Die neueste Langspielkassette dieser New Yorker übertrifft mal jede Erwartung meinerseits und markiert einen riesigen Sprung vorwärts von ihrem schon saumäßig guten Vorgänger, der Fancy! EP aus dem Jahr 2022. Transportierte jene noch eine etwas schnuckelig anmutende powerpoppige und New Wave-ige Qualität, kommen die neuen Songs in gleichem Maße abstrakter und reifer daher. Weniger Television Personalities und mehr ’80er The Fall in ihrem repititiven Minimalismus, aber dennoch erscheint hier alles raffiniert und sorgfältig konstruiert und channelt dabei die Ästhetischen Eggpunkte von altem britischem DIY á la Desperate Bicycles, Membranes, Swell Maps oder den frühen Mekons. Gleichsam verbindet aber auch eine dichte tragende Schicht aus Melancholie einige zentrale Punkte dieser Platte und erinnert dabei an so einen gewissen Strang von australischen Bands wie Wireheads, Kitchen’s Floor und den getrageneren Momenten von Eddy Current Suppression Ring. Auch ein brauchbarer Referenzpunkt wäre dann noch eine weitere nicht so bekannte „famous“ Band – Famous Mammals aus Philadelphia – zusammen mit einem bunten Strauß weiterer schepperiger US-Post- und Art Punk-Acts wie etwa Society, Germ House, Spiral Rash und Toe Ring.
Auf dieser Debüt-Kassette mit dem Qualitätssiegel der verlässlichen Detroiter Kassettenklitsche Painters Tapes zieht eine Band irgendwo aus Ohio nicht weniger ab als höchstwertige, waffenfähige Synth Punk-Exzellenz und Gitarren-freie Zone, die einen Bogen schlägt von oldschool-Acts der ’70er und ’80er wie Nervous Gender, Units, Visitors and Screamers einerseits, zu einer Reihe von jüngeren, variabel eiermäßigen Bands in einem Spektrum zwischen dem hyperaktivem Ansatz etwa von Checkpoint, Titanium Exposé, Pressure Pin und dem minimalistischeren Schaffen von Beef, Busted Head Racket – und nicht zuletzt auch einigen Bands zwischen diesen Welten wie Quitter, Slimex, Isotope Soap, frühen Freak Genes oder auch Billiam’s Synth Punk-Project NTSC>PAL.
Eigentlich dachte ich das letzte was ich in meinem Leben bräuchte wäre noch so eine instrumentale Surf Rock-Platte, ein Genre dessen stilistisches Vokabular scheinbar seit dem ’50er/’60er Goldrausch nicht wesentlich und nur selten expandiert wurde und mir – noch schlimmer – oft vorkommt wie ein vollkommen zahnloser, domestizierter Aufguss seiner goldenen Ära. Nun schafft aber unverhofft diese Band aus La Cisterna, Chile das Wunder, mich doch mal für eine Surf-LP zu erwärmen, klingt sie doch nach einem sonnigen Surftrip… durch die fucking Hölle würde ich mal sagen und geht das Genre von einer Basis aus Noise-lastigem, Goth-infiziertem Post Punk und Death Rock an, was eine ungewohnte Energie und dringend benötige frische Luft in das uralte Genre einbringt. Im Kontrast zu gefühlten 99% von instrumentalem (und nicht nur Surf-) Rock’n’Roll, bei dem ich mir dringend eine Gesangsmelodie wünsche um die beweglichen Teile zu ordnen und verbinden, funktionieren die Arrangements auf diesem Album als eine in sich geschlossene Einheit. Die dramaturgisch dichten Kompositionen und die elektrifizierenden Gitarrenleads erzählen ohne Mühe ihre eigene Geschichte, die sich am besten ohne Worte kommunizieren lässt.
Ein irrsinniger Spaß, die Debüt-EP dieser Band aus St. Louis, Missouri, die ziemlich exakt so klingt wie… eigentlich keine andere Band, was in unseren stark genre-kodifizierten Zeiten eigentlich zu den besten Komplimenten gehört, die man machen kann. Vielmehr werden hier auf relativ freidrehende Art vertraute Bausteine des Synth-versifftem Gararage Punk von variabler Eierigkeit zu einem saumäßig catchy klingendem, kohärenten Ganzen verschweißt, das an diversen Stellen mal an so Bands wie Skull Cult, Print Head, Warm Bodies, Rearranged Face, Snooper oder Wax Minds erinnern mag.
Kann eigentlich nie viel schiefgehen wenn Sorry State und Drunken Sailor Records gemeinsame Sache machen! The Hell aus Cleveland erzeugen auf dieser EP ein feines Konzentrat aus Hardcore, der auf den ersten Blick etwas generisch oldschool erscheint und in etwa die Merkmale von früh-80er Ost- und Westküste vereint. Bei genauerer Betrachtung gehen diese Songs aber weit über den Aufwand des durchschnittlichen Retro-Neuaufgusses hinaus, sind dicht beladen mit infektiösen Hooks und unerwarteten Schnörkeln und Wendungen. Jene kulminieren dann in dem fünfminütigen Rausschmeißer Dirt Nap, der zuerst den Drang und die Energie alles zuvor gehörten über Bord zu werfen scheint zugunsten eines schleppenden, leicht Flipper-mäßigen Proto-Noise Rock und Sludge-Sounds, bevor er um die zwei-Minuten-Marke dann doch abrupt in den Gänge kommt und für einen intensiven Spannungsausgleich sorgt.
Diese Band aus Bordeaux, Frankreich fällt auf den ersten Blick nicht allzu sehr aus der Reihe gegenüber dem omnipräsenten Grundrauschen an französischen Bands, die jene einfach gestrickte Formel aus leicht Oi!- und Post Punk-geprägten, eingängigen Punkhymnen durchziehen. Aber meine Fresse, treffen die Herrschaften hier mal jeden Nagel auf den Kopf auf ihrem Debüt-Kurzspieler und holen so ziemlich den optimalen Wumms aus einem relativ restriktiven und vorstrapazierten Subgenre. Ich würd mal sagen Freude von so Bands wie Telecult, Litovsk, Bleakness or Nightwatchers sollten sich das keinesfalls entgehen lassen!