Anytime Cowboy – Slab Songs

Reuben Sawyer ist jetzt schon eine ganze Weile unterwegs mit verschiedenen Bands und Projekten in einem recht breiten Genre-Spektrum, schlug aber erstmals richtig ein im 12XU-Universum im vorletzten Jahr mit Demons Obey, seiner dritten LP unter dem Anytime Cowboy-alias – eine seltsame Kreatur von einer Platte, die Elemente von bluesigem, Jangle-beeinflusstem Cowpunk und Garage Pop auf eine geradezu surreal entrückte Klangwelt treffen ließen, geerdet in Sawyer’s fast schon verstörend ruhiger Gesangsdarbietung. Seine neueste LP verfeinert diese Rezeptur zu seiner reifsten Leistung bisher, auf der seine zuvor noch etwas zerrissen und fragmentarisch daherkommende Vision deutlich entrümpelt daherkommt und sich zu einer unerwartet kohärenten Klanglandschaft konsolidiert, in der seine gleichermaßen kauzigen, melodischen und melancholischen Kompositionen – zusammengehalten von überragenden Songwriting-Skills – leuchten und glitzern wie noch nie zuvor.

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Ex Iguana – Be a Good Boy

Eine durchweg verblüffende Debüt-LP kommt hier von einem Duo aus Alamance, North Carolina, die darauf eine hypnotisch-vernebelte Mischung aus Noise Rock, Post Punk, oldschooligem Indie Rock und den dunkelsten Gassen des Americana-Spektrums erschafft. Letztere Tendenz kommt dabei oft so rüber wie eine hartnäckigere und treibendere Variante des staubigen Southern Gothic-Charmes von den (paradoxer Weise) aus New York operierenden Weak Signal, hat in vielen Momenten aber auch Spuren des bluesigen Proto-Noise Rock von Feedtime oder Scratch Acid, dem Swamp Rock von ’80er Scientists. Die alles durchtränkende Melancholie des Ganzen erinnert mich einerseits wiederum an eher in Richtung Indie Rock tendierende Bands wie die Australier Kitchen’s Floor und Treehouse oder das frühe Schaffen der Londoner Witching Waves, andererseits aber auch an den dunklen Post Punk etwa von den auf der Auckland/Berlin-Achse agierenden Trust Punks und Dead Finks, den tiefschwarzen Abgründen der in Atlanta ansässigen Uniform, Glittering Insects, Mother’s Milk oder dem Folk-infizierten, tief in der Schuld von Angst und Meat Puppets stehenden Neo-Proto-Grunge von Bands wie Pig Earth aus Bellingham, Washington und Dharma Dogs aus Madison, Wisconsin. Das alles ist dann hier meisterlich aufbereitet zu zehn all-killer-no-filler Melodramas in prachtvollem Cinemascope und auf einer Basis der opulenten Klangarchitektur und brilliant eingefädelten Dramaturgie.

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Purp – The Little Brainwash Simulation

Mehr Brain Fuck und Brain Fog als des selbigen Wäsche ist diese durchweg desorientierende neue EP eines gewissen italienischen Gentlemans namens Leonardo Carlacchiani aka Purp, eine überwältigende Welle von LoFi-mäßigem DIY Lärm und Psychedelia, die alles daran setzt, den Verstand nicht etwa zu brechen, sondern zu benebeln. Der Opener Mind Space kommt in etwa so rüber als hätte man den folkig-schrammeligen Powerpop von jüngeren Vaguess-Platten in den durchgebrannten Fuzz Pop-Kontext weiterer italienischer Genossen wie Mustard/Metal Guru und der jüngsten EP von Dadgad verfrachtet. Letzteres morpht dann in Labyrinthorama zu einem deutlich relaxteren Midtempo-Indie Rocker, der mir etwa Treehouse und frühe Tape/Off ins Gedächtnis ruft. Reminder Demons With Gufo Mangia Sale ist pure Space Blues-Unendlichkeit. Astral Angel klingt ein bisschen nach frühen Pixies, verlangsamt zu einem deprimierenden Kriechtempo und bekommt zusätzlich einem Nachgeschmack von ’90er Chokebore verpasst. Ladybug’s Ballata With Bobby Chombo zieht einen No-Fi-Flickenteppich aus My Bloody Valentine und Dinosaur Jr durch einen psychedelischen Flying Saucer Attack-Fleischwolf, gefolgt von I-Ching, das eine Brücke schlägt von frühen Japandroids zu den Noise-/Fuzz Pop-Acts der späten 2000er / frühen 2010er á la No Age, Wavves und Male Bonding.

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True Sons Of Thunder – It Was Then That I Was Carrying You

Der zweite Langspieler auf Total Punk legt hochwertig nach. True Sons Of Thunder sind eine Band mit Leuten von Manatees und Oblivians an Bord. Ihr habt vielleicht schon ihre kürzlich auf Goodbye Boozy erschienene 7″ bemerkt oder seid sogar mit ihren ersten zwei Alben vertraut, die noch vor der Entstehung dieses Blogs erschienen sind. Auf ihrem neuesten Release pendeln sie jedenfalls zwischen straight nach vorne gehendem Garage Punk im Umfeld von The Cowboy oder Flat Worms und Blues-getränktem Noiserock irgendwo zwischen Cows, Nearly Dead und diversem alten AmRep-Krempel, außerdem einem gewissen U-Men Vibe. Mit Skate Rock ist sogar ein netter kleiner Hardcore-Ausflug mit dabei.

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Murderer – I Did It All For You

Steilen Scheiß veranstaltet diese New Yorker Band auf ihrem Debütalbum in Form eines etwas surreal anmutenden Sounds aus Post- und Hardcore, Post-, Blues- und Cowpunk. In etwa wie ein gemeinsamer Fiebertraum von Wymyns Prysyn und Gun Club. Ein stilistischer Frankensteinbastard, wie ich ihn so bislang noch nicht zu hören bekam. Und dabei so aus einem Guss, dass die Grenzen zwischen den Songs zunehmend verfließen, was letztendlich nur noch weiter zur unwirklichen Atmosphäre der Platte beiträgt.

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