Nu hier ist mal ein bisschen Nachschub an exzellentem Garage-/Synth-/Post Punk-Scheiß der nur tangential Egg-verwandten, aber dennoch ausgesprochen Devo-fizierten und nicht zuletzt auch ordentlich abwechslungsreichen, wandlungsfähigen Art, verschnürt zu einem kompakten und kurzweiligen Sprengsatz der mich an eine bunte Mischung aus Bands wie Checkpoint, Kitchen People, Ghoulies, Fungas, Cherry Cheeks, Ausmuteants, frühe Powerplant, Electric Prawns 2 und Dr. Sure’s Unusual Practice denken lässt.
…uuund hier ist die gefühlt hundertste, gewohnt arschtretende Billiam EP und weiß erneut abzuliefern im Dienste des schrullig-eierigen Garage Punk mit vier neuen Songs, die eine gute Balance halten zwischen einem angenehm vertrauten Sound und einer Reihe von schrägen Ideen und unerwarteten Abstechern. Für mich stechen hier besonders die pulsierenden Post Punk-Grooves von Planned Obsolescence heraus, aber auch New Wave ist eine echte Abrissbirne. Essential Feedstock Oils fühlt sich ein bisschen an wie ein willkommener Throwback zu dem ganz frühen Schaffen des Australiers und es ist nicht weniger vergnüglich, wenn er hier Robbie Thunders‘ 2023er Instant-Klassiker Houston We Have Rock mit einer angemessen rustikalen Coverversion Tribut zollt.
Ausgezeichneter neuer Scheiß, die Debüt-EP dieser Band aus Nottingham, deren Style sich hier im ständigen Fluss befindet und sich schwer auf eine Kategorie festnageln lässt, auch wenn die einzelnen Bestandteile reichlich etabliert sind. Die offensichtlichsten davon sind so Eggpunk-relevante Exzentriker wie Snooper, frühe Skull Cult, Busted Head Racket, Clarko einerseits, aber auch die ungleich roheren Schrägheiten von Warp, Beef oder Scud und nicht zuletzt nähert sich das ganze mehr als nur einmal dem total entgleisten Eklektizismus von Pressure Pin, Checkpoint oder TY an.
Nach sechsjähriger Stille kommt jetzt wie aus dem Nichts die zweite 7″ dieser Belgier über die lokale Garage Punk-Institution Belly Button Records angerollt und mein lieber Hund, ist das mal ein Knall des zeitgenössischen Lärms, der gleichermaßen von so Garage Punk-Klugscheißern wie Uranium Club und Vintage Crop inspiriert scheint wie auch dem Sprechgesang und den durchdachten Arrangements des US Post Punk/Postcore-Phänomems Straw Man Army, auch wenn es hier lyrisch, passend zur Musik, ungleich leichtfüßiger zugeht. Abrundend ist noch ein leichter Touch von Tyvek oder UV Race am Start, der sich im laufe der EP zunehmend einschleicht. Ich finde das ist eine perfekte kleine 7″. Ich bin so bereit für die nächste, die nach meinen Berechnungen so etwa um 2031 landen sollte.
Catchy Garage Punk Shit erster Güte aus Sydney, der sich in vier Songs durch recht vielfältige Styles durchplündert. POSIWID und der Opener What A Time To Be Alive kommen dabei rüber wie ein Mix aus dem fuzzigen Power Pop von Sex Mex und der quirligen Egg-/Synthpunk-Action der Ghoulies, wohingegen der Synth-/Electro Punk von The Game an alte Digital Leather-Schinken erinnert sowie jüngere Zeiterscheinungen á la Spyroids und O-D-Ex. Der Rausschmeißer-Track B-52’s Tattoo könnte darauf auch der unbändigen Fantasie der texanischen Garage Punk-Exzentriker Trashdog ensprungen sein. Oh und war da nicht noch so eine Hundeband? Ja stimmt, ich denke an Melbourne’s wunderbar trashige Garage-/Synth Punk-Explosion Metdog!
Winky Frown waren von Anfang an eine gewisse Anomalie im per Definition ja schon sehr eigentümlichen Eggpunk-Umfeld, passen ihre Songs einerseits doch oft ziemlich passgenau in eine Reihe reichlich etablierter Eierpunk-Schemata aber sind dennoch immer voller Überraschungen und transzendieren mit links die Limitierungen des Genres indem sie jederzeit mehr Einsatz, Ideen und Songwriting-Rafinesse reinstecken als einem üblicherweise begegnet in dieser Nische. Die neue digitale 2-Track-Single kommt dann auch direkt mal mit einem von ihnen bislang ungehörten Trick daher in der Form von Frown Town, einer Art Slow-Jam, der auf gewisse Art ein verschollenes Artefakt von Wire der Chairs Missing-Ära zu channeln scheint, die im Gegenzug ja auch wieder viel von frühen Pink Floyd der Syd Barret-Ära heraufbeschwören und irgendwie funktioniert der Scheiß! Der zweite Song Upside Down Frown ist dann wieder näher dran an dem was wir von der Band gewohnt sind als ein weiteres fabelhaft konzipiertes High-Speed Garage Punk-Projektil, das unaufhaltsam einem explosivem Finale entgegenbrettert.
Ich hab nicht so viel Zeit diese Woche, deshalb gibt’s hier anstelle von drei einzelnen Posts mal eine kleine Zusammenfassung der etwas quirligeren Releases mit unterschiedlich starker Eiermäßigkeitt, von denen mir diese Woche drei besonders herausstechen. Zuerst wären da mal die vergleichsweise rohen Sounds von Mr. [Redacted] aus Athens, Georgia, die ganz rapide alternieren zwischen den Eckpunkten von einem Hard-/Art-/Weirdcore-Sound nicht ganz unähnlich zu so Bands wie Judy and The Jerks, Warm Bodies und Sniffany & The Nits einerseits, und den stärker Egg-orientierten Sounds etwa von Snooper, Print Head, Awful und den frühen Skull Cult. Wer dagegen mehr an ultraklassischem Eggpunk-Territorium interessiert ist, dem wird sicher das neue Tape von Lovebomb aus Hildesheim (diese Woche sind ja echt mal ungewöhnlich viele Krautwürstle am Werk) viel Spaß bereiten, die hier ein dicht verpresstes Bündel von geradezu mustergültiger Eggpunk-Qualitätsware abliefert mit besonders starken Anklängen an Bands wie Prison Affair, Beer, Winky Frown, Molbo und Goblin Daycare. Wenn euch das nicht schräg und Lo-Fi genug ist, dann versucht es mal mit den Leipzigern (schon wieder!) TTTTurbo, deren neues Tape in etwa das klangliche Äquivalent ist zu einem etwas zu oft weiterkopierten Dokument – unter einer dicken Schicht xerografisch verbrannter Pixel bleiben viele Details der Fantasie überlassen, aber auch mit all dem einkopierten Dreck bleibt es schwer, sich dem irrsinnig eingängigen Charme dieser verschleierten Rohdiamanten aus zuckerigem Bubblegum Pop zu entziehen.
Diese Hamburger Band kreiert spaßige, kurze und zackige kleine Garage-/Synth-/Eggpunk-Lärmattacken, die sich zwar nicht allzu sehr von etablierten Genre-Strickmustern entfernen aber dafür alles so verdammt richtig machen als wären sie schon uraltes Eggpunk-Inventar, so wie sie hier absolut routiniert eine Vielfalt an Genre-Manövern und -Iterationen durchexerzieren von denen man denkt sie irgendwo schon mal gehört zu haben, sich ihrer ansteckenden Energie aber dennoch schwer entziehen kann. Ich sag mal Freunde von so Scheiß á la Beer, Media Puzzle, Winky Frown, Prison Affair, Set Top Box, Ghoulies oder Goblin Daycare können auch hiermit nicht viel falsch machen.
Metdog aus Melbourne haben ihren Status als einer der wesentlichen Mitspieler der aktuellen Garage-/Synth-/Eggpunk-Szene zementiert mir ihrer ganz schön hirnverbrannten letztjährigen LP Questions and Answers Regarding Computers and Screens. Auf ihrem neuesten Langspieler nehmen sie sich mit den Schrägheiten allerdings ein kleines bisschen zurück im Vergleich und ich würde sagen dass das auch keine allzu schlechte Idee ist, denn ein zweiter Aufguss von jenem ’90er-Jahre- IT und das frühe Web thematisierenden Irrsinn und der dazu passenden, arg nach General MIDI müffelnden Klangästhetik würde sicher nicht noch einmal so gut landen. Stattdessen bekommen wir also einen etwas geradlinigeren und windschnittigeren Haufen von alamierend eingängigen Garage-Tunes präsentiert, die trotz allem noch immer einen ordentlichen Dachschaden aufweisen, nur damit ihr nicht denkt es würde hier auch nur ansatzweise ernst zugehen. Wie auch immer, das ist ganz klar ihre substantiellste Veröffentlichung bisher, aufgewertet von einem angemessenen Wachstum in den Songwriting-Qualitäten ohne dabei allzu viel von seiner allgemeinen Verspieltheit und Unberechenbarkeit auf der Strecke zu lassen.
Kaum ist die Kollaborations-EP von Billiam und Busted Head Racket zur Kenntnis genommen, kommt auch schon wieder neuer Soloscheiß angerollt von der primären treibenden Kraft des eierigen australischen Garage Punk, Billiam. Und der hat in der Tat ein nettes kleines Gimmick an Bord in Form einer 7″ mit einem 5-Minuten-Song auf einer und fünf 1-Minuten-Songs auf der anderen Seite. Wie zu erwarten ist das narürlich wieder ein arschtretendes Bündel von fünf ultraeingängigen Hits plus einem explosiven Ausmuteants-Coversong. Die größte Überraschung ist hier jedoch, wie saugut das für Garage-Verhältnisse doch recht epische 5-Minuten-Format funktioniert. Sollte der Kerl mal öfter probieren! Langpunk oder Kurzpunk? Die Antwort heißt Ja, bitte!