LÀZ – Lassan Átjáró Zavar

Wie ihr vielleicht schon mal festgestellt habt, habe ich eine ungesunde Gewohnheit ziemlich viele Bands mit Saccharine Trust zu vergleichen, von denen einige vermutlich noch nie Saccharine Trust gehört haben. Nun, hier ist zur Abwechslung mal eine Band, die jenen Einfluss von sich aus in der Bandcamp-Bio in den Raum wirft, erfrischend! Die Musik der Ungarn hält dann auch alles, was sie verspricht auf ihrer Debüt-LP, der auch ein bisschen von einem Anarcho-Geist innewohnt und reichlich Drive Like Jehu-Energie obendrein, ein Hauch von Big Black in Általános Életkrízis Magyarországon und auch glitzernde ’80er Sonic Youth Gitarrentexturen ziehen sich hier durch alles. Desweiteren mag man Vergleiche ziehen zu jüngeren Post Punk-Phänomenen wie Straw Man Army, Marbled Eye, Institute oder Corker und das beste dabei ist, dass ihr Sound sich dabei auf reichlich musikalische Substanz stützen kann, ihre Kompositionen rüttelfest verschweißt sind mit den Mitteln von smartem und belastbarem Songhandwerk.

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Winston Hytwrs Perfect Harmony – Perfect Harmony

Was für eine mühelos arschtretende Angelegenheit, das neue Tape von Winston Hightower und seiner halbwegs neuen Crew, das vier neue Songs mit den Tunes von der 2023er Debüt-EP kombiniert. Im gleichen Maße abgedreht und antriebsstark, decken diese Songs ein ordentliches Spektrum von Fuzz-verseuchtem Lärm ab, das sich zwischen den Eckpunkten von exzentrischem Garage Punk á la UV Race, Tyvek oder Shark Toys, 2010er (Proto-)Eggpunk-Acts wie Hobocop, frühen Skull Cult und nicht zuletzt jüngeren Risiken der Sorte Print Head, Erik Nervous oder auch der neuesten Billiam 7″ erstreckt. Oder anders ausgedrückt, der Scheiß fluppt!

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Billiam – The Letter W & The Numeral B

…uuund hier ist die gefühlt hundertste, gewohnt arschtretende Billiam EP und weiß erneut abzuliefern im Dienste des schrullig-eierigen Garage Punk mit vier neuen Songs, die eine gute Balance halten zwischen einem angenehm vertrauten Sound und einer Reihe von schrägen Ideen und unerwarteten Abstechern. Für mich stechen hier besonders die pulsierenden Post Punk-Grooves von Planned Obsolescence heraus, aber auch New Wave ist eine echte Abrissbirne. Essential Feedstock Oils fühlt sich ein bisschen an wie ein willkommener Throwback zu dem ganz frühen Schaffen des Australiers und es ist nicht weniger vergnüglich, wenn er hier Robbie Thunders‘ 2023er Instant-Klassiker Houston We Have Rock mit einer angemessen rustikalen Coverversion Tribut zollt.

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No Peeling – No Peeling

Ausgezeichneter neuer Scheiß, die Debüt-EP dieser Band aus Nottingham, deren Style sich hier im ständigen Fluss befindet und sich schwer auf eine Kategorie festnageln lässt, auch wenn die einzelnen Bestandteile reichlich etabliert sind. Die offensichtlichsten davon sind so Eggpunk-relevante Exzentriker wie Snooper, frühe Skull Cult, Busted Head Racket, Clarko einerseits, aber auch die ungleich roheren Schrägheiten von Warp, Beef oder Scud und nicht zuletzt nähert sich das ganze mehr als nur einmal dem total entgleisten Eklektizismus von Pressure Pin, Checkpoint oder TY an.

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Mitraille – EP IV

Nichts wirklich neues gibt es zu berichten über die jüngste EP der belgischen Garage Punks. Hier bleiben sie weitgehend ihren Basics treu, was aber auch bedeutet dass es keine negativen Überraschungen gibt wenn sie tun was sie am besten können und absolut treffsicher eine simple aber unverschämt wuchtige Garage-Detonation nach der anderen aus dem Ärmel schütteln, die mich dazu veranlasst einen satanischen Kult zu gründen oder einen Hund zu streicheln oder einen Hippie anzuzünden oder auf Tour zu gehen weil fuck you! Okay, klingt schlüssig, bin dabei.

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God’s Hand – Remodelled / Gift Of Flowers

Nu das ist ja mal echt ein entzückender Erstling von den Iowa City Punks God’s Hand und ehrlich gesagt ist es mir unbegreiflich wie ich diese 7″ zuerst verpasst habe als sie bereits im Mai dieses Jahres veröffentlicht wurde. Die A-Seite Remodelled fühlt sich fast an wie eine Verschmelzung von so Folk-beeinflussten Post Punk-Acts wie Volcano Suns, Angst, Fire Party oder Sebadoh und vielleicht auch einer Messerspitze Strike Under, mit dem vergleichsweise neuzeitlichen Frühwerk der Woolen Men. Gift Of Flowers bestätigt den Trend, altes mit neuem zu Verbinden und diesmal fühlt es sich an wie eine Fusion des Post Punk und Proto-Postcore von Minutemen, Saccharine Trust, Mission Of Burma und Really Red mit der kontemporären Welle des unterschiedlich stark Anarcho-beeinflussten Post Punk von Bands wie Marbled Eye, Institute, Corker, Sarcasm, Tube Alloys oder Warm Red.

Fog – Spring

Hier sind wir offenbar schon zweieinhalb Veröffentlichungen tief in der Discographe von den Neuseeländern Fog, aber ein flüchtiger Blick über ihre vorherige LP/EP offenbart sofort ein substantielles Wachstum auf ihrer neuesten EP. Auch wenn ihre Grundzutaten aus gegenwärtigem Post Punk und einer Spur von Anarcho nichts nennenswert neues einbringen und mit recht zu so Bands wie frühen Institute, Pyrex, Corker, Nag oder Criminal Code verglichen werden dürfen, lässt es sich ebenfalls nicht abstreiten dass diese Songs ausnahmslos Meisterhaft gefertigte Explosionen des unterbelichteten, körnigen Lärms sind, durchweg ausbalanciert mit melodischen Lichtblitzen – alle beweglichen Teile fühlen sich hier gezielter und souveräner arrangiert an als alles, was zuvor von der Band kam.

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Fan Club – Stimulation

Seit Lysol sich in Fan Club umbenannt haben ging damit soweit auch ein ungleich geradliniger Garage Punk-Sound einher, der bei mir nie so richtig zu zünden vermochte, immer etwas zu basic, zu nah an traditionellem Dad Rock-Gewäsch. Jetzt fühlt sich die neueste EP aber plötzlich wieder so an als würde die Uhr auf ca. 2021 zurückgedreht, so grob auf dem kreativen Höhepunkt ihrer Hard-/Garagecore-Ära und ich könnte kaum glücklicher darüber sein. Denn mal ganz im ernst, wenn es eine Sache gibt für die ich mich in 2025 gar nicht mehr erwärmen kann, dann das ist es noch so eine blutleere The Hyves-mäßige Garage „Revival Rock“-Platte. Der Krempel schmeckte schon nur wenige Jahre post-Y2K ziemlich fade und heutzutage hab ich für die Masche echt keine Geduld mehr übrig.

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Dick Move – Fuck It

Dream, Believe, Achieve erscheint am 14. November auf 1:12 Records.

Home Front – Light Sleeper

Watch It Die erscheint am 14. November auf La Vida Es Un Mus Discos.