Public Body – Finger Food

Ich muss eingestehen dass ich nach einer ausgesprochen starken 2019er Debüt-EP meine Schwierigkeiten hatte, mich für die nachfolgenden EPs und insbesondere die 2023er Big Mess LP dieser Band aus Brighton zu erwärmen, die mir einfach etwas zu rigide auf die populäre Standardformel des hippen britischen Post Punk-Chic abzuzielen schien mit den üblichen verräterischen Anzeichen wie einem etwas zu glatten Produktionsstil, einem Übermaß an polyrhythmischen Gitarrenleads und Appregios, fadem Gen Z zähle-jede-silbe Sprechgesang (der Scheiß wird nicht gut altern, sag ich euch) – also schlicht gesagt, nicht den originellsten Grundzutaten dieser Tage. Der neue Langspieler ist dagegen mal ein ganz anderes Kaliber, auf dem sich die Band ihre ursprüngliche Kante zurückerobert und eine stellenweise fast schon Postcore- und Noise Rock-mäßige Energie zu Songs zusammenfließen lässt, die organisch und rund wirken anstatt erzwungen zusammengetüftelt und zu Tode quantisiert in einer Pro Tools-Postproduktionshölle. Nein, das hier ist klar der Sound einer fähigen Band, die von irgendwas (Anlässe gibt’s ja reichlich) aus ihrer Komfortzone herausgesprengt wurde, ein lebender, pulsierender Organismus, wuchtig vorangetrieben von gerechter Wut während das Songmaterial fraglos das am sorgfältigsten aufgebaute und ausbalancierte ist, was die Band bisher von sich gelassen hat – besonders hervorzuheben ist, wie nahtlos sich die Synths in den Sound integrieren und verankern auf dieser Platte, die mich neben vielen anderen an so vielfältige Bands wie Beef, Dr. Sure’s Unusual Practice, Broken Prayer, Wristwatch and Patti erinnert.

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Laxisme – Laxisme

Laxisme sind eine Band aus Leipzig, aber so einiges mehr als nur die französichen Texte provoziert hier Vergleiche zu jener gewissen Brut an französischen Bands, die diesen speziellen Mix aus geradlinigem und ultraeingängigem Garage- und Post Punk mit einer subtilen Spur von Oi! spielen, wie wir es so ähnlich auch von Bands wie Telecult, Distance, Stalled Minds, Nightwatchers, Litovsk oder frühen Bleakness gehört haben, wobei sich gleichermaßen aber auch diverse stärker Garage-orientierte Euro-Bands wie die Belgier Mitraille, Pedigree und Itches; Achterlicht aus den Niederlanden und die Italiener Dadar und Shitty Life stellenweise als Vergleiche anbieten. Also ja, nichts bahnbrechendes oder neues zu hören hier, aber die einfache Formel hat nach wie vor eine hohe Durchschlagkraft wenn sie kompetent umgesetzt wird und die Präsentation hier ist von erster Güte – dargeboten mit exzellentem Drive und Energie, ein wenig von einer ’77er Kante und eine Reihe von zertifizierten Killertunes wie Grand Cerveaux und 7 Secondes machen die Sache perfekt.

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Robbie Thunder – If Rock N Roll Is Dead… So Is Robbie Thunder

Der Garage Punk-Scherzbold Robbie Thunder aus Newcastle, Australien ist und bleibt eine durchweg charmante Angelegenheit auf seiner siebten LP in gerade mal etwas über zwei Jahren und mein lieber Herr Gesangsverein, hat er darauf einen neuen Level erreicht mit seinen ausgesprochen simpel gestrickten, minimalistischen und geringfüfig Ramones-ifizierten Punksmashern der Fuzz-intensiven Machart in einem konstanten Feuerwerk aus Hits. Wo frühere Veröffentlichungen sich streckenweise noch etwas eintönig und ermüdend anfühlen konnten, treffen diese zehn Songs eine perfekte Balance aus einem vertrauten Sound, ausreichend viel Abwechslung und bestechender Küze – die Laufzeit von knapp 15 Minuten erscheint mir als die perfekte Dauer für so einen knusprigen kleinen Kartoffelchip von einer Platte wie dieser.

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The Vacant Lot – Creatures Of The Night

Die reaktivierten australischen Punk-Oldtimer haben eine neue 7″ auf Iron Lung Records am Start und in mehrfacher Hinsicht ist das eine besondere Platte – nicht zuletzt handelt es sich bei den Songs hier um verschollene, niemals aufgenommene Klassiker, geschrieben um ’78-’79 herum und jetzt seit langen wieder hervorgeholt und neu aufgenommen. Die aktuelle Inkarnation der Band hat den Ausmuteants- und Alien Nosejob-Frontmagier Jake Robertson an der Gitarre und jener zeichnet wohl auch gemeinsam mit dem unersetzlichen Szene-Hansdampf in allen Gassen, Mikey Young, für die Produktion verantwortlich und oh boy, wird das hier alles offensichtlich auf einer Platte, deren Sound das beste aus beiden Welten repräsentiert – die quirlige Energie der kontemporären Szene genau so wie die catchy-verspielten Vibes der ersten DIY-Punkwelle.

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Fungas – Hats Off To The Five Bazaars

Intelligence 1 erscheint am 25. Juni auf Erste Theke Tonträger.

Eye Ball – I Won’t Know (Bad Spit)

Gull Songs erscheint am 27. März auf Knuckles On Stun (US) & Noise Merchant Records (UK).

The Unknowns – Thunder In My Head

Looking From The Outside erscheint am 28. Juli aud Drunken Sailor Records.

Béton Armé – Chemin de Croix

Renaissance erscheint am 13. Juni auf La Vida Es Un Mus Discos.

The Penrose Web – Hexapod Scene

The Least Of Our Concerns releases June 27th via Spinout Nuggets.