Mr. [Redacted] / Lovebomb / TTTTurbo

Ich hab nicht so viel Zeit diese Woche, deshalb gibt's hier anstelle von drei einzelnen Posts mal eine kleine Zusammenfassung der etwas quirligeren Releases mit unterschiedlich starker Eiermäßigkeitt, von denen mir diese Woche drei besonders herausstechen.
Zuerst wären da mal die vergleichsweise rohen Sounds von Mr. [Redacted] aus Athens, Georgia, die ganz rapide alternieren zwischen den Eckpunkten von einem Hard-/Art-/Weirdcore-Sound nicht ganz unähnlich zu so Bands wie Judy and The Jerks, Warm Bodies und Sniffany & The Nits einerseits, und den stärker Egg-orientierten Sounds etwa von Snooper, Print Head, Awful und den frühen Skull Cult.
Wer dagegen mehr an ultraklassischem Eggpunk-Territorium interessiert ist, dem wird sicher das neue Tape von Lovebomb aus Hildesheim (diese Woche sind ja echt mal ungewöhnlich viele Krautwürstle am Werk) viel Spaß bereiten, die hier ein dicht verpresstes Bündel von geradezu mustergültiger Eggpunk-Qualitätsware abliefert mit besonders starken Anklängen an Bands wie Prison Affair, Beer, Winky Frown, Molbo und Goblin Daycare.
Wenn euch das nicht schräg und Lo-Fi genug ist, dann versucht es mal mit den Leipzigern (schon wieder!) TTTTurbo, deren neues Tape in etwa das klangliche Äquivalent ist zu einem etwas zu oft weiterkopierten Dokument - unter einer dicken Schicht xerografisch verbrannter Pixel bleiben viele Details der Fantasie überlassen, aber auch mit all dem einkopierten Dreck bleibt es schwer, sich dem irrsinnig eingängigen Charme dieser verschleierten Rohdiamanten aus zuckerigem Bubblegum Pop zu entziehen.

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Apéro – Cold Drinks, Cool Snacks

Diese Hamburger Band kreiert spaßige, kurze und zackige kleine Garage-/Synth-/Eggpunk-Lärmattacken, die sich zwar nicht allzu sehr von etablierten Genre-Strickmustern entfernen aber dafür alles so verdammt richtig machen als wären sie schon uraltes Eggpunk-Inventar, so wie sie hier absolut routiniert eine Vielfalt an Genre-Manövern und -Iterationen durchexerzieren von denen man denkt sie irgendwo schon mal gehört zu haben, sich ihrer ansteckenden Energie aber dennoch schwer entziehen kann. Ich sag mal Freunde von so Scheiß á la Beer, Media Puzzle, Winky Frown, Prison Affair, Set Top Box, Ghoulies oder Goblin Daycare können auch hiermit nicht viel falsch machen.

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Metdog – One For The Kids

Metdog aus Melbourne haben ihren Status als einer der wesentlichen Mitspieler der aktuellen Garage-/Synth-/Eggpunk-Szene zementiert mir ihrer ganz schön hirnverbrannten letztjährigen LP Questions and Answers Regarding Computers and Screens. Auf ihrem neuesten Langspieler nehmen sie sich mit den Schrägheiten allerdings ein kleines bisschen zurück im Vergleich und ich würde sagen dass das auch keine allzu schlechte Idee ist, denn ein zweiter Aufguss von jenem '90er-Jahre- IT und das frühe Web thematisierenden Irrsinn und der dazu passenden, arg nach General MIDI müffelnden Klangästhetik würde sicher nicht noch einmal so gut landen. Stattdessen bekommen wir also einen etwas geradlinigeren und windschnittigeren Haufen von alamierend eingängigen Garage-Tunes präsentiert, die trotz allem noch immer einen ordentlichen Dachschaden aufweisen, nur damit ihr nicht denkt es würde hier auch nur ansatzweise ernst zugehen. Wie auch immer, das ist ganz klar ihre substantiellste Veröffentlichung bisher, aufgewertet von einem angemessenen Wachstum in den Songwriting-Qualitäten ohne dabei allzu viel von seiner allgemeinen Verspieltheit und Unberechenbarkeit auf der Strecke zu lassen.

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Billiam – Silvie S Goes To Hawaii

Kaum ist die Kollaborations-EP von Billiam und Busted Head Racket zur Kenntnis genommen, kommt auch schon wieder neuer Soloscheiß angerollt von der primären treibenden Kraft des eierigen australischen Garage Punk, Billiam. Und der hat in der Tat ein nettes kleines Gimmick an Bord in Form einer 7" mit einem 5-Minuten-Song auf einer und fünf 1-Minuten-Songs auf der anderen Seite. Wie zu erwarten ist das narürlich wieder ein arschtretendes Bündel von fünf ultraeingängigen Hits plus einem explosiven Ausmuteants-Coversong. Die größte Überraschung ist hier jedoch, wie saugut das für Garage-Verhältnisse doch recht epische 5-Minuten-Format funktioniert. Sollte der Kerl mal öfter probieren! Langpunk oder Kurzpunk? Die Antwort heißt Ja, bitte!

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Magazino – Volume 1

Die unermüdliche Leipziger Szene schlägt erneut zu mit schon wieder so einem Qualitätsbündel an Eggpunk-Tunes, die sich grob etwa im Fahrwaser einer weniger stark durchgebrannten Variante von Prison Affair bewegen, aber auch von Beer, Egg Idiot oder Research Reactor Corp.. Also klar, erwartet jetzt nichts bahnbrechend neues hier, aber die reichlich etablierte Formel hat sich über die Jahre doch als durchaus hartnäckig erwiesen und liefert nach wie vor jede Menge exzellenten, wenn auch dieser Tage nicht mehr als fürchterlich originell empfundenen Spaß.

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Media Puzzle – Intermission

Ich glaube ich habe Media Puzzle aus Lismore, Australien bisher noch nie das volle Spotlight hier gegeben, was ehrlich gesagt ziemlich kriminell ist, ist der Typ inzwischen doch eine ziemlich konstante Präsenz an der Eggpunk-Peripherie seit nahezu zwei Jahren und obwohl er sich oberflächlich betrachtet recht nah an den etablierten Genre-Strickmustern zu orientieren scheint, hat er mit der Zeit doch eine durchaus eigene und persönliche Stimme entwickelt. Es ist einfach schwer, sich dem unmittelbaren Charme seiner quirligen Garage Punk-Songs und ansteckenden Hooks zu entziehen.

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Pipi – Eins, eins, eins, eins!

Neuer Eggpunk aus Hamburg, den ich - soweit es die hiesige Szene betrifft - mal als eine Mischung aus Pisse und Egg Idiot zu umschreiben versuche mit weiteren Geschmacksnoten von internationalen Bands wie etwa Prison Affair, Winky Frown, Kowboje und Beer. Aber auch andere kuriose Dinge gehen hier ab, etwa in Form eines leichten Dungeon-Vibes in Spuren oder eine an die subtile Goth-Aura von sowohl frühen als auch aktuellen Powerplant erinnernde Klangästhetik in Knight.

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Autobahns & Elvis 2 – Split

Und hier kommt gleich noch so eine arschtretende 7" aus dem Hause Goodbye Boozy Records. Darauf lassen Autobahn aus Leipzig eine ausgesprochen oldschoolige Hardcore-Attacke vom Stapel, gefolgt von einem verwinkelten Garage Punk-Hit mit einer unterschwelligen Southern Rock-Kante. Und wo wir schon vom Süden reden: Letzteres ist genau die Garage-Subnische, die seit geraumer Zeit auch Elvis 2 für sich in Beschlag genommen haben und hier liefern zwei neue Songs der australischen Garage-/Fuzz Punk-Formation mehr von dem süchtig machenden Scheiß, der uns um Nachschub betteln ließ so ziemlich von dem Moment an, als ihre erste digitale Single bei Bandcamp auftauchte - eine Elvis 2-förmige Lücke im Herzen, in der auch nach der kürzlich erschienenen Debüt-LP noch reichlich Platz vorhanden ist.

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Busted Head Racket & Billiam – Kidnapped!

Zwei Titanen des kontemporären Garage-/Synth-/Eggpunk machen hier zum zweiten mal gemeinsame Sache auf einer neuen Goodbye Boozy 7", welche drei neue Songs plus die Tracks der 2023er Genetic Southern Hemisphere Christmas EP enthält und was soll ich da groß zu sagen... der Scheiß klingt ziemlich genau so wie man sich eine Busted Head Racket & Billiam-Kollaboration vorstellen würde. Will sagen: Saumäßig gut, das beste aus beiden Welten zum Quadrat und mit der unverwechselbaren Handschrift von zwei der kreativsten Gehirne des australischen Garage Punk-Untergrunds.

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Stray Dogs To Good Homes – Demos Of The Album I’m Gonna Release Maybe

Hier kommt noch mal ein halbes Tetrapak des eierigen Garage-/Synth Punks auf uns zu in Form dieses charmanten Häufchens von Demoaufnahmen einer Band aus Melbourne, von denen, so geht das Gerücht um, auch schon amtlicher produzierte Aufnahmen existieren sollen, die wir dann hoffentlich bald zu hören bekommen. Wie schon auf ihrer ersten EP im Frühjahr, wird auch dieser Scheiß das Genre nicht neu definieren aber liefert dennoch eine reichhaltige Ladung infektiöser Songs ab, die sich weitgehend an die Spezifikationen und Tropes des kontemporären Garage-/Eggpunk halten und dabei im Vergleich zum Debüt noch mal deutlich zugelegt haben in Sachen Konsistenz uns schierer Catchyness.

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