Johnny Skin – Johnny Skin

Vom neuesten Bündel an Releases auf Inscrutable Records hat ja mal klar die Evinspragg-Platte die meiste Aufmerksamkeit abbekommen – teils aus durchaus gerechtfertigten Gründen, teils aus eher ärgerlichem Drama-induziertem Anlass. Aber wenn ich ehrlich sein soll beißt jene Platte dann doch etwas mehr ab als sie zu schlucken vermag und versandet nach ihrem spektakulären Start mehr oder weniger auf halber Strecke. Nein, mich zieht es dann doch eher zu den anderen beiden Veröffentlichungen des Labels, zu denen auch das Langspieldebüt von Johnny Skin gehört. Der kreiert darauf eine verträumte und supereingängige Melange, welche die überlebensgroße Melancholie und Sehnsucht von ’50er-’60er Bubblegum Pop-Balladen in eine minimalistische Ästhetik aus vintage elektronischen LoFi-Drumbeats und Synths transportiert, die fraglos unvermeidliche Vergleiche zu Suicide und Métal Urbain hervorrufen wird, im stetigen Wechsel mit ungleich lärmigeren und dissonant No Wave-igen Nummern, die mehr mit so alten Synth Punk-Pionieren á la Primitive Calculators und Nervous Gender gemein haben und mit dem experimentell-psychedelischen Krach etwa von Theoretical Girls, Chrome oder MX-80.

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Snooper – Unknown Caller

Für mich kann es niemals genug Snooper auf der Welt geben und entsprechend ist auch diese neue Tour-EP eine willkommene Erscheinung, auch wenn die sich ein bisschen nach einer Mogelpackung anfühlt, die nur zu grob 60% aus neuen Songs besteht und der Rest lässt sich eher als verzichtbare Experimente und Interludes klassifizieren. Die zwei „richtigen“ neuen Songs sind jedoch mal wieder ’ne Bombe, angetrieben von elektrischen Beats ein bisschen so, wie wir es schon mal im Song „Subdivision“ von ihrer 2022er EP Town Topic gehört haben, allerdings ist der Energielevel hier ungleich höher und fast schon brutal im direkten Vergleich, verschiebt ihren Sound näher an ein ausgesprochenes Elektropunk-Territorium, wobei die Songs aber erneut ziemlich klassisches und ausgezeichnetes Snooper-Material sind. Wenn die Chaot*innen sich jetzt noch dazu aufraffen könnten, auf ihrer übernächsten EU-Tour auch mal hier im Westen zu spielen, würde mich das durchaus glücklich machen. Es leben nämlich auch Eggpunks in anderen Städten als Berlin.

Snarewaves – Str8 From The Basement

Eine neue kurzspielende Dosis des klanggewordenen Wahnsins kommt hier mal wieder von dieser Ein-Mann-Band aus Lansing, Michigan und wer hätte es gedacht: Es ist erneut eine ganz entzückende Attacke aus chaotischem Synth-/Elektro-/Sample Punk der so stark durch den LoFi-Fleischwolf gedreht wurde, dass ich etwa im Opening Track nicht so genau weiß ob ich da jetzt eine Gitarre höre oder einen ramponierten Synth. Hochwertiges Futter also für Freunde von ähnlich verstörenden Geräuschen im Fahrwasser von Beef, ISS, Heavy Metal, Klint, Spyroids, R. Clown oder Kerozine.

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Klint & The Gents – Split

Wie üblich ist das ein großes Kaliber von einer Split 7″, die uns von Italiens bester Adresse für abseitigen Lärm, Goodbye Boozy Records, angespült kommt. Der schleswiger Viking Synth Punk-Maestro Klint begibt sich für seine Tracks darauf in den vollen Hardcore-Modus und lässt drei massive Geschosse in seiner patentierten, abriebstarken Machart vom Stapel, die bei allem Geschepper aber auch saumäßig catchy sind – der gute Mann schießt selten daneben und nach wie vor bleibt sein Sound absolut einzigartig in der gegenwärtigen Punklandschaft. Die andere Seite gibt uns dann vier neue Tracks der Hamburger The Gents, die hier ebenfalls ein gutes Stück roher zur Sache gehen verglichen mit ihrer vorherigen EP in einer substantiellen Attacke aus geradeaus gehendem Garage Punk, nicht ganz unähnlich zu so Zeug wie Bart and The Brats oder The Uglies.

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Stdees – Steroid Dojo

Eine sensationelle Debüt-EP von einer Band oder einem Projekt aus Lethbridge, Alberta, welche sechs perfekte Schläge aus einer Machart des Post Punk beherbergt, deren ohrenbetäubenden Wände aus Lärm und pulsierende elektrische Beats zeitweise so klingen als kollidiere eine seltsame Art Eggpunk-Big Black mit den mehr oder weniger psychedelischen Qualitäten von so Garage-Größen wie den frühen Useless Eaters, Pow! und Mononegatives – oder aber auch mit den vernebelten Punk-Experimenten von Métal Urbain / Dr. Mix and the Remix – in einer atemlosen Abfolge hochendzündlicher Banger. Darüber hinaus habe ich auch noch so ’ne leise Ahnung, dass auch Freunde von so abgespaceten Krawallmachern á la Corpus Earthling oder dem französischen Magier Pablo X dieser Band aus der Hand fressen werden.

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Snarewaves – Snarewaves

Ziemlich heißer Scheiß, die Debüt-Kassette von irgend so ’nem Typen aus Lansing, Michigan. Das ausgefuzzte Garage Punk-Inferno in Cracked lockt dabei zuerst mal auf eine etwas falsche Fährte, verschiebt sich der Sound in den darauf folgenden Tracks doch mehr in eine Richtung von Noise-verseuchtem Synth Punk und umspannt dabei doch so einiges an stilistischer Bandbreite. Entsprechend mag man sich hier an einen recht bunten Blumenstrauß von Bands aus dem erweiterten Spektrum von Synth-/Electro-/Sample Punk erinnert fühlen wie etwa Beef, ISS, Heavy Metal, Klint, The Garden, Victor, Spyroids, R. Clown, Paulo Vicious und Kerozine.

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Furia Fatal – Chain Shot DLC

Punk mit Gaming-Hyperfixierung ist ja nicht so der große Indikator für Kreativität und künstlerischen Wert, aber die zweite EP dieser Band aus Fresno, Kalifornien widersetzt sich dankenswerter Weise der allgemeinen Tendenz solcher Musikware zu zahnlosen, abgedroschenen Chiptune-Sounds. Stattdessen liefern die hier ein paar ausgesprochen schmackhafte Häppchen aus fuzzigem LoFi-Elektropunk mit ordentlich Beißkraft ab, die mich abwechselnd mal an so Zeug erinnern wie S.B.F., ISIS, Exit Mould, Penance Hall, Kerozine, Giorgio Murderer oder auch die stärker elektrolastigen Projekte dieses Zhoop/Djinn/etc.-Typen: Nightman und Brundle.

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The VanCooths – A Sunny Day With Clouds

Diese schon recht lange bestehende, aber ausgesprochen langsam agierende Band aus dem niederländischen Breda habe ich bisher weitgehend (zu unrecht) ignoriert aber umso kraftvoller katapultieren sie sich dafür jetzt auf meinen Radar mit ihrer dritten und fraglos stärksten LP, auf der sie ausgesprochen potente Songwriting-Qualitäten in eine sehr wandlungsfähige Klangästhetik verfrachten, die irgendwo zwischen oldschooligem, manchmal psychedelischem Garage- und Fuzz Punk, sägendem Noise- und Power Pop sowie auch einigen pulsierenden Elektropunk-Ausbrüchen alterniert. Zugegeben, zwei mal feuern sie für meinen Geschmack daneben wenn sie sich etwas zu weit in überzuckertes oh-so-fucking-twee ASMR-Territorium begeben aber hey, zehn von zwölf ist doch mal eine durchaus respektable Trefferquote und in den besten Momenten klingt das für mich nach einer sehr garagigen Version der frühen Fastbacks.

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Abscam – Abscam

Dieses schnuckelige neue Tape einer Band aus Los Angeles hat für uns eine Ladung des so lärmigen wie auch hyperaktiven Synth-/Electro Punks, der sich irgendwie vage nach Klassikern der ’70er und ’80er anhört aber dann doch keine ganz treffende Ensprechung in jener Ära findet, wobei ich aber sagen würde dass Primitive Calculators und Nervous Gender keine ganz abwegigen Vergleiche wären. Darüber hinaus kann man auch gut Parallelen ziehen zu einer Reihe ziemlich unterschiedlicher jüngerer Bands wie Lost Packages, ISS, Spyroids, Skull Cult und Freak Genes, plus eine Prise von hybridem Garage-/Post Punk á la Tyvek und Shark Toys in gitarrenlastigeren Tracks wie Ford Branca.

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Munchkin Head – One Way Ticket To Pound Town

Eine weitere saustarke EP dieser komplett entgleisten Hair Punk / Egg Metal Combo aus Los Angeles, die hier weiter ihren Status zementiert als die übel hirngefickten bösen Cousins der Elektropunk-Bollwerke ISS und Heavy Metal, wenn sie ein weiteres mal ein von Grund auf absurdes musikalisches Konzept auf lyrische Ergüsse prallen lassen, die irgendwo im Spektrum von „Der Zensor war pinkeln“ bis „Hat er das jetzt wirklich gesagt?“ rangieren. Nach wie vor eine Explosion des dementen Chaos‘ und ein absurder, surrealer Spaß.

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