Mehr Brain Fuck und Brain Fog als des selbigen Wäsche ist diese durchweg desorientierende neue EP eines gewissen italienischen Gentlemans namens Leonardo Carlacchiani aka Purp, eine überwältigende Welle von LoFi-mäßigem DIY Lärm und Psychedelia, die alles daran setzt, den Verstand nicht etwa zu brechen, sondern zu benebeln. Der Opener Mind Space kommt in etwa so rüber als hätte man den folkig-schrammeligen Powerpop von jüngeren Vaguess-Platten in den durchgebrannten Fuzz Pop-Kontext weiterer italienischer Genossen wie Mustard/Metal Guru und der jüngsten EP von Dadgad verfrachtet. Letzteres morpht dann in Labyrinthorama zu einem deutlich relaxteren Midtempo-Indie Rocker, der mir etwa Treehouse und frühe Tape/Off ins Gedächtnis ruft. Reminder Demons With Gufo Mangia Sale ist pure Space Blues-Unendlichkeit. Astral Angel klingt ein bisschen nach frühen Pixies, verlangsamt zu einem deprimierenden Kriechtempo und bekommt zusätzlich einem Nachgeschmack von ’90er Chokebore verpasst. Ladybug’s Ballata With Bobby Chombo zieht einen No-Fi-Flickenteppich aus My Bloody Valentine und Dinosaur Jr durch einen psychedelischen Flying Saucer Attack-Fleischwolf, gefolgt von I-Ching, das eine Brücke schlägt von frühen Japandroids zu den Noise-/Fuzz Pop-Acts der späten 2000er / frühen 2010er á la No Age, Wavves und Male Bonding.
Eine weitere Achterlicht-EP sorgt erneut für einen beachtlichen Wumms und sprengt vom bisherigen Output der Niederländer mal locker das größte Loch in die Decke. Die Band hat noch nie so tight geklungen wie hier und das Songmaterial signalisiert ebenfalls einen massiven Sprung nach vorne in einem einzigen Spektakel aus gefährlichen Hooks und hartnäckigen Melodien grob im Fahrwasser von so Garage-/Synth-/Eggpunk-Schwergewichten wie Dadar, Satanic Togas, Research Reactor Corp. und Gee Tee.
Wow, ist das mal eine fantastische Debüt-EP von einer Band aus Philadelphia, die sich darauf mit einem erdigen, dissonanten und mittelgradig exzentrischen Mix aus Art- und Post Punk zu schaffen macht. Das monotone, no wave-mäßige Geschrammel des Openers The Shield lässt dabei an den Minimalismus von Shop Regulars oder Honey Bucket denken, während Green Man mehr von einem früh-’80er The Fall-Vibe mitbringt und weitere Ähnlichkeiten etwa zu den Stadtnachbarn Toe Ring und B.E.E.F. 39X hat. Die Bösen Grooves in Gangstalker hingegen halten eine empfindliche Balance aus Dissonanz und Eingängigkeit und channeln damit eine etwas stacheligere Inkarnation von Lithics, gekoppelt mit so einiger dissonanter Glenn Branca- und ’80er Sonic Youth-Gitarrentextur, wie wir sie vor nicht allzu langer Zeit etwa von Self Improvement gehört haben.
Diese Leipziger Band ließe sich recht einfach wegsortieren als ein weiteres Artefakt des deutssprachigen Post Punk irgendwo zwischen so Acts wie den frühen L’apell Du Vide, Hyäne, Kalte Hand und Die Wärme aber so naheliegend wie dieser Vergleich auf den ersten Blick wirken mag, sind hier bei genauerer Betrachtung doch noch ganz andere Unterströmungen zu erkennen, die weit über einen oberflächlichen Neuaufguss einer etablierten Formel hinaus gehen. Zum Beispiel sehe ich hier nicht weniger Parallelen zu einer Anzahl von internationalen Acts – Criminal Code drängen sich als erstes auf aber auch Negative Gears, Sievehead, aktuelle Longings und Pyrex erscheinen mir da nicht zu weit hergeholt.
Timmy Vulgar’s Zeta Reticuli Operants In the Hell Rock Demolition Man Speed Camera Mitraille Laundry Tonight Zippo! Wisconsin Scared Of Chaka Nobody Itches Level 25 Love Collector Toner Loner Gonk Big Pig Handcuff Keep, Repeat Exit Mould 21st Century Satanic Togas Illusions Deformative Straight Away Achterlicht No Shoes
Bozo Burglar Radar & Satellite Handshake No Brains Sewer People Expest Negative Asshole Power Shovel Jackin off to moby dick Dani Alarma! Villano Inexistente Ataca Success Super .22 W.M.D.s Toy Speedy Muffler Orb Santo Blanco Abyss DE()T It’s Going Great Funeral Mess Isolation Axxident Sur les pavés
Tracklist
Lohn Der Angst Exzess Freak Genes Neoware Burdo La Náusea Flat Worms Letters From the Outpost Fake Fruit Más O Menos Cherry Cheeks Wire The Bug Club Quality Pints Temporary Curse Computer Hell Beta Máximo Negativo Esperanzado Jëg Hüsker My Dawn
Patrol Cold Blood Fantasma Trabalho Invisível The Hammer Party E.M.B.R.Y.O. It Thing …In Ruins Rehash Kunsthochschule Licklash Party Line Hatula Nevela No One Taught You Fastbacks The Answer Is In Gray Paint Fumes Crime of Love
Mit jeder neuen Alien Nosejob-Veröffentlichung weiß man im Voraus nie so genau was einem darauf begegnen wird. Eine oldschoolige Hardcore-Attacke? Tieftrauriger Power Pop? Ein kleiner Ausmuteants-Flashback? Unnachgiebig hämmernder Industrial Punk? Stark nach Eurotrash/Italo Disco riechender Synth Pop? Eine ganze LP voller breitbeiniger AC/DC-Vergötterung? Nu ja, ich sach mal das ist alles schon mal vorgekommen mit Jake Robertson’s massiv wandlungsfähigen Projekt. Dennoch trägt jede dieser Inkarnationsn seine unverwechselbare Handschrift und wenn es so etwas gibt wie einen “klassischen” Alien Nosejob-Sound, dann kommt diese Platte der Sache ausgesprochen nahe, ohne dabei aber die gewohnte stilistische Vielfalt vermissen zu lassen in einem irrsinnig starken Bündel neuer Tunes, die nicht ein einziges mal von Robertson’s unfehlbarem Songwriting-Talent im Stich gelassen werden.
Lange erwartet, ist hier endlich das Debütalbum der Art Punks The Carp aus Cleveland, Ohio, einer Band bestehend aus Leuten unter anderem mit Verbindungen zu Perverts Again, Knowso und Cruelster. Die meisten der Songs sind schon vom 2022er Demo geläufig, werden her aber mit deutlich polierteren Produktionswerten und angemessener Wucht präsentiert, wobei ihr Sound es sich irgendwo in der Lücke zwischen den Klangparametern von Knowso und Cruelster breit macht und die elaborierten und rigiden Strukturen ersterer mit dem Spaß und der Energie letzterer kombiniert und obendrein gibt’s in The Old Ways noch einen Hauch von Cowpunk á la Murderer zu bestaunen.
Die zweite EP dieser Band aus Antwerpen, die auch mindestens ein Mitglied von Itches zu den ihren Zählt mit weiteren Connections zu Star Visistors und The Queefs, transportiert ihre ursprünglich etwas schlichtere Garage Punk-Formel in ein geringfügig ausgefeilteres und polierteres Klangbild, dem ein bisschen was von einem Vintage Crop-, Patti-, Reality Group- und Yammerer-Vibe innewohnt. Gleichermaßen weht hier aber auch immer noch der Geist von so Euro-Acts wie Dadar oder Shitty Life mit und nicht zuletzt auch so US-Bands des vergangenen Jahrzehnts á la Shark Toys, Ex-Cult und Tyvek. Also klar, hier passiert nicht viel neues oder bahnbrechendes, dennoch ist dabei jede Menge dementer Spaß zu haben mit dieser neuen Sammlung von durchweg kompetenten und solide konstruierten Garagenkloppern.