Hinter dem Projekt Hung Toys aus Chicago verbirgt sich ein gewisser Kelly Johnson, seines Zeichens Sänger und Gitarrist der kürzlich aufgelösten Geronimo. So ganz fremd klingt das dann auch nicht. Etwas wie seine alte Band mit weniger Kopf, dafür mit mehr Bauch und Arsch. Das dann mit etwas melodischem Indie-/Punkrock á la Cloud Nothings gekreuzt und auf eine Handvoll kurze, treffsichere Riffattacken reduziert. Die einzigen Betriebsmodi heißen rocken und schreddern. Schön.
Nachschlag der Schrulligen Punks aus Seattle. Die neue Platte setzt nahtlos den Krawall des großartigen 2014er Tapes It’s A Girl fort, wenn auch in musikalisch etwas gezügelteren Bahnen. Definitiv gleich geblieben ist die offensiv humorvolle Herangehensweise an Feminismus, die auch dessen abgewetzte Klischees gnadenlos durch die Mangel dreht. Überhaupt teilen sie in alle Richtungen aus und alle kriegen ihr Fett weg, die auch nur halbwegs in Schlagreichweite kommen. File under: Uterusneid, Best Coast-Bashing, Hygieneverweigerung, Modeschwul.
Derber Post-/Industrial-/Noisepunk aus Calgary, Alberta. Brutal, aber auch ultraeingängig, verbirgt sich unter dem ganzen Dreck eine ungewohnte Melodiösität.
ISS kommen irgendwo aus North Carolina, wegen des ungooglebaren Namens kann ich leider nicht mehr in Erfahrung bringen. Auf jeden Fall haben sie da ein sehr schönes Tape rausgehauen mit schrägem Electro- und Garagepunk.
Deranged Records bringt uns mal wieder eine Punkköstlichkeit von einer Band aus NYC. Flowers Of Evil verschmelzen schnörkellosen Garage- und Postpunk zu einem ordentlich drückenden Rock’n’Roll Monster. Erinnert ein wenig an Teenanger oder Video.
Die Krawallschlägerinnen Hag Face aus Calgary, Alberta waren hier ja auch schon mal vertreten. Ihre zwei Songs auf dieser Splitscheibe sind so derbe und schmerzfrei wie schon von älteren Veröffentlichungen gewohnt. Ebenso gut ist der Song von Babysitter: Vor sich hin schurfender Fuzz- und Noiserock, den die ganze Welt mal am Arsch lecken kann.
Erinnerte die Debüt-EP der Giggly Boys aus New York noch an einen ultra-ungeschliffenen Protomartyr-Verschnitt, nimmt ihr Sound auf ihrem ersten Langspieler deutlich konkretere, ausgefeiltere Formen an. Atmosphärischer Postpunk mit psychedelischen bis verträumten Tendenzen, der einem dennoch jederzeit um die Ohren fliegen könnte. Und zwar genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet.
Wieder mal eine Platte, die hierzulande schwer digital zu bekommen ist; wer das Zeug haben will muss also auf’s Vinyl oder einen US-iTunes-Account (mal selbst nach Anleitungen googeln) zurückgreifen. Jedenfalls kommen Falling Stacks aus Bristol und spielen ausgezeichneten Noiserock/Postcore á la Jawbox und Unwound, vielleicht noch mit einer kleinen Prise Shellac und Jesus Lizard, plus ein wenig 90er Dischord-Schwurbeligkeit.