Diese Band aus Montreal zählt Mitglieder von Puffer und Béton Armé zu den Ihren und präsentiert eine voll ausgeformte, elegante Vision auf ihrem zweiten Tape, nach einem bereits schon sehr ordentlichen, aber noch nicht so ausgefeilten 2023er Demo. Der Opener Insoutenable poltert los mit einer stark Radio Birdman- und New Christs-mäßigen Energie, die im weiteren Verlauf ergänzt wird mit relativ kontemporär klingenden Post Punk-Elementen á la The Estranged und Dead Finks, durchsetzt von einer ausgeschprochen folkigen Qualität. Ein weiteres Highlight ist Rien ne t’empêchera und kommt mir in etwa so vor wie eine perfekte Fusion aus einem oldschooligen Oi!-Singalong und schrammeligem Powerpop.
Köln’s inzwischen schon ziemlich alteingesessene Art Punk-Institution Tics lässt mal wieder von sich hören und ihre neueste 7″ auf dem lokalen Label Mörtelsounds präsentiert die Band in ihrer fokussiertesten und griffigsten Inkarnation seit einer guten Weile. Alle beweglichen Teile greifen hier nahtloser ineinander als je zuvor, wobei der Opener Clad Faun stiilistisch wohl noch am nähesten am Minutemen- und Gang Of Four-informierten Post Punk ihres frühen Schaffens gelagert ist. Gleichzeitig öffnen sie hier sich aber zunehmend auch einer Reihe von Einflüssen, von denen ich nicht wenige im Dischord-Universum der ’90er verorten würde, und zwar einerseits dessen melodischere Auswüchse á la Fire Party und Autoclave, aber im weiteren Verlauf haben da sicherlich auch viele der „typischeren“ Acts á la Jawbox, Hoover, Smart Went Crazy, Bluetip and Kerosene 454 Spuren hinterlassen, gemeinsam mit weiteren Kolossen der ’90er wie Polvo, Unwound und Chavez. Gleichermaßen meine ich jedoch auch Echos jüngerer Ereignisse wahrzunehmen, etwa von australischen und neuseeländischen Bands wie Die! Die! Die!, Batpiss und Bench Press sowie auch von US-Bands der Marke Stuck oder Rip Room.
Punk mit Gaming-Hyperfixierung ist ja nicht so der große Indikator für Kreativität und künstlerischen Wert, aber die zweite EP dieser Band aus Fresno, Kalifornien widersetzt sich dankenswerter Weise der allgemeinen Tendenz solcher Musikware zu zahnlosen, abgedroschenen Chiptune-Sounds. Stattdessen liefern die hier ein paar ausgesprochen schmackhafte Häppchen aus fuzzigem LoFi-Elektropunk mit ordentlich Beißkraft ab, die mich abwechselnd mal an so Zeug erinnern wie S.B.F., ISIS, Exit Mould, Penance Hall, Kerozine, Giorgio Murderer oder auch die stärker elektrolastigen Projekte dieses Zhoop/Djinn/etc.-Typen: Nightman und Brundle.
Ein bezaubernd seltsames kleines Biest, die zweite EP dieser Band aus Florida, die sich in etwa so ausläuft wie eine Verquirlung früher Siouxie, B-52s und Delta Five, transformiert in so eine Art schepperiger Urinals-Ästhetik, garniert mit einer ordentlichen Menge an verspieltem Eggpunk-Hirnfick. Als weiterer Vergleich fällt mir da spontan außerdem noch der grandiose LoFi-Art Punk von den New Yorkern Exo ein.
Dieses nette neue Tape von so ’nem Vogel aus Liecester, UK sagt mir ganz unverschämt zu mit seiner komplett ausgebrannten Klangästhetik, die hektisch pendelt zwischen schön rumpeligen Hardcoreparts und stärker Richtung Garage tendierendem Fuzz Punk, was fast schon so einen alten Lumpy and the Dumpers-Vibe heraufbeschwört. Musik in meinen Ohren!