Der Garage Punk-Scherzbold Robbie Thunder aus Newcastle, Australien ist und bleibt eine durchweg charmante Angelegenheit auf seiner siebten LP in gerade mal etwas über zwei Jahren und mein lieber Herr Gesangsverein, hat er darauf einen neuen Level erreicht mit seinen ausgesprochen simpel gestrickten, minimalistischen und geringfüfig Ramones-ifizierten Punksmashern der Fuzz-intensiven Machart in einem konstanten Feuerwerk aus Hits. Wo frühere Veröffentlichungen sich streckenweise noch etwas eintönig und ermüdend anfühlen konnten, treffen diese zehn Songs eine perfekte Balance aus einem vertrauten Sound, ausreichend viel Abwechslung und bestechender Küze - die Laufzeit von knapp 15 Minuten erscheint mir als die perfekte Dauer für so einen knusprigen kleinen Kartoffelchip von einer Platte wie dieser.
Die reaktivierten australischen Punk-Oldtimer haben eine neue 7" auf Iron Lung Records am Start und in mehrfacher Hinsicht ist das eine besondere Platte - nicht zuletzt handelt es sich bei den Songs hier um verschollene, niemals aufgenommene Klassiker, geschrieben um '78-'79 herum und jetzt seit langen wieder hervorgeholt und neu aufgenommen. Die aktuelle Inkarnation der Band hat den Ausmuteants- und Alien Nosejob-Frontmagier Jake Robertson an der Gitarre und jener zeichnet wohl auch gemeinsam mit dem unersetzlichen Szene-Hansdampf in allen Gassen, Mikey Young, für die Produktion verantwortlich und oh boy, wird das hier alles offensichtlich auf einer Platte, deren Sound das beste aus beiden Welten repräsentiert - die quirlige Energie der kontemporären Szene genau so wie die catchy-verspielten Vibes der ersten DIY-Punkwelle.
Nicht allzu lange nach ihrer brillianten Debüt-EP bekommen wir jetzt auch schon die erste LP von dieser Band aus Minneapolis zu hören, die wie gehabt mit einem charmant aldmodischen Genre-Mix entzückt, der offenbar überwiegend Inspiration von einigen eher unkonventionellen und melancholisch angehauchten Ausläufern der '80er bis '90er Punk-, Hard- und Postcore-Historie bezieht, wenngleich die Einflüsse hier noch etwas vielfältiger und differenzierter rüberkommen. Während der Opener Hello World mit einem starken '90er Dischord-Vibe mit Echos etwa von Jawbox, Crownhate Ruin, Bluetip, Smart Went Crazy oder Kerosene 454 aufwartet, hat der darauf folgende Track Tectonic Plates mehr so etwas von einer seltsamen Mischung aus Rapeman, Brainiac und Mule. Kick Geneva und Steve erinnern mich hingegen stark an Angst oder Moving Targets und BDFI hat so eine Butthole Surfers-mäßige Doom-Ästhetik. Diesmal dauert es darüber hinaus doch tatsächlich bis zum vorletzten Track What Happens Next und nachfolgend Mantle, dass letztendlich doch noch mal der Mission Of Burma-Vibe zum vollen Vorschein kommt, der die vorherige EP noch stärker dominierte. Nicht zuletzt ist über weite Strecken auch eine stark folkige Unterströmung zu verzeichnen, die mich unter anderem an so geringfügig exzentrische Bands der '80er erinnert wie The Proletariat, Volcano Suns, M.I.A. und My Dad Is Dead.
Drei unglaubliche (und auch hier noch einmal vertretene) Tracks, die über die letzten anderthalb Jahre verteilt tröpfchenweise auf Bandcamp angesickert kamen, machten schon ausgesprochen hungrig auf mehr von dieser Band aus Melbourne und ich freue mich mitteilen zu dürfen dass ihre erste (mini-) LP den hohen Erwartungen mehr als gerecht wird. Was Steröid mit dem Metal der '80er Jahre tun, das zelebrieren Elvis 2 in ähnlicher Form mit '70er Hard- und Southern Rock plus verwandten Dad Rock-Vibes und transformiert den ganzen Salat in eine nur geringfügig Eierpunkige, maximal Fuzz-verseuchte Ästhetik aus ultraeingängigem Garage Punk und Power Pop mit einem ungewönlichen Händchen für infektiöse Gitarrenleads - eine unaufhaltsame Welle aus mitreißenden Riffs, widerstandsfähigen Hooks und hartnäckigen Ohrwürmern, die auf eine unwahrscheinliche Art einige der Tugenden von, sagen wir mal, den frühen Sheer Mag EPs mit jüngeren Garage Punk-Zeiterscheinungen á la Satanic Togas verbindet.