Nach einer schon durchweg vergnüglichen Debüt-EP von 2023 trifft die neue LP dieser Band aus Kansas City aber mal ganz eiskalt meinen Nerv mit ihren überraschend flexiblen, wandlungsfähigen Lärmattacken, in denen ein Hauch von oldschooligem US Westküsten-Style auf Echos von frühen Minutemen und solchen (Proto-) Postcore- und (Proto-) Noise Rock-Acts wie etwa Flipper, Really Red oder Saccharine Trust trifft. Deren unkonventioneller Style mutiert dabei aber zu einem ausgesprochen KBD-getränkten Garagenvibe, der sich genau so gut auch mit aktuellen Referenzen á la Launcher, Mystic Inane, Cutup, Fugitive Bubble, Rolex, Cucuy oder Flea Collar umschreiben ließe.
Oi! aus Frankreich hat sich in den letzten Jahren ja zu einem Synonym entwickelt für einen exzellenten Qualitätslevel in einem Genre, das ich vor einem guten Jahrzehnt noch mit gutem Grund wie die Pest gemieden hätte. Ich muss einräumen, auch die aktuelle Inkarnation des Genres kann sich manchmal noch etwas gleichförmig und formelhaft anfühlen, aber das ist mal definitiv kein Attribut, das ich dieser Band aus Nantes unterstellen möchte. Deren zweites Album beginnt zwar recht oldschoolig mit einem leicht Gun Club-mäßigen Garagenvibe gefolgt von einem weiteren guten, aber doch recht stark nach Genre-Strickmuster klingenden Track, bevor die nachfolgenden Songs dann aber zunehmend eine eigenständige Qualität entwickeln, ausgiebig die Grenzen des (zugegeben, immer noch relativ limitierten) kontemporären Garage-/Oi!-/Post Punk-Rahmens ausloten und ihm doch einiges an Abwechslung abgewinnen – nicht zuletzt auch wegen reichlich Song-basierter Sprengkraft unter der Haube – so dass niemals Langeweile aufkommt.
Hochwertiger deutschsprachiger Garage Punk ist und war ja noch niemals eine Nische aus dem man mit besonders reichhaltiger Auswahl konfrontiert würde, aber dieser Typ (oder Band?) aus Ludwigsburg vollbringt dieses unwahrscheinliche Wunder mit Leichtigkeit auf seiner neuen (digitalen) 2-Track-Single, beide Songs für sich jeweils schon ein Instant-Hit und künftiger Genreklassiker. Der erste davon hat einerseits eine ganz subtil Egg-mäßige Qualität mit an Bord, obwohl mich die Gesangsharmonien und Gitarrenarbeit hingegen besonders and die jüngsten Veröffentlichungen der ganz und gar nicht eierigen Dumpies und Eye Ball erinnern. Der vergleichsweise melancholische zweite Track beinhaltet viele der gleichen Qualitäten, ruft mir aber besonders alte Marked Men und Radioactivity ins Gedächtnis. Ich mein’s ernst, so verdammt gut ist der Scheiß.