Was ein paar Jahre des gepflegten Eggpunk-Irrsinns so mit dem Gehirn machen können… Als 2019 die erste Channel 83 EP aufschlug, fand ich das Zeug noch ganz schön verrückt und ziemlich weit draußen. In ’23 finde ich irgendwie, dass der Krempel sich doch recht gut in die gegenwärtige Welle des verspulten Synth Punk einfügt. Das soll aber auch überhaupt nichts schlechtes bedeuten. Die zwei Songs hauen vorzüglich auf die Kacke!
Die internationale Eggpunk-Revolution schreitet unaufhaltsam voran und unser nächster Stopp auf dem Weg zur kulturellen Unterwanderung ist Istanbul. Da kommen nämlich Goblin Daycare her und werfen ihre drei Cent in die Runde in Form dieser exquisiten EP voller launiger Garage- und Synthpunk-Geschosse, die wirklich keinen Vergleich zu so hochkarätigen Kollegen wie Nuts, Set-Top Box, Ghoulies oder Slimex scheuen müssen.
Unsere wöchentliche Dosis des gepflegten Eggpunk-Unfugs kommt diesmal von einem mysteriösen Act aus Stockholm. Viel zu kurz das ganze, aber hochprozentig catchy as fuck. Unter anderem Freunde von so Scheiß wie Nubot555, Egg Idiot, Prison Affair, Set-Top Box, Nuts and Pringue werden dem sicher nicht abgeneigt sein.
Nach einer noch etwas derberen Attacke auf ihrem 2020er Debütalbum nimmt die Band aus Mexiko-Stadt eine scharfe Kurve hin zu einer deutlich melodischeren, leicht Eggpunk-verwandten Herangehensweise an ihren von elekrischen Beats angetriebenen Garage Punk. Wie gehabt könnten hier Bands wie S.B.F., Race Car oder Kid Chrome als nützliche Vergleiche herhalten aber mit der neuen Platte würde ich dem auch noch so Zeug wie Prison Affair und Set-Top Box hinzufügen, sowie einen leichten Anflug von Metal Urbain / Dr. Mix and the Remix.
Drei Hardcore-Veröffentlichungen fielen diese Woche besonders positiv auf, die alle irgendwie ihr ganz eigenes Süppchen kochen. Noch am konventionellsten, relativ gesehen, ist da die EP von People’s Temple auf dem New Yorker Label RoachLeg Records, welche uns eine ausgesprochen melodienreiche Variation von 80er Hardcore beschert und öfter mal klingt wie eine Verquickung der Circle Jerks mit Naked Raygun in der frühen bis mittleren Phase plus vereinzelte Ausbrüche von Hüsker Dü-Melodien. In der aktuellen Landschaft könnte man z.B. auch Fried E/m als groben Vergleich heranziehen. Das Tape von Hickey auf Archfiend Records verpasst dann jüngeren Strängen der gepflegten Garage-, Synth- und Eggpunk-Verschrobenheit eine gute Ladung Hardcore-Energie, wobei sie öfter auch mal an alte Haudegen wie Flipper, Broken Talent, Spike in Vain erinnern… mit dieser EP könnte durchaus die Eggcore-Ära beginnen. Die Hood Rats aus Montreal operieren auf einem ähnlichen Gebiet, einem im Garage Punk verwurzelten Lo-Fi Sound, den sie mit reichlich Eggpunk-mäßigen Schrägheiten anreichern sowie mit einer ungekämmten KBD-Energie und Songs, die hartnäckig im Gehörgang kleben bleiben.
Eine neue EP der famosen brasilianischen Eggpunk-Hausnummer Cool Sorcery aka Marcos Assis, dessen Sound bisher mit jeder Veröffentlichug etwas ambitionierter wurde. Entsprechend ist auch der neueste Streich ein wunderbares, strukturiertes Chaos, das gleichermaßen Inspiration aus 70er Hard- und Progressive Rock zu ziehen scheint wie auch von einschlägigen Vertretern der gegenwärtigen Garage- und Synthpunk-Szene.
Für diese Woche hat das schickste Ausstellungsstück aus dem Bermudadreieck von Garage-, Synth- und Eggpunk-affiner Demenz eine Band aus Ungarn zu verantworten. Die lassen hier einen Krawall von der Leine, der den Zuspruch von Freunden der feinen Künste á la Ghoulies, Research Reactor Corp., Slimex, Gee Tee oder Set-Top Box praktisch schon in der Tasche hat.
Drei fünftel der EP waren ja schon tröpfchenweise in der Form von Demos und digitalen Singles ans Licht getreten. Jetzt gibt es die volle EP zu bestaunen von diesem Projekt aus Nashville, das eindeutig seine eigene kleine Nische im recht vollen Pool von eiermäßigen Acts gefunden hat mit seinen auf mikroskopischen Maßstab eingeschrumpften, schrammeligen Garage Punk-Explosionen… ein bisschen wie eine superkleinlaute Inkarnation von R.M.F.C. mit weiteren Geschmackszusätzen aus dem Print Head-, Neo Neos- oder Erik Nervous-Lager.
Immer gern gesehen, ein paar Ghoulies im Haus. Die neueste EP mag dabei wohl ihren bislang quirligsten, spaßigsten Stapel neuer Ohrwürmer präsentieren und sollte unter anderem für den geneigten Kenner von Krempel im Dunstkreis etwa von Research Reactor Corp, Cherry Cheeks, Alien Nosejob, Satanic Togas keine allzu große Herausforderung darstellen.
Neuer Irrsinn von jenem Leipziger Garage-/Synth Punk-Spektakel bei dem der Name Programm ist – dieser Sound klingt tatsächlich nur nach den hintersten verwunschenen Winkeln des Eggpunk-Sektors. Meistens ziemlich catchy aber immer schön einen an der Klatsche. Klarer Fall für Freunde von so Zeug á la Nuts, Set-Top Box, Metdog, Nubot555 oder Dee Bee Rich.