Pardoner – Target Practice

Auf ihrem fünften Langspieler, ein gutes Jahrzehnt schon bei der Sache, kommt die Band aus San Francisco so fokussiert und aufgeräumt daher wie schon lange nicht mehr mit einem ausgesprochen entschlackt klingenden Bündel von Songs in ihrer unverwechselbaren Verschmelzung von catchy-ass '80er College- und '90er Indie Rock mit einem Zusatz von Jangle Pop und ein paar Shoegaze-Momenten, die mich mehr an Swervedriver erinnern als an die üblichen Genre-Verdächtigen; etwas Schrulligkeit einer lange vergangenen Pitchfork-Ära wird gekoppelt mit einer Ernsthaftigkeit die sich mehr in der goldenen '80er/'90er Indie Rock-Ära zuhause fühlt. Was auf dem Papier einfach nur nach einem weiteren oldschool Indie-Flashback klingt, hat diese Band über die Jahre zu ihrem ganz eigenen Ding entwickelt. Ich werde ihnen aber nicht den Titelsong hier verzeihen, dem einzigen wirklichen Fehlschuss dieser Platte, denn wir haben jetzt die Zeit schon lange hinter uns, in der ich auch nur die kleinste Spur von unsubtilem Auto Tune tolerieren konnte, egal wie ironisch das gemeint war... der dumme Witz war einfach vor zwanzig Jahren schon alt und wird mit der Zeit nicht besser, nur älter. Spart euch das bitte, ich kann das nicht mehr.

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Little Chair – 100 Dresses

Little Chair aus Durham, North Carolina haben bereits mindestens zwei EPs und sine Splitscheibe mit Tractor Beam raus und ich sag mal ja, das waren bereits sehr angenehme Artefakte des zeitlosen mitt-'80er und früh-'90er-mäßigen Jangle- und Indie Pop aber das alles nimmt erstmal so richtig Form an auf ihrer neuesten Mini-LP mit einem kompakteren, kraftvolleren Set aus zugrundeliegenden Songs und auch die Arrangements und Performances fühlen sich hier empfindlich gestrafft an auf einer Platte, ein in etwa die Lücke füllt zwischen der frühen Sarah Records-Ära, melodisch lärmenden '80er College Rock-Randerscheinungen á la Vomit Launch und auch einigen Krümeln von '90er Indie Rock der Sorte Seam, Unrest, Archers Of Loaf. Wie man's auch dreht, das ist saumäßig ansprechender Scheiß hier.

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Dog Date – Perfectly

Diese New Yorker Band ist schon eine Weile unterwegs, gewann aber erst mit der exzellenten 2024er EP Zinger wirklich meine Aufmerksamkeit, die erfolgreich den Charakter ihrer noch etwas schlafferen, unaufgeräumten frühen Platten zu einem ungleich aufregenderen, kohärenten Paket verschnürt hat. Ihre neueste EP verfolgt weiter diese angenehm anachronistische Laufbahn, fuzzy Garage Punk mit viel von spät-'80er bis mitt-'90er College-/Indie Rock- und (Proto-)Grunge geprägtem Geschrammel zu verschmelzen, wenngleich auch der zweite Track Cutie mich kurz etwas zweifeln ließ, der einfach etwas zu wenig Bindegewebe einbringt um Sinn zu ergeben und diesen fragilen, unförmigen Organismus wirklich zum Leben zu erwecken. Aber wie auch immer, alles was darauf folgt fühlt sich ungleich organischer und besser durchdacht an auf dieser Platte und wenn diese spezielle Sorte von oldschool Slacker Punk deine Baustelle ist, ist auch das hier ein würdiger neuer Koffeinkick!

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Window Phase – Rock and Roll Revolution

Die letztjährige Epoxy River and Super Pool LP dieser mutmaßlichen Ein-Mann-Band aus Evesham, New Jersey war bereits ein massiver Qualitätssprung und erneut markiert auch dieser neue Langspieler eine stetige Verfeinerung, auf welchem Window Phase sich wieder etwas von den spät-2000er Fuzz Punk- und Noise Pop-Versatzstücken entfernen, die noch die letzte LP dominierten, und sich stattdessen umso mehr in eine oldschoolige von '80er und '90er College- und Indie Rock informierte Ästhetik reinlehnen mit Sounds die von klassischen Dinosaur Jr. und Sebadoh, Bitch Magnet und frühen Seam reichen hin zu '90er Standardinventar á la Superchunk und Polvo, mit einer ganz subtilen Note von 2nd wave Emo obendrein und nicht zuletzt auch einem zunehmenden Einfluss von Hardcore-basierten '80er Proto-Noise Rockern der Sorte Flipper, Big Black, Drunks With Guns und No Trend, insbesondere im Endspurt dieser Platte. Diesen Songs wohnt eine unberechenbare Qualität inne und eine aus allen Nähten platzende explosive Energie, eine unverblümte Freude daran, eine so euphorische wie auch kantige, überlebensgroße wie anachronistische Sorte von Lärm in den Äther zu pumpen, der heutzutage wundervoll aus der Zeit gefallen wirkt und auf ganz entzückende Weise noch weiter aus der Balance geworfen wird von den markerschütternden Schreien eines Typen der sich hier nicht mit halben Sachen zufrieden gibt, so viel ist klar.

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Today’s Milk – Party Store / Good People

Nicht allzu lange nach ihrer schon sehr erfreulichen dritten EP legt die Band als Kalamazoo, Michigan schon nach mit einer noch stärkeren digitalen 2-Track Single, die sich erneut nach einem Flashback in das goldene Zeitalter von '80er-bis-Mitt-'90er Post Punk, College-, Indie- und Alternative Rock anfühlt mit so Bands wie Mission Of Burma, My Dad Is Dead, Sebadoh oder Volcano Suns, die neben vielen anderen ihre langen Schatten auf den Opener Party Store werfen, woraufhin Good People dann eher ein wenig so klingt als würden Flipper oder Broken Talent durch mehr von einem frühen Mudhoney- oder Mittneunziger Royal Trux-Vibe gefiltert.