Noch eine nette kleine Kassette des vage Eggpunk-verwandten Wahnsinns kommt zu uns von einer Band aus Madrid, die irgendwo in einer ungewissen Zone zwischen Garage Punk und abgespacetem, melodischem Fuzz Punk herumfuhrwerkt, erweitert um eine gute Dosis von Surf Rock-Twang und eingehüllt in einen dichten psychedelischen Nebel. Alles in allem würde ich mal sagen, verschmilzt der Krempel einige der besten Tendenzen von so Bands wie Beta Máximo, Beer, Pringue und Prison Affair mit durchschlagendem Erfolg zu einer kohärenten Einheit.
Die neueste LP von Brasiliens marktführendem Erzeuger der verschroben-hyperaktiven Garage-/Synth-/Eggpunk-Vorzugsware geht mal durchaus ein paar Risiken ein und besteht zum großen Teil aus Kollaborationen mit diversen Egg-affinen Akteuren rund um den Globus - oder dem Kosmos, wenn man denn das Konzept etwas zu ernst nehmen möchte. Ich denke ja mal, dass so Hausnummern wie Tombeau, Billiam und Goblin Daycare hier keine Vorstellung mehr nötig haben, oder? Nicht alles funktioniet hier - besonders die R'n'B-Schlaftabletten She's Kinda Cute and OMG They Look So Bad haben vor allem den Effekt einer unnötigen Vollbremsung, die das ansonsten starke Momentum der Platte ungefragt unterbricht - aber wenn der Krempel einschlägt, dann richtig und stellenweise nähert sich das ganze dem kreativen Chaos und Eklektizismus eines Trashdog oder Checkpoint an. Und überhaupt bevorzuge ich ja mal eine Platte mit Ideen, Ambition und ein paar Fehlzündungen gegenüber einer, die es gar nicht erst versucht.
Zwei bislang eher noch etwas am Rand der Szene agierende Akteure der Eggpunk-Welle machen gemeinsame Sache auf dieser netten Split-LP und machen klar, dass man jenen "Unter ferner liefen..."-Status besser noch mal überdenken sollte. Auch wenn hier wie gehabt das Rad nicht neu erfunden wird, haben beide Bands klar ihr Rezept verfeinert. SPRGRS aus Granada, Spanien sorgen dabei schon mal einen ausgezeichneten Start mit ihrer quirlig-pulsierenden und melodischen Herangehensweise ans Genre, die man so ähnlich in jüngerer Zeit etwa von Bands wie Prison Affair, Beer, Paulo Vicious und Goblin Daycare gehört hat. Noch mal ein stärkeres Kaliber sind dann aber die neuen Tracks von Möney aus Bristol, die hier eine recht vielseitige Klangpalette und tadellose Songkonstruktion präsentieren, insgesamt auch durchtränkt von einem Surf- und Psych-lastigen Post Punk-Vibe - besonders prominent im abschließenden Track Emancipation - was insbesondere die Sounds von Electric Prawns 2, Checkpoint, Gremlin und Powerplant ins Gedächtnis ruft. Plastic Trees wiederum ist ein überraschendes kleines Juwel des glitzernden Noise-/Dream-/Powerpops und bekommt einen besonderen Glanz verliehen von einer tollen Gast-Gesangsperformance, die in den Credits einer mysteriösen Miss Clienti zugeschrieben wird.
Hier hätten wir mal einen weiteren Schwall von ausgezeichnetem Garage- und Synth Punk von noch einer weiteren Band aus Melbourne, die - trotz einiger gemeinsamer Parameter - ein gutes Stück herzhafter auf die Kacke haut als der durchschnittliche Eggpunk-Act. Am meisten erinnert mich das hier an so Bands wie Quitter, Beef, Busted Head Racket und Broken Prayer, plus in einigen Momenten an diesen Typen, den man unter anderem als Djinn/Zhoop/Nightman/Brundle/RONi, etc kennt.
'Ne spielend artschtretende Debüt-EP kommt von dieser Band aus Oslo, die hier ein Spektrum abdeckt vom sägenden Hardcore Punk des Openers Ritalinbjørner hin zum fuzz-beladenen, halsbrecherischen Garage Punk von Laserkrieg, durch den eine ähnliche Energie fließt zu so Bands wie The Gobs, Kid Chrome und S.B.F.. Stygg Bebi tritt dann einen leicht Dungeon-mäßigen Eggpunk-meets-Deathrock-Vibe vom Stapel, der mich z.B. an Powerplant, Kerozine und die ebenfalls aus Norwegen kommenden Molbo erinnert. Letztere Tendenz findet dann ihren Höhepunkt im abschließenden Track Shament, einer griffigen Hymne aus purer Goth-angehauchter Post Punk-Zuckerwatte mit einem gewissen Black Metal-Anstrich im Finale. Fickt mich, ist das mal starkes Zeug!
Die Leipziger Post-/Garage Punk-Szene erstaunt mich doch immer wieder, genauso wie es Autobahns schon vermochten anlässlich ihrer Split-EP mit den ebenfalls brillianten S.G.A.T.V.. Jetzt ist das Debütalbum der Band auf so etwa dreieinhalb üblich-verdächtigen Labels rund um den Globus erschienen und ist erneut ein Ding zum anbeißen! Direkt zu Beginn entfalltet sich schon eine gewisse Billiam-mäßige Qualität dieser Songs, moderat Egg-mäßige Garage Punk-Smasher die gleichermaßen auch Assoziationen erwecken zu so Hausnummern wie Tommy Coassack, Set-Top Box und den Eggpunk-Sensationen Snooper, Beer, Prison Affair oder Egg Idiot. Tellin' Ya transpontiert einige der besten Tendenzen jüngerer Vaguess-Veröffentlichungen in den hier schon reichlich erwähnten Eierkontext. Dabei operiert die Band durchweg als eine unverschämt tighte Einheit, die einerseits jederzeit sehr amtliche Stürme heraufzubeschwören versteht ohne dabei aber jemals ihre eiserne Kontrolle über den konstanten melodischen Druckausgleich zu verlieren, der seinen finalen Höhepunkt in der unverdünnten Noise Pop-Ekstase von Loss Of The Rights findet.
Das ist ja mal wilder Scheiß von einer Band aus Tübingen. Halsbrecherisches Tempo trifft hier auf unverschämt griffige Hooks und Melodien und geht in einer rasiermesserscharfen Ästhetik auf, die sich ungemütlich verkantet zwischen den Klangwelten von gleichermaßen melodischen und exzentrischen Hardcore-Acts wie Hippyfuckers, Everyone Is Alone Sometimes, Pink Guitars einerseits, und stärker aus der Garage-/Eggpunk-Ecke kommenden Hi-Speed Punkattacken von so Bands wie The Gobs, Exwhite, Spewed Brain, Witch Piss oder 3D & The Holograms.
Shrudd aus Louiseville, Kentucky sind schon ein paar Jahre unterwegs aber sind erst kürzlich auf kreatives Gold gestoßen mit den Bizarro und Microbiome EPs im letzten Jahr, wobei erstere sich eher mit Hardcore-verwandtem Lärm befasste und letztere stärker in der Garage-/Synthpunk-Ecke verankert war - eine Ästhetik, die auch auf der neuesten EP dominiert und auf welcher sie die stilistischen Schräg- und Verschrobenheiten noch mal deutlich erhöhen. Das Ergebnis hat eine stärkere Eggpunk-Energie und lässt mich gleichermaßen an Bands wie Prison Affair, Victor, Set-Top Box oder Paulo Vicious denken wie auch an gegenwärtige Acts aus der Synth-/Elektropunk-Ecke á la Isotope Soap, Freak Genes, Spyroids und Powerplant.
Ein verdammtes Dream Team der gegenwärtigen Eggpunk-Welle macht gemeinsame Sache auf dieser neuen Split-EP in Form zweier Bands, die jeweils schon ihre ganz eigenen, unauslöschbaren Spuren in der Szene hinterlassen haben. Ich meine, ganz ohne Scheiß lässt sich plausibel argumentieren, dass beide Bands im Grunde ihre eigenen Egg-Subgenres aus der Taufe gehoben haben. Und was diese Platte angeht: Wie zu erwarten ist das nicht weniger als ein Killerbündel mit ausschließlich Hits unter der Haube!
Die Debüt-EP dieser Eggpunk-Krieger aus Istanbul gehörte klar zu meinen Favoriten des Genres im letzten Jahr und ihre soeben erschienene erste Langspielkassette knüpft nahtlos an den bodenlosen Spaß des Vorgängers an. Will heißen: Unwiderstehlich catchy-quirlig-verschraubte Garage-/Synthpunk-Klopper in einem sehr ähnlichen Bewusstseinszustand zu so Hausnummern wie Prison Affair, Set-Top Box, Beer und Ghoulies! Alles daran klingt für mich nach Musik.