Blazar – Reach Out

Es ist gerade mal ein Jahrzehnt her, da hatte ich Hardcorepunk eigentlich längst abgeschrieben und wollte mit nix mehr mit irgendwas zu schaffen haben, was da jenseits der frühen Jahre passiert ist. Deshalb finde ich es so bemerkenswert, was für eine derbe Rehabilitation gewisse Teile des Genrekomplexes zumindest in meinem Empfinden geleistet haben. Vielleicht liegt es aber auch nur an mir und ich wusste einfach nicht besser, wo vor den 2010ern der weniger miefige Wind wehte. Nun ja, jedenfalls brodelt das Zeug ja schon ein paar Jahre äußerst Positiv vor sich hin, aber 2019 kann ich wohl endgültig im Kalender markieren als das Jahr, in dem Hardcore wieder richtig Spaß macht. Erzählt aber gewissen Teilen der Szene nichts davon. Sonst kommen die… ihr wisst schon, diese schlecht ausgelasteten Türsteher/Polizisten/Spaßbremsen und wollen wieder ihre unentspannten Ausdruckstänze, Rhythmische Sportgymnastik und Balzrituale Inszenieren. Dann brauchen wir als nächstes eine neue Emowelle, um die wieder los zu werden. Bevor das passiert, würde ich gerne noch etwas Spaß an der Musik haben. Obwohl das Emodings natürlich auch mal ein überfälliger Kandidat wäre, den Gestank der letzten zweieinhalb Jahrzehnte abzuschütteln. Oh, und es ging hier eigentlich ja um eine EP von Blazar. Die ist ziemlich gut, tut sie euch rein. Hat in der aktuellen Landschaft etwas von Bootlicker und Hate Preachers.

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Rinse – Extended Play

Schöner Lärm aus Los Angeles, der zur einen Hälfte aus – sehr naheliegend – nach alter kalifornischer Schule klingendem Punk- und Hardcoregedöns, zur anderen aus eher kontemporär anmutendem Garage Punk besteht. Damit bewegen sich Rinse unter anderem in der Nähe von Bands wie Fried Egg, Lumpy & The Dumpers, Mystic Inane oder Bedwetters Anonymous.

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Emergency Contact – Population Control / The Ladder / Proletariat

Jau, die Band aus Seattle hat auch schon wieder eine neue EP rausgehauen. Bereits die dritte innerhalb von gerade mal vier Wochen – noch eine davon und wir kratzen daraus ein Album zusammen. Ich schlucke aber auch noch bereitwillig die nächsten vier bis fünf Kurzspieler, auf die wir sicher nicht lange warten müssen. Ihr quirliger Post Punk mit leichtem Wave- und Garagenzusatz zeigt nämlich bislang noch keinerlei Ermüdungserscheinungen.

Match Factory – Naive Memories

Sympathisch abgehangener Garagepunk aus Vancouver, manchmal nicht unähnlich einer relaxteren Version ihrer Stadtnachbarn Dumb. Außerdem kann man Gemeinsamkeiten mit Sauna Youth, Neutrals, Mini Skirt finden. Dazu eine ausgeprägt powerpopige Note, die etwa Vaguess, Datenight oder Regular Boys nicht allzu fern steht.

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Gamma World – Demo

Ich glaub mich tritt was, hab ich gedacht: diese Stimme kenn ich doch! Und in der Tat handelt es sich um das unverkennbare Gesangsorgen und das Wipers-infizierte Gitarrengeschrubbe von Jeff Kleinman, dessen altes Vehikel Nervosas bei mir in vergangenen Jahren bereits mehrfach bleibenden Eindruck hinterlassen hat – eine Band, die viel mehr Beachtung verdient hätte.

Nun ja, Nervosas sind wohl schon länger nicht mehr, dafür jetzt also Gamma World. Ein bisschen zugänglicher und im gemäßigteren Tempo gibt sich deren Sound, hat dafür ein paar Noise-Stacheln und eine leichte Garagenkante dazu gewonnen. Wegen letzterer Eigenschaften – in Verbindung mit den elektrischen Drums – schlägt das gelegentlich etwas in Richtung Big Black (nämlich in Mastiff), deutlich öfter aber gegen S.B.F. aus. Auch die gewohnte Wipers-Tendenz ist nach wie vor an Bord und das Songmaterial trägt weiterhin Kleinmans vertraute, natürlich exzellente Handschrift. Ein würdiger Nachfolger für eine mächtige Band. Hoffentlich gibt’s da bald ’nen Langspieler von.

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Fuckin‘ Lovers – City Hippies

Ein einziges Fest in einer knietiefen Pfütze aus Distortion ist das zweite Tape von Fuckin‘ Lovers aus Philadelphia. Irgendwo zwischen Isländischer Noisecore-Schule (Roht, Dauðyflin), diversen amerikanischen Unfällen (Soupcans, Vulture Shit, Gumming) und ein wenig berliner Wahnsinn (Stinkhole), werden hier nur die besten Rohstoffe verarbeitet.

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Hobocop – Hungry Freak In The Data Mine

Die Band aus Oakland hat mal schlappe fünf Jahre gebraucht nach ihrer Debüt-EP auf Slovenly Recordings, um einen Nachfolger an den Start zu bringen. Der ist dafür aber absolut brilliant geraten und desorientiert erneut mit einem wundervoll schrägen Klangbild in dem z.B. exzentrischer Garagenkrempel á la Wireheads und UV Race mit dieser leicht spröden Sorte von Art Rock zusammenfließt, wie man ihn derzeit vornehmlich aus der DIY-Szene von Portland und deren Bands wie Honey Bucket und Shop Regulars vernimmt. Dazu kommen dann noch psychedelische Vibes – etwa so Pink Flag in einem Müllcontainer aufgenommen – und noch weitere britische Altlasten auf der Schwelle von Art- und Post Punk drücken hier regelmäßig auf die Klingel. Swell Maps fallen mir da ein, außerdem The Fall und Membranes – jeweils in ihren frühen Jahren. Und lange hab ich keine Platte mehr gehört, die derart effektiven und bewussten Gebrauch von ihrer charmanten LoFi-Ästhetik macht.

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Clang! – Whac-A-Mole

Ein saumäßig starkes Debütalbum haben Clang aus Tampa, Florida hiermit abgeliefert, das mit einer zeitlosen Spielart von Noise- und Math Rock, Postcore und -punk inklusive markantem Saxofoneinsatz zu begeistern versteht. Im Gesamteindruck klingt das Resultat etwa so, als hätte man diverse Vertreter der aktuellen Postpunk-Generation mit Pionieren aus den Achtzigern wie Nomeansno, Tragic Mulatto und Flipper gekreuzt.

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Paranoias – Demo

Sechs robust abgefuzzte, so schnörkel- wie auch tadellos nach vorne gehende Garagepunk-Powertools mit reichlich Reserven im Antrieb und saftigem 77er Nachbrenner kommen auf diesem exzellenten Demo der Paranoias aus Perth zu Gehör. Hat was von Amyl and the Sniffers mit mehr Schmackes und deutlicherem Garagenfaktor.

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CDR – Kill Your Mind And Your Ass Will Follow

Vier ultra-oldschoolige Hardcore-Blasts einer Band aus Washington D.C., die einerseits ganz offensichtlich die lokale Punkfolklore in Ehren halten, denen paradoxer Weise aber ebenso ein paar Früh-80er kalifornische Sonnenstrahlen aus dem Arsch scheinen.

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