Dead Tenants – LPII

Dead Tenants aus New York machten schon auf ihrem selbstveröffentlichten Debütalbum vor vier Jahren ganz schön was her. Auf Already Dead Tapes And Records ist nun ihr zweiter Langspieler als Tape und digital zu bekommen. Da setzen die noch mal ordentlich einen drauf und ihre recht abgefahrene Mischung aus Noiserock, Post Punk und -core kommt darauf verdammt kompakt und kurzweilig rüber. Bands, die willkürlich mit krummen Takten und Polyrhythmen hantieren gibt es in ihrem Genrespektrum wie Sand am Meer. Aber solche, bei denen das ganze auch noch musikalischen Sinn ergibt und den kantigen Strukturen zum Trotz so verdammt arschtretende Grooves fabriziert… Solche Bands sind rar gesät.

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Swearin‘ – Fall Into The Sun

Ist ja auch schon ’ne Weile her, seit wir zum letzten mal was gehört haben von der Band um Allison Crutchfield, der Schwester von Katie Crutchfield welche zwischenzeitlich mit ihrem Projekt Waxahatchee auch schon einiges an Beachtung erfahren hat. Seitdem Swearin‘ weitgehende Funkstille walten ließen sind ja gefühlte hundertunddrölfzig Bands aufgepoppt, die ihnen ziemlich ähnlich klingen, ohne dass viele davon auch nur annähernd ihr starkes Songniveau erreichten. Auf ihrem jetzt erhältlichen dritten Album verlangsamen Swearin‘ die Gangart zu einem relaxt (indie-)rockenden Schlendertempo und lassen sich damit etwa irgendwo zwischen alten Jawbreaker und Superchunk einordnen, vielleicht noch ein bisschen Weakerthans oder spätere Thermals obendrauf. Die Songs werden natürlich mal wieder ihrem ausgezeichneten Ruf gerecht und machen auch im etwas gemäßigteren Klangkostüm eine sehr gute Figur.

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Nearly Dead – Something Stronger

Auch auf ihrem neuesten Album scheren sich Nearly Dead aus Victoria, Kanada einen Dreck um Schönklang, Publikumserwartungen und Zugänglichkeit. Ihr maximal räudiger, monoton-repetitiver Mix aus Noise Rock, Fuzz und Sludge strapaziert die Geduld und Nerven des Hörers, ist so penetrant dass man ihn einfach nicht mehr ignorieren kann und bleibt schwer im Magen liegen als hätte man zwei Kilo Beton gefressen. Seid ihr mal an einer dunkelbraunen Pfütze vorbeigelaufen und dachtet euch: „Cool, da leg ich mich jetzt mal rein.“? Eine ähnlich verlockende Wirkung entfaltet diese Musik. Abartig im schönsten Sinne.

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Dry Cleaning – Sweet Princess

Ein ausgezeichnetes Debüt-Tape hat hier eine londoner Band rausgehauen, deren Postpunk sich sowohl stark von der düsteren Schule der vergangenen Jahre unterscheidet als auch dankenswerter Weise von der funky überdrehten Herangehensweise, die gerade auf der Insel ja wieder sehr en vogue ist. Stattdessen gibt sich ihr Sound zur Abwechslung mal ausgesprochen bodenständig, groovt sehr entspannt und trocken, gelegentlich aber auch mal ganz tanzbar vor sich her.

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Crumb – Community Service

Crumb aus Vancouver wussten mir schon auf ihrem Demo vor ’ner ganzen Weile ganz gut zu gefallen und auch ihre aktuelle EP ist eine schön kurzewilige Angelegenheit in ihrer Mischung aus oldschooligem Hardcore, Post Punk und -core, bei dem Freunde z.B. von Acrylics oder Bad Breeding ruhig mal ein Ohr riskieren dürfen.

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Amyl And The Sniffers – Some Mutts (Can’t Be Muzzled)

Der neueste Kleinscheiß der Punks aus Melbourne hat natürlich mal wieder jede Menge 77er-Hummeln im Allerwertesten. Some butts can be buzzled.

Constant Mongrel – Living In Excellence

Ich hatte diese Band schon fast wieder vergessen, gute sechs Jahre nach ihrem Debüt und auch schon fünf seit ihrem zweiten Langspieler. Jetzt sind die jedenfalls wieder da und haben ein saustarkes Album Nummer drei am Start. Dessen Sound bewegt sich irgendwo zwischen dem aktuellen Postpunk-Geschehen á la Institute und einem satten Rundumschlag der vergangenen Garagepunk-Jahre; insbesondere hat sich das die eine oder andere Scheibe bei UV Race, Ex-Cult, Useless Eaters, Ausmuteants und Sauna Youth abgeschnitten. Nicht zuletzt scheint auch immer wieder ein leiser Hauch von Wire durch. Die Frage wie ich zu letzterem stehe sollte sich eigentlich ja erübrigen.

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Digital Fun – Love / Park Town / What Did He Or She Do? / Tell Her To Look At Me

Zwei digitale Singles von einem Typen aus London. Dessen Lärm irgendwo zwischen Noiserock, Elektro-, Garage- und Post Punk erinnert etwas an eine Variante der ebenfalls aus London stammenden Powerplant, der irgendwer eine kleine Dosis Big Black ins Bier gekippt hat.

Gouge Away – Burnt Sugar

Nachdem mich das erste Album der Band aus Fort Lauderdale, Florida mit seinem recht unspannenden Hardcore alles andere als vom Hocker gehauen hat, bin ich absolut positiv überrascht von der Stärke des Nachfolgers. Das alte Geknüppel haben sie darauf gegen einen Postcore-Sound mit starker Jawbox-Note und noiserockiger Kante eingetauscht. Das steht ihnen auch bei weitem besser und obgleich sie dem alten Genre beim besten Willen keine neuen Tricks beibringen, haben sie eine durchgehend kurzweilige und abwechslungsreiche Platte fabriziert, die einfach jederzeit weiß was sie tut.

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Commander Keen – Dying In The South

Wenn ich mir jede Woche meinen Weg durch das Dickicht an Musikeinreichungen schlage, fühlt sich das meistens mehr nach unbezahlter Arbeit an als nach Spaß. Am Ende lohnt es sich aber doch, wenn mir ab und an eine solche Perle unterkommt wie der zweite Langspieler von Commander Keen aus dem Städtchen Cookeville, Tennessee. Unterschätze nie die Kleinstadtpunks!
Nicht nur sind die Typen nach einem Helden meiner Kindheit benannt, auch in musikalischer Hinsicht liegen wir absolut auf einer Wellenlänge. So viel liebgewonnenes aus der jüngeren wie auch uralten Vergangenheit spült meine Assoziationsmaschine da an die Oberfläche. Beginnend mit dem energischen Postcore von Drive Like Jehu, dem Fuzz Punk von California X oder Happy Diving, Noisepop á la No Age, Playlounge oder den unvermeidlichen Japandroids. Ihre Songs pendeln außerdem zwischen der hymnischen Euphorie etwa von Beach Slang oder Needles//Pins und der Melancholie von Milk Music. Haben die Qualitäten des arschtretend-melodischen Postpunks von Piles oder Die! Die! Die! und gelegentlich scheint sogar eine leise Ahnung von Quicksand oder Leatherface durch.
Das alles wurde hochkompakt in zehn über jeden Zweifel erhabenen Songs verkapselt, deren Gehalt an hartnäckigen Hooks und Melodien weit oberhalb der empfohlenen Tagesdosis liegt. Davon wird mir aber keineswegs schlecht, ich bekomme nur noch mehr Hunger auf einen zweiten Nachtisch. So. Verdammt. Gut.

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