People’s Temple / Hood Rats / Hickey

Drei Hardcore-Veröffentlichungen fielen diese Woche besonders positiv auf, die alle irgendwie ihr ganz eigenes Süppchen kochen. Noch am konventionellsten, relativ gesehen, ist da die EP von People's Temple auf dem New Yorker Label RoachLeg Records, welche uns eine ausgesprochen melodienreiche Variation von 80er Hardcore beschert und öfter mal klingt wie eine Verquickung der Circle Jerks mit Naked Raygun in der frühen bis mittleren Phase plus vereinzelte Ausbrüche von Hüsker Dü-Melodien. In der aktuellen Landschaft könnte man z.B. auch Fried E/m als groben Vergleich heranziehen.
Das Tape von Hickey auf Archfiend Records verpasst dann jüngeren Strängen der gepflegten Garage-, Synth- und Eggpunk-Verschrobenheit eine gute Ladung Hardcore-Energie, wobei sie öfter auch mal an alte Haudegen wie Flipper, Broken Talent, Spike in Vain erinnern… mit dieser EP könnte durchaus die Eggcore-Ära beginnen.
Die Hood Rats aus Montreal operieren auf einem ähnlichen Gebiet, einem im Garage Punk verwurzelten Lo-Fi Sound, den sie mit reichlich Eggpunk-mäßigen Schrägheiten anreichern sowie mit einer ungekämmten KBD-Energie und Songs, die hartnäckig im Gehörgang kleben bleiben.

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Cool Sorcery – The Definitive Step​-​by​-​Step Dance Guide for Warlord Necromancers and Enthusiasts

Eine neue EP der famosen brasilianischen Eggpunk-Hausnummer Cool Sorcery aka Marcos Assis, dessen Sound bisher mit jeder Veröffentlichug etwas ambitionierter wurde. Entsprechend ist auch der neueste Streich ein wunderbares, strukturiertes Chaos, das gleichermaßen Inspiration aus 70er Hard- und Progressive Rock zu ziehen scheint wie auch von einschlägigen Vertretern der gegenwärtigen Garage- und Synthpunk-Szene.

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Power Flower – Anarchy Now or Fuck Off

Für diese Woche hat das schickste Ausstellungsstück aus dem Bermudadreieck von Garage-, Synth- und Eggpunk-affiner Demenz eine Band aus Ungarn zu verantworten. Die lassen hier einen Krawall von der Leine, der den Zuspruch von Freunden der feinen Künste á la Ghoulies, Research Reactor Corp., Slimex, Gee Tee oder Set-Top Box praktisch schon in der Tasche hat.

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Snooper – Town Topic

Drei fünftel der EP waren ja schon tröpfchenweise in der Form von Demos und digitalen Singles ans Licht getreten. Jetzt gibt es die volle EP zu bestaunen von diesem Projekt aus Nashville, das eindeutig seine eigene kleine Nische im recht vollen Pool von eiermäßigen Acts gefunden hat mit seinen auf mikroskopischen Maßstab eingeschrumpften, schrammeligen Garage Punk-Explosionen… ein bisschen wie eine superkleinlaute Inkarnation von R.M.F.C. mit weiteren Geschmackszusätzen aus dem Print Head-, Neo Neos- oder Erik Nervous-Lager.

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Ghoulies – Halloween Special, Vol 1

Immer gern gesehen, ein paar Ghoulies im Haus. Die neueste EP mag dabei wohl ihren bislang quirligsten, spaßigsten Stapel neuer Ohrwürmer präsentieren und sollte unter anderem für den geneigten Kenner von Krempel im Dunstkreis etwa von Research Reactor Corp, Cherry Cheeks, Alien Nosejob, Satanic Togas keine allzu große Herausforderung darstellen.

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Egg Idiot – Help!

Neuer Irrsinn von jenem Leipziger Garage-/Synth Punk-Spektakel bei dem der Name Programm ist - dieser Sound klingt tatsächlich nur nach den hintersten verwunschenen Winkeln des Eggpunk-Sektors. Meistens ziemlich catchy aber immer schön einen an der Klatsche. Klarer Fall für Freunde von so Zeug á la Nuts, Set-Top Box, Metdog, Nubot555 oder Dee Bee Rich.

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C.P.R. Doll – Music For Pleasure

Das Debüt-Tape eines Duos aus Perth bestehend aus Typen die man ansonsten von Ghoulies und Aborted Tortoise kennt… klar tritt das Arsch! Ein LoFi-mäßiger DIY Garage Punk-Vibe trifft auf etwas melodische '77er Simplizität, lässt sich dabei aber auch ab und an mal ins kontemporäre Post Punk- und Eierkopf-Gewässer treiben. Raus ist das Zeug auf Goodbye Boozy und Under The Gun Records, würde aber auch wie Arsch auf Eimer ins Warttman-Gehege reinpassen, daher ist es vermutlich auch kein Zufall, dass hier eine sonst als Kopf von Tee Vee Repairman und Satanic Togas bekannte Inventarnummer etwas kreativen Input beigesteuert hat.

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Nubot555 – No Way Back

Maximal durchgeknallter Scheiß mal wieder aus dem belgischen Belly Button Records-Dunstkreis. Was sich auf der Debüt-EP des Typen unter dem Nubot555-Alias (davor auch als King Dick bekannt…) wiederfindet ist ein wildes Durcheinander zwischen Garage- und Electro Punk von der klar Eierköpfigen Subströmung. Diese LoFi-Konstrukte bündeln dabei ihre vielen Schrägheiten aber mit reichlich smarten Ideen und frischer kreativer Energie zu einem beeindruckenden Debüt, das mit Leichtigkeit aus dem inzwischen doch reichlich vollen Genrepool herauszustechen vermag. Insbesondere Freunde von Egg Idiot finden hier neues Futter, würde ich mal sagen.

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Air Vent Dweller – Air Vent Dweller

Ein nettes kleines Paket aus moderat eierigem Garage Punk und Fuzz Pop, der etwa gegenwärtige Schrägheiten à la Print Head oder Freak Genes mit einer ordentlichen Dosis Desperate Bicycles, früher Flying Nun Records-Ästhetik - insbesondere The Clean und The Stones - und einem gelegentlichen Hauch von C86 verbindet, wie etwa in Cowboys Aren't Real... oder man mag auch Vergleiche zu unzähligen Artefakten der 80er Kassettenkultur ziehen, die über die Jahre vielleicht mal auf irgendeiner Messthetics/Homework/Hyped To Death Compilation aufgetaucht sind oder halt auch nicht.

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Print Head – In Motion

Eine weitere Print Head-Veröffentlichung, ein weiteres Kraftpaket aus verdammt exzentrischem, chaotischem und doch häufig unerwartet melodischem Garage- und Postpunk-Scheiß, der diesmal ein bisschen so rüberkommt wie eine unwahrscheinliche Verschmelzung aus gegenwärtigen Bands der vage eierigen Schule mit den dickflüssigen Grooves von UV Race und außerdem mit alten britischen Acts der Sorte Mekons und Swell Maps.

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