abgerundet wird das Ding durch neue Songs von den Artrockern Soup Activists aus St. Louis, für die ich mich anfangs ja noch nicht so richtig erwärmen konnte und die ich auch jetzt noch am besten in kleinen Dosen genießen kann. Eine angemessen kleine Dosis ist das hier aber fraglos und ich muss dann auch zugeben, dass mir kaum ein besserer, entspannter Ausklang für dieses bemerkenswerte Album eingefallen wäre.

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Purp – The Little Brainwash Simulation

Mehr Brain Fuck und Brain Fog als des selbigen Wäsche ist diese durchweg desorientierende neue EP eines gewissen italienischen Gentlemans namens Leonardo Carlacchiani aka Purp, eine überwältigende Welle von LoFi-mäßigem DIY Lärm und Psychedelia, die alles daran setzt, den Verstand nicht etwa zu brechen, sondern zu benebeln. Der Opener Mind Space kommt in etwa so rüber als hätte man den folkig-schrammeligen Powerpop von jüngeren Vaguess-Platten in den durchgebrannten Fuzz Pop-Kontext weiterer italienischer Genossen wie Mustard/Metal Guru und der jüngsten EP von Dadgad verfrachtet. Letzteres morpht dann in Labyrinthorama zu einem deutlich relaxteren Midtempo-Indie Rocker, der mir etwa Treehouse und frühe Tape/Off ins Gedächtnis ruft. Reminder Demons With Gufo Mangia Sale ist pure Space Blues-Unendlichkeit. Astral Angel klingt ein bisschen nach frühen Pixies, verlangsamt zu einem deprimierenden Kriechtempo und bekommt zusätzlich einem Nachgeschmack von '90er Chokebore verpasst. Ladybug's Ballata With Bobby Chombo zieht einen No-Fi-Flickenteppich aus My Bloody Valentine und Dinosaur Jr durch einen psychedelischen Flying Saucer Attack-Fleischwolf, gefolgt von I-Ching, das eine Brücke schlägt von frühen Japandroids zu den Noise-/Fuzz Pop-Acts der späten 2000er / frühen 2010er á la No Age, Wavves und Male Bonding.

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Mo egg on ya face (Paulo Vicious / Dårskap / Gurk)

In jüngerer Zeit hat es noch nie so etwas gegeben wie eine schlechte Woche für Eggpunk, aber diese Woche war mal wieder ganz bemerkenswert hochwertig mit drei überdurchschnittlichen Veröffentlichungen. Paulo Vicious aus Tel Aviv dürfte euch ja bereits von der Ärsche tretenden Debüt-EP im letzten Winter ein Begriff sein. Der Nachfolger davon nimmt nahtlos dessen Stränge wieder auf und erzeugt weiter kranken Spaß am laufenden Band mit starken Echos von Prison Affair, Set-Top Box, Nubot555 und obendrein einer glitzernden Patina aus 8.Bit Chiptunes. Dårskap aus Oslo wiederum nähern sich den Egg-verwandten Sounds mit einem gewissen Dungeon Punk-Unterton und der subtile Deathrock-Vibe wirft die Frage auf, ob hier vielleicht personelle Überschneidungen zur ebenfalls aus Oslo stammenden Band Molbo bestehen, die es erst letzte Woche an dieser Stelle zu bestaunen gab. Zu guter Letzt liefern die Schweden Gurk vier neue Attacken des ultra-catchy Egg-induzierten Wahnfrohsinns auf einer neuen EP, die ich mal durchaus als ihre bislang stärkste bezeichnen möchte.

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Vaguess – Thanks // No Thanks

Ein Fixpunkt in der Garagenszene der letzten Jahre ist zurück mit einer diesmal wieder etwas größer angelegten LP via Erste Theke Tonträger, nachdem die vergangenen paar Jahre eher durch ein Stück weit unter dem Radar fliegende Kassetten- und Digital-Releases geprägt waren. Das Ding hier kommt nicht weniger eklektizistisch daher als besagte jüngere Veröffentlichungen, aber gleichzeitig auch um einiges fokussierter, entschlossener und konsistenter als das vorhergegangene Geschepper. Das Zeug umspannt ein Spektrum aus kräftig vorangehendem Post Punk (When It's Gone, A.P.A.C.) , melancholischen Indie Rock-Balladen (Texas Cloud), flauschigem Synth-Pop (Let U Know), geradeaus-rockenden Garage-/Fuzz Punk-Explosionen - reichlich Speck zum festbeißen und alles zusammengehalten von Vinny Earley's immer selbstsicheren, häufig brillianten Songwriting-Fähigkeiten. Mit Weekend Shadows und Carryon gibt es dann zu guter Letzt noch zwei dieser göttlichen Power-/Fuzz Pop-Ohrwürmer wie sie der Typ einfach perfektioniert hat.

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Beta Máximo – Creo que E​.​T. es Melvin

Die spanischen Noise Pop-Overlords Beta Máximo schlagen wieder zu mit einem starken Bündel neuer Songs. Schwer zu glauben, dass ihr gigantischer Output erst irgendwann im letzten Sommer seinen Anfang genommen hat… Ursprünglich noch mit einer deutlichen Eggpunk-Ästhetik, hat sich ihr Sound graduell in eine etwas ruhigere und verträumte, leicht Shoegaze-mäßige Richtung entwickelt und diese neuen Songs sind fraglos die rundeste Inkarnation ihrer jüngeren Entwicklung.

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The Wind Ups – Happy Like This

Die zweite LP dieser Band aus Chico, Kalifornien um Jake Sprecher - auch als Teil etwa von Smokeskreens, Beehive und Terry Malts bekannt - nimmt die Fäden genau da wieder auf, wo ihr späktakuläres 2021er Debütalbum Try Not To Thinkaufgehört hat. Will sagen: Mehr von dieser unwiderstehlichen Mischung aus Noise- und Power Pop, Garage- und Fuzz Punk und erneut ein einziges neonfarbenes Bubblegum Pop-Feuerwerk, dessen unfehlbare Songwriting-Qualitäten hier nicht ein einziges mal ins Straucheln kommen.

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Wimps – City Lights

Diese Band gibt es jetzt schon ein kleines bisschen länger als dieses Blog und überhaupt gehörte das Trio aus Seattle durchweg zur regulären Geräuschkulisse meines Lebens, auch wenn es in den letzten Jahren etwas ruhig um die Band wurde. Ihre erste neue LP nach fünfjähriger Pause präsentiert sie jedoch erneut in Topform. Ihre geheime Waffe war ja eh schon immer die Simplizität ihrer Musik, tonnenweise verschrobener Charme und ein einzigartig gutes Gespür für saumäßig eingängige Slacker-Hymnen, die man einfach ins Herz schließen muss, dargeboten in einem unprätentiösen Sound zwischen Garage Punk und Fuzz Pop.

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Datenight – Clueless and Hangless

Zuerst war ich mir ja nicht so sicher, ob diese Angelegenheit nicht etwas zu entspannt wird für meinen Geschmack, aber letztendlich kann mich auch dieses mal wieder die schiere Kraft des Songwritings überzeugen auf einem Album, das irgendwie den Eindruck einer gemischten Tüte von Outtakes und sonstigen Krümeln erweckt - ein Eindruck der durchaus stimmen könnte und noch bestärkt wird davon, dass die Songs hier einfach alphabetisch sortiert sind. Die Songs selbst sind aber durchweg makellose A-Ware.

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