Explosives Zeug von einer Band die vermutlich aus Norfolk, Virginia daherkommt. Stilistisch irgendwo zwischen den Stühlen Postpunk/-core, Noiserock, Mathzeug und etwas Sludge angesiedelt, gehen die ideenreichen zwanzig Minuten um wie im Flug. Besonders die erste Hälfte mit ihren im Schnitt einminütigen Attacken wirkt wie aus einem Guss, man merkt kaum dass da ganze acht Songs mal eben so an einem vorbeigerauscht sind. Im zweiten Teil wird das Tempo dann etwas gemächlicher, die Stimmung mieser und die Songs montotoner. Auch das steht ihnen gut
Kaum zu glauben, aber heute vor einen Jahr hab ich hier den ersten stümperhaften Beitrag ins Web erbrochen. Dran glauben mussten die Italiener Tiger! Shit! Tiger! Tiger!. Zwölf Monate. Das sind zwölf Internetjahre. Hatte eigentlich fest damit gerechnet, dass ich nach den ersten paar Wochen das Handtuch werfen würde, aber das Bloggen ist so sehr zur Gewohnheit geworden, dass ich gar nicht mehr wüsste, womit ich sonst meine Zeit verschwenden sollte. Und Überraschung: Ein paar Leute tun sich das Zeug hier sogar freiwillig rein und die monatlichen Zugriffszahlen bewegen sich inzwischen ganz komfortabel im vierstelligen Bereich. Keine weltbewegenden Zahlen, klar. Aber für so ‘n Nischending und dafür, dass ich komplett auf aggressiven SEO- und Promo-Scheiß, etc. verzichte und hier wirklich tun und lassen kann worauf ich gerade Bock habe, bin ich damit für’s erste schon ganz zufrieden. Außerdem war Oktober der besucherstärkste Monat bisher, der November ist schon auf der Überholspur.
Ansonsten verzichte ich hier mal auf alberne Festivitäten und mach einfach genau so weiter wie bisher. Es kündigt sich gerade schon das alljährliche Weihnachts-/Winterloch an und erfahrungsgemäß werden die nächsten 1-2 Monate etwas ärmer an interessanten Veröffentlichungen. Daher nicht wundern, wenn ich in nächster Zeit mal einen Gang runter schalte.
Werdet stattdessen doch mal selbst aktiv, ihr passiven, schreibfaulen Drecksäue. Füttert mal etwas das Ego des kleinen Scheißers 12XU z.B. indem ihr Kommentare ins Kommentarfeld reintut. Dafür wurde so was früher nämlich mal benutzt bei Blogs und so ‘ner alten Klöte wie mir wird bei sowas voll warm ums Herz und ausgesprochen nostalgisch zumute. Oder schwört mir auf Facebook ewige Treue oder wie auch immer man den ganzen neumodischen Scheiß gerade nennt. Folgt mir auf Twitter. Verlinkt mich auf euren Blogs. Und wenn ihr keins habt: Warum verdammt noch mal nicht? Ich kann doch nicht immer nur mich selbst lesen. Die Welt braucht mehr unprofessionelle Krachblogs. Also los los, besorgt euch ein halbes Pfund Webspace oder registriert euch bei den einschlägigen Blogplattformen. Dann scheißen wir das Web gemeinsam voll.
Zwei volkstümliche Gassenhauer für die Skihütte mit leichten Spuren von Kraut- und Spacerock von den australischen Flippers. Ich hoffe doch schwer dass es ihnen zügig gelingt, den Schlagersumpf per telepatischem Eurovisions-Satellit mit ihren hypnotischen Grooves zu unterwandern und mit ihrer warmen Herzlieberomantik zu neutralisieren.
Klangästhetisch ist das meiste beim alten geblieben auf dem zweiten Album der New Yorker Noise-Sludge-Fuzz-Midtempo-Black-Post-Hardcore-Punk-Band. Aber qualitativ haben sie gewaltig zugelegt und eine Platte ohne Füllmaterial eingespielt. Auch wenn die vielen Interludes die ansonsten nur acht Songs lange Platte etwas wie eine Mogelpackung erscheinen lassen. Veredelt wird’s durch eine angemessen räudige aber doch druckvolle Produktion.
Outrageous Cherry machen schon ziemlich lange die Konzertkeller von Detroit unsicher. Seit 1992 gibt’s die Band schon und das hier ist bereits ihr zwölftes Album. Nicht dass ich davon irgendwas mitbekommen hätte… Auf der Platte fabriziert das Quartett jedenfalls leicht LoFi-mäßig produzierten Retro-Powerpop mit einem gewissen British Invasion- und R’n’B-Einschlag. Wenn man Bands wie Resonars, Guided By Voices, Kinks und Apache Dropout zusammen verrührt, könnte so ein ähnlicher Sound bei rauskommen. Sowas steht und fällt natürlich mit der Qualität der Songs. Die ist hier durchgehend sehr hoch.
Schöner Noisepunkscheiß von einer Band aus New Orleans. Straight und eingängig, bedient sich das ganze sowohl beim Postcore der späten 80er und alter Noiserock-Schule, wird aber letztendlich von einem Herz aus räudigem Garagenpunk zusammengehalten und vorangetrieben.
Schon wieder Qualität aus dem Hause Goner Records. Sängerin und Gitarristin Natalie Hoffmann hat bis vor kurzem noch den Bass bei Ex-Cult bedient. Von deren dreckigen Postpunk hat sich auch so einiges auf ihre aktuelle Band abgefärbt, insbesondere was den dissonanten Gitarrensound angeht. Mit ihren neuen Mitstreiterinnen verbricht sie eine tendenziell etwas gradlinigere, reduziertere Variante davon, die aber genau so zu überzeugen weiß. Der sehr stimmige Orgel- und Synth-Einsatz verleiht dem ganzen dann eine angenehme Garagen-Affinität.
Hinter dem Projekt Dream Police steckt niemand geringeres als Mark Perro und Nick Chiericozzi, ihres Zeichens eine Hälfte von The Men. Deren Hauptband ist ja schon ziemlich berüchtigt für unvorhersehbare Stilwandlungen, von der ungestümen Krawallkapelle über unberechenbaren Indie-und-Kraut-Eklektizismus hin zum formvollendeten Retro-Rock ihres letzten Albums. Hier stopfen die beiden noch mal alles mögliche rein, was selbst im The Men-Klangkosmos wohl keinen Platz mehr gefunden hat. Ausufernder Spacerock. Monoton groovende Hard-/Krautrock-Fusionen. Verträumte Folk-Psychedelia und vor sich hin stampfende Blues Jams. Pouring Rain ist ein Astreiner Wave-/Shoegaze-Hybrid. Man braucht sich wohl keine Sorgen machen, dass den Jungs so bald die Inspiration ausgeht.
Das schwächste an dem Debütalbum von Tyrannosaurus Dead aus Brighton ist der etwas schläfrige Einstieg. Relaxtes Pavement-Geschrammel steht diesen Jungs und Mädels einfach nicht wirklich und die etwas dünne Produktion tut der Sache dabei auch keinen Gefallen. Der Rest der Platte hingegen ist ein fast perfektes Indie-/Noisepop-Album, das zwar gar nicht erst versucht aus den engen Grenzen des Genres auszubrechen, die beschränkten Mittel aber sehr gekonnt auszuschöpfen weiß. Am etwas gewöhnungsbedürftigen Gesang werden sich die Geister scheiden, ich find’s aber ganz charmant so. Freunde von Joanna Gruesome oder Gold Bears sollten mal zwei Ohren riskieren.
Googelt man nach dieser Platte stößt man überwiegend auf gebrauchte Mobiltelefone, natürlich in ausgezeichnetem Zustand. Aber zumindest kann man in Erfahrung bringen dass Cellphone aus Toronto kommen und dass ihre neue Platte auf Telephone Explosion erschienen ist, dem geschmackssicheren Label das uns unter anderem die Teenanger-Alben beschert hat. Die Musik sitzt ziemlich zwischen allen Stühlen. Kraftvoller Punkrock mit deutlichen metallischen Unter- und Obertönen, wavigen Synth-Einwürfen und ein ganz klein wenig abgespaceter Psychedelia. Als wenn Destruction Unit die bunten Pillen ausgegangen wären. Das ganze dann mit Bad Brains und Devo in einen Topf geworfen, oder was auch immer. Macht euch selbst ‘nen Reim drauf. Schönes Ding.
Fuzzlastiger Noise-/Indierock von einem Bass-und-Schlagzeug-Duo aus Chicago. Das könnte man sich in etwa so vorstellen wie eine sehr eingängige minimal-Version alter McLusky-Schinken, inklusive dem zugehörigen Schalk im Nacken.
Düsterer Postpunk aus Sydney mit einem gewissen Goth- und Deathrock-Vibe. Und zwar welcher von der übelriechenden, kontaminierten Sorte, den man lieber nicht ohne Handschuhe anfassen möchte. Weil man sich schon beim ersten Blickkontakt dreckig fühlt. Abartig und ausgezeichnet.
The Blind Shake kommen aus Minneapolis und spielen die brachiale Art von Garagenpunk, die sich nicht mit subtilen Feinheiten oder anderem überflüssigem Scheiß beschäftigt. Die Platte ist eine unaufhaltsam vorwärts rollende Wucht. Viel treibender, simpler und effektiver geht’s kaum. Wenn das Qualitätssiegel von Goner Records drauf pappt, wird man selten enttäuscht. Und auch diese Platte passt in den Labelkatalog wie Arsch auf Eimer.
Das australische Label Homeless Records beschert uns den neuen Langspieler der wunderbar kruden Subtle Turnhips aus dem französischen Orléans. Das ist sehr exzentrischer Post-/Garagenpunk irgendwo zwischen dem repetitiven genudel von The Fall, dem schrägen Experimentalpunk der Swell Maps und dem abgefuckten Garagen-Gedresche von Eddy Current Suppression Ring.
Per email kam hier gerade das Demo dieser Berliner Band reingeflattert und das hat’s in sich. Wahnsinnig vorwärts drückender Punkrock mit Elementen aus der Noise- Post- und Emocore-Ecke. Das klingt zuerst in etwa so als hätte man frühe Iceage-Platten oder die erste Lower EP mit melodischem 90er (Emo-)Punk á la Samiam verquickt. In anderen Momenten erinnert’s mal an Noisepunker wie Vulture Shit oder Soupcans, an den dissonanten Postcore von Rites Of Spring oder aktuelle Genre-Grenzgänger wie Criminal Code. Geiles Zeug, von dem man hoffentlich in Zukunft noch mehr zu hören kriegt.