Energischen und ordentlich schrägen Punkrock, teilweise auch mit oldschooliger, leicht kalifornisch riechender Hardcorekante, setzt es auf dem Demo der New Yorker Dollhouse. Der geht direkt ins Blut und löst da seltsame Reaktionen aus. Ein bisschen hat das was von ’ner Symbiose aus Piss Test und Launcher.
Die knapp drei Jahre alte erste EP der Band aus Grand Rapids, Michigan gefiel mir zwar schon ausgesprochen gut, aber auf der neuen LP via Neck Chop fügt sich alles nochmal viel schlüssiger ineinander, ist die Vision deutlich schärfer und das Songmaterial ausgereifter in ihrem betrüblichen Sound aus Goth-lastigem Post- und Synthpunk.
Zwei weitere, endlos Arschversohlende Hard-/Postcore-Attacken mit gar nicht so subtilem Garagenvibe irgendwo im Spannungsfeld etwa von Anxiety, Acrylics und einem Hauch von Bad Breeding treffen auch auf dem aktuellen Kurzspieler der Band aus Los Angeles ohne überflüssiges Rumgeeiere voll ins Schwarze.
Was mir auf der Debüt-LP von Philary aus Nashville, Tennessee entgegen quillt würde ich mal als… unerwartet bezeichnen. Es handelt sich um ein Projekt von Alex Molini, der ansonsten bei Stove und seit geraumer Zeit auch bei Pile mit am Werk ist. Da liegt es schon nahe, Philary in dieser speziellen Nische des Indierock einzuordnen, welchem der Lärm noch genau so eine Herzensangelegenheit ist wie die Melodien; die derzeit zu gefühlten fünfzig Prozent vom New Yorker Genre-Bollwerk Exploding In Sound Records noch am Leben erhalten wird – es ist also kein bisschen verwunderlich, dass auch diese Platte mal wieder in besagtem Hause erschienen ist. Man darf sich zum Beispiel an Bands wie die bereits erwähnten Pile, an Dead Soft, frühe Ovlov, Geronimo oder deren Quasi-Folgeprojekte Milked und Hung Toys erinnert sehen. Aber das ist auch nur der allererste Eindruck. Denn Philary gehen Soundmäßig so einige Tacken derber zur Sache, vermischen die erwähnten Tendenzen mit einer dicken Schicht aus Noise und tonnenschwerem Sludge. Da kann man in den etwas psychedelisch geprägten Momenten, wie etwa in The Littlest Mole, Vergleiche zu Fir Cone Children ziehen, die sich – wenn aus einem etwas anderen Genre-Blickwinkel – einem durchaus verwandt klingenden Ansatz von verspielter, zuckersüßer Melodiösität und dichtem Noisegewitter annähern.
Mit Inbrunst heraus gekeifter, dummer wie unterhaltsamer Garage- und Fuzzpunk mit rhythmischem Antrieb aus dem Sample-Restpostenverkauf. Da kann man natürlich kaum genug von haben, aber besonders wer Acts wie S.B.F., Kid Chrome oder Race Car was abgewinnen kann wird hier dran sicher auch Gefallen finden.
Einiges hat sich soundmäßig gedreht seit dem knapp zwei Jahre alten Debütalbum von Bench Press aus Melbourne. Die Postcore- und Noise Rock-Elemente halten sich auf dem inzwischen erhältlichen Nachfolger weitgehend im Hintergrund versteckt und machen Platz für ein deutlich entspannteres Klangerlebnis zwischen kontemporärem Indierock und Post Punk. Das erinnert immer wieder an Bands wie Bike Thiefs und ältere Gotobeds. Oder es kann auch vereinzelt mal so klingen als träfen – um dann doch noch einmal die Dischord-Keule zu bemühen – Embrace oder die späte, deutlich verspieltere Phase von Fugazi auf schrammeligen Indierock á la The Wedding Present.
Neues Album der Hamburger Formation, die irgendwann auch mal unter dem Namen Alpha Waves firmierte. Ihr viertes bereits, wenn ich mich nicht irre. Und wie gehabt können sie darauf mit ihrem absolut stilsicherern Post Punk von starker Goth- und Deathrock-Prägung überzeugen, der sich diesmal in einem verhältnismäßig luftigen, produktionsmäßig entschlackten Klanggewand präsentiert und sich auch musikalisch ein paar vorsichtige Zentimeter weiter über den Tellerand der eigenen Subgenre-Nische hinaus wagt als bisher. Beides steht ihnen gut.
Eine ganz schön ungemütliche Geräuschkulisse fabriziert dieses Trio aus Montreal. Wecken die ersten Klänge ihrer Debüt-LP noch starke Assoziationen zu Noisepunks á la Soupcans und No Wave-beeinflussten Acts wie Flesh Narc, wird aber bald darauf klar wer hier am ehesten Pate gestanden haben dürfte: Das riecht doch stark nach Sonic Youth in ihrer wohl radikalsten Phase – nämlich die ihrer brachialen quasi-Trilogie bestehend aus den Alben Confusion Is Sex, Bad Moon Rising und Evol – aber irgendwie auch nur die derbsten tendenzen daraus. Dennoch verbirgt sich hinter dem dichten Hagel aus Distortion so einiges an Melodie, man muss nur richtig zuhören. Nicht neu, das. Aber ausgesprochen erfrischend, weil man’s in einer derart kompromisslosen Packung schon lange nicht mehr zu hören bekam.
Booji Boys haben mal wieder eine neue LP auf dem zuverlässigen britischen Qualitätslabel Drunken Sailor Records draußen. Vinylbevorzuger müssen sich noch bis zum späten August gedulden, digital ist das gute Teil aber jetzt schon zu bekommen. Erneut in diesem perfekt fuzzy charmant schreddernden LoFi-Sound festgehalten, wie er sich für diese Band ja schon in der Vergangenheit bestens bewährt hat, bleibt des weiteren nur zu sagen dass die Band aus Halifax, Kanada nach wie vor zur absoluten Schaumkrone des gepflegt schnörkellosen Lärms zwischen Powerpop, Garage- und Fuzzpunk gehört.
Die letzte EP der Band aus Toronto versprach ja schon einiges, ihr kürzlich erschienener erster Langspieler weiß mich aber noch deutlich besser zu überzeugen mit einem wunderbar chaotischen Lärm aus Postcore und -punk mit geschmackvollem Synth-Zusatz, der nicht allzu ernst genommen werden will und den man ganz gut als eine Verschmelzung aus aktuellen Acts wie etwa Spotting mit auf 45 gedrehten Man Sized Action bezeichnen könnte.