Electric Prawns 2 – Perspex / Heavy Shitters

Electric Prawns 2 aus Moffat Beach, Australien sind zurück mit nicht nur einer, sondern gleich zwei neuen LPs im Gepäck, die zwei mehr oder weniger gegensätzliche Vibes repräsentieren, welche eigentlich schon von Anfang an Bestandteil ihrer musikalischen DNA waren. Das dunkelrote Artwork der Perspex LP wirft bereits einen Schatten voraus, dass man dieses Gelände besser mit Vorsicht betreten sollte und in der Tat ist das hier mit voller Absicht ein gewisser Downer geworden. Die kraftvollen Useless Eaters-Vibes des Openers Who’s Been Laying Eggs Under My Skin? leiten eine Strecke von ziemlich düsterem, psychedelischem Garage Rock ein, der irgendwo zwischen „ziemlich traurig“ und „totaler Horrortrip“ alterniert, gleichermaßen abgespaced und tausend Meilen im Meer versenkt, immer bei vollem Bewusstsein dass beide Orte nicht für ihre Gastfreundlichkeit gegenüber Menschen bekannt sind und nur nur eine dicke Stahlwand sie davon abhält, den Körper binnen von Millisekunden in eine halbe Badewanne voll rötlicher Glibbermasse zu transformieren. Und? Jetzt schon komfortabel mit dener fragilen Existenz? Die gute Nachricht ist, dass ich bisher nur die halbe Wahrheit preisgegeben habe und (die bislang wohl nur imaginär zu verstehende) Seite B zwar auch in psychedelischen Sphären herumschwirrt, aber sich durchweg auf die erbaulicheren Tugenden des Genres konzentriert, so verdammt sonnendurchflutet dass dir Blumen aus dem Arsch wachsen werden. Die etwas längere Heavy Shitters LP ist dann doch ein gutes Stück näher dran an dem quirligen, unverkennbaren Vibe, der einen Großteil ihrer bisherigen Diskografie dominiert hat; der eigentlich nur spielen und rumgammeln und abrocken und dumme Witze vom Stapel lassen will. Die größten Hits heben sie sich dabei für die zweite Hälfte auf und insbesondere die fabelhafte sechs-Song-Strecke von Sick bis Farted In Her Sleep ist die Art von schlafwandlerisch treffsicherem Songmaterial, für die andere Bands töten würden.

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Molbo – Mol-Bot

Zwar etwas verspätet, aber Molbo aus Oslo haben dann letztendlich ja doch noch mal ganz schön Wellen geschlagen mit ihren 2023/’04er EPs nachdem jene gemeinsam von Erste Theke Tonträger auf Vinyl wiederveröffentlicht wurden. Insgesamt hat sich ihr Sound seitdem nicht allzu sehr verändert, aber dennoch ist ein stetiger Feinschliff zu erkennen auf ihrer neuesten EP, die ihren Style zu einem robusteren, konsistenteren Gesamtbild konsolidiert. Wie gewohnt verwebt das Zeug die Stränge von Garage-, Post- und Egg Punk, Death Rock und Dungeon Punk zu einem ganz schön einfallsreichen und wunderbar unförmigen Genre-Bastard und festigt damit ihre eigene kleine Nische in der gegenwärtigen Egg-/Dungeon-Landschaft.

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Smelly and the Järdfartz – Smelly and the Järdfartz

Was für eine verdammt lahme Woche wäre es denn ohne eine neue Eggpunk-Veröffentlichung? Diesmal werden wir versorgt von einer Band aus Indianapolis, die sich hier stilistisch nicht allzu sehr aus dem Fenster lehnt aber nichtsdestotrotz eine spaßige, grundsolide Variante des Genres spielt und einen Sweet Spot findet irgendwo zwischen den Sounds von frühen Prison Affair, Deebeat Ramone, Beta Máximo, Midgee, Goblin Daycare und Winky Frown. Der Scheiß funktioniert einfach, da ist nichts dran zu rütteln.

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Steröid – Chainmail Commandos

Nach langem Warten ist er endlich hier: Der erste Langspieler von Gordo Blackers a.k.a. Steröid aus Sydney, der in der Vergangenheit unter anderem auch schon in so Bands wie Draggs und Gee Tee aktiv war. Gute drei Jahre nachdem die Debüt-EP ein amtliches Loch in die Burgmauern des Lo-Fi Egg- und Dungeon Punk gesprengt hatte, bleibt ihr Sound ein ziemlich einmaliges und gleichermaßen jedoch ausgesprochen simples Konzept, nämlich die Verschmelzung von spaßig-schrägem Garage- und Eggpunk mit den catchy Hooks und Riffs des ’80er Metal und Arena Rock. Das Resultat ist ein stark berauschendes Gebräu von so hohem Suchtfaktor, dass es eigentlich verboten gehört! Wie üblich bei eigentlich allem was mit Metal zu tun hat, bin ich schlecht ausgerüstet um spezifische Wurzeln und Einflüsse zu benennen, weshalb ich es hier lieber dabei belasse dabei zu sagen, dass diese Songs saumäßig und ausnahmslos auf die Scheiße hauen und dass die zweite Hälfte der Platte eine willkommene Abwechslung darstellt, wenn die stilistischen Parameter ein bisschen flexibler, differenzierter und abenteuerlicher werden nach dem ausgesprochen geradlinigen Hitmarathon auf Seite A, präsentiert in einer ultra-trockenen Mid-Fi Klangästhetik, die im Vergleich zur vergangenen EP eine neue Schärfe und Klarheit bringt ohne dabei irgendwas zu verwässern. Ganz im Gegenteil, der Scheiß klingt absolut perfekt wenn ihr mich fragt!

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Gerber and the Babies – Gerber and the Babies

Erneut eine absolut arschtretende Kassette auf Painters Tapes von noch so einer Detroiter Garagenband, die hier mit einer ausgesprochen feinen Variante des kontemporären Garage- und Synth Punk brilliert, welche – hat man erstmal durch das ultra-käsige Intro überlebt – gar nicht mal so niedlich klingt und viel düsterer als erwartet mit einer ausgeprägten Post Punk-Kante in so Songs wie Paranoia und dabei aber dennoch einem ordentlichen Maß an stilistischer Flexibilität, was an verschiedenen Stellen mal nach so unterschiedlichen Bands klingen mag wie etwa S.B.F., Ghoulies, Spits, Stalins Of Sound, Kid Chrome, Lost Sounds, Mind Spiders, Sex Mex, Exit Mould, The Gobs, Broken Prayer und Kerozine.

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Snooper – Unknown Caller

Für mich kann es niemals genug Snooper auf der Welt geben und entsprechend ist auch diese neue Tour-EP eine willkommene Erscheinung, auch wenn die sich ein bisschen nach einer Mogelpackung anfühlt, die nur zu grob 60% aus neuen Songs besteht und der Rest lässt sich eher als verzichtbare Experimente und Interludes klassifizieren. Die zwei „richtigen“ neuen Songs sind jedoch mal wieder ’ne Bombe, angetrieben von elektrischen Beats ein bisschen so, wie wir es schon mal im Song „Subdivision“ von ihrer 2022er EP Town Topic gehört haben, allerdings ist der Energielevel hier ungleich höher und fast schon brutal im direkten Vergleich, verschiebt ihren Sound näher an ein ausgesprochenes Elektropunk-Territorium, wobei die Songs aber erneut ziemlich klassisches und ausgezeichnetes Snooper-Material sind. Wenn die Chaot*innen sich jetzt noch dazu aufraffen könnten, auf ihrer übernächsten EU-Tour auch mal hier im Westen zu spielen, würde mich das durchaus glücklich machen. Es leben nämlich auch Eggpunks in anderen Städten als Berlin.

Beer – Beer III

Die eierigen Bierpunks aus Charleston, South Carolina haben schon wieder eine essenzielle neue Veröffentlichung am Start für Genre-Aficinados und ich hab dazu überhaupt nichts neues zu sagen. Wie schon die Vorgänger ist das einfach verdammt guter – wenn auch nicht zwangsläufig origineller – Scheiß, den Freunde von so Bands im Fahrwasser von Prison Affair, Set-Top Box and Winky Frown, Raya, Möney und Goblin Daycare sich auf keinen Fall entgehen lassen dürfen.

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Nylon – Inflatable World

Nach einer kurzen, auf ihrer ersten EP dokumentierten Experimentierphase kam diese Band aus New Jersey mal so richtig in die Gänge auf einer Split-EP mit Operants und nachfolgend einer weiteren starken 2-Track Single. Ihr neuester Kurzspieler erhöht die Messlatte ein weiteres mal für ihren Mix aus Garage Punk und verwinkeltem Post Punk mit Egg-Zusatz, der hier so selbstbewusst und mühelos rüberkommt wie nie zuvor und an solche Boten des verspulten Chaos erinnert wie etwa Skull Cult, Pressure Pin, Trashdog, Checkpoint, Patti, Titanium Exposé, Reality Group, Big Bopper oder Belly Jelly.

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Beta Máximo – Último asalto

Das Artwork scheint subtil auf etwas Dungeon-mäßiges hinzuweisen und zumindest im rifflastigen ersten Song erscheint das fast schon plausibel. Im weiteren Verlauf spielt sich die neueste EP der Spanier aber auf ihren vertrauten Sound aus verträumt-eierigem Noise Pop und Synth Punk ein, wie wir es von ihnen kennen und lieben, wenngleich auch mit ein paar unerwarteten Nuancen wie dem bereits erwähnten Opener, vereinzelt Emo-mäßigen Sprengseln, Spuren von geradlinigem, klassischem Indie Rock und Momenten, die eine Ästhetik zwischen der C86-Ära und frühem Shoegaze channeln wie etwa in El Valle De La Muerte und dem abschließenden Sesos En Bandeja.

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Jocks – Speedbuster

Auf dieser Debüt-Kassette mit dem Qualitätssiegel der verlässlichen Detroiter Kassettenklitsche Painters Tapes zieht eine Band irgendwo aus Ohio nicht weniger ab als höchstwertige, waffenfähige Synth Punk-Exzellenz und Gitarren-freie Zone, die einen Bogen schlägt von oldschool-Acts der ’70er und ’80er wie Nervous Gender, Units, Visitors and Screamers einerseits, zu einer Reihe von jüngeren, variabel eiermäßigen Bands in einem Spektrum zwischen dem hyperaktivem Ansatz etwa von Checkpoint, Titanium Exposé, Pressure Pin und dem minimalistischeren Schaffen von Beef, Busted Head Racket – und nicht zuletzt auch einigen Bands zwischen diesen Welten wie Quitter, Slimex, Isotope Soap, frühen Freak Genes oder auch Billiam’s Synth Punk-Project NTSC>PAL.

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