Jopp. 12XU Radio wird zumindest vorübergehend auf Eis gelegt. Weil es einfach zu viel wird. Aber jetzt mal von Anfang an:
Normal versuche ich, mein Privatleben aus dem Blog raus zu halten. Jetzt mache ich da mal eine Ausnahme um die Lage zu erklären. Ich hab schon seit längerer Zeit mit einer psychischen Erkrankung zu schaffen. Ich will jetzt kein Mitleid dafür, es ist einfach nur wie es ist. Das hat unter anderem zur Folge, dass ich einfach weniger belastbar bin als andere Menschen, extra-viel Schlaf brauche um zu funktionieren, schnell erschöpft bin. An manchen Tagen will mein kaputtes Gehirn auch einfach gar nicht funktionieren, ich kann mich kaum auf etwas fokussieren und brauche gar nicht erst versuchen, irgendwas auf die Reihe zu bekommen. Einen gewöhnlichen Job als Broterwerb kann man gerade auch knicken – ich arbeite derzeit in einer Behindertenwerkstatt für Menschen mit Seelischen Erkrankungen. Da kann ich ohne Leistungsdruck arbeiten, bin nach Feierabend aber dennoch vollkommen ausgepowert.
Eine Zeit lang ging das noch ganz gut, mich nebenbei um’s Blog zu kümmern und die monatliche Radioshow an den Start zu bringen. Mit der Zeit stellte es sich für mich aber als immer schwieriger da, beides zu schaffen. Die Show zu produzieren verschlingt immer ein ganzes Wochenende. Zeit, die mir dann für das Blog fehlt und einen Rückstand erzeugt, den ich erstmal wieder aufholen muss. Abgesehen davon dass manchmal, wie gesagt, mein Denkapparat nicht mitspielt und ich dann viel weniger geschafft bekomme als ich mir vorgenommen hab.
Die Radioshow fühlt sich inzwischen mehr nach Arbeit an als nach Spaß. Die letzten paar Sendungen hab ich nur noch mit großer Mühe und etwas Verspätung fertig bekommen. Eigentlich wäre jetzt wieder Produktion angesagt, aber mir wurde gestern klar, dass das nicht so weiter geht; dass ich mich damit nur kaputter mache als ich es eh schon bin. Daher meine Entscheidung, die Show aufzugeben. Stattdessen hab ich mich auf die Couch gesetzt und nach längerer Zeit mal wieder ’nen Film geschaut, wozu ich heute viel zu selten komme. Hat sich sehr gut angefühlt, einfach mal nichts zu tun.
Daher will ich das auch gar nicht so negativ sehen, sondern freue mich viel mehr auf die gewonnene Zeit, in der ich mal wieder für mich selbst da sein kann. Darauf, dass ich das Blog wieder zuverlässiger und mit weniger Stress machen kann. Ich bedanke mich bei allen die zugehört haben, bei den Sendern die 12XU Radio ausgestrahlt haben und den beiden Syndication-Plattformen Starzz.de und Radiosendungen.com für ihren Einsatz, ein Syndication-Netzwerk für kleine und große (Web-)Radios aufzubauen.
Die Laut.fm-Station wird natürlich weiterhin von mir betreut und wenn’s mich doch noch mal in den Fingern juckt, lade ich vielleicht mal das eine oder andere Mixtape hoch. Und wer weiß, vielleicht werde ich auch die Show zur passenden Zeit wieder reaktivieren. Aber erstmal brauche ich jetzt etwas Luft zum Atmen.
Yay! Drei neue Minuten gepflegte Schrottästhetik vom Synthpunk-Projekt aus Orlando, Florida. Wem die letzte EP schon etwas zu behämmert klang, der wird diese hier erst richtig hassen. Die drei Songs senken nachweislich den IQ des Hörers. Das gute dabei: Einem geschädigten Denkvermögen ist das scheißegal.
Ganz schönen Wind macht die Formation aus Stockholm auf ihrem ersten Langspieler. Der Sound ist irgendwo an den Tellerrändern von Hardcore und Post Punk zu verorten, bringt aber ebenso den Vibe der aktuellen Dark-/Death Punk-Welle mit. Das klingt geringfügig verwandt mit Acrylics, Dauðyflin, Tarantula, The Bug oder den derberen Momenten von Criminal Code. Jede Menge schlechte Laune also. Und schlechte Laune kann man in diesen Tagen ja nie genug haben.
Ein neuer Kurzspieler der Garagepunks aus Melbourne kommt diesmal aus dem guten britischen Hause Drunken Sailor Records zu uns. Darauf wirkt ihr Sound etwas entschlossener als auf ihrem guten, aber leicht orientierungslos wirkendem letzten Album; die groben Koordinaten stimmen aber nach wie vor: Freunde von Uranium Club, Proto Idiot, Sauna Youth und Ausmuteants werden daran einigen Gefallen finden.
Missing Pages sind eine aktuelle Band um Stephen Svacina, der den meisten von euch ja sicher schon mal als Teil von Jonly Bonly und Mind Spiders untergekommen ist. Nach letztgenannter Band klingt ihr kräftiger Mix aus melodischem Punkgedöns, klassischem Indie Rock und Power Pop dann auch ein bisschen, natürlich aber auch nach den anderen zwei Teilen der texanischen Garagen-/Powerpop-Dreieinigkeit, Radioactivity und Marked Men. Außerdem etwas nach Milked, Xetas und Bad Sports. Geht klar!
Der Post- und Synthpunk auf dem ersten Tape von Public Interest aus Oakland gibt sich ziemlich variabel, lässt z.B. mal den kalten Synthwave raushängen, klingt ein anderes mal nach einer elektrifizierten Variante von Diät und nach Useless Eaters im spacigen Abgroovemodus. Oder wie etwa Ausmuteants und Puff vermutlich klingen würden, wenn beide Bands mal irgend etwas mal ernst nähmen.
Nachdem Drool aus Chicago in den letzten zwei bis drei Jahren mit ein paar EPs schon ordentlich Appetit gemacht haben, gibt’s jetzt den ersten Hauptgang auf die Ohren. Nach wie vor haben wir es mit verwinkeltem Post Punk der Sorte Rank Xerox, Marbled Eye, Labor oder Kommissars zu tun, der sich recht strikt an die etablierten Genremuster hält, seine Sache dabei aber auch durchweg kompetent ausführt. Das meiste Wachstum gegenüber den EPs zeigen sie aber immer in den Momenten, wenn sie sich ein bisschen Melodie trauen. Diese Augenblicke sind der Faktor, mit dem sie sich etwas von guten Genrestandard absetzen können und wenn das die Richtung ist in die es jetzt gehen soll, dann darf man echt gespannt sein auf die nachfolgenden Releases.
Geht sofort ins Blut, die Debüt-EP einer Pariser Band, deren Mitglieder sonst in den Besetzungen von Bootchy Temple und Joujou Jaguar anzutreffen sind. Makellosen Powerpop gibt’s darauf zu hören irgendwo zwischen 80er/90er Sarah Records Sound und dem neuseeländischen Flying Nun-Umfeld, der auch aktuell ganz gut mit Bands wie Scupper, Persian Leaps oder Lovebirds zusammen passt.
Noise Rock und Sludge Punk aus Denton, Texas. Klar ist das nichts neues unter der Sonne und einige werden sicher schon mit den Augen rollen wenn ich erwähne, dass die ein bisschen nach der allseits beliebten Oldies-Kapelle Jesus Lizard klingen. Also hier: Die klingen etwas nach Jesus Lizard. Siehste? Schon sind ’se am rollen. Vereinzelt spülen auch die ebenso unvermeidlichen, frühen Shellac an die Oberfläche oder ein Hauch von Slug. Aber ziemlich gut ist das eben auch, bringt beachtlichen Wumms und eine angenehm räudig-rustikale Kante mit.
Erfreuliche Geräusche gibt’s aus der Synthpunk-Ecke zu vermelden. Mal wieder aus Australien, war ja klar. Aber diesmal klingt das so gar nicht nach dem heimischen Ausmuteants-Umfeld, sondern eher nach der verschrobenen LoFi-Ästhetik von US-Bands á la Wonder Bread, Channel 83 oder C57BL/6. Ist gekauft.