Eigentlich dachte ich das letzte was ich in meinem Leben bräuchte wäre noch so eine instrumentale Surf Rock-Platte, ein Genre dessen stilistisches Vokabular scheinbar seit dem ’50er/’60er Goldrausch nicht wesentlich und nur selten expandiert wurde und mir – noch schlimmer – oft vorkommt wie ein vollkommen zahnloser, domestizierter Aufguss seiner goldenen Ära. Nun schafft aber unverhofft diese Band aus La Cisterna, Chile das Wunder, mich doch mal für eine Surf-LP zu erwärmen, klingt sie doch nach einem sonnigen Surftrip… durch die fucking Hölle würde ich mal sagen und geht das Genre von einer Basis aus Noise-lastigem, Goth-infiziertem Post Punk und Death Rock an, was eine ungewohnte Energie und dringend benötige frische Luft in das uralte Genre einbringt. Im Kontrast zu gefühlten 99% von instrumentalem (und nicht nur Surf-) Rock’n’Roll, bei dem ich mir dringend eine Gesangsmelodie wünsche um die beweglichen Teile zu ordnen und verbinden, funktionieren die Arrangements auf diesem Album als eine in sich geschlossene Einheit. Die dramaturgisch dichten Kompositionen und die elektrifizierenden Gitarrenleads erzählen ohne Mühe ihre eigene Geschichte, die sich am besten ohne Worte kommunizieren lässt.
Ein irrsinniger Spaß, die Debüt-EP dieser Band aus St. Louis, Missouri, die ziemlich exakt so klingt wie… eigentlich keine andere Band, was in unseren stark genre-kodifizierten Zeiten eigentlich zu den besten Komplimenten gehört, die man machen kann. Vielmehr werden hier auf relativ freidrehende Art vertraute Bausteine des Synth-versifftem Gararage Punk von variabler Eierigkeit zu einem saumäßig catchy klingendem, kohärenten Ganzen verschweißt, das an diversen Stellen mal an so Bands wie Skull Cult, Print Head, Warm Bodies, Rearranged Face, Snooper oder Wax Minds erinnern mag.
Kann eigentlich nie viel schiefgehen wenn Sorry State und Drunken Sailor Records gemeinsame Sache machen! The Hell aus Cleveland erzeugen auf dieser EP ein feines Konzentrat aus Hardcore, der auf den ersten Blick etwas generisch oldschool erscheint und in etwa die Merkmale von früh-80er Ost- und Westküste vereint. Bei genauerer Betrachtung gehen diese Songs aber weit über den Aufwand des durchschnittlichen Retro-Neuaufgusses hinaus, sind dicht beladen mit infektiösen Hooks und unerwarteten Schnörkeln und Wendungen. Jene kulminieren dann in dem fünfminütigen Rausschmeißer Dirt Nap, der zuerst den Drang und die Energie alles zuvor gehörten über Bord zu werfen scheint zugunsten eines schleppenden, leicht Flipper-mäßigen Proto-Noise Rock und Sludge-Sounds, bevor er um die zwei-Minuten-Marke dann doch abrupt in den Gänge kommt und für einen intensiven Spannungsausgleich sorgt.
Diese Band aus Bordeaux, Frankreich fällt auf den ersten Blick nicht allzu sehr aus der Reihe gegenüber dem omnipräsenten Grundrauschen an französischen Bands, die jene einfach gestrickte Formel aus leicht Oi!- und Post Punk-geprägten, eingängigen Punkhymnen durchziehen. Aber meine Fresse, treffen die Herrschaften hier mal jeden Nagel auf den Kopf auf ihrem Debüt-Kurzspieler und holen so ziemlich den optimalen Wumms aus einem relativ restriktiven und vorstrapazierten Subgenre. Ich würd mal sagen Freude von so Bands wie Telecult, Litovsk, Bleakness or Nightwatchers sollten sich das keinesfalls entgehen lassen!
Die Zeit seit dem der letzten Mischkassette war ja mal kompletter Irrsinn (leider nicht nur was Musik angeht…) und deshalb führt jetzt auch kein Weg vorbei an einem dieser doppelt beunruhigenden Ausgaben für Zeiten, in denen eine C-90 der Veröffentlichungsflut einfach nicht gerecht wird. Und meine Fresse, es sieht ziemlich danach aus als ob die kommenden Wochen nicht viel ruhiger werden. Aber jetzt beißt einfach mal kräftig in diese 64 Tracks, denn zumindest wenn meine Release-Radar nicht komplett dabeben liegt, sollte das nächste Tape nicht lange auf sich warten lassen.
Tracklist
Doom III Outside Dogs American Muscle Smokin Hot TY Stuck Bermuda Squares Asphyxia Lost Legion Gone Rough Francis Summer Sun Conspire Compromised Punter Ask The Community Pyrex Digits Irritant Točka Pucanja Amargao Amargao Estoy Benzin Immer Noch The Martha’s Vineyard Ferries Context Piss Wizard Walls Fugitive Bubble E.F.T.I.O. Caustic Phone Baby Secret Perk Won’t Work Society Scum Therapeutic Violence End State Unencumbered Weapon Nourishment A Shrine Silent
Tracklist
Butter Swamp Mclovin Beer Johnny Cakes Cryptic Rot Stone Fruit Raya Niebla Garbanzo Racecar Billiam Wesfarmers Song Gurk Reel Steel Spoonful Robot Hell Shrudd Stagnant Amor, Muerte Y Leonora No Love No Love Dümmel Nothing There’s Motionless Strawberry Moon Easy Target Juicin Can’t Kick It Taker Work Transistors Consolation Prize Yuasa-Exide Monologue
Tracklist
Delta Van Del New Set Of Rules Silicon Heartbeat Mutations Piggy Bank Unknown Head T.A.C.K. Truck Brother Tyvek I’ve Got TV Ugly Sounds I’m Not Like You Neo Neos Altoona Beach – See/Saw Game Set Match Hang Out With You CPC Gangbangs Rock’n’Roll Enemy No. 1 Wesley & The Boys Spy Baghed Throw The Babies in The Fire Cult Crime Suburban Violence Public House Death Van Meow Meow and the Smackouts Bubonic Babe Pat and the Pissers Progress
Tracklist
Polyglots Transmission Radio Silencieuse Joaco Van Vidas Pasadas Dehidratált Fejek Szolidaritós Dal Marathon ’77 Artifact Street Sweeper Just Don’t Work Robbie Thunder Only Tonite TFA No Discman Deebeat Ramone Idonwunnadi3 Winky Frown I Stimmed Into My Weight Loss Goal The Roxies Lost Control Glitter On The Mattress Because I’m Nice AutoCenter So Long The Men Charm
Wo wir schon von Pyrex reden… diese Platte ist relativ nah an dem Sound, ich ursprünglich bezüglich ihrer neuen LP vermutet hätte. Relativ verwinkelter Post Punk, der ziemlich tief in Genre-Traditionen der vergangenen zwei Jahrzehnte verwurzelt scheint und nicht unähnlich klingt zu so Bands wie den frühen Marbled Eye, Rank Xerox, Institute, Bruised, Negative Gears, Tube Alloys, Public Interest, Corker, Sarcasm oder neulich auch NRG. Also klar, das hier schlägt keine allzu neuen Wege ein aber trifft dafür 100% ins Schwarze als ein sebstsicherer, überduchschnittlicher Genrebeitrag mit ultra-robuster, solide gebauter Songarchitektur und durchaus einiger stilistischer Vielfalt, was sich etwa im Elektro-lastigen Mittelteil und dem deutlich roheren, energischen dritten Akt äußert. Fraglos eines der mühelos funktionalsten Alben, die mir in letzter Zeit begegnet sind.
In jenen gewissen Post Punk-Spären, in denen es zum gewohnten Vorgehen gehört, dass Bands mit jeder Veröffentlichung etwas aufwändiger und polierter klingen, fallen Pyrex etwas aus dem Rahmen indem sie genau den umgekehrten Weg beschreiten mit ihrer zweiten LP, auf welcher – wenn man die soliden Produktionswerte mal außen vor lässt – sich ihre bislang rohesten und primitivsten Lärmattacken entladen. Der beste Vergleich der mir dazu gerade einfällt ist der dreckige Krach der frühen Nag, ein Rezept der schieren Überwältigung und verzweifelten Energie, das mit einem Minimum an musikalischer Substanz auskommt und was soll ich sagen… Die simple Formel macht maximal Bumm!