Hier ist mal ein verdammt arschtretendes Überbleibsel von letzter Woche, zu dem ich aber nicht vor dieser Woche kam und ehrlich gesagt hätte ich es von Anfang an besser wissen müssen, haben finnische Noise Rock-Bands doch eine ausgesprochen gute Bilanz gezeigt in der Vergangenheit und auch diese Platte hält was sie verspricht. Neben den obligatorischen Vergleichen zu frühen Shellac und Rapeman fallen mir als die nächstbeste Referenz mal die ebenfalls in Helsinki beheimateten Bands Fun und Baxter Stockman ein, weshalb es mich dann auch kein bisschen Überrascht hat zu erfahren, dass auch in diesem Trio mal wieder Mitglieder von beiden Bands versammelt sind. Im geringeren Ausmaß lässt sich darüber hinaus auch noch ein bisschen Jawbox oder Jesus Lizard darin wiederfinden und man liegt sicher auch nicht ganz daneben, wenn man Parallelen zieht zu jüngeren US-Bands wie Multicult, Help, Hoaries oder auch unserem heimischen Genre-Wunder Trigger Cut.
Vom neuesten Bündel an Releases auf Inscrutable Records hat ja mal klar die Evinspragg-Platte die meiste Aufmerksamkeit abbekommen – teils aus durchaus gerechtfertigten Gründen, teils aus eher ärgerlichem Drama-induziertem Anlass. Aber wenn ich ehrlich sein soll beißt jene Platte dann doch etwas mehr ab als sie zu schlucken vermag und versandet nach ihrem spektakulären Start mehr oder weniger auf halber Strecke. Nein, mich zieht es dann doch eher zu den anderen beiden Veröffentlichungen des Labels, zu denen auch das Langspieldebüt von Johnny Skin gehört. Der kreiert darauf eine verträumte und supereingängige Melange, welche die überlebensgroße Melancholie und Sehnsucht von ’50er-’60er Bubblegum Pop-Balladen in eine minimalistische Ästhetik aus vintage elektronischen LoFi-Drumbeats und Synths transportiert, die fraglos unvermeidliche Vergleiche zu Suicide und Métal Urbain hervorrufen wird, im stetigen Wechsel mit ungleich lärmigeren und dissonant No Wave-igen Nummern, die mehr mit so alten Synth Punk-Pionieren á la Primitive Calculators und Nervous Gender gemein haben und mit dem experimentell-psychedelischen Krach etwa von Theoretical Girls, Chrome oder MX-80.
Es waren schon wieder zwei ausgesprochen produktive Wochen für mehr oder weniger Hardcore-mäßigen Lärm und deshalb sind in diesem Post gleich noch mal vier besonders erwähnenswerte Exponate versammelt, die einen Bogen spannen vom oldschoolig-garagigen Ende des Spektrums hin zu ganz unverblümt Metal-verseuchten Randgebieten. Als erstes hätten wir da mal das neue Tape von Flower Power aus Dublin, Irland, die darauf fünf kraftvolle Einschläge aus schön rohem LoFi-Krawall verursachen, der scheinbar mit einem Bein in der Tradition von so unkonventionellen Hardcore-Acts wie z. B den frühen Flipper, Broken Talent, Noxious Fumes stehen oder – in etwas jüngerer Zeit – Soupcans, Stinkhole oder Vulture Shit, und mit dem anderen Bein in alten KBD-Artefakten der Marke Mentally Ill, Endtables und Executives in einer stimmigen Verschmelzung von Hardcore-Energie und Garage Punk-Drive. Eine ungleich grimmigere Stimmung strahlen dann die Songs von Mother Nature aus Leeds, England ab, deren Punkgeschosse so einiges von einem Post Punk-, Death Rock- und Noise Rock-Vibe beinhalten, was mich unter anderem ein wenig an Acrylics, frühe Bad Breeding und die Australier Arse erinnert. Cheap Heat aus Schenectady, New York schlugen hier bereits ordentlich ein mit ihrem ausgezeichneten 2022er Demo und auf ihrer neuesten EP nehmen sie die Stränge an der gleichen Stelle wieder auf einem Sound, der von einer Hardcore-Basis aus sich großzügig durch Jahrzehnte von Motörpunk, Sleaze Rock und Speed Metal plündert. Die resultierende Gesamtästhetik ist nicht ganz unähnlich zu so Bands wie Cülo, Cement Shoes, Tarantüla und Polute. Zu guter Letzt wäre dann noch die Metal-lastigste Band im Pack zu nennen, nämlich Dart aus Oulu, Finnland, die hier einen weiteren Eintrag in den relativ jungen Kanon von Bands ausmacht, die erfolgreich die Kombination von Punk und Metal zu rehabilitieren verstehen indem sie im Metal den Punk erkennen und herausarbeiten, anstatt unsubtil dem Punk einen generischen Metal-Anstrich zu verleihen, wie es sonst leider meistens der Fall ist. Das Resultat ist wie ihr euch denken könnt durchzogen von einem starken NWOBHM-Vibe und sollte oldschool Metalheads gleichermaßen ansprechen wie auch Freunde aktueller Punk-Acts wie etwa Poison Ruïn, Punter, Ninth Circle, Polute, Hög und Steröid.
Wie bereits auf dem brillianten 2023er Demo konfrontieren uns Zero Bars aus Toronto auf ihrer neuesten EP wieder mit einer beachtlichen Wucht, die igendwo in den überlappenden Regionen von Garage Punk, Hard- und Postcore beheimatet ist und einiges von einem altmodischen Hot Snakes-Vibe hat, zusammen mit kleineren Fetzen von Bands wie Ascot Stabber, Flowers Of Evil, Piss Test, Nervosas und Mystic Inane um nur ein paar zu nennen.
Irgendwie hab ich’s verpeilt über die vorherige Monda-LP zu posten, also nehme ich diese neue EP mal zum Anlass daran zu erinnern, dass es den Typen noch gibt und dass er weiterhin ausgesprochen coolen Scheiß fabriziert. Es handelt sich hier um den schnörkellosesten und eingängigsten Release seit einer Weile mit fünf unbestreitbaren Ohrwürmern zwischen den groben Koordinaten von oldschooligem Indie Rock, Garage Punk und Power Pop, der überwiegend eine melancholisch-verträumte Atmosphäre versprüht. Also wie üblich hochwertiger Stoff, der mich diesmal besonders an die Power Pop-Overlords Vacation aus Cincinnati erinnert.
Zwar etwas verspätet, aber Molbo aus Oslo haben dann letztendlich ja doch noch mal ganz schön Wellen geschlagen mit ihren 2023/’04er EPs nachdem jene gemeinsam von Erste Theke Tonträger auf Vinyl wiederveröffentlicht wurden. Insgesamt hat sich ihr Sound seitdem nicht allzu sehr verändert, aber dennoch ist ein stetiger Feinschliff zu erkennen auf ihrer neuesten EP, die ihren Style zu einem robusteren, konsistenteren Gesamtbild konsolidiert. Wie gewohnt verwebt das Zeug die Stränge von Garage-, Post- und Egg Punk, Death Rock und Dungeon Punk zu einem ganz schön einfallsreichen und wunderbar unförmigen Genre-Bastard und festigt damit ihre eigene kleine Nische in der gegenwärtigen Egg-/Dungeon-Landschaft.
Die neueste EP dieser Band aus Indianapolis ist fraglos ihre stärkste Veröffentlichung bislang, auf der sie die stärker geradeaus rockenden Sounds der Vorgänger weitgehend hinter sich lassen und den Energielevel empfindlich reduzieren im Austausch gegen eine vergleichsweise relaxte Machart von Garage Rock, der gleichermaßen Inspiration zu schöpfen scheint aus Paisley Underground-mäßigem Jangle Pop und britischer Psychedelia. Und was soll ich sagen, die neuen Songs lassen keinen Zweifel daran, dass sie es ernst meinen damit. Es ist ein ausnahmslos hochklassiges Bündel von zurückgelehntem, psychedelischem Pop, saumäßig catchy ohne dabei jemals Gefahr zu laufen auch nur annähernd kitschig und überzuckert zu klingen – ein bisschen wie eine Mischung aus, sagen wir mal, Good Flying Birds und White Fence, oder vielleicht auch eine noch einmal viel gelassenere Version der aktuellen Power Pop-Überflieger Sharpnel und Dumbells.
Was für eine verdammt lahme Woche wäre es denn ohne eine neue Eggpunk-Veröffentlichung? Diesmal werden wir versorgt von einer Band aus Indianapolis, die sich hier stilistisch nicht allzu sehr aus dem Fenster lehnt aber nichtsdestotrotz eine spaßige, grundsolide Variante des Genres spielt und einen Sweet Spot findet irgendwo zwischen den Sounds von frühen Prison Affair, Deebeat Ramone, Beta Máximo, Midgee, Goblin Daycare und Winky Frown. Der Scheiß funktioniert einfach, da ist nichts dran zu rütteln.
Ratonera Humana Subnormal Bart And The Brats Pigeonholed Horns Soon Public House Twist The Knife Beer Pine Barrens Snarewaves ABV Socke Wien oder Berlin Gerber and the Babies Paranoia Snooper In The Dark Negative Outlook Nausea, Spilling Through My Veins Chemical Bank New American Dark Age/Everything Is Hate The Bad Plug Moon Flower Fields 20 Minutes Drop the Bomb Krul A Body Worst Intentions Association Necron 9 Not Me SSIK Inferior Health Nourishment Warm And Rotting
Tracklist
Cringe Fantasy Pop Music Ruined My Life Mr. Piss Knife Fight Trigger Cut Crash Crew Fugitive Bubble Ego Drip Jacket Burner Nothin’ To Me Teo Wise Colpo in Canna Dirty Fences Running Again Steroid Rotting In The Prison Power Pants I Wanna Be More Mr. Pescado Wet Books Dauber Metal Rectangle Flèches Effacé.e Par La Foule Window Phase Guy Ferrari Dad Joke Dad Joke Slick Lake Day
Nach langem Warten ist er endlich hier: Der erste Langspieler von Gordo Blackers a.k.a. Steröid aus Sydney, der in der Vergangenheit unter anderem auch schon in so Bands wie Draggs und Gee Tee aktiv war. Gute drei Jahre nachdem die Debüt-EP ein amtliches Loch in die Burgmauern des Lo-Fi Egg- und Dungeon Punk gesprengt hatte, bleibt ihr Sound ein ziemlich einmaliges und gleichermaßen jedoch ausgesprochen simples Konzept, nämlich die Verschmelzung von spaßig-schrägem Garage- und Eggpunk mit den catchy Hooks und Riffs des ’80er Metal und Arena Rock. Das Resultat ist ein stark berauschendes Gebräu von so hohem Suchtfaktor, dass es eigentlich verboten gehört! Wie üblich bei eigentlich allem was mit Metal zu tun hat, bin ich schlecht ausgerüstet um spezifische Wurzeln und Einflüsse zu benennen, weshalb ich es hier lieber dabei belasse dabei zu sagen, dass diese Songs saumäßig und ausnahmslos auf die Scheiße hauen und dass die zweite Hälfte der Platte eine willkommene Abwechslung darstellt, wenn die stilistischen Parameter ein bisschen flexibler, differenzierter und abenteuerlicher werden nach dem ausgesprochen geradlinigen Hitmarathon auf Seite A, präsentiert in einer ultra-trockenen Mid-Fi Klangästhetik, die im Vergleich zur vergangenen EP eine neue Schärfe und Klarheit bringt ohne dabei irgendwas zu verwässern. Ganz im Gegenteil, der Scheiß klingt absolut perfekt wenn ihr mich fragt!
Die Band aus Olympia, Washington war schon immer eine aufregende Achterbahnfahrt mit ihren zwei vergangenen EPs und einem Langspieler, allesamt erschienen auf der immer exzellenten Kassettenschmiede Impotent Fetus. Nach einer Wiederveröffentlichung des ersten Albums auf Vinyl via Sorry State Records, ist nun auch dessen Nachfolger wieder bei dem Punkbollwerk aus Raleigh, North Carolina erschienen und wie es zu erwarten war bleibt ihre hyperaktive Mischung aus Art- und Garage Punk, Hard- und Postcore eine spannende und überwältigende Attacke auf die Sinne. Gleichermaßen unvorhersehbar, schlau konzipiert und abwechslungsreich, erinnert mich das vereinzelt mal an etwas unkonventionellere alte Punk- und Hardcore-Hausnummern wie Tragic Mulatto (ganz besonders in Failed Experiment), Really Red und Saccharine Trust einerseits, aber nicht weniger auch an jüngere Phänomene wie Mystic Inane, Warm Bodies, Launcher, Vexx, Rolex, Cucuy oder Big Bopper.
Diese Band aus Evesham, New Jersey hat sich bereits eine sehr substanzielle Bandcamp-Diskografie aufgetürmt, aber verdammt, ist das das hier mal ein massiver Qualitätssprung auf ihrer neuesten LP. Darauf schichten sie eine dichte Wand aus eingängigem Noise Pop und Fuzz Punk auf, irgendwo zwischen so Acts der Nuller- bis 2010er Jahre á la Milk Music, Male Bonding und No Age einerseits und andererseits Dinosaur Jr. der goldenen Ära in den ’80ern, aber mit dem spezifischen Unterschied, dass hier wirklich jeder Song weniger die introvertierte Nasalität von J Mascis zu channeln scheint als das verzweifelte Geschrei Lou Barlows im wütenden Rauswerfer-Track der Bug LP, Don’t. Darüber hinaus geht da auch schon mal ein wenig frühe My Bloody Valentine-Action ab etwa in Boy Christening, wohingegen Mark Prindle einen Vibe von The Wedding Present mitbringt, die hier aber in eine ausgebombte Post Punk-Hölle tansplantiert werden.