Ist das jetzt echt schon die vierte Dead Finks LP? Fuck, wie die Zeit vergeht! In Relation dazu ist der Output des Berliner Post Punk-Duos bestehend aus Erin Violet und Joseph Thomas (zuvor von den Neuseeländern Trust Punks bekannt) aber beruhigend konstant und immer von höchster Klasse, transportiert dabei auch klar etwas von der alten Trust Punks-DNA, verwebt jene aber mit jeder Menge von folkiger Schrammelei und Melancholie zu einem epischen, farbenfrohen Mosaik aus Breitwand-Drama, eine leicht vernebelte Atmösphäre aus ungelöstem Konflikt, die mich mehr als nur einmal an die ikonische, singuläre Vision der Indie-/Noise Rocker Kitchen’s Floor aus Brisbane erinnert.
Eine Band aus Biel hat mit dieser LP auf dem lokalen Label Chrüsimüsi Records mal einen echten Schwelbrand von einer Platte kreiert, der sich gerne mal ordentlich Zeit nimmt um auf den Punkt zu kommen, aber es zahlt sich dann doch jedes mal aus, wenn man ihr mit etwas Geduld begegnet. Der langsam vorwärts kriechende Opener Different Times erinnert mich dabei unmittelbar an den rustikalen Wüstenstaub und Americana-Rock von Weak Signal, welcher daraufhin in einen stärkeren Post Punk-Kontext transformiert wird im nachfolgenden Bubbles, wohingegen durch so Songs wie Peace Of Mind eine offensichtliche Velvet Underground-Energie fließt und ein Strom aus Art- und Glam Rock uralter Schule, der unter anderem auch in The Candidate ziemlich unübersehbar ist. An anderen Stellen fühle ich mich stark an den folkigen Post Punk von Dead Finks erinnert, das frühe Werk der Londoner Witching Waves, eine entschleunigte Variante von The Cowboy oder Flat Worms, den erdigen Garage Rock von Honey Radar oder den stacheligen Art Punk von Far Corners und Germ House… sogar ein bisschen von der ersten Peace De Résistance mag da noch mitschwingen.
Das Debüt-Tape der Band aus Philadelphia ist eine gewisse Rarität in dieser Zeit als eine Post Punk-verwandte Veröffentlichung, die sich stur jeder Klassifizierung in spezifischen Sub-Nischen verweigert, aber ich denke es ist euch klar dass ich es trotzdem versuchen werde, nicht wahr? Die folkige Americana-Atmosphäre der Openers Full Speed Ahead (paradoxerweise einer der langsamsten Songs hier…) provozieret Vergleiche zu dem Breitwand-Drama einer Dead Finks-Platte, eine Qualität, die auch die folgenden Tunes aufrecht erhalten, aber auch ganz andere Vibes tummeln sich da, die hier und da nicht ganz unähnlich sind etwa zum Schaffen von solchen Post Punk-Hausnummern wie Tube Alloys, Corker, frühe Pyrex, Marbled Eye und, ganz besonders, VR Sex, deren desillusioniert-düstere Energie vielleicht der am besten zutreffende Vergleich unter den genannten Bands ist. Aber wo bei VR Sex immer eine gewisse Künstlichkeit eine klinische Distanz erzeugte, fühlen sich diese Songs ungleich rustikaler, geerdet und eingelebt an.
Nicht allzu lange nach ihrer brillianten Debüt-EP bekommen wir jetzt auch schon die erste LP von dieser Band aus Minneapolis zu hören, die wie gehabt mit einem charmant aldmodischen Genre-Mix entzückt, der offenbar überwiegend Inspiration von einigen eher unkonventionellen und melancholisch angehauchten Ausläufern der ’80er bis ’90er Punk-, Hard- und Postcore-Historie bezieht, wenngleich die Einflüsse hier noch etwas vielfältiger und differenzierter rüberkommen. Während der Opener Hello World mit einem starken ’90er Dischord-Vibe mit Echos etwa von Jawbox, Crownhate Ruin, Bluetip, Smart Went Crazy oder Kerosene 454 aufwartet, hat der darauf folgende Track Tectonic Plates mehr so etwas von einer seltsamen Mischung aus Rapeman, Brainiac und Mule. Kick Geneva und Steve erinnern mich hingegen stark an Angst oder Moving Targets und BDFI hat so eine Butthole Surfers-mäßige Doom-Ästhetik. Diesmal dauert es darüber hinaus doch tatsächlich bis zum vorletzten Track What Happens Next und nachfolgend Mantle, dass letztendlich doch noch mal der Mission Of Burma-Vibe zum vollen Vorschein kommt, der die vorherige EP noch stärker dominierte. Nicht zuletzt ist über weite Strecken auch eine stark folkige Unterströmung zu verzeichnen, die mich unter anderem an so geringfügig exzentrische Bands der ’80er erinnert wie The Proletariat, Volcano Suns, M.I.A. und My Dad Is Dead.