Eine irrsinnig gute Debüt-EP von einer Londoner Band und die Frontsau ist niemand geringeres als Chubby - genau, der Typ von Chubby and the Gang - dessen Gesang hier noch am ehesten an die rustikale Oi!-Ästhetik seiner alten Band erinnern mag, die - obgleich immer noch wie ein subtiles Hintergrundbrummen unterschwellig vorhanden - sich hier deutlich zurückhält zugunsten eines etwas feiner geschliffenen und strahlenden, jedoch keineswegs weniger kräftigen Sounds, der rüberkommt wie eine ultrakompakte Kapsel aus diversen Großartigkeiten der melodischen Punk, Power- und Noise Pop-Welt, von klassischen Hüsker Dü-Vibes über die unmittelbare Catchyness der Noise Popper Terry Malts und den jüngsten Dumpies- und Eye Ball-LPs, bis hin zu der tiefen Melancholie von Leatherface oder (Royal Headache-) Shogun's noch halbwegs aktuellen Projekten Antenna und Finnoguns Wake. Potenter Scheiß, bitte mehr davon!
Die dritte LP dieser Band aus Melbourne hat fünf neue Ausbrüche von Post Punk für uns auf Lager, die ich jetzt nicht unbedingt als sonderlich überraschend oder innovativ beschreiben würde, aber die durchweg die Basics überdurchschnittlich gut auf der Reihe haben, kompetent und schlau konzipiert und ausgeführt sind und eine filigrane Balance halten zwischen kaltem und klinischem, dissonentem Konflikt und ungleich wärmeren, melodischen Auflösungen in ihrem selbstbewussten und unerwartet variablen Songwriting. In verschiedenen Aspekten und Momenten erinnert mich das unter anderem an so Bands wie Girls In Synthesis, Corker, Criminal Code, Rank/Xerox, Negative Space, Shepparton Airplane, Batpiss oder Bench Press.
Das sprüht einfach so von lebhafter, positiver Energie, diese Debüt EP der Spanier Sonic Youth Of Today und wer in den letzten paar Jahren nicht total hinter'm Berg gelebt hat erkennt sicher sofort, dass hier mal wieder der Beta Máximo-Typ am Werk ist und die von ihm schon bekannte Melodieverliebtheit und die Noise-Poppigen Vibes in einen angenehm schrulligen Synth Punk-Kontext verfrachtet, der - zusätzlich zu seinem bisherigen Schaffen - auch starke Echos von so Acts von O-D-EX, Digital Leather, Mind Spiders, Spyroids, Freak Genes oder der jüngsten Emmet O'Connor-LP durchscheinen lässt.
Keine Ahnung was dieses mysteriöse Attribut namens Motorcycle ausmachen soll... ist das wenn man zwei Räder und 'nen Motor hat und Benzin säuft? Wie auch immer, ich kann mit hoher Sicherheit sagen, dass mir Heather The Jerk-Platten besser gefallen wenn sie ordentlich Motorcycle sind als wenn das nicht der Fall ist und die neue EP war da der fehlende Datenpunkt um das abschließend festzustellen. Das sind ein paar wunderbar fuzzversiffte, Bubblegum-infizierte Garage Punk- und Noise Pop-Perlen die für mich ein bisschen nach einer Verquickung von der einzigen relevanten Pop Punk-Band der Welt - Fastbacks natürlich! - und den '80er Noise-/Fuzz Pop-Meisterwerken der frühen The Primitives-Singles klingen und es hilft nicht zuletzt doch auch sehr, dass hier ein absolut makelloses Bündel neuer Songs angetrieben wird von der hartnäckigsten Performance, die wir von Heather The Jerk bislang zu hören bekamen.
Seltsam, dass ich diese offenbar das ganze Jahr über Halloween zelebrierende Band erst mit ihrer letztjährigen Chumpire 247 EP zum ersten mal wahrgenommen hab... nu ja, besser spät als nie würde ich sagen. Der neueste Kurzspieler legt da noch mal ordentlich einen drauf mit einem noch runderen Stapel neuer Songs die irgendwie nach einer ausgesprochen absurden Kreatur aus klassischen Spits, Why Bother?, Trauma Harness, Woolen Men im Power Pop-Modus und vielleicht sogar einem Hauch von Hüsker Dü klingen. Verücktes deformiertes Ding das, aber wunderlicher Weise kann es laufen und sogar singen, unfallfrei und ohne abstützen auf seinen drei ungleich langen Beinen stehen bleiben.
Nu hier ist mal ein bisschen Nachschub an exzellentem Garage-/Synth-/Post Punk-Scheiß der nur tangential Egg-verwandten, aber dennoch ausgesprochen Devo-fizierten und nicht zuletzt auch ordentlich abwechslungsreichen, wandlungsfähigen Art, verschnürt zu einem kompakten und kurzweiligen Sprengsatz der mich an eine bunte Mischung aus Bands wie Checkpoint, Kitchen People, Ghoulies, Fungas, Cherry Cheeks, Ausmuteants, frühe Powerplant, Electric Prawns 2 und Dr. Sure's Unusual Practice denken lässt.