Piles - Piles

piles
Wow, das ist ja mal ein un­er­war­tet kom­pro­miss­los vor­wärts­ge­prü­gel­ter Bro­cken aus me­lo­disch-noi­si­gem Post-/Punk-/In­die­ge­döns. Was Pi­les (nicht mit den ges­tern hier ge­fea­tur­eten Pi­le ver­wech­seln) aus Mil­wau­kee hier ab­feu­ern ist ge­nau mei­ne Kra­gen­wei­te. Wer drin­gend auf Nach­schub an schnel­lem me­lo­di­schem Krach mit ge­wis­sen Ähn­lich­kei­ten zu Ma­le Bon­ding, Ja­pan­dro­ids, No Age, frü­hen Wav­ves oder Cloud Not­hings sucht, wird hier ga­ran­tiert sei­nen Spaß dran ha­ben. Da­zu kom­men noch leich­te Ga­ra­gen- Post­punk- und Shoe­ga­ze-Ele­men­te, De­ckel drauf und fer­tig ist die Saue­rei.
Und mein Rat­schlag: Nicht da­nach goog­len, es sei denn ihr wollt un­be­dingt mit ganz und gar un­äs­the­ti­schem Bild­ma­te­ri­al kon­fron­tiert wer­den. Ich tra­ge kei­ne Ver­ant­wor­tung für even­tu­el­le psy­chi­sche Schä­den.

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Pile - Special Snowflakes /​ Mama's Lipstick 7"

pile
Die­se 45er Fris­bee­schei­be ist bei wei­tem mei­ne am sehn­lichs­ten er­war­te­te Ver­öf­fent­li­chung des noch jun­gen Jah­res. Ihr 2012er Al­bum Drip­ping, auf dem die Bos­to­ner ih­ren leicht grung­i­gen In­die-/Noi­se­r­ock um aus­ge­präg­te Post­co­re-Ele­men­te á la spä­te Fu­ga­zi oder die sträf­lich un­be­ach­te­ten Fa­raquet er­wei­ter­te, zeig­te ei­ne Band die sich selbst ge­fun­den hat und da­bei noch am­bi­tio­nier­te und schlaue Song­kon­struk­te aus dem Är­mel schüt­tel­te als wür­den sie sich so­was mor­gens auf's Brot schmie­ren.
Auf ih­rem neu­es­ten Out­put stre­cken sie sich noch deut­lich wei­ter aus und stram­peln sich end­gül­tig frei von jeg­li­chen Ver­glei­chen, sie klin­gen mehr als je zu­vor nach sich selbst. Das gan­ze be­wegt sich wie­der­rum zu­neh­mend weg vom Post­co­re hin zu aus­ufern­den, ge­ra­de­zu pro­gres­si­ven Song­struk­tu­ren, aber kei­ne Angst, hier gibt es kein selbst­ver­lieb­tes Hip­pie­geg­nie­del zu hö­ren. Son­dern zwei per­fekt aus­for­mu­lier­te Kom­po­si­tio­nen, die zu­sam­men die epischs­ten und doch ab­so­lut bo­den­stän­di­gen zehn Mi­nu­ten In­die­rock er­ge­ben, die man in der ak­tu­el­len Mu­sik­land­schaft hö­ren wird.
Wenn sie die­ses Ni­veau bald noch auf ei­nem Lang­spie­ler hal­ten kön­nen, er­war­te ich nicht we­ni­ger als ei­nen hand­fes­ten Klas­si­ker. Bis da­hin schrei­ben an­de­re Bands schon mal Kon­zept-EPs über sie.
Klei­ner Hin­weis für al­le, die vor den ab­surd ho­hen Por­to­ge­büh­ren für die Schei­be zu­rück­schre­cken: Man kann die bei­den Songs auf der Band­camp-Sei­te ein­zeln als Down­load er­wer­ben, auch wenn's den Kom­plett­down­load nur im Bund­le mit der 7" gibt.

Flyying Colours - Flyying Colours EP

flyying colors
Flyy­ing Co­lours sind ein Quar­tett aus dem Aus­tra­li­schen Mel­bourne und sie spie­len ei­ne leicht psy­che­de­lisch an­ge­hauch­te Va­ri­an­te von Shoe­ga­zer Rock klas­sich bri­ti­scher Prä­gung, die sich ein­gän­gig und me­lo­disch gibt, aber auch ge­nug Pfer­de un­ter der Hau­be hat - ei­ne lei­der sel­ten ge­wor­de­ne Ei­gen­schaft in der über­sät­tig­ten Shoe­ga­ze-/D­re­am­pop-Land­schaft von heu­te. Wenn du jetzt denkst: "Schei­ße, das letz­te was mir fehl­te ist noch ei­ne Plat­te von sol­chen Efekkt­pe­dal­mas­tur­ba­to­ren.", kann ich das voll­ends ver­ste­hen. Aber du soll­test die­sen Jungs trotz­dem mal 'ne Chan­ce ge­ben, denn sie ha­ben et­was, das den meis­ten art­ver­wand­ten Bands voll­kom­men ab­geht: Fünf aus­ge­zeich­ne­te Songs, die auch in der Dis­ko­gra­fie von Gen­re­klas­si­kern wie Ri­de oder Swer­ve­dri­ver pro­blem­los be­stehen könn­ten, so­wie ei­ne Mu­si­ka­li­tät und Sub­stanz in den Ar­ran­ge­ments, die die­sem zu­ge­ge­ben eher kon­ser­va­ti­ven Sound doch noch­mal ei­nen Hauch von sei­ner al­ten ju­gend­li­chen En­er­gie zu­rück­gibt.
Der "Of­fi­zi­el­le" di­gi­ta­le Re­lease in den ein­schlä­gi­gen Aus­la­ge­stel­len ist zwar noch ein paar Ta­ge hin, im Shop ih­res bri­ti­schen La­bels gibt's den Down­load aber jetzt schon zum sehr fai­ren Preis von zwei­ein­halb bri­ti­schen Pfund zu er­ste­hen (Vi­nyl ist auch er­hält­lich).

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Clouder - Sister Raygun

clouder
Die­se New Yor­ker Com­bo darf ru­hig noch et­was mehr Auf­merk­sam­keit be­kom­men. Nach ei­ner bei­na­he-Auf­lö­sung und ei­ner lan­gen Pau­se bringt uns Flee­ting Youth Re­cords jetzt ihr zwei­tes Al­bum, und das ist ein ech­tes Pracht­stück ge­wor­den. Mu­si­ka­lisch be­wegt sich das zwi­schen an Gui­ded By Voices und Re­pla­ce­ments er­in­nern­den Indierock/​Powerpop, und et­was düs­te­rem Psych-/Re­tro­rock mit ei­ner an­ge­nehm ga­ra­gi­gen Kan­te. Ge­tra­gen von 10 über­zeu­gen­den Songs, schö­nen Gi­tar­ren­ar­ran­ge­ments und der cha­ris­ma­ti­schen Stim­me von Sän­ger Eric Gil­strap, der zwi­schen­durch auch mal ei­nen ge­ra­de­zu Go­thic-ar­ti­gen Vi­be ein­zu­brin­gen ver­mag.

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Weak Nerves - Cheapskates /​ Bedroom Rot

weak nerves
Schö­ner Kurz­spie­ler ei­nes Lon­do­ner Tri­os, des­sen Sound ir­gend­wo im me­lo­di­schen Punk­rock der Mitt­neun­zi­ger zu ver­or­ten ist und ge­ring­fü­gig an der da­ma­li­gen In­diero­ck/E­mo/­Post­co­re-Schnitt­stel­le kratzt. Auch leich­te Grunge-und Shoe­ga­ze-Ein­flüs­se sind zu ver­or­ten. Ei­ne Plat­te al­so, die sich ge­müt­lich zwi­schen den Stüh­len plat­ziert, aber trotz­dem an­ge­nehm ver­traut wirkt. Wie ein ver­schro­be­ner al­ter Be­kann­ter, der sich seit­dem kein biss­chen ver­än­dert hat.

Thank you, One for the Peo­p­le!

Roku Music - Collider

roku music
Der schlaue On­kel Ma­sa­la (nicht sein wirk­li­cher Na­me) von mei­nem un­an­ge­foch­te­nen, in Aus­tra­li­en an­säs­si­gen Lieb­lings­blog So­nic Ma­sa­la, hat jetzt ein ei­ge­nes Plat­ten­la­bel ge­star­tet!
Und was gibt es aus dem Hau­se Ma­sa­la jetzt wohl auf die Oh­ren? Ich hät­te bei sei­nem bis­he­ri­gen Pro­fil ja eher auf derbs­ten Ga­ra­gen­krach ge­tippt, in sehr über­ra­schen­der Wei­se über­rollt ei­nen auf So­nic Ma­sa­la Re­cords (duh!) Ka­ta­lognr. 1 aber statt­des­sen ei­ne wuch­ti­ge Wel­le aus Shoe­ga­ze. Aber nicht gleich weg­ren­nen, al­le Be­tei­lig­ten wis­sen hier of­fen­sicht­lich ge­nau was sie tun. Es ist je­ne Va­ri­an­te des Gen­res, die mehr auf kom­ple­xe Tex­tu­ren als auf vor­der­grün­di­ge Song­struk­tu­ren be­dacht ist. Un­zäh­li­ge Bands ha­ben sich in letz­ter Zeit an so was ähn­li­chem die Zäh­ne aus­ge­bis­sen und meis­tens kläg­lich ver­sagt. Nicht so Ro­ku Mu­sic aus Bris­bane, sie schaf­fen es tat­säch­lich als ei­ne der we­ni­gen Bands die­sen Sound voll­kom­men aus­zu­for­mu­lie­ren, die Plat­te be­sitzt die klang­li­che und emo­tio­na­le Tie­fe und Viel­schich­tig­keit, von der die vie­len ober­fläch­li­chen Ko­pis­ten nur zu träu­men wa­gen. Ge­konnt, nicht nur ge­wollt.
Das ist ein gran­dio­ser Start für die neue Plat­ten­pres­se aus Down Un­der, ich freue mich auf bal­di­gen Nach­schub.

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Constant Lovers - True Romance

constant lovers
Wie­der mal so ei­ne Ent­de­ckung, die schon et­was Zeit auf'm Bu­ckel hat und auf die ich erst jetzt ge­sto­ßen bin. Kein Wun­der, denn so rich­tig Wind drum ge­macht hat seit­dem auch nie­mand, die selbst­ver­öf­fent­lich­te Plat­te scheint sich fast voll­kom­men un­ter dem Ra­dar der Me­di­en be­wegt zu ha­ben. Noch die­sen Mo­nat soll das neue Al­bum der Band aus Se­at­tle er­schei­nen, bis da­hin be­gnü­gen wir uns mal mit die­ser tol­len hal­ben Stun­de Noi­se Rock mit leich­ten old­schoo­li­gen Post- und Math­co­re-Ein­flüsen, die man viel­leicht als ei­ne et­was zu­gäng­li­che­re Mi­schung aus The Je­sus Li­zard und frü­hen Shel­lec mit ei­ner leich­ten Di­sch­ord-No­te be­schrei­ben könn­te. Bin ge­spannt auf mehr.

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Island Twins - Spanish Blood

spanish blood
Sau­mä­ßig re­lax­ten, flau­schig war­men In­die­rock be­schert die­ses New Yor­ker Trio, der aber trotz­dem ge­nug Beu­len und Kan­ten auf­weist um nicht zur glat­ten Wohl­fühl­be­schal­lung zu ver­kom­men. In ei­ni­gen Mo­men­ten er­weckt die Plat­te As­so­zia­tio­nen an die Ga­ra­gen­pop­per King Tuff, kommt aber ganz gut oh­ne de­ren Re­tro-Ele­men­te aus. Ei­ne aus­ge­spro­chen son­ni­ge An­ge­le­gen­heit ist das rein Mu­si­ka­lisch, ge­kon­tert durch ei­nen klei­nen An­flug von Tod und Ver­der­ben in den Ly­rics. Da­mit wir auch ja nicht zu gut drauf kom­men.

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Worm Crown - Human Waste

worm cown
Worm Crown kön­nen kei­ne hal­ben Sa­chen. Sie den­ken nicht, sie ma­chen ein­fach. Mit Tun­nel­blick auf ein un­sicht­ba­res Ziel fi­xiert, kennt der Noi­se­punk der Band aus Mel­bourne nur ei­ne Marsch­rich­tung: Stur ge­ra­de­aus. Was ih­nen den Weg ver­sperrt wird ein­fach Platt­ge­walzt. Das ist Noi­se Rock in sei­ner ein­fachs­ten, je­doch viel­leicht auch ef­fek­tivs­ten Form. Die Songs sind auf ein Mi­ni­mum re­du­ziert, meist wird ein sim­pels­tes Mo­tiv mi­nu­ten­lang mit be­harr­li­cher Aus­dau­er auf die Ziel­ge­ra­de ge­wälzt. Doch was die Plat­te an Kom­ple­xi­tät ver­mis­sen lässt, macht sie pro­blem­los durch ih­re un­auf­halt­sa­me Wucht wie­der gut. Über­haupt ma­chen die Tex­tu­ren den be­son­de­ren Reiz die­ser Mu­sik aus, nicht ih­re ober­fläch­li­che Struk­tur.

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Marvin Berry & The New Sound - Bootleg

marvin berry and the new sound
Auch wenn es viel­leicht et­was ver­nied­li­chend bis ab­wer­tend klingt, Boot­leg, das De­büt­al­bum der Band aus Brook­lyn NY ist ein­fach ei­ne schö­ne, spa­ßi­ge Plat­te. So al­le paar Wo­chen kommt mir mal wie­der so ei­ne un­wi­der­steh­li­che Power­pop-Schei­be un­ter, mit ei­nem Sound der so alt ist, dass mei­ne El­tern sich nicht mehr dran er­in­nern, mit Ohr­wurm­fak­tor hun­dert und Po­phooks die zwangs­läu­fig die so­for­ti­ge Aus­schüt­tung von Glücks­hor­mo­nen trig­gern. Mar­vin Ber­ry & The New Sound ste­chen aber aus dem gan­zen noch­mal et­was raus, oh­ne ober­fläch­lich et­was an­ders zu ma­chen als ähn­li­che Bands. Es ist ein­fach die stim­migs­te Zu­sam­men­stel­lung von elf me­lo­di­schen Ro­ckern, die ich seit län­ge­rem ge­hört ha­be. Ge­er­det im be­reits er­wähn­ten Power­pop der 60er und 70er, mit dem Vor­wärts­drang von 77er Punk­bands ge­spielt, gu­cken mehr als ein­mal frü­he The Jam um die Ecke. Im ak­tu­el­len Um­feld füh­le ich mich auch stark an die Wa­shing­to­ner Title Tracks er­in­nert.

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